In wenigen Wochen jährt sich zum 19. Mal jene Nacht, in der die Mauer fiel und der Kalte Krieg zu Ende ging. Die USA standen in den Jahren danach allein auf dem Gipfel globaler Macht. Ein neues, amerikanisches Jahrhundert zeichnete sich damals ab, bestimmt und gestaltet allein von der Weltmacht USA.

Heute, nur 19 Jahre später, sind wir Zeugen des Niedergangs amerikanischer Macht. Dieser Niedergang lässt sich im Wesentlichen auf eine Mischung aus Hochmut und Blindheit der handelnden Akteure in den USA zurückführen.

Als einstweiliger Höhepunkt dieses Machtzerfalls erweist sich gegenwärtig die schwere Krise des amerikanischen Finanzsystems, die sich in ihrem Ausmaß nur noch mit der Weltwirtschaftskrise von 1929 vergleichen lässt.

Staat und Bürger der USA lebten seit längerer Zeit schon auf Pump, angetrieben von einer Politik des billigen Geldes seitens der Zentralbank. Irgendwann musste die Anpassung an die harte ökonomische Realität jedoch kommen.

Zudem war mittels sogenannter "neuer Finanzinstrumente" eine Schattenwirtschaft im Banken- und Finanzsystem geschaffen worden, welche die existierenden Kontrollen und gesetzlichen Beschränkungen erfolgreich außer Kraft setzte. Die Märkte hatten sich verselbstständigt und die ungezügelte Herrschaft der Gier erwies sich, nicht zum ersten Mal in der Geschichte des Kapitalismus, als ein Programm zur Selbstzerstörung.