Entführung in Ägypten Verschollen im großen Sandmeer
Unbekannte haben eine Reisegruppe mit fünf deutschen Touristen verschleppt und fordern nun Lösegeld. Die Sicherheitskräfte waren darauf nicht vorbereitet

© KHALED DESOUKI/AFP/Getty Images
Touristen fotografieren ihre Schatten im Tempel von Abu Simbel, südlich von Assuan. In dieser Gegend wurde die Reisegruppe mit den fünf Deutschen entführt
Vermutlich ist die Verschleppung der Touristen in Ägypten so ähnlich abgelaufen: Mit Geländewagen fahren die Besucher durch die flirrende Hitze. Plötzlich stellen sich ihnen vermummte, bewaffnete Männer in den Weg. Weder die Fahrer der vier Autos noch der von den Sicherheitskräften abgestellte bewaffnete "Begleiter", der während der Wüstentour durch Oberägypten für die Sicherheit der Ausländer sorgen sollte, können etwas ausrichten.
Die Entführer haben ihren Opfern in einer der einsamsten Regionen Ägyptens aufgelauert. Nur wenige Touristen verirren sich in den Südwestzipfel des Landes, wo es weder Pyramiden noch Pharaonengräber zu besichtigen gibt. Im Süden liegt die sudanesische Grenze, im Westen Libyen, und rundherum ist nur Sand. Abgesehen von ein paar Felszeichnungen kann man hier nur die Schönheit der Natur bestaunen.
Die ägyptischen Sicherheitskräfte trifft diese Entführung völlig unvorbereitet. Denn ihre Strategie zielte bisher darauf ab, Terroranschläge von Al-Qaida-Sympathisanten auf Touristenhotels am Roten Meer und an den großen Sehenswürdigkeiten in Kairo zu verhindern. Auch auf militante Islamisten, die entlang des Nils auf Touristen schießen oder auf dem Sinai israelische Urlauber entführen könnten, waren sie vorbereitet. Nicht aber auf eine Entführung mitten in der Wüste.
"Hier stehen doch überall Polizisten, ich kann mir gar nicht vorstellen, wie es hier jemand wagen kann, Ausländer zu kidnappen", wundert sich ein mexikanischer Tourist in der oberägyptischen Stadt Assuan, nachdem er die Nachricht von der Entführung gehört hat.
Dass Kriminelle es wagen würden, mitten in der Sahara Urlauber zu verschleppen, um dann anschließend Lösegeldforderungen zu stellen, damit hatte die ägyptische Polizei nicht gerechnet. Denn in Oberägypten wird jeder Reisebus und jeder Geländewagen mit Ausländern an den zahlreichen Straßensperren kontrolliert und registriert.
Wer als Ausländer mit seinem Privatfahrzeug unterwegs ist, bekommt meistens, ob er will oder nicht, einen Wagen mit bewaffneten Polizisten als Begleitung zugeteilt. In anderen nordafrikanischen Staaten hatte es schon mehrfach Entführungsfälle gegeben - sowohl von Extremisten als auch von Lösegelderpressern.
- Datum 22.09.2008 - 18:02 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
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Nächstes Urlaubsziel dieser Reisegruppe: Afghanistan. Vielleicht aber auch: Afghanistan.
Verschollen im Sand oder in der Dummheit. Man weiß es einfach nicht...
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