Amoklauf „Ich hasse die Menschen“
Der Täter von Kauhajoki war ein unauffälliger Mensch. Doch im Internet demonstrierte er Macht und Überlegenheit.

© AFP/Getty Images
Der Täter in einem seiner Videos: Mit der Pistole zielte er auf die Kamera
Nur wenige Minuten nach dem Amoklauf schrieb ein Freund dem Täter im Internet: „Schießt du in deiner Schule?“ Der 22-jährige Amokläufer hatte seine Tat in mehreren Online-Portalen angekündigt – doch diese Erkenntnis kam zu spät. Zehn Menschen tötete der Berufsschüler, anschließend richtete er die Waffe auf sich selbst und schoss. Mehrere Stunden später verstarb er im Krankenhaus der Stadt Tampere.
Wie die Polizei mitteilte, wurden bei einer Durchsuchung der Wohnung des Täters mehrere Abschiedsnotizen gefunden. Aus diesen geht hervor, dass dieser bereits vor sechs Jahren mit der Planung der Tat begonnen hatte. Außerdem schreibt er: „Ich hasse und verabscheue die Menschen und die Gesellschaft. Ich habe mir immer gewünscht, möglichst viele Menschen zu ermorden.“ Die Zeitung Iltalehti berichtet, der Täter habe in seinem Profil auf der Videoplattform YouTube Computer, Waffen, Sex und Bier als Hobbys angegeben. Er sei zudem ein Fan von Horrorfilmen und der Musikrichtung Heavy Metal.
Bereits im August dieses Jahres veröffentlichte der Täter unter dem Pseudonym „Wumpscut86“ Bildmaterial in der Foto-Community IRC Galleria . Zu sehen ist er selbst mit seiner Pistole. Darunter Texte wie „pity for the majority?“ (Mitleid für die Mehrheit?) oder „Wumpscut on its way to hell!“ (Wumpscut auf seinem Weg zur Hölle!). „Wumpscut“ ist der Künstlername eines deutschen Elektro-Musikers, dessen Liedtext sich im YouTube -Profil des Täters fand. Darin heißt es unter anderem in englischer Sprache: „Und plötzlich war Krieg/ mit Zerstörung und Tod/ und du kämpfst allein.“
Anfang September dann stellte der Täter Videos online, auf denen er bei Schießübungen zu sehen ist. Dabei zielt er auf die Kamera und sagt: „You will die next!“ (Du stirbst/ Ihr sterbt als Nächstes!) Die Kleidung, die er dabei trägt, erinnert stark an das Auftreten des 18-Jährigen, der im November 2007 nahe der finnischen Kleinstadt Jokela Amok gelaufen war. Auch der Pistolentyp, eine Walther P22, ist identisch. Wie der Fernsehsender MTV3 berichtet, kauften beide Täter ihre Waffen sogar im selben Geschäft.
Die Polizei erhielt bereits am Freitag einen Hinweis auf die YouTube -Videos. Zu einem Gespräch mit dem Täter kam es jedoch erst am Montag. Der diensthabende Polizeibeamte sah nach der Vernehmung jedoch keine rechtliche Handhabe, die Pistole oder den Waffenschein des jungen Mannes einzuziehen. Wie die Zeitung Helsingin Sanomat berichtet, schoss der Täter direkt nach diesem Gespräch weitere Fotos, auf denen er mit seiner Waffe droht. Am Morgen des Amoklaufs schnürte er ein ganzes Datenpaket mit Bilder und Videos und stellte dieses noch vor 6:30 Uhr online. Nutzer der IRC Galleria fanden einen entsprechenden Link jedoch erst, als sich die Tat schon ereignet hatte.
Auch im persönlichen Umfeld des Täters bemerkte niemand, welche Gewaltbereitschaft er entwickelte. „Er war ein ruhiger Mensch“, sagt ein junger Berufsschüler. Und eine Nachbarin meint: „Er war wie jeder von uns. Ruhig, aber kein bisschen isoliert.“ Alleine sein wollte er nicht: In der Partnerbörse der Internetplattform suomi24 veröffentlichte der Täter eine Kontaktanzeige. Sein ehemaliger Lehrer Markku Nurmesniemi sagte dem Sender MTV3: „Ich habe lange gebraucht, bis ich bereit war, das Geschehene zu realisieren. Wenn er irgendwelche Probleme gehabt hätte, wäre uns das aufgefallen.“ Der junge Mann sei ein guter Schüler gewesen, so Nurmesniemi, er habe sogar an einem Austausch in Ungarn teilgenommen.
Die Erstellung eines genauen Täterprofils wird die Psychologin Helinä Häkkänen übernehmen. Sie hatte bereits die Persönlichkeit des Täters von Jokela, Pekka Eric A., untersucht. „Die meisten Amokläufer sind tief enttäuscht von sich selbst, von den Menschen um sie herum und von der Gesellschaft“, sagte Häkkänen der Agentur STT. „Sie vereint der Glaube an die eigene Überlegenheit, den sie durch das Internet häufig noch verstärken.“
Und Hauptkommissar Tero Haapala kündigte an, dass das persönliche Umfeld des Täters noch näher untersucht werde: „Die Familie, die Schule und Gruppierungen, in denen er verkehrte, werden wir mit einbeziehen.“ Die Erstellung des Täterprofils wird in einigen Wochen beginnen und etwa einen Monat dauern. Danach werden möglicherweise Antworten auf die Frage gefunden sein, was den Schüler zu seiner Bluttat bewegte.
- Datum 25.09.2008 - 10:31 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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wegen mangelnder religiöser Schulung? Ich frage mich manchmal, ob nicht dies der Grund vieler junger Männer sein könnte, die soetwas tun bzw. denken. Auch hier dazu nochmal die Gedanken von Alexander Mitscherlich, der er in seiner Dankesrede zur Verleihung des Friedenspreises des dt. Buchhandels 1969 in Frankfurt hielt:
Die Feindseligkeit des Menschen kann mit Hilfe der Analyse ihrer Motive gedämpft werden. Wir bedürfen der konstruktiven Seiten, der sublimierten Formen der Aggression (…). Aggression ist eine Grundmacht des Lebens."
Das muss offenbar eingeübt werden, hart trainiert werden. Nicht jeder kann das so einfach.
Es ist m.E. aber höchst fraglich, ob dies so wirklich geht, ob man die Aggression quasi völlig umleiten kann. Die Religion, gerade die christliche, zeigt mit ihrer Endzeit-Vision bzw. Ansage ja, nur, dass es diese, solche Gedanken und Gefühle schon gibt, und wie man diese am besten, also unter Beachtung des ethischen Imperativs - gesellschaftlich (mittlerweile bzw. seit über einem Jahrtausend) in diesen Breiten voll anerkannt - ausleben kann - nämlich in Form der Propagierung des Weltuntergangs - ohne aber eben dass hier ein Mensch einen anderen richten kann. Dies kann nur das kollektive Gewissen tun - und man selbst hat eben auch negative Seiten, die von diesem verurteilt werden. Ich kann mir gut vorstellen, dass solche klaren Gedanken und Botschaften großen Teilen der Jugend helfen könnten, mit diesem Leben (besser) zurecht zu kommen. Es zeigt dies, dass wir letztendlich alle Verlierer sind, dass es keine End-Gewinner geben wird und kann. So kann einem die eigene mehr oder weniger große Ohnmacht erträglich werden - wenn alle, oder die Mehrheit, oder "die" öffentliche Meinung, so denken (wie dies im Mittelalter ja noch der Fall war). Wirklich konstruktiv ist dies zwar nicht so recht - aber eben auch nicht destruktiv! Wer den Eindruck erweckt, dass es große (End-)Sieger geben kann und wird, der muss sich nicht wundern, dass vermeintlich große Verlierer hin und wieder die Beherrschung verlieren.
nicht: das Wissen um irgendeine Religion.
was fehlt, ist: Demut vor dem (menschlichen) Leben, Mitleid und Mitgefühl, in vielen Fällen auch (min.) ein Mensch, der bedingungslos liebt.
Zudem ist es nötig, dass WIR Menschen neue Erfahrungen ermöglichen, wenn WIR merken, (s)ein Leben besteht nur aus "Computer, Waffen, Sex und Bier ... Horrorfilmen und der Musikrichtung Heavy Metal."
Und: haben nicht schon immer große und kleine Verlierer die Beherrschung verloren?
Wenn Du etwas wissen willst, frag keinen Gelehrten, sondern einen Erfahrenen!
nicht: das Wissen um irgendeine Religion.
was fehlt, ist: Demut vor dem (menschlichen) Leben, Mitleid und Mitgefühl, in vielen Fällen auch (min.) ein Mensch, der bedingungslos liebt.
Zudem ist es nötig, dass WIR Menschen neue Erfahrungen ermöglichen, wenn WIR merken, (s)ein Leben besteht nur aus "Computer, Waffen, Sex und Bier ... Horrorfilmen und der Musikrichtung Heavy Metal."
Und: haben nicht schon immer große und kleine Verlierer die Beherrschung verloren?
Wenn Du etwas wissen willst, frag keinen Gelehrten, sondern einen Erfahrenen!
nicht: das Wissen um irgendeine Religion.
was fehlt, ist: Demut vor dem (menschlichen) Leben, Mitleid und Mitgefühl, in vielen Fällen auch (min.) ein Mensch, der bedingungslos liebt.
Zudem ist es nötig, dass WIR Menschen neue Erfahrungen ermöglichen, wenn WIR merken, (s)ein Leben besteht nur aus "Computer, Waffen, Sex und Bier ... Horrorfilmen und der Musikrichtung Heavy Metal."
Und: haben nicht schon immer große und kleine Verlierer die Beherrschung verloren?
Wenn Du etwas wissen willst, frag keinen Gelehrten, sondern einen Erfahrenen!
Ich möchte keinesfalls die Schwere und Bedenklichkeit dieser Tat bezweifeln, aber gerade in solchen Zusammenhängen stört ich immer wieder die Art und Weise der Erklärungssuche. Genau deshalb muss ich doch einmal nachfragen, nachdem es nicht nur im Artikel selbst, sondern auch in einem Kommentar aufgegriffen wird: Versucht man sich mit diesen wahllos aufgegriffenen Fakten schon wieder an der Ursachenfindung?
... der Täter habe ... Computer, Waffen, Sex und Bier als Hobbys angegeben. Er sei zudem ein Fan von Horrorfilmen und der Musikrichtung Heavy Metal.
Ich frage mich, wie man es sich erlauben kann, auch nur den Anschein zu erwecken, dass solche Begleitumstände mehr als nur eben jene sind. Was außer den Waffen ist denn an den Hobbies auszusetzen? Und was sagen die spontan bei der Youtube-Anmeldung eingetippten Hobbys überhaupt aus?
Ich kann es zum Teil verstehen, dass man angesichts einer solchen Tat ohnmächtig nach Erklärungen sucht, aber es ist doch bezeichnend, dass hier wieder den Horrofilmen (über die gerade eine sehr gute Dokumentation veröffentlicht wurde) und der ach so schlechten Musik die Schuld zugeschrieben wird. Ist den Menschen, die sich dadurch bestätigt fühlen, überhaupt bewusst, worum es sich bei diesen vermeintlichen Übeltätern handelt? Dass zum Beispiel Heavy Metal noch die harmloseste Musikrichtung dieser Art ist und auch die Hörer der härteren Spielarten ihre Mitmenschen am Leben lassen?
Es wäre sicher interessant, einmal zu erheben, wieviele Mörder Klassik und New Age hören - oder vielmehr, wieviele Metal-Hörer keine Mörder sind. Wut entsteht nicht durch Horrorfilme und Heavy Metal, sondern durch Kurzsichtigkeit wie diese.
ho, ho, ho diesmal ausnahmsweiße kein Brutalo- Gamer!
Er war ein ruhiger Typ, mit dem sich in den letzten paar Wochen und Monaten wohl
kaum mehr jemand auseindergesetzt hat.
Er war ein ruhiger Typ, bedeutet doch oftmals nicht mehr als: ich habe ihn nicht gut gekannt. Mich interessierte dieser Mensch nicht.
Ein bisschen isoliert: wir haben ihn ausgegrenzt, wenn nicht sogar geschmäht.
Er hatte gute Noten: mich geht nur seine schulische Leistung etwas an.
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