Bayern vor der Wahl (4) Revolution im Bayerischen Wald

Wie ein junger, evangelischer, schwuler Sozialdemokrat einen kleinen Ort in der tiefsten schwarzen Provinz eroberte. Und die CSU in die Opposition schickte

Bäume, Bäume, nichts als Bäume. Wer nach Bodenmais will, muss tief in den Bayerischen Wald hinein, den größten zusammenhängenden in Deutschland. Nach endlosen Kurven, Bergen und grandiosen Panoramablicken, kurz vor der tschechischen Grenze, erreicht man schließlich den kleinen Kurort, der im März Schauplatz einer politischen Sensation war.

Seit die 3300 Einwohner denken können, stellte hier, in der tiefschwarzen bayerischen Provinz, die CSU den Bürgermeister. Seit der Kommunalwahl ist diese Ära mit einem Schlag vorbei, und nicht wenige sehen darin ein Menetekel, weit über Bodenmais hinaus.

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Denn der neue Bürgermeister vereint vier Eigenschaften, die man bislang nicht haben durfte, wenn man im Bayerischen Wald politische Karriere machen wollte, schon gar nicht alle zusammen: Michael Adam ist 23 Jahre jung, Sozialdemokrat, Protestant – und schwul.

Ein Kulturschock für die Dorfbewohner? Immerhin ist Bodenmais ein beschauliches Urlaubsörtchen für Wandergruppen und Rentner. Die zwei Dutzend Gasthäuser werben mit "gut bürgerlicher" Küche, es gibt "Seniorenteller" allenthalben, das zentrale Verkehrsmittel ist eine kleine Panorama-Bimmelbahn mit zwei Anhängern. Party-Zentrum ist das "Dorf-Stadl", hier rockt jeden Abend die Generation 60 plus. Angefeuert von einem Akkordeonspieler wird zur Volksmusik geschunkelt, geklatscht und mitgesungen.

Auf ihren jungen Bürgermeister, den "Adam Michel", lässt hier allerdings keiner etwas kommen. Freundlich sei er, engagiert, ein guter Redner, einer mit Visionen, sagen die Bodenmaiser auf dem kleinen Marktplatz vor der katholischen Kirche. Keiner macht eine süffisante Bemerkung zu Adams Homosexualität, seinem Alter oder seiner Religion. "Wir sind hier doch keine Hinterwäldler", sagen viele empört, wenn man sie auf die aus der Norm fallenden Eigenschaften des neuen Bürgermeisters anspricht.

Vermutlich hat Pfarrer Schmaderer recht. Das katholische Oberhaupt des Dorfes hat lange in Argentinien gelebt und berichtet über die Wünsche und Nöte seiner Gemeinde. Der "Michael", den er als Religionslehrer schon aus dessen Schulzeit kennt, sei der einzige Kandidat gewesen, der die Bevölkerung ansprechen und überzeugen konnte und der mit einem klaren Programm antrat. Viele Privatleute, Hoteliers und andere Touristikanbieter, hätten hier investiert, und sie interessiere vorrangig, dass es mit Bodenmais vorangehe, nicht wie einer lebe. Der Vor-Vorgänger von Adam habe "Fraueng'schichten" gehabt. Solange Arbeit und Einsatz stimmten, störe so etwas hier niemanden.

Leser-Kommentare
    • Chi
    • 19.09.2008 um 14:23 Uhr

    Tja, was soll man denn in diesem Fall von persönlichem Erfolg kommentieren?

    Am Ende, dass auch Leute in der Provinz denken können? Dass die altvordere Vorurteil-Formel: "Ländlich gleich intolerant und hinterwäldlerisch" nun am Ende doch nicht stimmt?

    Dass selbst in Wäldern Individuen wohnen, die keineswegs und automatisch immerzu das wählen, auf das man sie am perfektesten gehirnwäscht?

    Vielleicht jetzt ein echter "Fall" für ein lizensiertes Befragungsinstitut, dass in dieses Erfolgchaos jetzt noch eine Erfolgsanalyse einbringt nach dem Motto: Die Seele des Dorfes muss dringend hinterfragt werden, damit wir bei der Bundestagswahl nicht mächtig mit den Prognosen daneben hauen?

    Gratulieren wir doch einfach mal parteiübergreifend zu einem guten Bürgermeister und hoffen, dass er sein Amt auch weiterhin gut führt, selbst wenn der die vier apokalyptischen CSU-Reiter wie jung, schwul, männlich und katholisch auf ein einziges Pferd gesattelt hat.

    Lesen heißt durch fremde Hand träumen. (F.Pessoa)

  1. Ich verstehe nicht, dass man diesen Mann, der in seinem Leben noch nie gearbeitet hat, solche Publicity bekommt?

    In Bayern wird bei Kommunalwahlen kummuliert und panaschiert. Im Gemeinderat hat er eine dicke bürgerliche Mehrheit gegen sich (Der Bürgermeister wird extra gewählt!). CSU und FREIE WÄHLER sind sehr stark.

    Im Übrigen ist unser Ministerpräsident evangelisch-lutherisch und sitzt in der Landessynode. Was heissen mag, dass er praktizierend ist.

    Beckstein sagte erst kürzlich zu den Schwulen und Lesben in der CDU/CSU

    Dr. Günther Beckstein, Bayerischer Ministerpräsident:

    "Ich danke den zahlreichen Mitgliedern der LSU für ihr Engagement in der Union. Die LSU wirkt dem verzerrten Bild, das Rot-Grün von der Union in der Gesellschaftspolitik zu zeichnen pflegt, entgegen. Dafür gebührt der LSU große Anerkennung."

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    • RRan
    • 19.09.2008 um 15:40 Uhr

    3: "In Bayern wird bei Kommunalwahlen kummuliert und panaschiert. Im Gemeinderat hat er eine dicke bürgerliche Mehrheit gegen sich (Der Bürgermeister wird extra gewählt!)."

    Von einem Bürgermeister erwarte ich, dass er sachbezogen und nicht parteigebunden arbeitet. Nicht umsonst ist das eine Personenwahl, von daher ist es lächerlich, wie im Artikel die Parteizugehörigkeit des Mannes betont wird, denn sie ist total nebensächlich.

    • RRan
    • 19.09.2008 um 15:40 Uhr

    3: "In Bayern wird bei Kommunalwahlen kummuliert und panaschiert. Im Gemeinderat hat er eine dicke bürgerliche Mehrheit gegen sich (Der Bürgermeister wird extra gewählt!)."

    Von einem Bürgermeister erwarte ich, dass er sachbezogen und nicht parteigebunden arbeitet. Nicht umsonst ist das eine Personenwahl, von daher ist es lächerlich, wie im Artikel die Parteizugehörigkeit des Mannes betont wird, denn sie ist total nebensächlich.

    • Rahab
    • 19.09.2008 um 15:36 Uhr

    heimlich türke?

    • RRan
    • 19.09.2008 um 15:40 Uhr
    4. @3

    3: "In Bayern wird bei Kommunalwahlen kummuliert und panaschiert. Im Gemeinderat hat er eine dicke bürgerliche Mehrheit gegen sich (Der Bürgermeister wird extra gewählt!)."

    Von einem Bürgermeister erwarte ich, dass er sachbezogen und nicht parteigebunden arbeitet. Nicht umsonst ist das eine Personenwahl, von daher ist es lächerlich, wie im Artikel die Parteizugehörigkeit des Mannes betont wird, denn sie ist total nebensächlich.

  2. 5. @5.@3

    Davon mag man ausgehen, spielt aber bei diesem abgebrühten Kerl keine Rolle nicht. Er rennt von Zeitung zu Zeitung und hetzt gegen die anderen!

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