Bayern vor der Wahl "Die Zeit der barocken Regenten ist vorbei"
Winand Gellner, Politikwissenschaftler an der Uni Passau, über die Schwäche der CSU und die Chancen der kleinen Parteien bei der Landtagswahl am Sonntag
ZEIT ONLINE: Der CSU droht am Sonntag der Verlust ihrer absoluten Mehrheit in Bayern. Erlebt sie jetzt das, was SPD und CDU schon vor längerer Zeit durchgemacht haben, den Bedeutungsverlust als Volkspartei?
Winand Gellner: Auch die CSU kommt nicht daran vorbei, dass sich die Gesellschaft immer mehr ausdifferenziert und säkularisiert. Dadurch wird es immer schwerer, Stammwähler zu binden. Außerdem sinkt auch in Bayern die Wahlbeteiligung, was vor allem für die CSU nachteilig ist. Die Zeiten satter Über-Mehrheiten sind vorbei, überall.
ZEIT ONLINE: Warum geschieht dies in Bayern so spät?
Gellner: Das hat landestypische Gründe. Die CSU hat sich bis in die letzten Jahre hinein auf einen Spagat verstanden: zwischen einer gelegentlich folkloristisch auftretenden konservativen Partei, die auch den rechten Rand abdeckt, und einer Partei, die sich einen scharfen Modernisierungskurs auf die Fahnen geschrieben hat. Das war insbesondere das Markenzeichen von Edmund Stoiber. Nach seinem Abgang bricht dieses Konstrukt jetzt zusammen.
ZEIT ONLINE: Die CSU wird also das Opfer ihrer eigenen Erfolge?
Gellner: Das kann man so sehen. Dazu kommt die zuletzt etwas hektische Politik Stoibers. Mit den überstürzten Programmen etwa zum Haushaltsausgleich, zur Entbürokratisierung und zum achtjährigen Gymnasium hat sich die CSU selbst überholt.
ZEIT ONLINE: Warum wäre ein Ergebnis knapp unter 50 Prozent für die CSU eine Katastrophe? Andere Parteien in anderen Ländern würden da frohlocken.
Gellner: Die Marge von 50 plus x ist mal von Franz Josef Strauß in die Welt gesetzt worden. Stoiber hat dieses Ergebnis bei der letzten Landtagswahl weit übererfüllt, als er – in einer politisch allerdings singulären Situation – eine Zweidrittelmehrheit im Landtag holte. Daran wird die CSU jetzt gemessen. Ein Absturz schon um zehn Prozent würde natürlich in allen Medien als schwere Schlappe interpretiert.
- Datum 13.10.2008 - 17:32 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 3
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:





Ich denke, daß der Wähler in erster Linie Persönlichkeiten wählt und nur auf den zweiten Blick Parteien, wenn überhaupt. Das ist das, was der SPD in Bayern immer gefehlt hatte. Es wäre interessant zu sehen, was passieren würde, wenn ein Christian Ude statt einem Franz Maget für die SPD kandidierte. Franz Maget ist einfach zahm und bildet eigentlich keine Alternative zur CSU, so ähnlich wie Renate Schmitt, deren Einstellung im Wahlkampf so rüberkam, daß sie ja schon ganz zufrieden gewesen wäre, hätte sie 25% erreicht. So was ist eine vernichtende Aussage vor einer Wahl und spielte der CSU in die Hände.
[entfernt. Für Spam bietet diese Community keinen Platz./cl]
darf ich mal nachfragen, was SIE den ganzen Tag naschen?
Muss echt "brummen", das Zeug.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren