Bayern vor der Wahl (3) Depression in Boom-City
Keine Stadt ist in der Ära Stoiber stärker gewachsen als Erding. Die CSU profitiert davon, Splitterparteien gedeihen. Nur die SPD fristet ein Schattendasein. Dritte Reportage zur Landtagswahl

© Michael Schlieben
Boom-City Erding: Eldorado für die CSU, Diaspora für die SPD
Erdings Wahrzeichen sind Baukräne. Im Westen der alten Herzogsstadt überragen zwei große gelbe Exemplare gerade ein neues Gewerbegebiet. Noch kann man hier zwischen eilig hochgezogenen Baumärkten, Elektrodiscountern und Schnellrestaurants die letzten Flecken der grünen Wiese erkennen, die dem riesigen Areal weichen musste. Der Ansturm ist enorm, schicke Autos schlängeln sich Stoßstange an Stoßstange.
Kein Zweifel, Erding brummt. Überall wird geklopft und gehämmert, immer neue Firmen siedeln sich an, meist steht man im Stau. 35 Kilometer nordöstlich von München gelegen, gilt die Gegend seit einigen Jahren als eine der zukunftsträchtigsten Regionen Deutschlands. Keine Stadt wuchs in der Ära Stoiber mehr. Hatte Erding 1990 noch 25.000 Einwohner, sind es heute 35.000. Tendenz: weiter stark steigend. Die Lokalpolitiker sagen nur halb im Scherz, dass sie jedes Quartal einen neuen Kindergarten einweihen müssten.
Grund für das stetige Wachstum und den Wohlstand der Stadt sind neben der Nähe zur Metropole München, in der die Mietpreise explodieren, die günstige Verkehrslage und der Flughafen, der nur knapp zehn Autominuten von Erding entfernt liegt. Dessen Eröffnung 1992 im Erdinger Moos löste nicht nur einen ungeahnten Bauboom aus, sondern schaffte auch Jobs im Überfluss. Statt Arbeitsmangel herrscht hier Arbeitskräftemangel. Der Landkreis hat mit 2,3 Prozent eine der niedrigsten Arbeitslosenquoten der Republik.
Mit welchen Themen und Problemen müssen sich die Parteien in einer solchen Stadt herumschlagen, in der es nur bergauf geht? Und wie sind angesichts dieser wirtschaftlichen Schlaraffenland-Bedingungen die politischen Verhältnisse?
Überaus ungeordnet, zumindest auf den ersten Blick: Die örtlichen Vertreter der Parteien haben sich am Dienstagabend im randvollen Festsaal der Weißbier-Brauerei zusammengefunden. Die Lokalzeitung hat die Landtagskandidaten zur Diskussionsrunde geladen. Und da im Kreistag von Erdingen momentan sieben Parteien vertreten sind, von der grün-konservativen ÖDP bis zu den Republikaner, und da außerdem die Linke im Kommen ist, zwängen sich acht Politiker hinter das Podium.
Den kruden Ton der Diskussion bestimmen schon bald der wild dreinschauende Vertreter der Linkspartei, der den übrigen Parteien Verfassungsfeindlichkeit vorwirft, und der bäuerliche Republikaner, der etwas gegen Moscheen und „Alis in unserm schönen Bayernland“ hat. Die anderen Politiker verlieren nach anfänglicher Empörung zusehends die Geduld und Lust, sich ernsthaft zu beteiligen. Der ältere Kandidat der CSU schaut gravitätisch ins Leere. Er weiß: Diesen Wahlkreis hat noch immer ein Schwarzer gewonnen. Trotz des Schwächelns der CSU auf Landesebene dürfte es diesmal kaum anders sein.
Aber halt, gab es da nicht noch eine zweite Volkspartei? Was ist eigentlich mit der SPD? Fristet die in Bayern schon ein kümmerliches Dasein im 20-Prozent-Ghetto, geht es ihr in der Boom-City Erding noch schlechter. Bei der Kommunalwahl im März kam sie im Kreis gerade mal auf 13,5 Prozent und wurde nur dritte Kraft hinter der CSU und den Freien Wählern.
- Datum 13.10.2008 - 17:32 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Wie ich bereits an anderer Stelle erwähnt habe, sind die Menschen dieses Schlechtreden der Sozis leid. Die wenigen, die sich bei der SPD engagieren, kommen zumeist aus ganz linken Ecken bzw. aus Gewerkschaften.
Die CSU hat immer einen besseren Stellenwert. Vom Tennisverein über Sportverein bis hin zum Theaterverein oder den Kleinkunstvereinen ist die CSU und sind die FREIEN WÄHLER überall vertreten.
Jetzt bin ich schon auf den verzweifelten Bericht über den schwulen SPDler aus Bodenmais gespannt. Bei der Landtagswahl wählen die Bodenmaiser wieder zu 60% CSU. Die ZEIT darf nicht vergessen, dass in Bayern bei Kommunalwahlen kummuliert und panaschiert wird. (Stimmen kann man auf alle Parteien aufteilen, da man je nach Größe der Gemeinde soviele Stimmen zur Verfügung hat!).
*Mein Name kommt zustande, da ich ein homosexueller Mann bin, der im Bürgertum verhaftet ist und derzeit den Wahlkampf für die schwulen CSU Abgeordneten begleite!
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