Bayern vor der Wahl (5) Protest auf Bayerisch
Die Freien Wähler, angeführt von Gabriele Pauli, dürften ein Gewinner der Landtagswahl am Sonntag werden. Aber was wollen sie? Antworten in einem fränkischen Gewerbegebiet
Will man einem CSU-Funktionär die Laune verderben, muss man ihn bloß auf die Freien Wähler ansprechen. Auf keinen politischen Konkurrenten schimpfen die Christlich-Sozialen von Garmisch-Partenkirchen bis Hof länger und leidenschaftlicher: Diese Vereinigung, die bei der Kommunalwahl im März landesweit 19 Prozent holte und die in den Umfragen für die Landtagswahl am kommenden Sonntag bei acht Prozent gehandelt wird, sei populistisch und beliebig. Und das Schlimmste: Sie fischt im ureigenen Gewässer der Union, sie konkurriert um dieselben konservativen Wähler und wird oft von konvertierten CSU-Politikern angeführt.
Umgekehrt ist auch bei den Freien Wählern die CSU das zentrale Thema, der Fixpunkt ihres ganzen politischen Bestrebens, ohne den sie selber gar nicht existieren würden. Zur erleben ist das zum Beispiel auf einer Wahlkampfveranstaltung im mittelfränkischen Hersbruck, 30 Kilometer nordöstlich von Nürnberg. In einer Mehrzweckhalle im örtlichen Gewerbegebiet haben sich knapp 150 Anhänger und Mitglieder zusammengefunden, um sich bei Schmalzbroten und Zwiebelkuchen auf den Wahlkampf-Endspurt einzuschwören. In jedem Redebeitrag geht es um die vermeintlichen oder echten Verfehlungen der Dauer-Regierungspartei in München, im Minutentakt wird der CSU „Selbstherrlichkeit“, „Stümperei“ oder „Orientierungslosigkeit“ vorgeworfen.
Allerdings, und das ist eigentümlich, wird diese Grundsatzkritik im nüchternen, trockenen Ton vorgetragen. Dass die Vertreter der Freien Wähler keine gewöhnlichen Politiker sind, wird einem schon nach wenigen Minuten bewusst. Die Redner, oft Ärzte, Beamte oder Inhaber von kleinen Betrieben, sind in der politischen Rhetorik ungeübt, manche wirken verschüchtert, wenn sie ans Mikrofon treten. Vielen sieht man die Erleichterung an, wenn sie mit dem Ablesen ihres Manuskripts fertig sind.
Das Publikum ist ebenfalls ruhig, andächtig hört es zu und klatscht am Ende artig. Die Veranstaltung erinnert eher an einen Vortrag an der Volkshochschule, nicht an eine normale Parteiversammlung.
Gabriele Pauli ist sicher mehr Applaus gewöhnt. Die frühere CSU-Landrätin ist Stargast in Hersbruck und das Aushängeschild der Freien Wähler. Früher, bevor sie Stoiber stürzte und dafür am Ende aus der Partei gemobbt wurde, trat sie vor mehr Menschen und an pompöseren Orten auf, nicht zwischen Aldi und Obi. Heute aber, sagt sie freundlich lächelnd im Gespräch, gehe es ihr „richtig gut“. Die Freien Wähler, für die sie als Direktkandidatin im Landkreis Nürnberg-Nord antritt, hätten zwar einen viel kleineren Apparat, weniger Geld und weniger Know-how als die Staatspartei CSU, aber dafür die richtigen Ideale und einen angenehmen Stil.
Das ist auch die Botschaft ihrer Rede, die sie wenige Minuten später hält. Pauli gibt die Kronzeugin der Anklage gegen die CSU. Ihre frühere Partei habe sich in einen undemokratischen Club verwandelt. „Neid“, „Sesselkleberei“ und „Rache“ seien inzwischen die christlich-sozialen Leitlinien. Leute wie sie mit abweichender Meinung würden „mit großem Druck bekämpft“. So habe sie der jetzige Ministerpräsident Günther Beckstein zum Psychiater schicken wollen – bloß weil sie kritische Fragen stellte.
Wie Pauli, die 33 Jahre lang CSU-Mitglied war, haben sich auch viele andere führende Vertreter der Freien Wählergruppen von dort abgesetzt. Im Streit um Posten und Ämter, oder weil sie die Politik und vor allem den selbstherrlichen Politikstil der bayerischen Staatspartei nicht mehr ertragen mochten. Und so unterscheiden sich die Freien Wähler auch weniger inhaltlich als in ihrer Gegnerschaft zu herkömmlichen Parteipolitik von der CSU, was wohl auch ihren Erfolg erklärt.
- Datum 13.10.2008 - 17:32 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Diese freien Wähler erinner doch vielmehr an die Gründungszeit der Grünen und dere naiven Idealismus.
Die noch ungeordnete Programmatik genauso wie das manchmal etwas naive Auftreten und auch der Populismus.
Hier spielt sich nur ab, was auf der linken Seite längst passiert ist und rechts längst überfällig.
Wenn die CSU gescheit wäre, würde sie sich freuen, das sie hier einen zukünftigen Bündnispartner findet, der sie nicht zwingt Partner auf der anderen Seite des Parteienspektrums zu finden.
Einen ernstzunehmenden Widerpart für die "Linke" müssen wir aktuell nicht fürchten, die einzige Truppe, die mir da einfällt heißt "Pro Köln" und ist nur regional in NRW verankert.
Berthold Grabe
Ein Bürgermeister einer bayerischen Gemeinde, der auch aus den Reihen der freien Wähler kommt, hat mal gemeint: Die Parteien müssen endlich aus ihren Schützengräben heraus kommen.
Damit hatte er eindeutig recht. Und dass die Parteien sich eben so in ihrer eigenen Organisation verschanzen, erklärt ganz gut den kommunalen Erfolg der freien Wähler. Grade vor Ort kann man noch was bewegen, wenn die Regierenden nicht von ihren Parteiprogrammen abhängig sind, sondern nach Situation entscheiden.
Aber ob sich die freien Wähler jetzt mit diesem Landtagswahlkampf nicht zu weit aus dem Fenster lehnen?
Es gab auch schon Fälle, wo jemand für die freien Wähler kandidiert hat, die Wahl gewann und danach eh man sich's versah schon wieder in die CSU-Reihen abgetaucht war. Wenn die Frau Pauli hier einen Sieg erringen könnte, würde ihr das wieder neue Karrieremöglichkeiten geben, wieso nicht wieder bei ihrer alten Partei?
Und ob sie hier den freien Wählern wirklich Stimmen ins Boot zieht? Ich weiß nicht. Diese Frau wirkt eher nur so, als wollte sie im Mittelpunkt stehen, nicht, als hätte sie wirklich politische Ahnung.
Die FREIEN WÄHLER wählen bei Bundestags- und Europawahlen CDU/CSU.
Die FREIEN WÄHLER sind konservativ und grenzen sich mit ihrem Programm auch von SPD und GRÜNEN ab, wenngleich sie in Kommunen mit allen Parteien koalieren.
Die FREIEN WÄHLER haben in den Kommunen die SPD auf den dritten Platz verwiesen.
Die FREIEN WÄHLER kommen aus der CSU und haben durch persönliche Fehden die Partei verlassen und sich in Wählervereinigungen zusammengetan.
Die FREIEN WÄHLER und die FDP sind die Sieger der Landtagswahl.
Doch anders, als die ZEIT uns vorspielt, wird die CSU weiterhin eine Größe in Bayern bleiben. Die Menschen wissen sehr wohl, wem sie den Wohlstand und wem sie den Erfolg Bayerns zu verdanken haben.
Das es keine 60% sein werden ist auch ausgemacht, da bei der letzten Wahl die Bayern den Dr. Stoiber unterstützten, da er bei der Bundestagswahl hausdünn verloren hatte.
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