Bayern vor der Wahl (6) Weißblaues Aschenputtel
Hof hat die meisten Arbeitslosen in Bayern, Menschen und Firmen wandern ab, die Stadt fühlt sich von der Landesregierung vergessen. Doch die Linke profitiert davon kaum

© Michael Schlieben/ZEIT ONLINE
Tristess in Hof: Grafitti an einem Cafe
Auch das ist Bayern. An der Kirche blättert die Farbe ab, die Straßen haben Schlaglöcher, Wände sind mit Graffiti bekritzelt. Dass die Region Oberfranken ärmer ist als das reiche Oberbayern, sieht man sofort, wenn man durch die Orte rund um das Fichtelgebirge fährt. Die für den Rest des Freistaates so typischen Symbole des Wohlstands: der Prunk, die Ornamente, die Trachten - all das gibt es hier im nordöstlichen Zipfel des Landes kaum.
Im Zentrum von Hof, der größten Stadt der Gegend, stehen jedes dritte Geschäft und jede vierte Wohnung leer, einige Fenster sind mit Brettern vernagelt. Anders als in Südbayern florieren hier Billigsupermärkte und Döner-Läden. Es gibt viel sichtbare Armut.
Vor dem Hauptbahnhof steht eine kleine Imbissbude mit dem Namen „Hartz IV“. Gencay Hudovardi betreibt sie mit seiner Mutter. Bis vor zwei Jahren hatte er einen Laden in der Innenstadt. Doch weil die Kunden ausblieben, musste er aufgeben. Als Arbeitsloser sei er danach immer verspottet worden, erzählt Hudovardi, daher der trotzige Name für seinen Imbiss. „Die Leute verlieren ihre Würde mit Hartz“, sagt er. Er verstehe nicht, warum die Politik diese Spaltung der Gesellschaft zulasse und fördere.
Hudovardi Stammkunden sind vor allem Hartz-IV-Empfänger. Einer von ihnen ist Harry. Im Trainingsanzug steht er vor der Bude. Harry ist Mitte 40, sein Gesicht ist eingefallen, er lallt, um elf Uhr am Vormittag. Aber er kennt sich mit der Geschichte seiner Heimatstadt Hof gut aus, eine „tragische Geschichte“, wie er sagt.
Früher, noch in den achtziger Jahren, sei es hier „richtig schön“ gewesen. Textilien und Porzellan wurden im großen Stil in Hof produziert. Doch dann kam die Wiedervereinigung. Sie hat die Gegend in den Ruin gestürzt, nicht nur Harry, viele Hofer sehen das so. Die Stadt verlor ihre bezuschusste Stellung im Zonenrandgebiet, stattdessen wurden nun andere Regionen gefördert: das benachbarte Sachsen, Thüringen und Tschechien. Unternehmen wanderten ab, weil im Osten die Löhne niedriger waren. Seither verliert Hof jedes Jahr viele Einwohner. 1990 waren es noch 53.000, heute sind es bloß mehr 47.000. Keine bayerische Stadt hat eine höhere Arbeitslosenquote. Jeder zehnte Hofer lebt vom Arbeitslosengeld I oder Hartz IV.
Von der Politik wollen Harry und seine Freunde nichts mehr wissen. Einer sagt, dass er die NPD ganz gut finde, bekommt dafür aber prompt Ärger mit Harry. Die Linkspartei ist für sie keine Alternative: „Ossis“ und „Kommunisten“ seien das. Von denen wolle man nichts wissen. Wären die doch bloß „drüben“ geblieben, sagt Harry.
- Datum 13.10.2008 - 17:32 Uhr
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Es gibt in BY viele Aschenputtel. In zahlreichen Gegenden Ost-, Nord- und Nordost-Bayerns gibt es recht wirtschaftsschwache Gebiete. Große Teile Oberfrankens, das nördliche Unterfranken, West-Mittelfranken, große Teile der Oberpfalz, Schwabens und auch Niederbayerns haben keine besondere Wirtschaftskraft. Es ist aber sicher nicht überall so schlimm wie in Hof.
Der Bayer. Rundfunk berichtet fast nur über München, Oberbayern und wo es sonst Schokoladenseiten zu zeigen gibt. Tatsache ist, dass der wirtschaftlich schwächste Kreis in Baden-Württemberg in Bayern, unter den gut 70 Landkreisen, etwa in der Mitte läge, was beweist, dass es bei den "Schwaben" eine weit bessere Regionalpolitik gab und gibt. Wer in Bayern jedoch gegen die CSU "anstinken" will, muss gegen ein sehr mächtiges Netzwerk ankämpfen. Bayern war immer, ist und bleibt ein "Hort der Reaktion". Dies hat mir schon mein Großvater beigebracht. Gerade in bayern haben die beiden christlichen Kirchen fanatisch gegen die Republik von Weimar gekämpft und dem Faschismus den Weg geebnet! Viele der Verderber des Volkes geniessen noch immer die Ehre, Namensgeber von Straßen sein zu können. Die Namen dieser Kirchenmänner sind es nicht wert, genannt zu werden!
Natürlich wird das Wort "Reaktion" heute nicht mehr verwendet, obwohl diese Kräfte immer noch, wenn auch in anderem Kleide, da sind. Es geht ja beim politischen "Macht"-Kampf in BY nicht nur um die CSU. Bauernverband, Innungen, IHKs, HWKs, kirchliche Organisationen (Caritas, Diakonie), Landessportverband, Bayer. Rundfunk, Heimatzeitungen, BRK, konservative Organisationen, und, vor allem sehr mächtige Konzerne, benehmen sich wie Vorfeld-Organisationen der CSU oder rekrutieren ihr (CSU) viele "billige" Wahlhelfer. Warum ist die CSU für Atomkraft, für grüne Gentechnik, für den exzessiven Donauausbau, für fragwürdige Straßenprojekte, für den TRANSRAPID (bis vor kurzem), für überzogene Agrarsubventionierung, gegen höhere Steuerbelastungen für Privilegierte, für die Beibehaltung veralteter gesellschaftlicher Privilegien hierzulande?
In der Serie "Der Bulle von Tölz" gibt es in jeder Episode politische Anklänge. Für die Nicht-Bayern sei gesagt: Auch wenn es manche nicht wahr haben möchten: Es ist in Wirklichkeit so. In Franken im Prinzip nicht anders als in Altbayern. Bei der TV-Veranstaltung Fasching in Veitshöchheim wird praktisch die gesamte Polit-Mischpoke der CSU eingeladen und groß herausgebracht. Dazwischen, aus Alibi-Gründen, ein paar vereinzelte Sozen und GRÜNE. Die FDP lud man überhaupt nicht ein!! Man stelle sich vor: eine Staatstragende Partei in EU und in Berlin wird durch Federstrich irgendwelcher Rundfunk-Gernegroße nicht berücksichtigt. Daran sieht man: Arroganz, Überheblichkeit, Größenwahn, Hybris der Macht. Es wird Zeit, dass sich das ganz gewaltig ändert!!
Ich will mal so ein Beispiel geben. In einer bayer. kreisstadt sitzen in der CSu-Ortsgruppe: Chef der Sparkasse, Bürgermeister, verwaltungsleiter (Rathaus), GENO-Bankchef, die Schulleiter, Leiter des Polizeireviers, die Schulleiter, der Boss von Finanzamt, Vermessungsamt, Gesundheitsamt, Forstamt, Landrat, Kreiskämmerer, Chefarzt Kreiskrankenhaus, Kreislandwirt, führende Unternehmer, Pfarrer, Priester, Kindergartenleiterin.
Nun unterstelle ich mal: Jemand aus diesem kreis fährt Pkw, hat einiges "getrunken" (intus), wird "erwischt", mit 0,9 Promille.
Viele Menschen glauben vieles. Viele weit mehr als sie glauben sollten. Das Wort: "Eine Krähe hackt der anderen Krähe kein Auge aus" hat auch für die heutige Zeit Gültigkeit. Einige sind eben gleicher als andere.
Man möge noch im Hinterkopf behalten, dass Polizei und Justiz in D. schon immer sehr "nach rechts gepolt" waren und sind.
Bayern muss man sich vorstellen als Mosaikbild von kleinen, mittleren und großen Amigosystemen. Es beginnt in Kleinstädten, in Landkreisen und kreisfreien Städten, setzt sich fort auf Bezirksebene ( dort gibt es auch eine Art modernes Hoflieferantentum) und endet in München in der Staatskanzlei. Genehme Promis, Wahlhelfer, Sympathisanten aus dem Jetset erhalten den Bayer. Verdienstorden. Es sind all die, die einen exzellenten Platz an den Trögen der Macht gesucht und gefunden haben.
Es haben ja einige Promis unter anderen Systemen gedient. Die traten dann immer sehr "ergriffen" auf und kamen mit der Lebenslüge durch: "wollte Schlimmeres verhüten".
Der Artikel nennt die Gründe für die schwäche Frankens (im übrigen bestehen Franken UND Bayern darauf dass Franken eben Franken und nicht Bayern ist!).
Baden-Württemberg grenzt an die Schweiz, Frankreich, Hessen, Bayern und Rheinland-Pfalz. Also wie die berühmte Made im Speck. Bayern grenzt außer an BaWü und Österreich an Tschechien Sachsen und Thüringen. Und oh Überraschung, je weiter nordöstlich man blickt je größer die Probleme. Die Zonenrandlage ist geblieben, die Förderung aber in die Zone abgewandert die, unter anderem auch mit Geldern aus Hof, den Hofern damit gemütlich Konkurrenz machen kann. Nicht nur Körperschaften im Ruhrgebiet müssen schon länger Schulden aufnehmen um die Transfers für den Aufbau-Ost stemmen zu können, wie in Hof führt der immer öfter zum "Abbau-West".
Dass weder Linkspartei noch NPD (also die beiden klassischen Protestparteien) Erfolge feiern können hängt mit dem Selbstverständnis der Einheimischen zusammen. Von Jung bis Alt sieht man sich nicht als "Deutscher" (übrigens hat das nix mit der NS-Zeit, Scham usw zu tun.. die Abscheu gegenüber allem "Preußischen" war vor Generationen noch erheblich größer und beinahe schon militant). Die NPD plakatiert derzeit mit "Bayern wählt Deutsch", selbst ein sehr rechter Bayer - der sich auch als solcher sieht - wird aber garantiert keine "Preißn"-Partei wählen und eine bayrische Nationalistenpartei gibt es nicht. Die sind als Randgruppe in der CSU integriert, schon Strauß sagte ja es darf nichts rechts der CSU geben. Die Linkspartei ist gleich mehrfach unbeliebt. Beginnt beim Personal, Bayern haben eine tiefe Abneigung gegenüber "Zugereisten" oder noch besser Leuten die mal eben aus dem Norden einfliegen um zu erzählen die die Sache läuft. Dazu das Vokabular was befremdlich ist (hier sagt man zB nicht Bonzen sondern Großkopferte) bis hin zu den Themen, Bayern jammern ungern und schon gar nicht mögen sie wenn jemand etwas schlecht redet um sich selbst angesichts der herbeigeredeten "Ruinen" als Retter und "Wiederaufbauer" darzustellen. Politisiert sind Bayern dazu auch kaum. Nicht aus unwissen sondern aus purer Indifferenz. Auch aus dieser Indifferenz hat die CSU lange viel Wählerpotential geschöpft, den Leuten gings nicht um Grundsatzdiskussionen und Visionen sondern darum dass es vom Geld her gut läuft und die Politik einen nicht zu sehr nervt. Mit diesem ungeschriebenen Pakt "Wir wählen euch wenn ihr uns in Ruhe lassts" hat die CSU endgültig gebrochen als das Drama mit Rauchverbot anfing und der Ärger mit G8 kam, die Gymnasiasten keine Freizeit mehr hatten worunter nicht nur die Familie litt sondern auch zB die in Bayern äußerst wichtigen Vereine wo die Kinder einfach wegbleiben aus Zeitmangel. Das kumuliert sich.
Es handelt sich schlicht um eine CSU-Schwäche nicht um eine Stärke irgend einer anderen Partei oder gar eines Wechselwillen in Bayern oder eine sonst irgend wie geartete generelle Unzufriedenheit wie man sie im deutschen Ausland ja beinahe schon mit Händen greifen kann (zwischen Mannheim und Kiel ist eines der Lieblingsthemen dieser Tage das sog. "Auswandern", allein das ist den Bayern schon fremd.. warum sollte man hier fort wollen?)
Ich bin geborener und auch dort lebender Augsburger, die Stadt vom Lech durchfloßen (die Demarkationslinie zwischen Altbayern und dem Bezirk Schwaben). Davon abgesehen dass der Ausländeranteil hier erheblich höher ist als im "gefühlt" viel multikulturelleren Berlin und dem kompletten Sterben der großen Augsburger Textilindustrie halten sich die sozialen Spannungen in Maßen. Eben die Probleme jeder größeren europäischen Stadt im 21. Jahrhundert. Im Landkreis herrscht genauso Wohlstand, ist Arbeitslosigkeit ein Nieschenproblem wie im schönsten Oberbayern und das Allgäu, ja selbst das Märchenschloss Neuschwanstein liegt schließlich im Bezirk Schwaben. So schlecht kanns also um uns nicht bestellt sein (wie ich Ferndiagnosen liebe!).
.. so, nun hab ich wortreich geantwortet.
Der Artikel nennt die Gründe für die schwäche Frankens (im übrigen bestehen Franken UND Bayern darauf dass Franken eben Franken und nicht Bayern ist!).
Baden-Württemberg grenzt an die Schweiz, Frankreich, Hessen, Bayern und Rheinland-Pfalz. Also wie die berühmte Made im Speck. Bayern grenzt außer an BaWü und Österreich an Tschechien Sachsen und Thüringen. Und oh Überraschung, je weiter nordöstlich man blickt je größer die Probleme. Die Zonenrandlage ist geblieben, die Förderung aber in die Zone abgewandert die, unter anderem auch mit Geldern aus Hof, den Hofern damit gemütlich Konkurrenz machen kann. Nicht nur Körperschaften im Ruhrgebiet müssen schon länger Schulden aufnehmen um die Transfers für den Aufbau-Ost stemmen zu können, wie in Hof führt der immer öfter zum "Abbau-West".
Dass weder Linkspartei noch NPD (also die beiden klassischen Protestparteien) Erfolge feiern können hängt mit dem Selbstverständnis der Einheimischen zusammen. Von Jung bis Alt sieht man sich nicht als "Deutscher" (übrigens hat das nix mit der NS-Zeit, Scham usw zu tun.. die Abscheu gegenüber allem "Preußischen" war vor Generationen noch erheblich größer und beinahe schon militant). Die NPD plakatiert derzeit mit "Bayern wählt Deutsch", selbst ein sehr rechter Bayer - der sich auch als solcher sieht - wird aber garantiert keine "Preißn"-Partei wählen und eine bayrische Nationalistenpartei gibt es nicht. Die sind als Randgruppe in der CSU integriert, schon Strauß sagte ja es darf nichts rechts der CSU geben. Die Linkspartei ist gleich mehrfach unbeliebt. Beginnt beim Personal, Bayern haben eine tiefe Abneigung gegenüber "Zugereisten" oder noch besser Leuten die mal eben aus dem Norden einfliegen um zu erzählen die die Sache läuft. Dazu das Vokabular was befremdlich ist (hier sagt man zB nicht Bonzen sondern Großkopferte) bis hin zu den Themen, Bayern jammern ungern und schon gar nicht mögen sie wenn jemand etwas schlecht redet um sich selbst angesichts der herbeigeredeten "Ruinen" als Retter und "Wiederaufbauer" darzustellen. Politisiert sind Bayern dazu auch kaum. Nicht aus unwissen sondern aus purer Indifferenz. Auch aus dieser Indifferenz hat die CSU lange viel Wählerpotential geschöpft, den Leuten gings nicht um Grundsatzdiskussionen und Visionen sondern darum dass es vom Geld her gut läuft und die Politik einen nicht zu sehr nervt. Mit diesem ungeschriebenen Pakt "Wir wählen euch wenn ihr uns in Ruhe lassts" hat die CSU endgültig gebrochen als das Drama mit Rauchverbot anfing und der Ärger mit G8 kam, die Gymnasiasten keine Freizeit mehr hatten worunter nicht nur die Familie litt sondern auch zB die in Bayern äußerst wichtigen Vereine wo die Kinder einfach wegbleiben aus Zeitmangel. Das kumuliert sich.
Es handelt sich schlicht um eine CSU-Schwäche nicht um eine Stärke irgend einer anderen Partei oder gar eines Wechselwillen in Bayern oder eine sonst irgend wie geartete generelle Unzufriedenheit wie man sie im deutschen Ausland ja beinahe schon mit Händen greifen kann (zwischen Mannheim und Kiel ist eines der Lieblingsthemen dieser Tage das sog. "Auswandern", allein das ist den Bayern schon fremd.. warum sollte man hier fort wollen?)
Ich bin geborener und auch dort lebender Augsburger, die Stadt vom Lech durchfloßen (die Demarkationslinie zwischen Altbayern und dem Bezirk Schwaben). Davon abgesehen dass der Ausländeranteil hier erheblich höher ist als im "gefühlt" viel multikulturelleren Berlin und dem kompletten Sterben der großen Augsburger Textilindustrie halten sich die sozialen Spannungen in Maßen. Eben die Probleme jeder größeren europäischen Stadt im 21. Jahrhundert. Im Landkreis herrscht genauso Wohlstand, ist Arbeitslosigkeit ein Nieschenproblem wie im schönsten Oberbayern und das Allgäu, ja selbst das Märchenschloss Neuschwanstein liegt schließlich im Bezirk Schwaben. So schlecht kanns also um uns nicht bestellt sein (wie ich Ferndiagnosen liebe!).
.. so, nun hab ich wortreich geantwortet.
welches die Zeit hier liefert. Was die Gründe für das soziale und wirtschaftliche Befinden angeht, würden mir vorrangig 3 einfallen:
1. Die geografische Lage: die Nähe sowohl zur tschechischen Grenze (Tank- und Tabaktourismus, Abwanderung der Firmen), als auch zur ehemaligen DDR (ebenfalls Firmenabwanderung oder das offene Bekenntnis einiger Firmen aus Hof und Umland, wegen Lohnsubventionen "nur noch Ostdeutsche einzustellen"; ist den Eltern meiner Freundin passiert, nachdem deren bisheriger Arbeitgeber, eine Schuhfabrik in Naila, pleite gegangen war). Besonders der letzte Aspekt dürfte ganz gut als Erklärung hinhalten, warum es die Linke nicht leicht hat.
2. Hof ist traditionell (z.B im Vergleich zum nahegelgenen Plauen oder zu Bayreuth) eher eine Arbeiterstadt, deren vorrangige Produkte schon immer tendenziell eine Arbeiterstadt gewesen, deren "berühmteste" Felder, Textil- und Porzellanwaren heute aus anderen Ländern, etwa China, starke Konkurrenz spüren.
3. Sie schreiben, dass die SPD in Bayern besonders rechts ist. Ums genauer zu sagen: sie hat über Jahrzehnte hinweg unermüdlich ins gleiche Horn gestoßen wie die CSU, wenn es darum ging, das Los der Stadt zu verbessern. Am deutlichsten hat sich dies gezeigt, als die Christsozialen, ja über einen Zeitraum von etwa 10 Jahren hinweg, das Heil der Stadt in einem Prestigeprojekt suchten, nämlich dem Ausbau des Regionalflughafens Hof-Plauen (2005 hat es Hof damit das letzte Mal in die ZEIT geschafft). Mit einem von Vornherein fraglichen Nutzen (Hof liegt genau zwischen München, Berlin und Frankfurt, den Städten mit den 3 am meisten genutzten Flughäfen Deutschlands) sollte das Projekt im Endeffekt etwa 120 Millionen Euro kosten. Davon wurde ein deutlicher Anteil für immer neue Raumfeststellungsverfahren verbraten, bevor es zu einer Realisierung hätte kommen können. Vielleicht liegt der Grund für das bedingungslose Mitziehen der SPD im Stadtrat (wo sie bis vor kurzem traditionell die Mehrheit hatte und den OB gestellt hat) darin, dass sie sich von Der Denkweise tatsächlich nicht allzu sehr von den Schwarzen unterscheiden. Zum Anderen kann es auch daran liegen, dass sich die örtliche Tageszeitung in der Flugplatzsache stets mit Feuereifer hinter die Ausbaupläne der Union gestellt hat.
Zusammenfassend kann man für Punkt 3 sagen, dass die beiden großen Parteien im Stadtrat über kein vernünftiges Konzept verfügen die Lebensqualität des Städtchens und somit sein Los zu verbessern. Möglichkeiten, das Geld sinnvoll auszugeben und es nicht in Prestigeprojekte zu stecken, gibt es genug: die Straßen sind marode, ebenso wie die Freiheitshalle (bekanntester Ort für Vorführungen ), oder wie die 3 Gymnasien (besonders betroffen ist das Schiller-Gymnasium, in dem die Schüler über einige Jahre wegen nicht voranschreitender Renovierungsarbeiten in einem provisorischen Container daneben unterrichtet werden mussten; auf diese Weise kriegt die Jugend bereits mit, was sie der Stadt wert ist, wodurch ihr in der Entscheidung geholfen wird, ob sie später bleiben oder gehen soll). Was gibts hier sonst noch zu erwähnen? Um die Sanierung des Bahnhofsviertels (wo der Imbiss des Herrn Hudovardi steht), welches man von Krötenbruck aus auf direktem Wege nur über einen total versifften (da als öffentliches WC benutzt) und nachts nicht alleine zu empfehlenden Luftsteg erreichen kann. Eine modernere Anlage würde die Infrastruktur der Stadt spürbar aufwerden.
Grundsätzlich unterstelle ich aber den Hochfranken generell dass sie dazu neigen, wirtschaftlichen Schwächen der Gemeinden mit Prestigeprojekten fragwürdigen Nutzens und hohen Kosten zu begegnen. So wurde neben dem Hofer Flugplatz vor etwa 5 Jahren erwogen, ins Fichtelgebirge einen "Monumentalpark" zu bauen, der z.B. eine Nachbildung der Sphynx und anderer Touristenmagneten enthält. In Hof selbst ist wiederum derzeit eine Überdachung der Altstadt im Gespräch...
Abschließend: Hof verfügt über eine ungünstige Lage, hat eine bestimmte berufsstrukturelle Identität und keine der Großen Parteien verfügt über ein vernünftiges Verbesserungskonzept. Weil die SPD der CSU im Stadtrat vom Programm und der Denkweise her ziemlich ähnelt und vermutlich weil die Bürger sich erhofften, dass Stoiber bei einem CSU dominierten Stadtrat und OB den Geldhahn für eine Stadt jenseits des Weißwurstäquators aufdrehen würde, konnten die Christsozialen das traditionell rote Hof vor ein paar Jahren schleifen.
Der Artikel nennt die Gründe für die schwäche Frankens (im übrigen bestehen Franken UND Bayern darauf dass Franken eben Franken und nicht Bayern ist!).
Baden-Württemberg grenzt an die Schweiz, Frankreich, Hessen, Bayern und Rheinland-Pfalz. Also wie die berühmte Made im Speck. Bayern grenzt außer an BaWü und Österreich an Tschechien Sachsen und Thüringen. Und oh Überraschung, je weiter nordöstlich man blickt je größer die Probleme. Die Zonenrandlage ist geblieben, die Förderung aber in die Zone abgewandert die, unter anderem auch mit Geldern aus Hof, den Hofern damit gemütlich Konkurrenz machen kann. Nicht nur Körperschaften im Ruhrgebiet müssen schon länger Schulden aufnehmen um die Transfers für den Aufbau-Ost stemmen zu können, wie in Hof führt der immer öfter zum "Abbau-West".
Dass weder Linkspartei noch NPD (also die beiden klassischen Protestparteien) Erfolge feiern können hängt mit dem Selbstverständnis der Einheimischen zusammen. Von Jung bis Alt sieht man sich nicht als "Deutscher" (übrigens hat das nix mit der NS-Zeit, Scham usw zu tun.. die Abscheu gegenüber allem "Preußischen" war vor Generationen noch erheblich größer und beinahe schon militant). Die NPD plakatiert derzeit mit "Bayern wählt Deutsch", selbst ein sehr rechter Bayer - der sich auch als solcher sieht - wird aber garantiert keine "Preißn"-Partei wählen und eine bayrische Nationalistenpartei gibt es nicht. Die sind als Randgruppe in der CSU integriert, schon Strauß sagte ja es darf nichts rechts der CSU geben. Die Linkspartei ist gleich mehrfach unbeliebt. Beginnt beim Personal, Bayern haben eine tiefe Abneigung gegenüber "Zugereisten" oder noch besser Leuten die mal eben aus dem Norden einfliegen um zu erzählen die die Sache läuft. Dazu das Vokabular was befremdlich ist (hier sagt man zB nicht Bonzen sondern Großkopferte) bis hin zu den Themen, Bayern jammern ungern und schon gar nicht mögen sie wenn jemand etwas schlecht redet um sich selbst angesichts der herbeigeredeten "Ruinen" als Retter und "Wiederaufbauer" darzustellen. Politisiert sind Bayern dazu auch kaum. Nicht aus unwissen sondern aus purer Indifferenz. Auch aus dieser Indifferenz hat die CSU lange viel Wählerpotential geschöpft, den Leuten gings nicht um Grundsatzdiskussionen und Visionen sondern darum dass es vom Geld her gut läuft und die Politik einen nicht zu sehr nervt. Mit diesem ungeschriebenen Pakt "Wir wählen euch wenn ihr uns in Ruhe lassts" hat die CSU endgültig gebrochen als das Drama mit Rauchverbot anfing und der Ärger mit G8 kam, die Gymnasiasten keine Freizeit mehr hatten worunter nicht nur die Familie litt sondern auch zB die in Bayern äußerst wichtigen Vereine wo die Kinder einfach wegbleiben aus Zeitmangel. Das kumuliert sich.
Es handelt sich schlicht um eine CSU-Schwäche nicht um eine Stärke irgend einer anderen Partei oder gar eines Wechselwillen in Bayern oder eine sonst irgend wie geartete generelle Unzufriedenheit wie man sie im deutschen Ausland ja beinahe schon mit Händen greifen kann (zwischen Mannheim und Kiel ist eines der Lieblingsthemen dieser Tage das sog. "Auswandern", allein das ist den Bayern schon fremd.. warum sollte man hier fort wollen?)
Ich bin geborener und auch dort lebender Augsburger, die Stadt vom Lech durchfloßen (die Demarkationslinie zwischen Altbayern und dem Bezirk Schwaben). Davon abgesehen dass der Ausländeranteil hier erheblich höher ist als im "gefühlt" viel multikulturelleren Berlin und dem kompletten Sterben der großen Augsburger Textilindustrie halten sich die sozialen Spannungen in Maßen. Eben die Probleme jeder größeren europäischen Stadt im 21. Jahrhundert. Im Landkreis herrscht genauso Wohlstand, ist Arbeitslosigkeit ein Nieschenproblem wie im schönsten Oberbayern und das Allgäu, ja selbst das Märchenschloss Neuschwanstein liegt schließlich im Bezirk Schwaben. So schlecht kanns also um uns nicht bestellt sein (wie ich Ferndiagnosen liebe!).
.. so, nun hab ich wortreich geantwortet.
Eigene Fehler fallen auf einen selbst zurück. Will sagen, daß die CDU/CSU unter der "Führung" von Kohl notwendige Reformen ausgesessen hat, die dann Schröder "von der falschen Partei" verspätet gegen das Parteigefühl nachholen mußte und prompt Krise der SPD einleitete.
Als angehender Journalist und gebürtiger Hofer habe ich bisher mit Freude die Reportagereihe von Herrn Schlieben verfolgt und halte diese mit Ausnahme des Artikels "Weißblaues Aschenputtel" für äußerst gelungen!
In meinen Augen ist es nicht sonderlich geschickt, eine Imbissbude am Hauptbahnhof als Aufhänger zu nehmen, um anschließend mal kurz in die Altstadt zu laufen und ein paar Wahlkampfstände abzuklappern.
Der Autor informiert den Leser nicht über die politischen Verhältnisse in der Stadt in den letzten Jahren. Stattdessen übernimmt er die Meinung von Linkspolitiker bzgl. der SPD, die man objektiv nicht teilen kann. Meiner Meinung nach ist es auch fahrlässig, Themen wie "die Posse um den Flughafen", die FH, den neu geschaffenen Zulieferpark oder die Hofer Filmtage unerwähnt zu lassen. Des weiteren erfährt der Leser äußerst wenig über die Sozialstruktur in der Stadt!
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