SPD Becks Abrechnung
In seiner Autobiografie übt der gestürzte SPD-Chef scharfe Kritik an seinem Nachfolger Müntefering – und schürt damit neuen Unfrieden in der Partei
Eigentlich sollte es ein Buch werden, in dem sich Kurt Beck selbst als aufrechten Sozialdemokraten und starken SPD-Vorsitzenden feiern wollte. Als einen, der aus einfachen Verhältnissen und der Pfälzer Provinz den Weg bis nach ganz oben geschafft hat; der die deutsche Sozialdemokratie in schwerer Not stabilisiert hat, der das Zeug zum Kanzler hätte, aber auch so souverän ist, die Kanzlerkandidatur einem anderen zu überlassen, wenn es denn der Partei dient.
Doch nun ist alles ganz anders gekommen. Kurt Beck ist nicht mehr SPD-Chef, er wurde - aus seiner Sicht - schmählich aus dem Amt gedrängt. Sein Buch, das schon fertig war, musste er nach seinem unfreiwilligen Abgang vor zwei Wochen eiligst aktualisieren. Es wird nicht, wie geplant, am Donnerstag von Altkanzler Gerhard Schröder vorgestellt, den er offenbar als einer der Hintermänner der Intrige gegen sich sieht. Und aus der Weihestunde für Beck wird jetzt ein Moment der Abrechnung.
An diesem Montag brachte die Bild -Zeitung in großer Aufmachung erste Auszüge aus dem Werk mit dem nüchternen Titel Kurt Beck. Ein Sozialdemokrat . Darin äußerte sich der gewesene SPD-Vorsitzende erstmals ausführlich zu den Umstände seines Sturzes.
Das Verhältnis zu seinem entscheidenden Gegenspieler Franz Müntefering nennt er "nicht unproblematisch" – ein wohl bewusst untertreibende Formulierung: "Unser Politikstil, die Art, Machtfragen zu klären, sind schwer vereinbar. In der Zeit, als Franz Müntefering Vizekanzler war und ich die Partei führte, resultierten gewisse Schwierigkeiten daher, dass er sehr darauf bedacht war, sich in der Bandbreite des Koalitionsvertrags zu bewegen. Es war schwierig, mit ihm Perspektiven zu erarbeiten, die darüber hinausreichten."
Sich selbst dagegen sieht Beck als denjenigen, der für die niedergeschlagene, an sich selbst und der Agenda-Reformpolitik zweifelnden Partei neue Perspektiven jenseits der Großen Koalition entwickeln und "Brücken bauen" wollte. Als SPD-Vorsitzender, schreibt er, habe er sich um ein eigenständigeres Profil der Partei bemüht. "An diesem Punkt gingen die Meinungen von mir und Franz Müntefering auseinander." Über sich selbst schreibt der rheinland-pfälzische Ministerpräsident dazu voller Selbstgefälligkeit: "Und da behaupte ich, dass ich näher an der Realität des Lebens bin, als es manch anderer ist (...)."
Beck räumt erneut ein, dass es ein "Fehler" von ihm war, im März kurz vor der Hamburg-Wahl die Partei für Bündnisse mit der Linken auch in den westlichen Bundesländern zu öffnen. Er habe dadurch die Handlungsfähigkeit der SPD erhalten wollen, so wie einst Willy Brandt gegenüber den Grünen. "In dieser Krise habe ich durch die Ankündigung einer richtigen Konsequenz zum falschen Zeitpunkt meine bis dahin vorhandene Chance eingebüßt, selbst als Spitzenkandidat der SPD in den Bundestagswahlkampf zu ziehen", schreibt er selbstkritisch.
- Datum 31.01.2009 - 12:23 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 7
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:





Zunächst: Der Rücktritt Kurt Becks vom Parteivorsitz ist das Beste was der SPD passieren konnte! Viele Menschen in diesem Lande können sich nun erstmals wieder vorstellen die SPD bei der nächsten Bundestagswahl zu wählen. Dass Kurt Beck jetzt gegen Franz Müntefering nachtritt, zeigt abermals, wie unverstanden sich Beck in Berlin fühlte und welch immenser Druck auf ihm lastete. Die Frage ist nur: Wieso hat die SPD-Führung einen Mann aus der Provinz, der ganz offensichtlich nicht das Zeug zum Parteivorsitzenden hat, derart lange gewähren lassen? Der Sturz Becks hätte viel früher kommen müssen.
Diese Berichterstattung ist wohl ganz im Sinne der Putschisten vom Schwielowsee. Monatelang hat Beck weitgehend klaglos Tiefschlaege und Gemeinheiten seiner innerparteilichen Widersacher wegstecken muessen. Auch und gerade von Muentefering. Jetzt weist er vorsichtig genau darauf hin - und da heisst es, er schuert Unfrieden. In der SPD soll wohl gelten, dass man den linken Fluegel und seine Lieblinge (Beck gehoerte ja nicht zum Fluegel) ungestraft schlagen darf, es aber ein grosses Vergehen ist, wenn man sich dagegen wehrt.
Beim lesen des Artikels stellte sich mir die gleiche Frage....
Wer schürt da Unfrieden? Für mich alle anderen ausser Beck. Mit allen anderen schliesse ich auch die mittelmässig Neutralen Massenmedien Deutschlands mit ein...
Leider...
“When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Helda Camara
a
Beim lesen des Artikels stellte sich mir die gleiche Frage....
Wer schürt da Unfrieden? Für mich alle anderen ausser Beck. Mit allen anderen schliesse ich auch die mittelmässig Neutralen Massenmedien Deutschlands mit ein...
Leider...
“When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Helda Camara
a
Beim lesen des Artikels stellte sich mir die gleiche Frage....
Wer schürt da Unfrieden? Für mich alle anderen ausser Beck. Mit allen anderen schliesse ich auch die mittelmässig Neutralen Massenmedien Deutschlands mit ein...
Leider...
“When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Helda Camara
a
Wo wäre Kurt Beck wenn er sich um seine Partei statt um seine Biographie gekümmert hätte?
"Gezielte Vorabinformationen" sollen ihn gestürzt haben, jetzt sollen "gezielte Vorabinformationen" seinen Buchverkauf (und seine politischen Nachtritte) begleiten?
Warum ausgerechnet in der Bild-Zeitung, einem Garanten seines Niederganges?
Vielleicht war er wirklich der falsche Mann!
Diejenigen, die angeblich eine andere Vorstellung vom zukünftigen Weg der SPD haben, sind eben mächtiger als er gewesen. Ob das Vorgehen moralisch gut oder schlecht war, sei mal dahin gestellt. Sie sind jetzt in der Pflicht zu beweisen, dass nicht die Person, sondern die Sache das entscheidende Motiv ihres Handelns war. Herrn Schröders Einfluss auf den zukünftigen energie- und aussenpolitischen Kurs der SPD ist jedenfalls gesichert.
Wenn die SPD zukünftig bessere Ergebnisse erzielen will, muss endlich an der Spitze Einigkeit herrschen.
Wer dem Pinocchio-Preisträger Beck Tränen nachweint, muss vom Schwachsinn umnachtet sein. Der Mann ist unfähig, unglaubwürdig und unmöglich. Endlich ist er von der bundespolitischen Bühne verschwunden. Hoffentlich für immer.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren