China "Haben solche Betrüger keine Kinder?"
Der Milchskandal erschüttert die chinesische Gesellschaft. Nun verlangen die Menschen Rechenschaft von der Regierung

© China Photos/Getty Images
Milch in einem Supermakt in Haikou, Hainan-Provinz
Der Skandal um verseuchte Milchprodukte in China erreicht täglich neue Ausmaße. Seit dem 11. September sind bereits vier Kinder an Nierenversagen gestorben. Sie hatten alle das mit der Chemikalie Melamin versetzte Milchpulver der Firma Sanlu getrunken. Das Leben von weiteren 158 Kindern ist akut bedroht, mehr als 6000 sind erkrankt. In überfüllten Krankenhäusern bangen tausende von Eltern um die Gesundheit ihrer Sprösslinge. Melamin wird normalerweise zur Herstellung von Harzen und Putzmitteln verwendet. Durch die Beimischung dieses Bindemittels kann der Proteingehalt verdünnter Milch erhöht werden.
Diese Praxis ist in der chinesischen Milchindustrie offenbar kein Einzelfall. Wie am vergangenen Donnerstag bekannt wurde, ergaben Qualitätskontrollen, dass etwa zehn Prozent der Produkte von führenden Molkereiunterunternehmen mit 0,6 bis 8,6, Gramm Melamin pro Kilogramm verseucht waren.
Chinas Bürger reagieren nicht nur mit Zorn und Enttäuschung. Viele sehen in dem Milchskandal die nun zum ersten Mal allgegenwärtigen und lebensbedrohenden Auswüchse eines von Korruption und Profitgier durchsetzten Landes. Seit Jahren muss die chinesische Bevölkerung Nachrichten über kleinere und mittlere Unfälle in illegalen Kohlebergwerken, Vergiftungen in Kantinen und vertuschte Fabrikexplosionen hinnehmen.
In diesem Jahr eskalierten die durch systemische Schlamperei verschlimmerten Katastrophen jedoch: zuerst die langsamen und unkoordinierten Behördenreaktionen bei der Schneekatastrophe im Februar, dann die durch Pfusch am Bau wie Pappe eingestürzten Schulbauten beim Erdbeben in Sichuan im Mai und schließlich die mangelnde Sicherheitsvorkehrungen bei einer tödlichen Schlammlawine Anfang September in der Provinz Shanxi. Der Milchskandal ist als vorläufiger Endpunkt dieser Katastrophenreihe besonders heikel: Bereits vor vier Jahren kamen durch gepanschtes Milchpulver 13 Babys in der östlichen Provinz Anhui ums Leben. Die chinesische Regierung versprach Besserung – vergeblich.
"Haben denn solche Betrüger keine Kinder?", fragt Guo Guicheng, Besitzerin eines Nudelrestaurants im Ostens Pekings, "aber so etwas passiert immer wieder, weil hier alle nur auf das Geld und nicht mehr auf die Moral schauen". Von ihrem Koch hat Guo gehört, dass in anderen Restaurants chemische Mittel zur Herstellung von Nudeln verwendet werden, damit diese dicker und kochfester sind.
Internetnutzer werfen viele Fragen im Schutz der virtuellen Anonymität auf. Anders als bei dem letzten großen Skandal um chinesische Produkte – Rückruf von mit bleihaltiger Farbe verzierte Spielzeuge in Europa und den USA im Sommer 2007 – stellen Chinesen das westliche Ausland nun nicht als überkritischen Ankläger dar. Vielmehr berufen sie sich auf dessen positives Leitbild, um das eigene System zu hinterfragen.
- Datum 11.03.2009 - 13:03 Uhr
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Bevor hier wieder die kulturchauvinistischen Vorurteile ausgegossen werden, möchte ich gleich daran erinnern, dass uns dergleichen auch nicht völlig unbekannt ist. Ein paar Stichworte dürften genügen: Gammelfleischskandal, gepanschtes Olivenöl, Glykolwein ...
Die Liste kann nach Belieben erweitert werden. Was jetzt not tut, ist strikte Ursachenforschung, Aufklärung und die richtigen Konsequenzen. Rechtstaatlichkeit und Transparenz sind die einzigen Mittel, solche Missstände aufzudecken und abzustellen. Korrupte Provinzpolitiker unter dem Deckmantel der einen großen Partei, die alles lenkt, behindern solche Aufklärung. Aber sie dürften nicht der einzige Grund für diese Katastrophe sein. Vorausgegangen war ja, wir erinnern uns, die Nachricht über weltweit gestiegene Nahrungsmittelpreise aufgrund der erhöhten Nachfrage aus Asien. Offensichtlich wählten einige den bequemen Weg, aus dieser Knappheit Profit zu schlagen. Solches Verhalten von Markteilnehmern kennt man auch hierzulande bereits seit dem Mittelalter (vielleicht sogar noch länger): Getreide wird mit Sand gestreckt, Tee mit Birkenlaub usw. Je höher der Profit, desto größer die Versuchung.
Dass bei der städtischen Mittelschicht in China jetzt die Nachfrage wieder auf ausländische (und damit auch europäische) Produkte umgelenkt wird, sollte Grund genug für uns sein, die rechtstaatliche Entwicklung dort zu fördern und nötigenfalls auch mit wissenschaftlichem Know how auszuhelfen, damit in China die ehrliche Produktion von Nahrungsmitteln gefördert und der Weltmarkt entlastet wird. Das würde nicht zuletzt den chinesichen Bauern zugute kommen. Wenn wir uns hingegen darauf beschränken, die Nase zu rümpfen und vom hohen Ross herab Urteile zu fällen werden wir die Lage allenfalls verschärfen - und die Konsequenzen am Ende selbst zu spüren bekommen.
@einerdervielen:
Ich stimme dir zu, aber die Groeßenordnung, den die von dir genannten Skandale in Deutschland haben, ist normalerweise viel geringer als die in China, weil hier eben die Schutymechanismen dagegen besser funktionieren. Was nicht heisst, dass nicht mehr viel Verbesserungsbedarf waere.
Aber ich muss sagen, die Reaktion der Chinesen stimmt mich sehr optimistisch.
Ich halte nicht viel von der aktuellen Kritik an China durch den Westen. Es bringt rein garnichts, ihnen zu sagen, was sie alles falsch machen, und dann sogar noch mit Betrafung drohen, sollten sie sich nicht bessern, zB durch einen Olympia-Boykott.
Die Probleme Chinas werden nur geloest, wenn sich die Bevoelkerung selbst dafuer einsetzt. Und genau dass beginnt nun langsam. Bei jedem Skandal dieser Art werden sich mehr Chinesen fragen, ob die KP wirklich das richtige tut. Wenn sich nichts aendert, wird irgendwann eine kritische Masse ueberschritten, ein Punkt an dem die Chinesen sagen werdenÖ "Wir haben genug! Entweder aendert sich jetzt etwas, oder wird aendern es selbst!" Mit anderen Worten, es gibt eine Revolution!
Will die KP das verhindern, bleibt ihr nichts anderes uebrig, als Reformen. Das muss so lange gehn, bis die Bevoelkerung zufrieden ist.
Ich will gar nicht so weit gehn, und vorhersagen, dass eine Demokratie ensteht, vielleicht funktioniert ja auch ein Totalitaerer Staat mit einem ehrlichen Interesse an dem Wohl der Bevoelkerung. Aber fest steht, dass sich in China sehr bald einiges aendern wird. Ich hoffe, dass die KP nicht versuch, die alten Strukturen mit Gewalt zu erhalten, denn das wird nicht mehr funktionieren. Sie wuerde damit sich selbst destabilisieren und die Bevoelkerung wird es nicht friedlich hinnehmen.
In China fehlen zwei ganz wesentliche Dinge, die der Westen bereits besitz und damit in der Entwicklung seiner Gesellschaft autoritär organisierten Staaten überlegen ist.
- eine kritische Presse.
- eine bürgerliche Zivilgesellschaft.
China ist in seinen Strukturen noch weit von einem funktionierenden Gesellschaftssystem entfernt. Daher sind die Skandale, die in dem Artikel aufgezählt werden, nicht verwunderlich. Der Westen hat diese bereits hinter sich und seine Lehren daraus gezogen. Es herrscht ein transparentes Kontrollsystem, unterstützt von kritischen Medien, das durch Druck aus der bürgerlichen Zivilgesellschaft zur Verbesserung gedrängt wird. Das austarierte westliche Gesellschaftssystem ist im Prinzip in der Lage, sich selbst zu verbessern und aus Fehlern zu lernen.
Da beides - Presse und Bürgertum - in China als Antreiber solcher Verbesserungszyklen ausfällt, und zudem Fehler im/am System die Allmacht der Partei in Frage stellen, ist das autoritäre System im Prinzip nicht in der Lage, aus sich heraus Verbesserungen zu erzielen. Eine Änderung an diesem System ist daher unbedingt notwendig, kann aber nur über einen langen Prozeß (Generationen?) erzielt werden. Bis dahin werden die Skandale aus China uns regelmäßig in den Zeitung daran erinnern, welchen langen Weg die Menschen in China noch vor sich haben, bis sie in einer sozialen, gerechten und auf teilhabe ausgerichteten Gesellschaft leben.
'Keep On Rocking In A Free World' (Neil Young)
Hallo einerdervielen
Sie haben sicher Recht, dass Lebensmittelbetrügereien nicht nur in China vorkommen.Dennoch möchte ich hier etwas ergänzen:
1.Die Medien
Es gab im März letzten Jahres einen Skandal in Amerika um vergiftete Tierfutter aus China.Chinesische Firmen hatten die chemikalie Melamin in den Weizengluten reingetan um einen hohen Proteingehalt vorzutäuschen.Daraufhin waren viele Haustiere in den USA an Nierenversagen gestorben.Das hat in den USA eine große Empörung ausgelöst.In China jedoch wurde dieser Skandal in der Presse größtenteils geschwiegen.Andere chinesische Medien unterstellten den Amerikanern chinesische Produkten absichtlich schlechtmachen zu wollen.Jedenfalls wurde diesem Vorfall in der chinesischen Öffentlichkeit keine Aufmerksamkeit geschenkt sodass kaum einer in der chinesischen Bevölkerung etwas von dem Skandal um die chemikalie Melamin wusste.
Am 2. Semptember hat das chinesische Staatsfernsehen CCTV das Unternehmen Sanlu noch ganz besonders gelobt.Die Kontrolle sei ganz besonders streng und die Kontrolltechnik sei besonders fortschrittlich in der Welt.
Chinesische Konsumenten wurden erbärmlich betrogen, denn zu diesem Zeitpunkt waren bereits viele chinesische Kleinkinder durch das vergiftete Milchpulver des Unternehmens Sanlu schwer erkrankt.Die Krankenfälle wurden leider von der Regierung und den Medien geheimgehalten.
2.Die chinesische Lebensmittelkontrolle
Die chinesischen Behörden hatten sogenannte:"Kontrollfreie Produkte" eingerichtet.Das bedeutet, viele Lebensmittelprodukte der chinesischen Unternehmen werden gar nicht kontrolliert.
Auch viele Milchpulverprodukte des Unternehmes Sanlu waren "kontrollfreie Produkte", was die Konsumenten verdeutlichen sollten dass die Produkte ganz besonders vertrauenswürdig waren.
In China stecken die Behörden und Unternehmen aller unter einer Decke.Chinesische Unternehmen zahlen Behörden Geld, damit sie so eine kontrollfreie Genehmigung bekommen können.
3.Die chinesische Regierung
Wie sich jetzt herausstellt, hat das neuseeländische Unternehmen Fonterra, welches ein großer Aktionär des Unternehmens Sanlu ist, die chinesischen Behörden schon Anfang August gewarnt und eine Rücknahme der vergifteten Produkte aufgefordert.
Die Forderung wurde abgelehnt.Ganz offensichtlich wollte die chinesische Regierung die Sache vertuschen.Natürlich wusste die Zentralregierung in Peking schon längst von den Vorfällen.Bis zum August wurden viele krankenfälle von Kleinkindern die an Nierenstein litten in mehreren Provinzen Chinas gemeldet.Die Kinder haben Milchpulver von derselber Marke getrunken.
Die Provinzregierung von Gansu hat sogar das Gesundheitsministerium in Peking am 16 Juli über ungewöhnliche Vorkommen von Nierensteinkrankheit von Säuglingen informiert.
Um die ausländischen Gäste nicht abzuschrecken und die Stimmung der olympischen Spiele zu verderben, hat die chinesische Regierung der Presse einen Maulkorb angelegt.
Erst nach einer Intervention der neuseeländischen Ministerpräsidentin Helen Clark persönlich war der Skandal nun nicht mehr geheimzuhalten.Die Zentralregierung in Peking musste dann etwas machen denn sonst könnte die neuseeländische Regierung die Sache selber der Öffentlichkeit bekanntgeben wodurch die Pekinger Führung das Gesicht verlieren würde!
Nun gibt die chinesische Regierung hauptsächlich den Milchbauern die Schuld.Doch die chinesischen Bauern sind meistens ungebildet, wie hätten sie die Technik besessen haben können um Melamin in Milch zu schmelzen?
Bisher hat die chinesische Zentralregierung selber keine Verantwortungen übernommen.Man hat bloss ein paar örtliche Beamten in Hebei gefeuert.
Doch dadurch wird das eigentliche Problem nicht gelöst, dass Regierungsbeamten und Unternehmen gemeinsame Sachen machen und gemeinsames Interesse haben.
Der Manager des Unternehmes Sanlu, Tian Huawen, war zugleich ein Sekretär des Parteikomitees.
Die Korruption kann unter solchen Umständen eines Einparteiensystems keinesfalls verschwinden, sie wird nur immer schlimmer!
Nun ist der Skandal heraus, doch die Berichterstattung üben den Skandal wird von der Partei strengst kontrolliert.
Im chinesischen Internet sind Stichworte wie Melamin sensible Worte geworden, die zensiert werden.In den bekannten chinesischen Internetportalen werden Beiträge und Artikel, die wegen des Milchskandals die Partei und Regierung kritisieren, sofort gelöscht.Diskussionsforen zu diesem Thema in chinesisch-sprachigen Internetseiten im Ausland wie beim BBC-Chinesisch werden von den chinesischen Behörden blockiert.Das chinesische Volk wurde betrogen, vergiftet und darf nun nicht mal seine Empörung über die Partei ausdrücken!
Zur Rechtstaatlichkeit.
Wie kann ein Parteistaat Rechtsstaatlichkeit besitzen wenn all seine Richter Parteismitglieder sind?Wie kann eine Justiz gerecht und unabhängig sein wenn sie die Führung der kommunistischen Partei unbedingt zu gehorchen hat?
Das sind alles grundlegende Probleme die bis heute nicht gelöst werden können.
Da kann die chinesische Führung so viele Gesetze vom Westen kopieren und einführen, doch die Gesetze werden nur auf dem Papier stehen und sie werden aussgeschaltet sobald man auf das Interesse der Partei stößt.Das ist nun mal das grundlegende Problem wenn wir von einem Rechtsstaat in China sprechen.
Das Grundprinzip der kommunistischen Partei alles kontrollieren zu wollen kann nie und nimmer aufgegeben werden, solange sie das Einparteiensystem und damit ihr Intersse aufrechterhalten will.
Auch bei der Lebensmittelkontrolle kann der Westen seine fortgeschrittene Technik an China transferieren.Doch das Problem wird dadurch nicht gelöst werden können.Das ganze System ist korrupt.Die Unternehmen und die Partei sind eng miteinander verflochten.Unternehmen bestechen den Staat damit der Staat mit seiner Staatsgewalt für sie nützlich sein kann.Und die Staatsbeamte tun das allzu gerne.Man kann dieses Problem im Rahmen des derzeitigen politischen Systems von China nicht lösen!
Der Kontrollmechanismus eines Einparteienstaates gegen die eigene Partei und System funktioniert einfach nicht!
@einerdervielen:
Ich stimme dir zu, aber die Groeßenordnung, den die von dir genannten Skandale in Deutschland haben, ist normalerweise viel geringer als die in China, weil hier eben die Schutymechanismen dagegen besser funktionieren. Was nicht heisst, dass nicht mehr viel Verbesserungsbedarf waere.
Aber ich muss sagen, die Reaktion der Chinesen stimmt mich sehr optimistisch.
Ich halte nicht viel von der aktuellen Kritik an China durch den Westen. Es bringt rein garnichts, ihnen zu sagen, was sie alles falsch machen, und dann sogar noch mit Betrafung drohen, sollten sie sich nicht bessern, zB durch einen Olympia-Boykott.
Die Probleme Chinas werden nur geloest, wenn sich die Bevoelkerung selbst dafuer einsetzt. Und genau dass beginnt nun langsam. Bei jedem Skandal dieser Art werden sich mehr Chinesen fragen, ob die KP wirklich das richtige tut. Wenn sich nichts aendert, wird irgendwann eine kritische Masse ueberschritten, ein Punkt an dem die Chinesen sagen werdenÖ "Wir haben genug! Entweder aendert sich jetzt etwas, oder wird aendern es selbst!" Mit anderen Worten, es gibt eine Revolution!
Will die KP das verhindern, bleibt ihr nichts anderes uebrig, als Reformen. Das muss so lange gehn, bis die Bevoelkerung zufrieden ist.
Ich will gar nicht so weit gehn, und vorhersagen, dass eine Demokratie ensteht, vielleicht funktioniert ja auch ein Totalitaerer Staat mit einem ehrlichen Interesse an dem Wohl der Bevoelkerung. Aber fest steht, dass sich in China sehr bald einiges aendern wird. Ich hoffe, dass die KP nicht versuch, die alten Strukturen mit Gewalt zu erhalten, denn das wird nicht mehr funktionieren. Sie wuerde damit sich selbst destabilisieren und die Bevoelkerung wird es nicht friedlich hinnehmen.
In China fehlen zwei ganz wesentliche Dinge, die der Westen bereits besitz und damit in der Entwicklung seiner Gesellschaft autoritär organisierten Staaten überlegen ist.
- eine kritische Presse.
- eine bürgerliche Zivilgesellschaft.
China ist in seinen Strukturen noch weit von einem funktionierenden Gesellschaftssystem entfernt. Daher sind die Skandale, die in dem Artikel aufgezählt werden, nicht verwunderlich. Der Westen hat diese bereits hinter sich und seine Lehren daraus gezogen. Es herrscht ein transparentes Kontrollsystem, unterstützt von kritischen Medien, das durch Druck aus der bürgerlichen Zivilgesellschaft zur Verbesserung gedrängt wird. Das austarierte westliche Gesellschaftssystem ist im Prinzip in der Lage, sich selbst zu verbessern und aus Fehlern zu lernen.
Da beides - Presse und Bürgertum - in China als Antreiber solcher Verbesserungszyklen ausfällt, und zudem Fehler im/am System die Allmacht der Partei in Frage stellen, ist das autoritäre System im Prinzip nicht in der Lage, aus sich heraus Verbesserungen zu erzielen. Eine Änderung an diesem System ist daher unbedingt notwendig, kann aber nur über einen langen Prozeß (Generationen?) erzielt werden. Bis dahin werden die Skandale aus China uns regelmäßig in den Zeitung daran erinnern, welchen langen Weg die Menschen in China noch vor sich haben, bis sie in einer sozialen, gerechten und auf teilhabe ausgerichteten Gesellschaft leben.
'Keep On Rocking In A Free World' (Neil Young)
Hallo einerdervielen
Sie haben sicher Recht, dass Lebensmittelbetrügereien nicht nur in China vorkommen.Dennoch möchte ich hier etwas ergänzen:
1.Die Medien
Es gab im März letzten Jahres einen Skandal in Amerika um vergiftete Tierfutter aus China.Chinesische Firmen hatten die chemikalie Melamin in den Weizengluten reingetan um einen hohen Proteingehalt vorzutäuschen.Daraufhin waren viele Haustiere in den USA an Nierenversagen gestorben.Das hat in den USA eine große Empörung ausgelöst.In China jedoch wurde dieser Skandal in der Presse größtenteils geschwiegen.Andere chinesische Medien unterstellten den Amerikanern chinesische Produkten absichtlich schlechtmachen zu wollen.Jedenfalls wurde diesem Vorfall in der chinesischen Öffentlichkeit keine Aufmerksamkeit geschenkt sodass kaum einer in der chinesischen Bevölkerung etwas von dem Skandal um die chemikalie Melamin wusste.
Am 2. Semptember hat das chinesische Staatsfernsehen CCTV das Unternehmen Sanlu noch ganz besonders gelobt.Die Kontrolle sei ganz besonders streng und die Kontrolltechnik sei besonders fortschrittlich in der Welt.
Chinesische Konsumenten wurden erbärmlich betrogen, denn zu diesem Zeitpunkt waren bereits viele chinesische Kleinkinder durch das vergiftete Milchpulver des Unternehmens Sanlu schwer erkrankt.Die Krankenfälle wurden leider von der Regierung und den Medien geheimgehalten.
2.Die chinesische Lebensmittelkontrolle
Die chinesischen Behörden hatten sogenannte:"Kontrollfreie Produkte" eingerichtet.Das bedeutet, viele Lebensmittelprodukte der chinesischen Unternehmen werden gar nicht kontrolliert.
Auch viele Milchpulverprodukte des Unternehmes Sanlu waren "kontrollfreie Produkte", was die Konsumenten verdeutlichen sollten dass die Produkte ganz besonders vertrauenswürdig waren.
In China stecken die Behörden und Unternehmen aller unter einer Decke.Chinesische Unternehmen zahlen Behörden Geld, damit sie so eine kontrollfreie Genehmigung bekommen können.
3.Die chinesische Regierung
Wie sich jetzt herausstellt, hat das neuseeländische Unternehmen Fonterra, welches ein großer Aktionär des Unternehmens Sanlu ist, die chinesischen Behörden schon Anfang August gewarnt und eine Rücknahme der vergifteten Produkte aufgefordert.
Die Forderung wurde abgelehnt.Ganz offensichtlich wollte die chinesische Regierung die Sache vertuschen.Natürlich wusste die Zentralregierung in Peking schon längst von den Vorfällen.Bis zum August wurden viele krankenfälle von Kleinkindern die an Nierenstein litten in mehreren Provinzen Chinas gemeldet.Die Kinder haben Milchpulver von derselber Marke getrunken.
Die Provinzregierung von Gansu hat sogar das Gesundheitsministerium in Peking am 16 Juli über ungewöhnliche Vorkommen von Nierensteinkrankheit von Säuglingen informiert.
Um die ausländischen Gäste nicht abzuschrecken und die Stimmung der olympischen Spiele zu verderben, hat die chinesische Regierung der Presse einen Maulkorb angelegt.
Erst nach einer Intervention der neuseeländischen Ministerpräsidentin Helen Clark persönlich war der Skandal nun nicht mehr geheimzuhalten.Die Zentralregierung in Peking musste dann etwas machen denn sonst könnte die neuseeländische Regierung die Sache selber der Öffentlichkeit bekanntgeben wodurch die Pekinger Führung das Gesicht verlieren würde!
Nun gibt die chinesische Regierung hauptsächlich den Milchbauern die Schuld.Doch die chinesischen Bauern sind meistens ungebildet, wie hätten sie die Technik besessen haben können um Melamin in Milch zu schmelzen?
Bisher hat die chinesische Zentralregierung selber keine Verantwortungen übernommen.Man hat bloss ein paar örtliche Beamten in Hebei gefeuert.
Doch dadurch wird das eigentliche Problem nicht gelöst, dass Regierungsbeamten und Unternehmen gemeinsame Sachen machen und gemeinsames Interesse haben.
Der Manager des Unternehmes Sanlu, Tian Huawen, war zugleich ein Sekretär des Parteikomitees.
Die Korruption kann unter solchen Umständen eines Einparteiensystems keinesfalls verschwinden, sie wird nur immer schlimmer!
Nun ist der Skandal heraus, doch die Berichterstattung üben den Skandal wird von der Partei strengst kontrolliert.
Im chinesischen Internet sind Stichworte wie Melamin sensible Worte geworden, die zensiert werden.In den bekannten chinesischen Internetportalen werden Beiträge und Artikel, die wegen des Milchskandals die Partei und Regierung kritisieren, sofort gelöscht.Diskussionsforen zu diesem Thema in chinesisch-sprachigen Internetseiten im Ausland wie beim BBC-Chinesisch werden von den chinesischen Behörden blockiert.Das chinesische Volk wurde betrogen, vergiftet und darf nun nicht mal seine Empörung über die Partei ausdrücken!
Zur Rechtstaatlichkeit.
Wie kann ein Parteistaat Rechtsstaatlichkeit besitzen wenn all seine Richter Parteismitglieder sind?Wie kann eine Justiz gerecht und unabhängig sein wenn sie die Führung der kommunistischen Partei unbedingt zu gehorchen hat?
Das sind alles grundlegende Probleme die bis heute nicht gelöst werden können.
Da kann die chinesische Führung so viele Gesetze vom Westen kopieren und einführen, doch die Gesetze werden nur auf dem Papier stehen und sie werden aussgeschaltet sobald man auf das Interesse der Partei stößt.Das ist nun mal das grundlegende Problem wenn wir von einem Rechtsstaat in China sprechen.
Das Grundprinzip der kommunistischen Partei alles kontrollieren zu wollen kann nie und nimmer aufgegeben werden, solange sie das Einparteiensystem und damit ihr Intersse aufrechterhalten will.
Auch bei der Lebensmittelkontrolle kann der Westen seine fortgeschrittene Technik an China transferieren.Doch das Problem wird dadurch nicht gelöst werden können.Das ganze System ist korrupt.Die Unternehmen und die Partei sind eng miteinander verflochten.Unternehmen bestechen den Staat damit der Staat mit seiner Staatsgewalt für sie nützlich sein kann.Und die Staatsbeamte tun das allzu gerne.Man kann dieses Problem im Rahmen des derzeitigen politischen Systems von China nicht lösen!
Der Kontrollmechanismus eines Einparteienstaates gegen die eigene Partei und System funktioniert einfach nicht!
@einerdervielen:
Ich stimme dir zu, aber die Groeßenordnung, den die von dir genannten Skandale in Deutschland haben, ist normalerweise viel geringer als die in China, weil hier eben die Schutymechanismen dagegen besser funktionieren. Was nicht heisst, dass nicht mehr viel Verbesserungsbedarf waere.
Aber ich muss sagen, die Reaktion der Chinesen stimmt mich sehr optimistisch.
Ich halte nicht viel von der aktuellen Kritik an China durch den Westen. Es bringt rein garnichts, ihnen zu sagen, was sie alles falsch machen, und dann sogar noch mit Betrafung drohen, sollten sie sich nicht bessern, zB durch einen Olympia-Boykott.
Die Probleme Chinas werden nur geloest, wenn sich die Bevoelkerung selbst dafuer einsetzt. Und genau dass beginnt nun langsam. Bei jedem Skandal dieser Art werden sich mehr Chinesen fragen, ob die KP wirklich das richtige tut. Wenn sich nichts aendert, wird irgendwann eine kritische Masse ueberschritten, ein Punkt an dem die Chinesen sagen werdenÖ "Wir haben genug! Entweder aendert sich jetzt etwas, oder wird aendern es selbst!" Mit anderen Worten, es gibt eine Revolution!
Will die KP das verhindern, bleibt ihr nichts anderes uebrig, als Reformen. Das muss so lange gehn, bis die Bevoelkerung zufrieden ist.
Ich will gar nicht so weit gehn, und vorhersagen, dass eine Demokratie ensteht, vielleicht funktioniert ja auch ein Totalitaerer Staat mit einem ehrlichen Interesse an dem Wohl der Bevoelkerung. Aber fest steht, dass sich in China sehr bald einiges aendern wird. Ich hoffe, dass die KP nicht versuch, die alten Strukturen mit Gewalt zu erhalten, denn das wird nicht mehr funktionieren. Sie wuerde damit sich selbst destabilisieren und die Bevoelkerung wird es nicht friedlich hinnehmen.
Ich habe mich selbst in den Debatten der vergangen Monate immer in diesem Sinne ausgesprochen (und bin regelmäßig dafür abgestraft worden, das nur nebenbei). Mein Kommentar sollte auch nicht in dem Sinne missverstanden werden, dass ich derartige Ratschläge oder Zurechtweisungen von seiten des Westens gutheißen würde.
Allerdings muss man in Rechnung stellen, dass die Durchsetzung von Reformen nicht nur den politischen Willen dazu voraussetzt, sondern auch eine ganze Menge an Detailwissen in verwaltungstechnischer, juristischer, ökonomischer etc. Hinsicht. Wenn Deutschland oder Europa dazu einen konstruktiven Beitrag leisten könnte und auf chinesischer Seite der Wunsch besteht, diesen anzunehmen, sollte auf jeden Fall eine solche Zusammenarbeit angestrebt werden.
Dem Optimismus, was die "Selbsterziehung" betrifft, stehen leider diverse historische Beispiele für gewaltsame Umwälzungen im Reich der Mitte entgegen. Dergleichen könnte heute fatale Auswirkungen haben und sollte unbedingt vermieden werden.
Ich habe mich selbst in den Debatten der vergangen Monate immer in diesem Sinne ausgesprochen (und bin regelmäßig dafür abgestraft worden, das nur nebenbei). Mein Kommentar sollte auch nicht in dem Sinne missverstanden werden, dass ich derartige Ratschläge oder Zurechtweisungen von seiten des Westens gutheißen würde.
Allerdings muss man in Rechnung stellen, dass die Durchsetzung von Reformen nicht nur den politischen Willen dazu voraussetzt, sondern auch eine ganze Menge an Detailwissen in verwaltungstechnischer, juristischer, ökonomischer etc. Hinsicht. Wenn Deutschland oder Europa dazu einen konstruktiven Beitrag leisten könnte und auf chinesischer Seite der Wunsch besteht, diesen anzunehmen, sollte auf jeden Fall eine solche Zusammenarbeit angestrebt werden.
Dem Optimismus, was die "Selbsterziehung" betrifft, stehen leider diverse historische Beispiele für gewaltsame Umwälzungen im Reich der Mitte entgegen. Dergleichen könnte heute fatale Auswirkungen haben und sollte unbedingt vermieden werden.
Ich habe mich selbst in den Debatten der vergangen Monate immer in diesem Sinne ausgesprochen (und bin regelmäßig dafür abgestraft worden, das nur nebenbei). Mein Kommentar sollte auch nicht in dem Sinne missverstanden werden, dass ich derartige Ratschläge oder Zurechtweisungen von seiten des Westens gutheißen würde.
Allerdings muss man in Rechnung stellen, dass die Durchsetzung von Reformen nicht nur den politischen Willen dazu voraussetzt, sondern auch eine ganze Menge an Detailwissen in verwaltungstechnischer, juristischer, ökonomischer etc. Hinsicht. Wenn Deutschland oder Europa dazu einen konstruktiven Beitrag leisten könnte und auf chinesischer Seite der Wunsch besteht, diesen anzunehmen, sollte auf jeden Fall eine solche Zusammenarbeit angestrebt werden.
Dem Optimismus, was die "Selbsterziehung" betrifft, stehen leider diverse historische Beispiele für gewaltsame Umwälzungen im Reich der Mitte entgegen. Dergleichen könnte heute fatale Auswirkungen haben und sollte unbedingt vermieden werden.
in das China gestürzt werden würde, falls die KP die Kontrolle verlöre, wird immer noch Politik gemacht.
Es wird Zeit, mal darüber nachzudenken, ob es nicht einen Entwicklungspfad für China gibt, der NICHT das Chaos zur Folge hat.
Und man sollte China bei der Aufgabe weder bevormunden noch alleine lassen.
'Keep On Rocking In A Free World' (Neil Young)
in das China gestürzt werden würde, falls die KP die Kontrolle verlöre, wird immer noch Politik gemacht.
Es wird Zeit, mal darüber nachzudenken, ob es nicht einen Entwicklungspfad für China gibt, der NICHT das Chaos zur Folge hat.
Und man sollte China bei der Aufgabe weder bevormunden noch alleine lassen.
'Keep On Rocking In A Free World' (Neil Young)
Entschuldigen Sie das Missverstaendnis. Ich hatte nicht den Eindruck, Sie wuerden die Zurechtweisungen des Westens gutheißen, sondern habe lediglich meine eigenen Ansichten aeußern wollen.
Ahnlich wie Sie, denke ich, man sollte nicht zoegern, China die Hand zu reichen, wenn sie Rat beim Westen suchen. Die Betonung liegt auf dem letzten Nebensatz. Jedes zurechtweisende Wort wird die Hemmung Chinas, die Erfahrungen des Westens zu nutzen, nur weiter steigern.
Ich wuerde einer Revolution auch zwiespaeltig entgegenschauen. Die KP waere dann vielleicht nicht mehr an der Macht, aber wer weiss, wer dann. Ich denke aber auch nicht, dass dieser Fall eintreten wird. Ab und an lese ich immer mal wieder Artikel, unter anderem in der Zeit, die signalisieren, dass in der KP auch demokratischere Stroemungen vorhanden sind.
Sollte das der Wahrheit entsprechen, denke ich, der sanfte Druck der Bevoelkerung wird ausreichen, um schrittweise Reformen des Systems herbeizufuehren.
Die Wirksamkeit der ersten Reformen wird die weitere Entwicklung bestimmen.
Westliches Know-How koennte da in der Tat entscheidend sein. Daher sehe ich auch jede Aeusserung, die den Chinesen die Laune verdirbt, bei uns unzuklopfen, als fatal an.
In China fehlen zwei ganz wesentliche Dinge, die der Westen bereits besitz und damit in der Entwicklung seiner Gesellschaft autoritär organisierten Staaten überlegen ist.
- eine kritische Presse.
- eine bürgerliche Zivilgesellschaft.
China ist in seinen Strukturen noch weit von einem funktionierenden Gesellschaftssystem entfernt. Daher sind die Skandale, die in dem Artikel aufgezählt werden, nicht verwunderlich. Der Westen hat diese bereits hinter sich und seine Lehren daraus gezogen. Es herrscht ein transparentes Kontrollsystem, unterstützt von kritischen Medien, das durch Druck aus der bürgerlichen Zivilgesellschaft zur Verbesserung gedrängt wird. Das austarierte westliche Gesellschaftssystem ist im Prinzip in der Lage, sich selbst zu verbessern und aus Fehlern zu lernen.
Da beides - Presse und Bürgertum - in China als Antreiber solcher Verbesserungszyklen ausfällt, und zudem Fehler im/am System die Allmacht der Partei in Frage stellen, ist das autoritäre System im Prinzip nicht in der Lage, aus sich heraus Verbesserungen zu erzielen. Eine Änderung an diesem System ist daher unbedingt notwendig, kann aber nur über einen langen Prozeß (Generationen?) erzielt werden. Bis dahin werden die Skandale aus China uns regelmäßig in den Zeitung daran erinnern, welchen langen Weg die Menschen in China noch vor sich haben, bis sie in einer sozialen, gerechten und auf teilhabe ausgerichteten Gesellschaft leben.
'Keep On Rocking In A Free World' (Neil Young)
in das China gestürzt werden würde, falls die KP die Kontrolle verlöre, wird immer noch Politik gemacht.
Es wird Zeit, mal darüber nachzudenken, ob es nicht einen Entwicklungspfad für China gibt, der NICHT das Chaos zur Folge hat.
Und man sollte China bei der Aufgabe weder bevormunden noch alleine lassen.
'Keep On Rocking In A Free World' (Neil Young)
Hallo einerdervielen
Sie haben sicher Recht, dass Lebensmittelbetrügereien nicht nur in China vorkommen.Dennoch möchte ich hier etwas ergänzen:
1.Die Medien
Es gab im März letzten Jahres einen Skandal in Amerika um vergiftete Tierfutter aus China.Chinesische Firmen hatten die chemikalie Melamin in den Weizengluten reingetan um einen hohen Proteingehalt vorzutäuschen.Daraufhin waren viele Haustiere in den USA an Nierenversagen gestorben.Das hat in den USA eine große Empörung ausgelöst.In China jedoch wurde dieser Skandal in der Presse größtenteils geschwiegen.Andere chinesische Medien unterstellten den Amerikanern chinesische Produkten absichtlich schlechtmachen zu wollen.Jedenfalls wurde diesem Vorfall in der chinesischen Öffentlichkeit keine Aufmerksamkeit geschenkt sodass kaum einer in der chinesischen Bevölkerung etwas von dem Skandal um die chemikalie Melamin wusste.
Am 2. Semptember hat das chinesische Staatsfernsehen CCTV das Unternehmen Sanlu noch ganz besonders gelobt.Die Kontrolle sei ganz besonders streng und die Kontrolltechnik sei besonders fortschrittlich in der Welt.
Chinesische Konsumenten wurden erbärmlich betrogen, denn zu diesem Zeitpunkt waren bereits viele chinesische Kleinkinder durch das vergiftete Milchpulver des Unternehmens Sanlu schwer erkrankt.Die Krankenfälle wurden leider von der Regierung und den Medien geheimgehalten.
2.Die chinesische Lebensmittelkontrolle
Die chinesischen Behörden hatten sogenannte:"Kontrollfreie Produkte" eingerichtet.Das bedeutet, viele Lebensmittelprodukte der chinesischen Unternehmen werden gar nicht kontrolliert.
Auch viele Milchpulverprodukte des Unternehmes Sanlu waren "kontrollfreie Produkte", was die Konsumenten verdeutlichen sollten dass die Produkte ganz besonders vertrauenswürdig waren.
In China stecken die Behörden und Unternehmen aller unter einer Decke.Chinesische Unternehmen zahlen Behörden Geld, damit sie so eine kontrollfreie Genehmigung bekommen können.
3.Die chinesische Regierung
Wie sich jetzt herausstellt, hat das neuseeländische Unternehmen Fonterra, welches ein großer Aktionär des Unternehmens Sanlu ist, die chinesischen Behörden schon Anfang August gewarnt und eine Rücknahme der vergifteten Produkte aufgefordert.
Die Forderung wurde abgelehnt.Ganz offensichtlich wollte die chinesische Regierung die Sache vertuschen.Natürlich wusste die Zentralregierung in Peking schon längst von den Vorfällen.Bis zum August wurden viele krankenfälle von Kleinkindern die an Nierenstein litten in mehreren Provinzen Chinas gemeldet.Die Kinder haben Milchpulver von derselber Marke getrunken.
Die Provinzregierung von Gansu hat sogar das Gesundheitsministerium in Peking am 16 Juli über ungewöhnliche Vorkommen von Nierensteinkrankheit von Säuglingen informiert.
Um die ausländischen Gäste nicht abzuschrecken und die Stimmung der olympischen Spiele zu verderben, hat die chinesische Regierung der Presse einen Maulkorb angelegt.
Erst nach einer Intervention der neuseeländischen Ministerpräsidentin Helen Clark persönlich war der Skandal nun nicht mehr geheimzuhalten.Die Zentralregierung in Peking musste dann etwas machen denn sonst könnte die neuseeländische Regierung die Sache selber der Öffentlichkeit bekanntgeben wodurch die Pekinger Führung das Gesicht verlieren würde!
Nun gibt die chinesische Regierung hauptsächlich den Milchbauern die Schuld.Doch die chinesischen Bauern sind meistens ungebildet, wie hätten sie die Technik besessen haben können um Melamin in Milch zu schmelzen?
Bisher hat die chinesische Zentralregierung selber keine Verantwortungen übernommen.Man hat bloss ein paar örtliche Beamten in Hebei gefeuert.
Doch dadurch wird das eigentliche Problem nicht gelöst, dass Regierungsbeamten und Unternehmen gemeinsame Sachen machen und gemeinsames Interesse haben.
Der Manager des Unternehmes Sanlu, Tian Huawen, war zugleich ein Sekretär des Parteikomitees.
Die Korruption kann unter solchen Umständen eines Einparteiensystems keinesfalls verschwinden, sie wird nur immer schlimmer!
Nun ist der Skandal heraus, doch die Berichterstattung üben den Skandal wird von der Partei strengst kontrolliert.
Im chinesischen Internet sind Stichworte wie Melamin sensible Worte geworden, die zensiert werden.In den bekannten chinesischen Internetportalen werden Beiträge und Artikel, die wegen des Milchskandals die Partei und Regierung kritisieren, sofort gelöscht.Diskussionsforen zu diesem Thema in chinesisch-sprachigen Internetseiten im Ausland wie beim BBC-Chinesisch werden von den chinesischen Behörden blockiert.Das chinesische Volk wurde betrogen, vergiftet und darf nun nicht mal seine Empörung über die Partei ausdrücken!
Zur Rechtstaatlichkeit.
Wie kann ein Parteistaat Rechtsstaatlichkeit besitzen wenn all seine Richter Parteismitglieder sind?Wie kann eine Justiz gerecht und unabhängig sein wenn sie die Führung der kommunistischen Partei unbedingt zu gehorchen hat?
Das sind alles grundlegende Probleme die bis heute nicht gelöst werden können.
Da kann die chinesische Führung so viele Gesetze vom Westen kopieren und einführen, doch die Gesetze werden nur auf dem Papier stehen und sie werden aussgeschaltet sobald man auf das Interesse der Partei stößt.Das ist nun mal das grundlegende Problem wenn wir von einem Rechtsstaat in China sprechen.
Das Grundprinzip der kommunistischen Partei alles kontrollieren zu wollen kann nie und nimmer aufgegeben werden, solange sie das Einparteiensystem und damit ihr Intersse aufrechterhalten will.
Auch bei der Lebensmittelkontrolle kann der Westen seine fortgeschrittene Technik an China transferieren.Doch das Problem wird dadurch nicht gelöst werden können.Das ganze System ist korrupt.Die Unternehmen und die Partei sind eng miteinander verflochten.Unternehmen bestechen den Staat damit der Staat mit seiner Staatsgewalt für sie nützlich sein kann.Und die Staatsbeamte tun das allzu gerne.Man kann dieses Problem im Rahmen des derzeitigen politischen Systems von China nicht lösen!
Der Kontrollmechanismus eines Einparteienstaates gegen die eigene Partei und System funktioniert einfach nicht!
Hallo, Reven!
Ich wollte mit meiner Erinnerung an die europäischen Lebensmittelskandale auch lediglich den üblichen "Da seht ihr's, die Chinesen mal wieder"-Kommentaren (die sich glücklicherweise bis jetzt noch nicht zu Wort gemeldet haben) den Wind aus den Segeln nehmen.
Was Sie da beschreiben, ist natürlich erschütternd. Es zeigt aber, dass nicht nur das Kartell aus korrupten Parteibonzen und skrupellosen Unternehmern noch funktioniert, sondern auch, dass von Seiten Amerikas nicht richtig reagiert worden ist. Hätte man gleich mit Sanktionen Druck ausgeübt (wie das etwa im Falle BSE in Europa mit englischem Rindfleisch geschehen ist) dann hätte man vielleicht etwas bewirkt. Diese Leute mögen Betrüger sein, aber sie haben bestimmt kein Interesse daran, vom Markt ausgesperrt zu werden.
Was die politische Seite angeht, waren wir hier im Forum schon öfters an diesem Punkt. Natürlich muss auf Dauer das Einparteiensystem überwunden werden. Wenn das nicht durch einen gewaltsamen Umsturz geschehen soll (der nicht einfach das Unrecht beseitigen, sondern womöglich auch das gefährden würde, was sich bisher an Positivem entwickelt hat) dann bleibt nur die Möglichkeit, auf eine Veränderung von innen heraus zu setzen. Dass so etwas nicht unmöglich ist, hat Gorbatschow in Russland gezeigt (auch wenn er letztlich mit seinem Projekt gescheitert ist, aber das steht auf einem anderen Blatt).
Hallo, Reven!
Ich wollte mit meiner Erinnerung an die europäischen Lebensmittelskandale auch lediglich den üblichen "Da seht ihr's, die Chinesen mal wieder"-Kommentaren (die sich glücklicherweise bis jetzt noch nicht zu Wort gemeldet haben) den Wind aus den Segeln nehmen.
Was Sie da beschreiben, ist natürlich erschütternd. Es zeigt aber, dass nicht nur das Kartell aus korrupten Parteibonzen und skrupellosen Unternehmern noch funktioniert, sondern auch, dass von Seiten Amerikas nicht richtig reagiert worden ist. Hätte man gleich mit Sanktionen Druck ausgeübt (wie das etwa im Falle BSE in Europa mit englischem Rindfleisch geschehen ist) dann hätte man vielleicht etwas bewirkt. Diese Leute mögen Betrüger sein, aber sie haben bestimmt kein Interesse daran, vom Markt ausgesperrt zu werden.
Was die politische Seite angeht, waren wir hier im Forum schon öfters an diesem Punkt. Natürlich muss auf Dauer das Einparteiensystem überwunden werden. Wenn das nicht durch einen gewaltsamen Umsturz geschehen soll (der nicht einfach das Unrecht beseitigen, sondern womöglich auch das gefährden würde, was sich bisher an Positivem entwickelt hat) dann bleibt nur die Möglichkeit, auf eine Veränderung von innen heraus zu setzen. Dass so etwas nicht unmöglich ist, hat Gorbatschow in Russland gezeigt (auch wenn er letztlich mit seinem Projekt gescheitert ist, aber das steht auf einem anderen Blatt).
Hallo, Reven!
Ich wollte mit meiner Erinnerung an die europäischen Lebensmittelskandale auch lediglich den üblichen "Da seht ihr's, die Chinesen mal wieder"-Kommentaren (die sich glücklicherweise bis jetzt noch nicht zu Wort gemeldet haben) den Wind aus den Segeln nehmen.
Was Sie da beschreiben, ist natürlich erschütternd. Es zeigt aber, dass nicht nur das Kartell aus korrupten Parteibonzen und skrupellosen Unternehmern noch funktioniert, sondern auch, dass von Seiten Amerikas nicht richtig reagiert worden ist. Hätte man gleich mit Sanktionen Druck ausgeübt (wie das etwa im Falle BSE in Europa mit englischem Rindfleisch geschehen ist) dann hätte man vielleicht etwas bewirkt. Diese Leute mögen Betrüger sein, aber sie haben bestimmt kein Interesse daran, vom Markt ausgesperrt zu werden.
Was die politische Seite angeht, waren wir hier im Forum schon öfters an diesem Punkt. Natürlich muss auf Dauer das Einparteiensystem überwunden werden. Wenn das nicht durch einen gewaltsamen Umsturz geschehen soll (der nicht einfach das Unrecht beseitigen, sondern womöglich auch das gefährden würde, was sich bisher an Positivem entwickelt hat) dann bleibt nur die Möglichkeit, auf eine Veränderung von innen heraus zu setzen. Dass so etwas nicht unmöglich ist, hat Gorbatschow in Russland gezeigt (auch wenn er letztlich mit seinem Projekt gescheitert ist, aber das steht auf einem anderen Blatt).
Das mit dem Druck und Amerika verstehe ich jetzt wirklich nicht mehr. Warum muß sich Amerika für Sanktionen stark machen, damit China ein internesse Qualitätssicherungsproblem in den Griff bekommt?
Ich erinnere nur an die wütenden Angriffe auf den 'beserwisserischen und überhabnlichen Westen', den ich in diversen China-Threads lesen durtfe. Man stelle sich nur vor, die USA hätten vor den OS so reagiert, wie Sie beschrieben haben, und die KP China hätte weiter ihre üblichen Verleumdungs- und Vertuschungskampagnen gefahren.
Nein, es bleibt zunächst ein chinesiches Problem, daß auf das 'der Westen' nach den Marktgesetzen reagieren kann - nämlich sich einen zuverlässigeren Partner suchen, der die gewünschte Qualität sicherstellt.
Die übergeordneten Probleme - keine Zivilgesellschaft, kein Rechtsstaat, Korruption, keine freie Presse - sind nicht mit Sanktionen zu lösen, sondern nur in Kooperation mit China und dem Westen - letzterer nur wenn gewünscht und wenn er weder besserwisserisch noch vorlaut auftritt.
'Keep On Rocking In A Free World' (Neil Young)
Das mit dem Druck und Amerika verstehe ich jetzt wirklich nicht mehr. Warum muß sich Amerika für Sanktionen stark machen, damit China ein internesse Qualitätssicherungsproblem in den Griff bekommt?
Ich erinnere nur an die wütenden Angriffe auf den 'beserwisserischen und überhabnlichen Westen', den ich in diversen China-Threads lesen durtfe. Man stelle sich nur vor, die USA hätten vor den OS so reagiert, wie Sie beschrieben haben, und die KP China hätte weiter ihre üblichen Verleumdungs- und Vertuschungskampagnen gefahren.
Nein, es bleibt zunächst ein chinesiches Problem, daß auf das 'der Westen' nach den Marktgesetzen reagieren kann - nämlich sich einen zuverlässigeren Partner suchen, der die gewünschte Qualität sicherstellt.
Die übergeordneten Probleme - keine Zivilgesellschaft, kein Rechtsstaat, Korruption, keine freie Presse - sind nicht mit Sanktionen zu lösen, sondern nur in Kooperation mit China und dem Westen - letzterer nur wenn gewünscht und wenn er weder besserwisserisch noch vorlaut auftritt.
'Keep On Rocking In A Free World' (Neil Young)
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