"Dies ist nicht die Zeit für die Ideologie der reinen Lehre", hatte John Boehner am Sonntag gesagt. Der Fraktionssprecher der Republikaner im Repräsentantenhaus wollte keine Kritik hören an dem Plan, bis zu 700 Milliarden Dollar für Regierungsinterventionen im amerikanischen Finanzmarkt bereit zu stellen. "Es geht hier nicht nur um die Wall Street", hatte Boehner die Dringlichkeit des Vorhabens betont , "es geht um den American Way of Life, um unsere Gesellschaft, unsere Wirtschaft." Den politischen Bloggern des Landes erscheint der Plan aber sehr wohl als Gesinnungsprobe. Während Vertreter beider Parteien die Notwendigkeit überparteilichen Vorgehens betonten, herrscht auch bei Bloggern beiderseits des politischen Spektrums Einigkeit: in der Ablehnung des Vorhabens.

In welcher Größenordnung sich die derzeit besprochenen 700 Milliarden Dollar bewegen, rechnet Blogger Meteor Blades in dem wichtigsten Demokraten-nahen Blog DailyKos vor: Aufgerundet auf eine Billion sei das "zehnmal soviel wie die Summe, die die Bundesregierung jährlich für Bildung ausgibt. 38 Prozent mehr als das aufgeblähte Jahresbudget des Pentagons. Und die Hälfte der Summe, die nötig ist, um die Krankenversicherung aller Amerikaner zu garantieren." Stattdessen gehe diese Summe nun womöglich an "waghalsige Unternehmer, ihre Lobbyisten und Marionetten im Kongress".

Nicht um Prioritäten, sondern ums Prinzip geht es der konservativen Bloggerin Michelle Malkin . Sie sieht die "Seele der Republikanischen Partei" gefährdet, die sich gerade in Wahljahren traditionell als Partei der strengen Haushaltsdisziplin und der niedrigen Steuern verstanden wissen will. "Doch, verdammt nochmal, dies ist die Zeit für die Ideologie der reinen Lehre", widerspricht sie Fraktionssprecher John Boehner. "Für ideologische Grundsätze. Ideologischen Mut."

"Absurd und unamerikanisch", nennt Ed Morrissey den Regierungsplan im konservativen Gruppenblog HotAir .  Er sieht nicht nur die Seele der Republikaner, sondern gar die amerikanische Demokratie gefährdet. Schließlich sei Amerika aus dem Verlangen heraus entstanden, Regierungen in die Schranken zu weisen und zu mehr Verantwortung gegenüber dem Volk zu zwingen. "Wir haben die Monarchie 1776 aufgegeben", schreibt Morrissey. Finanzminister Henry Paulson dürfe als ungewählter Regierungsbeauftragter jetzt nicht die alleinige Verfügungsgewalt über 700 Milliarden Dollar erhalten – zumal der aktuelle Gesetzesentwurf keine parlamentarische Kontrolle vorsehe, die doch die verfassungsmäßige Aufgabe des Kongress sei. Morrissey befürchtet eine "Panik, in der die parlamentarischen Führungskräfte ihre Rolle aufgeben, die Exekutive im Zaum zu halten."