Finanzkrise Der Markt ist schlau
Mit der Finanzkrise werden die Hüter der Marktkräfte auf einmal zu Planwirtschaftlern. Aber staatliche Eingriffe können nur kurzzeitig helfen.

© Spencer Platt/Getty Images
Wall-Street-Handel soll künftig stärker kontrolliert werden
Nun ist sie also vorbei, die seit Jahrzehnten turbulenteste Woche auf den Finanzmärkten. Lehman ist Pleite, Merrill Lynch nicht mehr selbstständig, die US-Regierung hat ein 700 Mrd. Dollar schweres Rettungspaket auf die Beine gestellt, und die Aufsichtsbehörden in den USA, Großbritannien und Deutschland haben die Marktkräfte teilweise außer Kraft gesetzt.
Um es vorwegzunehmen, vorerst sieht es danach aus, als ob die Märkte ihren Boden gefunden haben. Das Drohpotenzial der Notenbanken ist nun so gewaltig, dass sich jene Investoren, die von fallenden Kursen profitieren - die Shorties -, erst einmal zurückhalten müssen. Und auch wenn es in den vergangenen Tagen so anklang: Es ist grundsätzlich nichts Verwerfliches an der Strategie dieser Investoren.
Die Märkte leben davon, dass Investoren aufeinandertreffen, die unterschiedliche Meinungen haben. Positiv gestimmte Anleger kaufen dann Papiere von jenen Investoren, die davon ausgehen, dass die Kurse fallen werden. Sobald alle die gleiche Markterwartung haben, kommt kein Handel mehr zustande. Entweder rechnen alle mit weiter steigenden Kursen, dann ist niemand mehr bereit zu verkaufen, oder alle sind auf fallende Kurse eingestellt, dann will kein Investor mehr kaufen.
Die Short-Seller erhöhen damit also die Marktliquidität, und wenn das Umfeld günstig ist und die Kurse doch steigen, bekommen sie mit ihrer Strategie auch fürchterlich eins auf die Mütze. Umgekehrt sorgen diese Investoren aber auch für eine Bereinigung der Märkte, wenn sie fundamentale Fehlentwicklungen ausnutzen und darauf setzen, dass die Kurse überbewertet sind.
Wenn dem so ist, kann es auch zu Situationen kommen, in denen sich riesige Gewinnchancen auftun. Ein maroder Bereich, der jahrelang ohne Berücksichtigung des Risikos eine Luftblase erzeugt hat, ist so anfällig. Das kann im Extremfall zu einem systemischen Risiko für das gesamte Finanzsystem führen, so wie wir es jetzt gerade gesehen haben.
Die jetzt getroffenen Maßnahmen haben dieses Risiko erst einmal beseitigt, aber man sollte nicht zu große Hoffnungen haben, dass dadurch der zuvor bestehende Zustand wieder hergestellt würde. Der Sturm hat an den Finanzmärkten unwiderrufliche Schäden verursacht, die noch lange zu spüren sein werden. Aber für ein endgültiges Urteil ist es zu früh. Zu groß sind die Fragen und die Unsicherheiten, die mit den Maßnahmen verbunden sind.
- Datum 04.05.2009 - 10:54 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Ich habe schon darauf gewartet, dass sich einer dieser dieser halbseidenen Herren meldet, um uns zu erklären, dass die massenhafte Vernichtung von Volksvermögen, die wir in der letzten Woche bestaunen konnten, eigentlich ein ganz normales Marktgeschehen sei. Mit Verlaub, aber auch mir als eigentlich gesittetem Zeitgenossen, platzt allmählich der Kragen angesichts solcher Arroganz und Ignoranz.
John Kenneth Galbraith hat das in seinem letzten Essay kurz vor seinem Tod völlig korrekt beschrieben: Ökonomie des unschuldigen Betrugs. Hoffentlich finden sich bald mehr solche Ökonomen, die ihr Gewissen nicht in der Banklobby abgegeben haben und sich trauen, Klartext zu reden. Diese Verdummung durch Pseudo-Experten, die nichts anderes im Sinn haben, als ihren eigenen Geldbeutel, muss ein Ende haben!
Ein kleines, sehr anschauliches Beispiel dafür, dass die Journaille dieses Geschwätz völlig kritiklos übernimmt, lieferte Ende letzter Woche die ZDF-heute-Sendung, als sie zu erklären versuchte, welche "Gefahren" in den Leerverkäufen lauern.
Sinngemäß lautete die mit hübschen Grafiken unterlegte Erklärung wie folgt:
1. Ein Marktteilnehmer bietet eine Aktie für 1000 Euro an, ohne sie zu besitzen. Ein anderer kauft sie. Nun hat der Anbieter 2 Tage Zeit die Aktie tatsächlich zu übergeben. Er spekuliert auf fallende Kurse, kauft sie günstig und streicht den Reibach ein.
2. Die Gefahr dabei: Wenn viele das tun, befinden sich plötzlich eine Menge Aktien auf dem Markt und drücken den Kurs.
Was stimmt daran nicht?
Ganz einfach: Es sind nicht "viele Aktien" auf dem Markt, sondern eine Menge Nichts, denn Satz 1 sagte ja ganz klar, dass der Anbieter gar nicht besitzt, was er da anbietet.
Ergo: Eine Menge Nichts kann den Wert eines real existierenden Unternehmens (denn das ist es doch eigentlich, was in den Aktien zum Ausdruck kommt) drücken.
Das ist, da kann so ein "Fachmann" noch so tolle Fachtermini benutzen, nichts anderes als Betrug.
beruht auf einem durch Täuschung erlangten Vermögensvorteil, der Käufer weiss aber Bescheid. Also nach deutschem Strafrecht kein Betrug. Das gleiche können Sie auch mit einem noch nicht produziertem Auto machen. Sie setzen auf die Chance der Wertsteigerung. Vermutlich war das Galbraith "Unschuld". Wie die Folgen sind, vermag ich nicht zu beurteilen. Regeln, die Auswüchse bekämpfen braucht man sicher, aber marktwirtschaftlicher Warenverkehr mit "sozialistisch" geregeltem Geldverkehr wird nicht funktionieren.
beruht auf einem durch Täuschung erlangten Vermögensvorteil, der Käufer weiss aber Bescheid. Also nach deutschem Strafrecht kein Betrug. Das gleiche können Sie auch mit einem noch nicht produziertem Auto machen. Sie setzen auf die Chance der Wertsteigerung. Vermutlich war das Galbraith "Unschuld". Wie die Folgen sind, vermag ich nicht zu beurteilen. Regeln, die Auswüchse bekämpfen braucht man sicher, aber marktwirtschaftlicher Warenverkehr mit "sozialistisch" geregeltem Geldverkehr wird nicht funktionieren.
Mit Hilfe von staatlichen Eingriffen kann man die Marktkräfte kurzzeitig bändigen. Vielleicht hilft das, die Gemüter erst einmal zu beruhigen, aber auf Dauer ist der Markt viel zu schlau, als dass er sich von den Überlegungen staatlicher Stellen ausbremsen lassen wird.
Die Dummen sind Leute, welche eher wenig Kohle haben; auf (wie auch in den USA) Renten aus Investmentgeschichten setzen (müssen), welche auch mal schnell (indirekt) ihren Arbeitsplatz wegrationalisieren usw. usf. ..
Und staatlich alimentierte Lehrbeauftragte/Professoren für BWL/VWL, welche auch nur die Grundrechenarten geradeso kapiert haben freuen sich drüber, daß die Allgemeinheit namens "Staat" im Zweifelsfall in die Bresche springt, aber "die Märkte" diese Allgemeinheit auch nur verarschen.
Und staatlich alimentierte Lehrbeauftragte/Professoren für BWL/VWL, welche auch nur die Grundrechenarten geradeso kapiert haben[...]
Ach, und wie wird man neuerdings Professor? Lassen Sie mich raten, man gehört zur priviligierten Schicht (reingeboren natürlich) und kann eigentlich gar nichts, man hatte halt das Glück dass man die richtigen Leute kennt?
Aber Sie haben recht, es läuft wirklich wie immer: Sobald jemand eine andere (marktliberalere) Meinung vertritt, ist er korrupt und profitiert davon, die Allgemeinheit zu verarschen. Damit erspart man sich dann auch eine inhaltliche Diskussion, ist ja eh nicht nötig, man kann sich ja an drei Fingern abzählen wie's in der Finanzbranche zugeht. Bis auf die, die entscheiden, die mussten jahrelang studieren, haben dann aber trotzdem keine Ahnung. Korrigieren Sie mich wenn ich falsch liege, aber das ist wirklich eine außergewöhnliche Logik!
Und staatlich alimentierte Lehrbeauftragte/Professoren für BWL/VWL, welche auch nur die Grundrechenarten geradeso kapiert haben[...]
Ach, und wie wird man neuerdings Professor? Lassen Sie mich raten, man gehört zur priviligierten Schicht (reingeboren natürlich) und kann eigentlich gar nichts, man hatte halt das Glück dass man die richtigen Leute kennt?
Aber Sie haben recht, es läuft wirklich wie immer: Sobald jemand eine andere (marktliberalere) Meinung vertritt, ist er korrupt und profitiert davon, die Allgemeinheit zu verarschen. Damit erspart man sich dann auch eine inhaltliche Diskussion, ist ja eh nicht nötig, man kann sich ja an drei Fingern abzählen wie's in der Finanzbranche zugeht. Bis auf die, die entscheiden, die mussten jahrelang studieren, haben dann aber trotzdem keine Ahnung. Korrigieren Sie mich wenn ich falsch liege, aber das ist wirklich eine außergewöhnliche Logik!
Und staatlich alimentierte Lehrbeauftragte/Professoren für BWL/VWL, welche auch nur die Grundrechenarten geradeso kapiert haben[...]
Ach, und wie wird man neuerdings Professor? Lassen Sie mich raten, man gehört zur priviligierten Schicht (reingeboren natürlich) und kann eigentlich gar nichts, man hatte halt das Glück dass man die richtigen Leute kennt?
Aber Sie haben recht, es läuft wirklich wie immer: Sobald jemand eine andere (marktliberalere) Meinung vertritt, ist er korrupt und profitiert davon, die Allgemeinheit zu verarschen. Damit erspart man sich dann auch eine inhaltliche Diskussion, ist ja eh nicht nötig, man kann sich ja an drei Fingern abzählen wie's in der Finanzbranche zugeht. Bis auf die, die entscheiden, die mussten jahrelang studieren, haben dann aber trotzdem keine Ahnung. Korrigieren Sie mich wenn ich falsch liege, aber das ist wirklich eine außergewöhnliche Logik!
beruht auf einem durch Täuschung erlangten Vermögensvorteil, der Käufer weiss aber Bescheid. Also nach deutschem Strafrecht kein Betrug. Das gleiche können Sie auch mit einem noch nicht produziertem Auto machen. Sie setzen auf die Chance der Wertsteigerung. Vermutlich war das Galbraith "Unschuld". Wie die Folgen sind, vermag ich nicht zu beurteilen. Regeln, die Auswüchse bekämpfen braucht man sicher, aber marktwirtschaftlicher Warenverkehr mit "sozialistisch" geregeltem Geldverkehr wird nicht funktionieren.
waren schon immer der letzte Rettungsanker der Halbseidenen!
waren schon immer der letzte Rettungsanker der Halbseidenen!
waren schon immer der letzte Rettungsanker der Halbseidenen!
der ungezügelte finanzkapitalismus vernichtet keine werte, er verteilt um.
nach meinem dafürhalten entstehen werte nur durch arbeit, oder so: die substanz des wertes ist die arbeit, menschliche arbeit.
sobald dann der freie markt seine überlegenheit über jede form sozialer marktwirtschaft bewiesen hat (nach kapitalistischer rede ist jede form sozialer gestaltung ja bereits sozialismus), durch regelmäßig auftretende krisen, werden die verluste dann sozialisiert, wo die gewinne vorher, basierend auf ausbeutung menschlicher arbeit, privatisiert worden.
wem das alles zu flach formuliert ist, sei empfohlen sich mit einem kenner des scenariums zu beschäftigen: karl Marx: das kapital (auch dann hilfreich, wenn man/frau die politischen konsequenzen der analysen nicht teilen möchte) und dann vielleicht jörg Huffschmid: Politische Ökonomie der Finanzmärkte. Zuerst 1999, erweiterte und aktualisierte Neuauflage Hamburg 2002, ISBN 3879758638
[entfernt, bitte bleiben Sie sachlich und nutzen Sie dieses Forum nicht als Pinnwand für "offene Briefe"/ Redaktion; svb]
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