Reaktionen auf Attentat "Traurig und abscheulich"

Einen Tag nach dem Amoklauf von Kauhajoki sind die Finnen traurig und sprachlos. Viele fragen sich, wie sich eine solche Tat so schnell wiederholen konnte

Am Abend des Amoklaufs entzünden Schüler Kerzen vor der Berufsschule in Kauhajoki

Am Abend des Amoklaufs entzünden Schüler Kerzen vor der Berufsschule in Kauhajoki

"Eine Kerze brennt in meinem Fenster, in meinem Herzen fühle ich tiefe Trauer", schreibt die Schülerin Anne Holopainen im Internet-Netzwerk Facebook. Daneben ein Eintrag der Studentin Sari Ojantola: "Ich habe lange überlegt, was ich hier schreiben könnte. Doch mir fehlen die Worte. Mein stilles und starkes Mitgefühl gilt allen Angehörigen."

Holopainen und Ojantola sind wie Tausende andere Nutzer der spontan gegründeten Gruppe "Light a candle for victims of Kauhajoki school massacre" (Entzündet eine Kerze für die Opfer des Kauhajoki-Schul-Massakers) beigetreten. Hunderte Nachrichten, von denen die ersten wenige Stunden nach dem Amoklauf eintreffen, zeugen von Trauer und Sprachlosigkeit über eine Tat, die das Land in einen kollektiven Schock versetzt hat. „Ich selber habe früher diese Schule besucht, und meine Mutter hat dort gearbeitet – ich kann nicht begreifen, was passiert ist“, schreibt ein Mädchen namens Katja Rasinmäki. Und eine Lehrerin berichtet: „Meine Schüler fragen sich, wann so etwas bei uns passiert. Es ist traurig und abscheulich zu wissen, dass ich einem solchen Szenario machtlos gegenüberstehe.“

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Bereits zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres wurde eine finnische Schule zum Schauplatz eines blutigen Amoklaufs. Im November 2007 hatte ein 18-Jähriger in einem Schulzentrum nahe der Kleinstadt Jokela mehrere Mitschüler, seine Rektorin, eine Krankenschwester und schließlich sich selbst getötet. Viele Finnen suchen nach Antworten auf die Frage, wie es zu solch einer schrecklichen Wiederholung kommen konnte. "Immer mehr jungen Menschen geht es schlecht, sie werden ausgegrenzt, sie vereinsamen und bekommen Depressionen", schreibt ein Schüler im Internet-Forum "suomi24". Ein anderer stimmt ihm zu: „Viele Reden wurden seit der Tragödie von Jokela geschwungen, doch bis heute wurde nichts getan, um die Situation der Jugend zu verbessern.“ Eine Mutter sieht das Problem in den Familien: "Wie kann es sein, dass Eltern und Verwandte nicht merken, dass es ihren Kindern schlecht geht? Sind Arbeit und andere Dinge wichtiger als das Wohlergehen ihrer Nächsten?"

Das finnische Fernsehen sendete stundenlange Sondersendungen. Beim Privatsender MTV3 wagte die Krisenpsychologin Salli Saari eine Erklärung für die Bluttat: „Junge Menschen wollen Beachtung und erhalten sie durch diese Taten.“ Die Amokläufe hätten dadurch eine starke Wirkung auf Nachahmer, so Saari. Seit dem ersten finnischen Fall in Jokela seien reihenweise Drohungen an Schulen geschickt worden. "Ich denke schon, dass dies etwas darüber aussagt, wie es einem Teil der Jugendlichen und jungen Erwachsenen in unserem Land geht. Sie sind hoffnungs- und perspektivlos in ihrem eigenen Leben." Dass Gewalt in einigen Fällen zur letzten Lösung wird, hält Saari für äußerst alarmierend.

Leser-Kommentare
  1. Beim Lesen dieser traurigen Nachricht, insbesondere aber der darauf folgenden Kommentare von finnischen Psychologen, Politikern und anderer Mitmenschen erleidet der an deutsche Medien gewöhnte Leser ein gewisses Maß an Verwirrung: Da ist von Hoffnungs- und Perspektivlosigkeit die Rede, Gewalt als ultima ratio verzweifelter Jugendlicher, von Ausgrenzung, Vereinsamung und Depressionen und schließlich von fehlender Sensibilität seitens der Eltern und Verwandten. Moment mal: was sind das für fadenscheinige Erklärungsversuche? Haben wir nicht alle gelernt, dass die Computerspiele monokausal für derartiges Verhalten verantwortlich sind? Hat etwa die finnische Kälte die kognitiven Fähigkeiten der Finnen benebelt, dergestalt, dass sie anstatt plausiblen, einfachen Erklärungsversuchen anzuhängen auf komplexe, multikausale und wenig medienwirksame rekurrieren? Und wohin soll das ganze führen? Das könnte ja fast darin resultieren, dass es - Gottes Wege sind unergründlich - die Finnen tatsächlich eines Tages schaffen, durch eine (völlig unverständliche) gute Bildungs- und Arbeitspolitik, durch komplexe Ursachenanalyse etc. diese traurigen Ereignisse zu eliminieren oder zumindest zu minimieren.

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    e.U.

    Villeicht habe ich zu lange Zeit in diesem Land/Finnland verbracht, aber wie sonst als multikausal soll man denn die Gründe des Massakars in Finnland erleutern?
    Wir machen es uns zu bequem, wenn wir das Massaker Komputerspielen, Waffen, oder Actionfilmen zuschreiben wollen.
    Wer morden möchte tut das auch mit dem Küchenmesser.
    Salmi hat bekommen was er wollte. Die führende finnische Tageszeitung Helsingin Sanomat hat– als Ausdruck ihrer Trauer– der Tat ihre Titelseite gewidmed. Normalerweise drucken finnische Zeitungen auf ihren Tietelseiten geldeinbringende Werbeinserate.
    In den letzen 15 Jahren hat Finnland sämtlige Schulpsycholongen und andere Leistungen weggespart. Solche Massaker waren herauszusehen.
    Unseren westlichen, nur der liberalen Wirtschaft hinterherrennenden Gesellschaft fehlt es an Werten. Sie hat jungen Leuten keine Inhalte zu vermitteln. Und ein Leben ohne Inhalt scheint nutzloß.
    Junge Männer möchten Helden sein, nur giebt es nichts wofür es sich zu sterben lohnt. Abgesehen davon daß morden und sterben keine wirklichen Heldentaten sind. Ich setze solche Leute mit RAF -und Al Quaida terroristen gleich.
    Es sind verzweifelte junge Menschen, die wer sein möchten, die unsterblich sein möchten.
    Jeder kann sich selbst fragen, welche Werte er/ sie jungen Leuten in seinem/ihrem Umfeld vermitteln möchten.
    Um nich noch multikausaler zu Fragen ;)

    e.U.

    Villeicht habe ich zu lange Zeit in diesem Land/Finnland verbracht, aber wie sonst als multikausal soll man denn die Gründe des Massakars in Finnland erleutern?
    Wir machen es uns zu bequem, wenn wir das Massaker Komputerspielen, Waffen, oder Actionfilmen zuschreiben wollen.
    Wer morden möchte tut das auch mit dem Küchenmesser.
    Salmi hat bekommen was er wollte. Die führende finnische Tageszeitung Helsingin Sanomat hat– als Ausdruck ihrer Trauer– der Tat ihre Titelseite gewidmed. Normalerweise drucken finnische Zeitungen auf ihren Tietelseiten geldeinbringende Werbeinserate.
    In den letzen 15 Jahren hat Finnland sämtlige Schulpsycholongen und andere Leistungen weggespart. Solche Massaker waren herauszusehen.
    Unseren westlichen, nur der liberalen Wirtschaft hinterherrennenden Gesellschaft fehlt es an Werten. Sie hat jungen Leuten keine Inhalte zu vermitteln. Und ein Leben ohne Inhalt scheint nutzloß.
    Junge Männer möchten Helden sein, nur giebt es nichts wofür es sich zu sterben lohnt. Abgesehen davon daß morden und sterben keine wirklichen Heldentaten sind. Ich setze solche Leute mit RAF -und Al Quaida terroristen gleich.
    Es sind verzweifelte junge Menschen, die wer sein möchten, die unsterblich sein möchten.
    Jeder kann sich selbst fragen, welche Werte er/ sie jungen Leuten in seinem/ihrem Umfeld vermitteln möchten.
    Um nich noch multikausaler zu Fragen ;)

    • helgam
    • 24.09.2008 um 9:30 Uhr

    Wahrscheinlich sind die Bürger auch in unserem Lande zu sehr mit sich delbst beschäftigt und machen es den Jungen schwer, anerkannt und geschätzt zu werden.
    Woher kommt diese Ignoranz der anderen,jungen, unauffälligen?
    Jeder, der in dieser Gesellschaft wahrgenommen werden will muß irgendwie auffallen durch irgend etwas. Liegt vielleicht darin der Schlüssel, daß wir glauben, daß das das Leben ist?
    Wer enttarnt die Selbsttäuschungen unsere Zeit, damit nicht noch mehr junge Menschen in der emotionalen Kälte zurückgelassen werden?
    Hier sind wir alle in der Verantwortung

  2. Das PISA-Musterland ist wieder Tatort geworden. Wer trägt schuld? Die Schule? Die Eltern? Mitschüler? Alle? Niemand?
    Sechs Jahre lang, also beginnend mit 16 Jahren hat der junge Mann seinen Amoklauf vorbereitet. Das heißt: auch jetzt plant wieder mind. ein Jugendlicher seine Tat, von der wir später hören werden, oder? Was kann also jetzt getan werden? Nichts?
    In Finnland ist so simpel: wo Waffen verbreitet werden kommen sie auch zum Einsatz, so oder so. Aber bei uns? Da sind deutsche Hass-Musiker, die ihre Hände immer in Unschuld waschen, Eltern, die nicht wohlwollend ins Zimmer schauen, was ihr Sprößling so treibt, Politiker, die für Jugendliche nicht genügend Freizeitangebote und - einrichtungen zur Verfügung stellen sowie eine Gesellschaft, die dafür kein Geld ausgeben möchte.

    Und die Medien? RTL und Co. zeigen den Täter mit Gesicht (anders als z. B. TAGESSCHAU)- da tragen die pivaten TV-Sender durchaus Mitschuld für zukünftige Täter in Deutschland, die hier vermittelt bekommen, so berühmt werden zu können.
    Aber nachher jammert wieder Peter Kloeppel scheinheilige Entrüstung. Motto: "Wir" haben in unserem verantwortungslosen Umgang mit dem Denken und Fühlen junger Menschen nichts zu tun gehabt. Und behaupten dann: Gewaltvideos sind natürlich auch nicht schuld, weil RTL/PRO7 und Co. selbst ihre gewaltverherrlichenden Filme unters Volk bringen "müssen" wegen der Werbekunden.
    Ich könnte kotzen.

  3. e.U.

    Villeicht habe ich zu lange Zeit in diesem Land/Finnland verbracht, aber wie sonst als multikausal soll man denn die Gründe des Massakars in Finnland erleutern?
    Wir machen es uns zu bequem, wenn wir das Massaker Komputerspielen, Waffen, oder Actionfilmen zuschreiben wollen.
    Wer morden möchte tut das auch mit dem Küchenmesser.
    Salmi hat bekommen was er wollte. Die führende finnische Tageszeitung Helsingin Sanomat hat– als Ausdruck ihrer Trauer– der Tat ihre Titelseite gewidmed. Normalerweise drucken finnische Zeitungen auf ihren Tietelseiten geldeinbringende Werbeinserate.
    In den letzen 15 Jahren hat Finnland sämtlige Schulpsycholongen und andere Leistungen weggespart. Solche Massaker waren herauszusehen.
    Unseren westlichen, nur der liberalen Wirtschaft hinterherrennenden Gesellschaft fehlt es an Werten. Sie hat jungen Leuten keine Inhalte zu vermitteln. Und ein Leben ohne Inhalt scheint nutzloß.
    Junge Männer möchten Helden sein, nur giebt es nichts wofür es sich zu sterben lohnt. Abgesehen davon daß morden und sterben keine wirklichen Heldentaten sind. Ich setze solche Leute mit RAF -und Al Quaida terroristen gleich.
    Es sind verzweifelte junge Menschen, die wer sein möchten, die unsterblich sein möchten.
    Jeder kann sich selbst fragen, welche Werte er/ sie jungen Leuten in seinem/ihrem Umfeld vermitteln möchten.
    Um nich noch multikausaler zu Fragen ;)

    Antwort auf "traurig und seltsam"
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    Ok, multikausaler Ursachenforschung kann ich zustimmen. Aber "mit dem Küchenmesser" ballert man nicht mal eben 10 Menschen um. Auch wenn es Sie abschreckt: mit einer Waffe lässt sich emotional leichter jemanden umbringen als wenn man direkt "Hand anlegen" muss.
    Und: Küchenmesser-Amokläufe werden in Computerspielen höchst selten simuliert.
    Ich bitte um Verzeihung, wenn dieser Sarkasmus jemanden verletzten sollte.

    Ok, multikausaler Ursachenforschung kann ich zustimmen. Aber "mit dem Küchenmesser" ballert man nicht mal eben 10 Menschen um. Auch wenn es Sie abschreckt: mit einer Waffe lässt sich emotional leichter jemanden umbringen als wenn man direkt "Hand anlegen" muss.
    Und: Küchenmesser-Amokläufe werden in Computerspielen höchst selten simuliert.
    Ich bitte um Verzeihung, wenn dieser Sarkasmus jemanden verletzten sollte.

  4. Ok, multikausaler Ursachenforschung kann ich zustimmen. Aber "mit dem Küchenmesser" ballert man nicht mal eben 10 Menschen um. Auch wenn es Sie abschreckt: mit einer Waffe lässt sich emotional leichter jemanden umbringen als wenn man direkt "Hand anlegen" muss.
    Und: Küchenmesser-Amokläufe werden in Computerspielen höchst selten simuliert.
    Ich bitte um Verzeihung, wenn dieser Sarkasmus jemanden verletzten sollte.

    Antwort auf "Kauhajoki"
  5. Nein, mit noch mehr Bildung hat es wohl nichts zu tun. Sehr wohl aber mit dem
    Kriegszustand, in dem sich viele Kinder bereits befinden. Kinder, die keine Nestwärme kennen, im Wege stehen, die Probleme der Erwachsenen auf ihrem Rücken austragen, zu früh lernen, hart zu sein, dies entweder in gleicher Münze an ihre Umwelt weitergeben oder sich komplett verschließen. Das Verlangen nach Liebe und Gehör bleibt ein dauerhaft unterdrücktes Bedürfnis. Bedroht sind insbesondere die Schweigenden, denn niemand fühlt sich veranlasst, ihre Probleme wahrzunehmen, niemand erkennt ihren wachsenden Hass, denn irgendwo muss sich das Defizit niederschlagen.
    Bei diesen Kindern und Jugendlichen kommt es nicht zur offenen Konfrontation,
    sondern zur Versteinerung innerhalb der eigenen Welt, gefördert durch Veranlagung, Ablehnung, Überforderung und Mobbing durch andere sozial Geschädigte, die ihre Defizite aktiv an Schwächeren ausleben.
    Ihrer ummauerten Welt entkommen die schweigend leidenden und vor sich hin gärenden nur durch Flucht in entsprechende Internetwelten, die für jede Verfassung das adequate Ambiente bereit halten. Hier lernen sie,
    wie man sich für jede Ausgrenzung, jede Verletzung, jede Ungerechtigkeit mit einfachen Mitteln und schnellem Erfolg rächen kann.
    Hier finden sie das Terrain zur grenzenlosen Selbstdarstellung und Machtergreifung...
    seht her, das bin 'Ich und meine Walther P22 beim Zielschießen' und 'Du stirbst als nächster'
    ... Grenzenloser Hass und Allmachtstaumel, Verzweiflung und rücksichtslose
    Gewaltbereitschaft auf dem Weg zur Hölle, doch die da draußen nehmen
    es noch immer nicht zur Kenntnis. Dass er im Besitz von Handfeuerwaffen ist, weiß inzwischen jeder, der seine Selbstdarstellung verfolgt, auch die Polizei. Eine Stunde vor der Tat hinterlässt er seine letzten virtuellen Drohungen ... dann ist der Bruch mit dem Leben da.

    ELTERN, MEDIEN, Lehrer, Polizisten, Verwandte, Nachbarn, Arbeitgeber und Gesetzgeber -
    alle sind aufgerufen, den Höllenweg wahrzunehmen und zu durchkreuzen.
    Nicht einfach, wenn Verantwortung so leicht delegiert werden kann ... von den Medien an die Eltern, von den Eltern an die Lehrer, von den Polizisten an die Gesetzgeber, vom Gesetzgeber zurück an jeden Einzelnen ...

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