Schulmassaker Die Suche nach den Ursachen

Zehn Ermordete und ein Selbstmord in einer finnnischen Schule: Wer ist schuld? Wir hätten so gerne eine griffige Erklärung. Und müssen doch darauf verzichten

Hätte man ihn stoppen können? Auf YouTube veröffentlichte Matti S. seine Tötungsfantasien

Hätte man ihn stoppen können? Auf YouTube veröffentlichte Matti S. seine Tötungsfantasien

Der 22-jährige Matti S. schießt gezielt auf junge Leute, die er gut kannte. Außerdem bringt er Sprengsätze und Chemikalien mit in seine eigene Schule und legt Feuer, an dem einige der Opfer ersticken. Als die Polizei die Schule stürmt, schießt er sich selbst in den Kopf und stirbt Stunden später an seinen Verletzungen.

Er war kein Amokläufer im eigentlichen Sinne, wie die meisten Schulattentäter übrigens nicht. Matti S. ist nicht spontan durchgedreht. In seinem Zimmer im Studentenwohnheim von Kauhajoki fand die Polizei Aufzeichnungen, wonach der Berufsschüler das Massaker seit sechs Jahren geplant hatte. Nicht nur in seinen privaten Notizen formulierte er seinen Hass auf alle Mitmenschen. Er veröffentlichte auch Videos im Internet, in denen er in die Kamera schießt und mit Mord droht.

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Jeder, der von dieser so verstörenden Tat hört, möchte – wie bei ähnlichen früheren – eine Erklärung haben, um das Unheil irgendwie begreifen zu können und um solche Gewalttaten in der Zukunft zu verhindern. Wie wird ein Mensch so hasserfüllt? Wer hat versagt? Was ist die Ursache? Die Finnen fragen sich: Warum bei uns? Warum schon ein zweites Mal in kurzer Zeit?

Aber gibt es auf diese Fragen wirklich Antworten? Bekommen wir irgendetwas zu fassen, an dem wir uns festhalten können?

Die Killerspiele und das Internet

Das Phänomen ließ sich tatsächlich beobachten an den Tätern von Erfurt, Emsdetten, an denen von Littleton oder in Virginia und wo auch immer es Schulmassaker gab. Bastian und Robert übten das Gewaltverbrechen mit ihren Computer-Gewaltsspielen ein. Endlich einmal selbst Macht haben, zunächst in der virtuellen Welt, dann im wahren Leben!

Allerdings betont sogar der Kriminologe Christian Pfeiffer , der Computerspiele generell aus Kinderzimmern verbannen möchte: „Das alleine würde niemals reichen. Sonst hätten wir Tausende von Amokläufern.“ Die Ursachenkette gehe nicht so herum, dass Computerspiele jemanden unmittelbar zum Gewalttäter werden lassen. Vielmehr betreffe es Hochgefährdete, Frustrierte, Verlierer, die dann in den Sog einer solchen Tötungsfantasie virtuell hineingeraten können.

Die Ursachen müssen also in der wirklichen Welt zu suchen sein. Den Hass verbreiten und das Töten einüben – das gelänge auch mit Hilfe anderer Medien oder Spiele.

Chancenlosigkeit oder die demütigende Schule

Die Schule gilt deshalb als das Ziel von Gewalttaten, weil hier das eigene Versagen erlebt und vorgeführt wird. Lehrer sortieren oft aus. Der Unterricht wird für viele Kinder und Jugendliche nicht als der Raum erlebt, in dem ihre Talente gefördert, sondern ihre Schwächen bloßgelegt werden.

Nun befinden wir uns aber diesmal in Finnland. Im Musterland der Bildung. Die jedes Jahr von neuem bestätigten Spitzenleistungen der finnischen Kinder in der PISA-Studie werden gerade damit begründet, dass genau das – die Demütigung der Kinder – dort nicht geschieht.

Chancengleichheit ist neben hoher Leistung in den finnischen Schulen das oberste Ziel. Alle gehen bis zur 9. Klasse gemeinsam zur Schule. Bildung und Soziales werden vernetzt: Gesundheitsfürsorge, Sozialarbeit und das Angebot eines Mittagessens sind in den Schulen selbstverständlich. Wer betrunken zur Schule kommt, wird von einem Sozialarbeiter oder Psychologen betreut.

Die Aufgabe der Lehrer ist es, jedes einzelne Kind wohlwollend im Blick zu behalten und zu fördern. Natürlich wird auch in Finnland gespart, manche Klassen sind zu groß, manche Lehrer sind nicht motiviert, weil sie unterbezahlt sind.

Chancenlos, ein Verlierer war Matti S. jedenfalls offensichtlich nicht. Ihm lag als Berufsschüler vielleicht nicht die Welt zu Füßen. Aber er hatte eine lohnende Perspektive.

Autoritäten

Die Polizei war informiert über die Gewaltvideos des Waffenbesitzers Matti S. Sie vernahmen ihn sogar ein paar Tage zuvor. Und ließ ihn laufen, ohne ihm die Waffe und den Waffenschein zu entziehen. Es lag zu wenig gegen ihn vor. Doch wie viele Jugendliche müsste man verhaften und bestrafen, weil sie sich in Gewaltfantasien ergehen? Wie viele Finnen, die traditionell gerne zur Jagd gehen und deshalb Waffen besitzen, müsste man verdächtigen, obwohl die Kriminalitätsrate in dem nordischen Musterland beeindruckend gering ist? Hätte die Polizei ahnen können, dass Matti S. seine Fantasien umsetzen würde? Ministerpräsident Matti Vanhanen meint, ja. Die Verantwortlichen werden sich selbst diesen Vorwurf bestimmt machen. Doch darf die Allgemeinheit so schnell schießen?

Die Waffengesetze

Nach den USA und dem Jemen kommt gleich Finnland, was die Zahl der Waffen pro Kopf betrifft, die der Normalbürger besitzt. Den Waffenschein bekommt man leicht. Auch Matti S. besaß rechtmäßig eine Kleinkaliberpistole.

Die Waffengesetze wurden schon nach dem Schulmassaker eines 18-jährigen Gymnasiasten im vergangenen Jahr diskutiert. Nun will Innenministerin Anne Homlund sie überprüfen lassen. Auch im in dieser Hinsicht strengen Deutschland kamen die Waffengesetze ins Gespräch nach den Amokläufen von Erfurt und Emsdetten. In den USA sowieso. Sicher ließen sich viele der tödlichen Unfälle und ein paar spontane Gewalttaten verhindern, wenn Waffen nicht mehr so leicht zu bekommen wären, schon gar nicht für Jugendliche. Es würde sich schon lohnen, darüber nicht nur zu diskutieren.

Doch hätten in diesem Fall schärfere Gesetze genutzt? Der Täter war volljährig. Noch ist nicht klar, ob er überhaupt mit seiner eigenen Waffe geschossen hat. Das Gerücht geht um, es war eine großkalibrige, für die er gar keine Zulassung hatte. Wer so etwas plant, der organisiert sich auch illegal ein Tötungsgerät.

Die Gesellschaft

Die finnische Staatspräsidentin Tarja Halonen sagte: "Wir sind weiterhin ein sicheres Land, wir haben weiterhin das weltbeste Bildungssystem – hier geht es um Ursachen, die einer viel tiefer gehenden Untersuchung bedürfen."

Da sind wir wieder. Stochern im Dunkeln und müssen uns eingestehen: Es kommt viel zusammen, bis ein Mensch andere und sich selbst in einem spektakulären Akt vernichtet - Einsamkeit, Ohnmacht, Hilflosigkeit. Die Mitbewohner im Studentenwohnheim und Mitschüler schilderten Matti als still, wenig auffällig und generell "völlig normal wirkend". Wir müssen uns eingestehen, dass wir manche Dinge nicht kontrollieren und durchschauen können. Aber etwas aufmerksamer und mitfühlender, das können wir sicher sein.

Denn „die Gesellschaft“ ist niemand, den man verhaften kann. Es wäre so erleichternd, wenn wir einfach Computerspiele oder Waffen verbieten könnten, damit so etwas niemals wieder geschieht. Oder wenn wir einen Lehrer oder Polizisten verurteilen und ins Gefängnis stecken könnten, der die Schuld auf sich nimmt. Erledigt. Abgehakt.

Die Gesellschaft, das sind leider wir selbst: Eltern, Kinder, Nachbarn, Freunde, Mitschüler. Die Verantwortungsträger gehören auch dazu, die Politiker, Lehrer, Polizisten, Sozialarbeiter und Psychologen. Aber sie können oft nur einen Ausschnitt sehen oder - wie in Finnland - gute Bedingungen schaffen.

"Immer mehr jungen Menschen geht es schlecht, sie werden ausgegrenzt, sie vereinsamen und bekommen Depressionen", so formuliert es eine Mitschülerin nach dem Massaker in einem Forum. Auch andere sehen das Unglück – und sehen wieder weg.

 
Leser-Kommentare
  1. Einsamkeit ist wie eine Droge, unter deren Wirkung alles vorstellbar wird.

    Dagegen gibt es ein einfaches Mittel, dass man in den Schulen einführen sollte: Körperlicher Kontakt. LehrerInnen sollten den SchülerInnen beim sprechen gelegentlich die Hand auf die Schulter legen. SchülerInnen sollten untereinander dazu animiert werden sich gegenseitig soziale wärme zu spenden. Es sollte kein Problem sein eine Gruppe zu bilden, die nach dem Prinzip "Free Hugs (Freie Umarmungen)" durch die Schule geht und SchülerInnen die sich einsam fühlen kurzzeitige Umarmungen anbieten.

    Sowas wirkt wunder, auch wenn es kein Allheilmittel ist.

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    • xyto
    • 24.09.2008 um 15:26 Uhr

    ... aber wenn heute Lehrer (speziell männliche) ihre Anvertrauten berühren geraten sie sehr schnell in einen Bereich, in dem keiner sein will.

    Das hängt auch mit der zunehmenden Freiheit zusammen, die grundsätzlich positiv zu beurteilen ist: "Keiner darf meinen Körper berühren, auf welche Weise auch immer." Vielen wäre es wohl auch unangenehm, wenn sie von Lehrern berührt würden.

    Grundsätzlich stimme ich aber voll mit Ihrer Meinung überein, auch wenn es pathetisch klingen mag (und man sollte sich da auch fragen: warum eigentlich?) es geht da schon ganz einfach um einen Mangel an Zärtlichkeit, an Liebe, an körperlicher Nähe.

    Dieser Artikel kommt im Grunde auf keinen grünen Zweig - "die Gesellschaft ist Schuld", was soll das eigentlich heißen? Im Grunde folgt daraus doch nur, dass die notwendigen Schritte zu grundlegend wären, so dass es von Vornherein einfach sinnlos wäre, da überhaupt etwas zu versuchen, weil es eine fundamentale Grunddisposition von uns allen betrifft.

    Anders formuliert: Das ist einfach der gesellschaftlich akzeptierte Preis für den steigenden Leistungs- und Anforderungsdruck für die Welt, in der wir leben. Die Welt war noch nie perfekt, jetzt bekommt man es halt mit - lässt sich so etwas überhaupt verhindern? Ist das die Spitze eines Eisberges, von dem man nicht genau weiß, woraus er eigentlich besteht?

    Es geht da auch immer um die "Verlierer" der Gesellschaft, um Menschen die Probleme haben, die die meisten "Erfolgsmenschen", die die Macht haben und die jetzt Entscheidungen treffen sollen, gar nicht nachvollziehen können, weil sie sie selbst niemals wirklich erlebt haben. Das gilt auch für die meisten Journalisten.

    • ttob
    • 24.09.2008 um 15:38 Uhr

    ... gibts das schon irgendwo (außer beim Original)?

    Einsamkeit ist tatsächlich etwas Furchtbares und macht den Menschen kaputt und aggressiv. Ich habe das selbst erlebt, witzigerweise während meiner Zivildienstzeit, nachdem mit meiner damaligen Freundin Schluß war und ich weit weg von zu Hause festsaß. Trotz dem alltäglichen oberflächlichen Kontakt zu den Kollegen und den manchmal erzwungenermaßen körperlichen Kontakt zu den Altenheimbewohnern.

    Man kann das schwer beschreiben und kennt idR nicht mal die Ursache für sein Unwohlsein, schon gar nicht als Jugendlicher, erst als mich mal eine Kollegin an meinem Geburtstag umarmte, merkte ich, was fehlte.

    Allerdings wäre mir selbst zu dieser Zeit eine "free hugs"-Gruppe wahrscheinlich eher suspekt vorgekommen und ich wäre ihr vermutlich aus dem Weg gegangen.
    Ob das also ein Ausweg wäre? Gerade sich ausgegrenzt vorkommende Menschen neigen ja eher zu zunehmenden autistischen Verhalten. Die dadurch immer mangelhaftere soziale Kompetenz führt zu immer neuen Verletzungen und immer stärkeren Rückzug.

    Auch "die Gesellschaft" kann solche Leute nicht ohne weiteres auffangen, schließlich weiß man nicht vorher, wer sich wie entwickelt und wer umgibt sich schon gerne mit Depressiven und komischen Kauzen? Letztlich hat doch jeder selbst am Leben zu kauen.

    Aber vielleicht kann man einen Test entwickeln, der soziale Defizite und Tendenzen zur Vereinsamung während der Schulzeit geschickt und verdeckt herausfinden kann und dann gezielt dagegen vorgehen? Offensichtlich scheint das mit dem Schulpsychologen ja auch kein Königsweg zu sein. Vor allem wenn jemand bestrebt ist, seine Defizite zu verschleiern oder sich an seinem Kummer berauscht.

    • xyto
    • 24.09.2008 um 15:26 Uhr

    ... aber wenn heute Lehrer (speziell männliche) ihre Anvertrauten berühren geraten sie sehr schnell in einen Bereich, in dem keiner sein will.

    Das hängt auch mit der zunehmenden Freiheit zusammen, die grundsätzlich positiv zu beurteilen ist: "Keiner darf meinen Körper berühren, auf welche Weise auch immer." Vielen wäre es wohl auch unangenehm, wenn sie von Lehrern berührt würden.

    Grundsätzlich stimme ich aber voll mit Ihrer Meinung überein, auch wenn es pathetisch klingen mag (und man sollte sich da auch fragen: warum eigentlich?) es geht da schon ganz einfach um einen Mangel an Zärtlichkeit, an Liebe, an körperlicher Nähe.

    Dieser Artikel kommt im Grunde auf keinen grünen Zweig - "die Gesellschaft ist Schuld", was soll das eigentlich heißen? Im Grunde folgt daraus doch nur, dass die notwendigen Schritte zu grundlegend wären, so dass es von Vornherein einfach sinnlos wäre, da überhaupt etwas zu versuchen, weil es eine fundamentale Grunddisposition von uns allen betrifft.

    Anders formuliert: Das ist einfach der gesellschaftlich akzeptierte Preis für den steigenden Leistungs- und Anforderungsdruck für die Welt, in der wir leben. Die Welt war noch nie perfekt, jetzt bekommt man es halt mit - lässt sich so etwas überhaupt verhindern? Ist das die Spitze eines Eisberges, von dem man nicht genau weiß, woraus er eigentlich besteht?

    Es geht da auch immer um die "Verlierer" der Gesellschaft, um Menschen die Probleme haben, die die meisten "Erfolgsmenschen", die die Macht haben und die jetzt Entscheidungen treffen sollen, gar nicht nachvollziehen können, weil sie sie selbst niemals wirklich erlebt haben. Das gilt auch für die meisten Journalisten.

    • ttob
    • 24.09.2008 um 15:38 Uhr

    ... gibts das schon irgendwo (außer beim Original)?

    Einsamkeit ist tatsächlich etwas Furchtbares und macht den Menschen kaputt und aggressiv. Ich habe das selbst erlebt, witzigerweise während meiner Zivildienstzeit, nachdem mit meiner damaligen Freundin Schluß war und ich weit weg von zu Hause festsaß. Trotz dem alltäglichen oberflächlichen Kontakt zu den Kollegen und den manchmal erzwungenermaßen körperlichen Kontakt zu den Altenheimbewohnern.

    Man kann das schwer beschreiben und kennt idR nicht mal die Ursache für sein Unwohlsein, schon gar nicht als Jugendlicher, erst als mich mal eine Kollegin an meinem Geburtstag umarmte, merkte ich, was fehlte.

    Allerdings wäre mir selbst zu dieser Zeit eine "free hugs"-Gruppe wahrscheinlich eher suspekt vorgekommen und ich wäre ihr vermutlich aus dem Weg gegangen.
    Ob das also ein Ausweg wäre? Gerade sich ausgegrenzt vorkommende Menschen neigen ja eher zu zunehmenden autistischen Verhalten. Die dadurch immer mangelhaftere soziale Kompetenz führt zu immer neuen Verletzungen und immer stärkeren Rückzug.

    Auch "die Gesellschaft" kann solche Leute nicht ohne weiteres auffangen, schließlich weiß man nicht vorher, wer sich wie entwickelt und wer umgibt sich schon gerne mit Depressiven und komischen Kauzen? Letztlich hat doch jeder selbst am Leben zu kauen.

    Aber vielleicht kann man einen Test entwickeln, der soziale Defizite und Tendenzen zur Vereinsamung während der Schulzeit geschickt und verdeckt herausfinden kann und dann gezielt dagegen vorgehen? Offensichtlich scheint das mit dem Schulpsychologen ja auch kein Königsweg zu sein. Vor allem wenn jemand bestrebt ist, seine Defizite zu verschleiern oder sich an seinem Kummer berauscht.

  2. Das man offensichtlich relativ problemlos in Finnland eine Waffe erwerben und führen kann, scheint vielleicht etwas mit der starken Verbreitung der Jagd in Finnland zu tun haben (Jedermannsrecht der nordischen Länder).

    Wenn man sich aber vergegenwärtigt, das man Schusswaffen in Finnland schon mit 15 Jahren (!) kaufen kann, keine Auflagen für das Aufbewahren kleinerer Handfeuerwaffen bestehen, rd. 1,6 Mio. Schusswaffen in privaten Haushalten bei gerade mal 5 Mio. Einwohnern vorhanden sind, dann hat man eigentlich schon eine Ursache gefunden, ohne lange suchen zu müssen.
    Oder?

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    • gquell
    • 24.09.2008 um 17:06 Uhr

    Also, wenn das so offensichtlich ist, daß die Zahl der Waffen eine Ursache für solche Verzweiflungstaten sind, dann müßte viel mehr passieren. Es ist aber nicht so.

    Auch die Diskussion um Gewaltvideospiele, die von dem Hannoveraner Pfeiffer angeführt wird, geht an den Ursachen vorbei. Gewaltvideospiele sind (vielleicht) ein Symptom, aber nicht die Ursache. Wobei hier die Definition nicht eindeutig ist.

    Die Suche nach den Ursachen wird wahrscheinlich ins Leere gehen. Das, was einen zu sochen Taten bringt, daß geht an anderen mit einem Achselzucken vorbei. Es sind einfach Ereignisse, die passieren. Selbstverständlich ist Ursachenforschung wichtig, damit offensichtliche Mängel erkannt und abgestellt werden können. Aber deswegen in hektischen Aktionismus zu geraten ( wie z.b. in Deutschlan), ist nicht nötig. Wir Menschen sind einfach zu großen Dingen im Guten wie im Bösen in der Lage!

    • gquell
    • 24.09.2008 um 17:06 Uhr

    Also, wenn das so offensichtlich ist, daß die Zahl der Waffen eine Ursache für solche Verzweiflungstaten sind, dann müßte viel mehr passieren. Es ist aber nicht so.

    Auch die Diskussion um Gewaltvideospiele, die von dem Hannoveraner Pfeiffer angeführt wird, geht an den Ursachen vorbei. Gewaltvideospiele sind (vielleicht) ein Symptom, aber nicht die Ursache. Wobei hier die Definition nicht eindeutig ist.

    Die Suche nach den Ursachen wird wahrscheinlich ins Leere gehen. Das, was einen zu sochen Taten bringt, daß geht an anderen mit einem Achselzucken vorbei. Es sind einfach Ereignisse, die passieren. Selbstverständlich ist Ursachenforschung wichtig, damit offensichtliche Mängel erkannt und abgestellt werden können. Aber deswegen in hektischen Aktionismus zu geraten ( wie z.b. in Deutschlan), ist nicht nötig. Wir Menschen sind einfach zu großen Dingen im Guten wie im Bösen in der Lage!

    • xyto
    • 24.09.2008 um 15:26 Uhr

    ... aber wenn heute Lehrer (speziell männliche) ihre Anvertrauten berühren geraten sie sehr schnell in einen Bereich, in dem keiner sein will.

    Das hängt auch mit der zunehmenden Freiheit zusammen, die grundsätzlich positiv zu beurteilen ist: "Keiner darf meinen Körper berühren, auf welche Weise auch immer." Vielen wäre es wohl auch unangenehm, wenn sie von Lehrern berührt würden.

    Grundsätzlich stimme ich aber voll mit Ihrer Meinung überein, auch wenn es pathetisch klingen mag (und man sollte sich da auch fragen: warum eigentlich?) es geht da schon ganz einfach um einen Mangel an Zärtlichkeit, an Liebe, an körperlicher Nähe.

    Dieser Artikel kommt im Grunde auf keinen grünen Zweig - "die Gesellschaft ist Schuld", was soll das eigentlich heißen? Im Grunde folgt daraus doch nur, dass die notwendigen Schritte zu grundlegend wären, so dass es von Vornherein einfach sinnlos wäre, da überhaupt etwas zu versuchen, weil es eine fundamentale Grunddisposition von uns allen betrifft.

    Anders formuliert: Das ist einfach der gesellschaftlich akzeptierte Preis für den steigenden Leistungs- und Anforderungsdruck für die Welt, in der wir leben. Die Welt war noch nie perfekt, jetzt bekommt man es halt mit - lässt sich so etwas überhaupt verhindern? Ist das die Spitze eines Eisberges, von dem man nicht genau weiß, woraus er eigentlich besteht?

    Es geht da auch immer um die "Verlierer" der Gesellschaft, um Menschen die Probleme haben, die die meisten "Erfolgsmenschen", die die Macht haben und die jetzt Entscheidungen treffen sollen, gar nicht nachvollziehen können, weil sie sie selbst niemals wirklich erlebt haben. Das gilt auch für die meisten Journalisten.

    Antwort auf "Gründe?"
    • ttob
    • 24.09.2008 um 15:38 Uhr

    ... gibts das schon irgendwo (außer beim Original)?

    Einsamkeit ist tatsächlich etwas Furchtbares und macht den Menschen kaputt und aggressiv. Ich habe das selbst erlebt, witzigerweise während meiner Zivildienstzeit, nachdem mit meiner damaligen Freundin Schluß war und ich weit weg von zu Hause festsaß. Trotz dem alltäglichen oberflächlichen Kontakt zu den Kollegen und den manchmal erzwungenermaßen körperlichen Kontakt zu den Altenheimbewohnern.

    Man kann das schwer beschreiben und kennt idR nicht mal die Ursache für sein Unwohlsein, schon gar nicht als Jugendlicher, erst als mich mal eine Kollegin an meinem Geburtstag umarmte, merkte ich, was fehlte.

    Allerdings wäre mir selbst zu dieser Zeit eine "free hugs"-Gruppe wahrscheinlich eher suspekt vorgekommen und ich wäre ihr vermutlich aus dem Weg gegangen.
    Ob das also ein Ausweg wäre? Gerade sich ausgegrenzt vorkommende Menschen neigen ja eher zu zunehmenden autistischen Verhalten. Die dadurch immer mangelhaftere soziale Kompetenz führt zu immer neuen Verletzungen und immer stärkeren Rückzug.

    Auch "die Gesellschaft" kann solche Leute nicht ohne weiteres auffangen, schließlich weiß man nicht vorher, wer sich wie entwickelt und wer umgibt sich schon gerne mit Depressiven und komischen Kauzen? Letztlich hat doch jeder selbst am Leben zu kauen.

    Aber vielleicht kann man einen Test entwickeln, der soziale Defizite und Tendenzen zur Vereinsamung während der Schulzeit geschickt und verdeckt herausfinden kann und dann gezielt dagegen vorgehen? Offensichtlich scheint das mit dem Schulpsychologen ja auch kein Königsweg zu sein. Vor allem wenn jemand bestrebt ist, seine Defizite zu verschleiern oder sich an seinem Kummer berauscht.

    Antwort auf "Gründe?"
  3. e.u.

    Zitat aus dem Artikel:
    Chancengleichheit ist neben hoher Leistung in den finnischen Schulen das oberste Ziel. Alle gehen bis zur 9. Klasse gemeinsam zur Schule. Bildung und Soziales werden vernetzt: Gesundheitsfürsorge, Sozialarbeit und das Angebot eines Mittagessens sind in den Schulen selbstverständlich.

    Damit hat der Autor des Artikels das Idealbild geschildert. In Wirklichkeit fehlt es an finnischen Schulen an 400 Gesundheitsschwestern, die an den Schulen angestellt sein sollten, auch an anderem Personal wie z.B. Pdychologen und Kuratoren.

    Obwohl Finnland das Pisa-Vorzeige Land ist, hat das selbe Land in einer Studie, in der es um das Wohlbefinden der Schüler geht, schlecht abgeschnitten.
    Die Kassen der Gemeidnen stehen leer, und gespart wird an sozialem Personal auch an Altenpfelge und am Gesundheitswesen.

    Finnland ist eine leistungsorientierte Gesellsachaft und irgendwo da, sind die Ursachen zu Suchen.

  4. Und wenn er keinen Computer hatte, war es halt Ramstein, Marylin Manson oder sonst wer. Ich bin heilfroh das dieses Thema diesmal an Deutschland vorbei geht. Die Ursachenforschung wird bei Amokläufen ungeheuerlich instrumentalisiert, es muss einfach immer einen Schuldigen geben. Die Gesellschaft, die Medien, die Kultur.

    Auf das naheliegenste kommt man natürlich nicht, nämlich das ein hasserfüllter Mensch sich eine Waffe schnappt und einfach durchdreht. Sowas passiert einfach!

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    • self22
    • 24.09.2008 um 17:08 Uhr

    Warum waren die ersten derartigen Amokläufer in den USA. Und warum bekommen die Europäer 30(oder waren es nur 20?) Jahre später das gleiche Phänomen?
    Hat der liebe Gott einen neuartigen Menschen erschaffen? Schulen exitsieren doch schon lange, oder?...

    • self22
    • 24.09.2008 um 17:08 Uhr

    Warum waren die ersten derartigen Amokläufer in den USA. Und warum bekommen die Europäer 30(oder waren es nur 20?) Jahre später das gleiche Phänomen?
    Hat der liebe Gott einen neuartigen Menschen erschaffen? Schulen exitsieren doch schon lange, oder?...

  5. Die Wurzlen zu einer derartigen Tat werden sicherlich in der frühen Kindheit gelegt. Man muss sich fragen warum gerade in Finnland innerhalb von einem Jahr 2 derartige Taten geschehen.
    Der Glaube, dass Finnland ein besonders sicheres Land ist, ist ein Irrglaube. Gerade in der Rate an Tötungsdelikten liegt Finnland schon seit langem in Westeuropa mit an der Spitze.
    Es gehört in Finnland zur Kultur, Emotionen nicht offen zu zeigen-Finnen sind meist ruhiger und verschlossener als z.B. die Deutschen.
    Es kommt immer wieder vor, dass jahrelang gestaute Emotionen sich in Gewalt ausbrechen.
    Die Betreuung der Kinder in den Schulen ist wie im Artikel schon erwähnt exzellent. Dieser Segen einer hervorragenden Betreuung kann sich leider auch in einen Fluch umkehren.
    Es ist ein grosses Problem, dass sich viele Eltern nicht mehr um ihre Kinder kümmern, sondern auf den Staat vertrauen, der die Erziehung der Kinder übernehmen soll. Kinder kommen sehr früh in die Kinderkrippe. Später gibt es dann Ganztagesschulen. Kinder ziehen als Volljährige schon sehr schnell von zuhause aus. Frauen werden schief angesehen, wenn sie "nur" Hausfrauen sind, und ihre Kinder zuhause erziehen. Die Stärke des staatlichen Sektors schwächt leider die Familienbande. Menschen fühlen sich nicht mehr verantwortlich für das Wohlbefinden des anderen, weil es der Staat ja schon richten wird.
    Meiner Meinung nach liegen die Wurzeln des Problems also tiefer. Bezeichnenderweise wird in Finnland sofort nach dem Amoklauf auch über noch bessere Staatliche Betreuung diskutiert. Die wirklichen Wurzeln des Problems sind den Finnen nicht bewusst, und es herrscht grosse Ratlosigkeit. Leider haben viele noch nicht gemerkt, dass der Staat ohne aktive Mithilfe der Eltern machtlos ist, die Kinder nicht erziehen kann, und vielen deshalb klare Leitbilder fehlen.
    Es soll noch erwähnt werden. dass auch im angeblich so sicheren Schweden, die Rate an Tötungsdelikten höher als in Deutschland ist. Auch dort fühlen sich viele Eltern für die Erziehung nicht mehr verantwortlich, und der Staat hat auch dort weitgehend Hohheit über die Kinderbetten. Im Unterschied zu Finnland neigt der Durchschnittsschwede weniger zum Aggressionsstau, ist weniger verschlossen. Ein Risikofaktor für Gewalttaten fehlt also.

    • gquell
    • 24.09.2008 um 17:06 Uhr

    Also, wenn das so offensichtlich ist, daß die Zahl der Waffen eine Ursache für solche Verzweiflungstaten sind, dann müßte viel mehr passieren. Es ist aber nicht so.

    Auch die Diskussion um Gewaltvideospiele, die von dem Hannoveraner Pfeiffer angeführt wird, geht an den Ursachen vorbei. Gewaltvideospiele sind (vielleicht) ein Symptom, aber nicht die Ursache. Wobei hier die Definition nicht eindeutig ist.

    Die Suche nach den Ursachen wird wahrscheinlich ins Leere gehen. Das, was einen zu sochen Taten bringt, daß geht an anderen mit einem Achselzucken vorbei. Es sind einfach Ereignisse, die passieren. Selbstverständlich ist Ursachenforschung wichtig, damit offensichtliche Mängel erkannt und abgestellt werden können. Aber deswegen in hektischen Aktionismus zu geraten ( wie z.b. in Deutschlan), ist nicht nötig. Wir Menschen sind einfach zu großen Dingen im Guten wie im Bösen in der Lage!

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