Geiselnahme Entführte Reisegruppe ist im Sudan
Die im Grenzgebiet zwischen Ägypten und Sudan entführten Touristen befinden sich mittlerweile im Sudan. Unter ihnen sind auch fünf Deutsche
Aus Sicherheitskreisen in Kairo hieß es am Dienstag, die 19 Teilnehmer einer Wüstensafari, darunter fünf Deutsche, würden in der nordsudanesischen Wüste festgehalten. Das sudanesische Außenministerium nannte am Nachmittag den Aufenthaltsort der Gesuchten.
In der Nacht zum Dienstag hatte der ägyptische Außenminister Ahmed Abul Gheit mit Äußerungen über die angebliche Freilassung der Verschleppten für Verwirrung gesorgt. Später widerrief sein Sprecher diese Aussagen. Der Minister, der sich in New York aufhält, sei falsch zitiert worden, sagte er.
Bei den Verhandlungen mit den Entführern hat nach ägyptischen Angaben die Bundesregierung das Zepter in der Hand, die in Kontakt mit den Regierungen in Kairo und Rom stehe. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte am Rande der UN-Vollversammlung in New York, bislang sei noch keine Lösung gefunden worden.
Der ägyptische Tourismusminister Suheir Garana erklärte, der deutsche Botschafter in Kairo, Bernd Erbel, habe ihm gesagt, die Bundesregierung verhandele mit den Entführern über die Zahlung eines Lösegeldes. Er habe ihm gegenüber zudem Berichte dementiert, wonach die Kidnapper gedroht haben sollen, die Entführten zu töten, falls man ihre Bewegungen in der Wüste per Flugzeug überwachen sollte. In ersten Berichten war von Lösegeld-Forderungen zwischen sechs Millionen ägyptischen Pfund (783 000 Euro) und 15 Millionen US-Dollar die Rede gewesen.
Der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira berichtete unter Berufung auf Sicherheitskreise in Kairo, die Entführer stammten möglicherweise aus dem Tschad. Dies wurde offiziell nicht bestätigt.
Die Reisegruppe, zu der auch fünf Italiener, eine Rumänin und acht Ägypter gehören, war am vergangenen Freitag an der unbefestigten «gelben Grenze» in der Wüste zwischen Ägypten und dem Sudan überfallen worden. In ägyptischen Medienberichten war von vier bewaffneten Angreifern die Rede. Das Tourismusministerium in Kairo teilte mit, der ägyptische Reiseleiter habe seit Beginn der Entführung mehrfach mit seiner deutschen Ehefrau telefoniert, zuletzt am Dienstagmorgen. Er habe ihr mitgeteilt, dass es ihnen den Umständen entsprechend gut gehe.
Für Touren in die Einsamkeit der westlichen Wüste Ägyptens müssen Reiseveranstalter vom Militärgeheimdienst eine Sondergenehmigung einholen. Die Touristen waren am 16. September mit dem lokalen Reiseveranstalter Aegyptus von der Oase Dachla zu ihrer Tour zum Gilf al-Kebir aufgebrochen. Auch ein Offizier, der aus Sicherheitsgründen zur Begleitung der Reisegruppe abgestellt worden war, wurde verschleppt.
- Datum 24.09.2008 - 08:43 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
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Nachdem wohl auch in diesem Fall Millionen an Steuergeldern als Lösegeld fliessen werden, sollten wir uns klar werden dass die Linie der "totalen Erpressbarkeit" Konsequenzen hat.
Deutsche Touristen gelten als lukrative Beute. Diese Politik der Schwäche wird noch viele Entführungen inspirieren. Das hat hierzulande komischerweise noch keiner thematisiert.
Frankreich hat im Beispiel Somalia gezeigt, daß es auch anders geht.
So sehr ich den Entfuehrten die unversehrte Freilassung wuensche, muessn sie sich meiner Ansicht nach auch die Frage gefallen lassen, warum sie ueberhaupt in ein offensichtlich unsicheres Krisengebiet gereist sind.
Die Verantwortung fuer ihre Wiederfreilassung liegt hier meines Erachtens nicht nur bei der Bundesregierung, sondern auch bei den Entfuehrten selbst.
Es gibt so viele interessante Reiseziele auf dieser Erde. Wenn es denn nun ausgerechnet der kolumbianische Sumpf, die palaestinensischen Hochebenen oder eben das aegyptisch-sudanesische Grenzgebiet sein muessen (die man vermutlich auch im Fernsehen ganz nett bewundern koennte), dann ist diese Entscheidung auch in voller Verantwortung fuer das eigene Risiko zu tragen.
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