Grossbritannien Der machtlose Gordon Brown

Dem britischen Premier wird ein nahes Ende seiner Amtszeit prophezeit. Doch niemand in der Labour-Partei wagt es, den Brutus zu spielen

Zur Zeit erfreuen sich auf dem Videoportal YouTube eine Reihe von Clips großer Beliebtheit, die Szenen aus dem Film "Der Untergang" zeigen: ein tobender, geifernder Hitler im Berliner Bunker, umgeben vom letzten Aufgebot. Nur ist es, wie die Untertitel klarmachen, die Geschichte von Gordon Browns "downfall", die da abläuft.

Überall um den britischen Premier herum brechen die Dämme weg. Die Krise der Finanzmärkte liefert die passende Begleitmusik zum langsamen Kollaps seiner Regierung. Der Exodus aus Downing Street geht weiter: Ob Berater, Redenschreiber oder Medienstrategen, viele haben sich in den letzten Wochen abgesetzt, andere suchen dringend neue Jobs, für "die Zeit danach".

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Doch weder die Forderungen erboster Hinterbänkler oder niedrigrangiger Juniorminister noch hektische Medienberichte, die das unmittelbar bevorstehende Aus für Brown herausposaunen, sind Indizien dafür, dass das Ende unmittelbar bevorsteht. Der Parteitag, der an diesem Samstag beginnt, dürfte eine langweilige Angelegenheit werden. Die Medienmeute, die Blut sehen will, wird in dieser Hinsicht enttäuscht. Aber eigentlich ist die Situation noch schlimmer, sowohl für Gordon Brown wie für Labour und Grossbritannien.

Was zur Zeit abläuft, ist der oft zitierte "Schrecken ohne Ende". Die Tragödie des Gordon Brown wird sich einige Zeit lang quälend  hinziehe. Es wird so schnell keinen Befreiungsschlag geben.

Da ist einmal die Angst davor, den Brutus zu spielen und den Dolchstoß zu führen; alle fürchten das Schicksal, das Michael Heseltine ereilte, nachdem er es 1990 gewagt hatte, gegen Margaret Thatcher anzutreten, um dann beim Griff nach der Krone zu scheitern. Auch ist Labour, anders als die Konservativen, eine loyale Partei, die selbst unfähige Parteiführer oft zu lange ertragen hat, weil sie den harten Bruch verabscheut.

Das hält David Miliband, den jungen Außenminister zurück, der sich zu Beginn des Sommers halb vorwagte, dann aber doch zurückzuckte. Zudem stellt sich für Miliband und andere ehrgeizige Jungtürken die Frage, ob es nicht besser sei, bis nach der Wahlniederlage in spätesten 18 Monaten zu warten.

Andere fürchten den offenen Bürgerkrieg, der nach einem Sturz Browns unweigerlich ausbrechen wird; die Gefahr besteht, dass sich das Lager der Modernisierer, Brown- wie Blair-Anhänger, zerfleischen wird und davon linker Flügel wie  Gewerkschaften profitieren könnten, denen der Reformkurs von Blair wie Brown ohnehin nie gepasst hat. Zu guter Letzt mangelt es der Partei an einer wirklich überzeugenden personellen Alternative. Labour ist nach 11 Jahren personell wie inhaltlich ziemlich ausgebrannt. In privatem Gespräch räumen sogar Minister der Regierung ein, nach drei Amtsperioden sei es eigentlich besser für Land wie für Partei, wenn Labour die nächsten Wahlen verlöre.

Leser-Kommentare
    • Anonym
    • 18.09.2008 um 19:57 Uhr

    oof'm Foto sieht der Gordon Brown os, wie'n Harz IV bezahlter Empfänger

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