Katastrophen Deutschland schlecht vorbereitet
Das "Grünbuch zur inneren Sicherheit" stellt deutschen Behörden ein schlechtes Zeugnis aus. Ein einheitliches Krisenmanagement fehle, so die Experten
Auf Katastrophenfälle wie einen großflächigen Stromausfall oder eine Epidemie ist Deutschland nicht ausreichend vorbereitet. Das geht aus dem «Grünbuch» zur öffentlichen Sicherheit hervor, das Innenpolitiker von Union, SPD, FDP und Grünen am Dienstag in Berlin vorstellten.
Die Abhängigkeit von Energie sei so groß, dass Sicherheit und Grundversorgung der Bürger bei einem mehrtägigen Stromausfall nicht aufrechtzuerhalten seien, heißt es in dem Bericht, an dem 18 Experten mitgearbeitet haben. Durch den flächendeckenden Einsatz von Computern seien Polizei und Rettungsdienste ebenso vom Strom abhängig wie die Lebensmittelversorgung der Bevölkerung. Trotz Fällen wie dem tagelangen Stromausfall Ende 2005 im Münsterland und dem europaweiten «Blackout» ein Jahr später gebe es derzeit kein einheitliches Krisenmanagement von Staat und Wirtschaft.
Auch für den Fall einer gefährlichen Epidemie fehle es an einer überregionalen Notfallplanung, beklagen Hilfsorganisationen, Mediziner und Polizeivertreter, die an der Studie mitgewirkt haben. Durch fehlende Medikamentenvorräte und einen Mangel an Personal wäre das deutsche Gesundheitswesen in einem solchen Fall «völlig überfordert», heißt es im «Grünbuch». Dabei sei die Gefahr, dass sich ein gefährlicher Erreger weltweit ausbreitet, größer als früher. Teil der Globalisierung sei auch die «Globalisierung von Seuchen», erklärte der SPD-Innenpolitiker Gerold Reichenbach.
Als Konsequenz forderte Hartfrid Wolff von der FDP eine grundlegende «Neukonstruktion» der Sicherheits-Architektur von Bund und Ländern. Silke Stokar (Grüne) ergänzte, in vielen Fällen seien die Zuständigkeiten nicht geklärt. Der CDU-Abgeordnete Ralf Göbel betonte, auch die Wirtschaft müsse eingebunden werden, weil ein Großteil der notwendigen Infrastruktur in privatwirtschaftlichen Händen sei.
- Datum 23.09.2008 - 15:42 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
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Wer sich heute auch nur ein wenig mit Computern und Logistik auskennt, wird nicht allen Ernstes damit gerechnet haben, dass es ein funktionierendes ausreichendes Krisenmanagement im Zweifelsfall gibt.
Aufgrund unserer enormen technischen Abhängigkeit ist ebenfalls auch nicht damit zu rechnen, dass in absehbarer Zeit ein solches entwickelt und auch noch finanziert werden kann.
Da sollte man sehr klar und ehrlich sein. Aber auch konsequent, wenn man schon den Mut zu dieser Ehrlichkeit hat.
Konsequenz aus einer solchen Bilanzziehung wäre demnach:
1. Öffentliches Eingestehen, dass dies nicht möglich ist.
2. Alternativen anbieten, damit wegen dieses Eingeständnisses keine unnötige Angst und Unruhe erzeugt wird.
3. Diese Alternativen könnte kleine dezentrale Einheiten werden, wenn zentralistisch gar nichts mehr - z.B. bei Anschlägen auf die Stromversorgung oder großflächigen Quarantänemaßnahmen bei Seuchen - laufen kann.
4. Sicherheitsvorsorge-Empfehlungen für jeden Bürger erarbeiten, wo genauestens drin steht, wie im Falle einer Katastrophe sich zu verhalten und wie zu handeln ist. AUch, was man als Notfallmaßnahmen für die ersten 48 Stunden (bis hin zu einer Woche) möglichst an der Hand haben sollte (Wasser, Kerzen, Streichhölzer usw. usw.)
5. In jeder Stadt (Dorf) festzulegen, wo an welchen Stellen (incl. einer Alternative) öffentliche Mitteilungen zu hören sind, wenn mangels Strom keine Nachrichten in den Medien usw. mehr zu empfangen sind.
6. Nach welchen Kriterien Verteilungen von Gütern erfolgen müssen (Kinder, ALte, Kranke zuerst usw... damit der Mob sich nicht Bahn brechen kann, wovor sich zu recht nicht wenige Menschen oft mehr fürchten als vor einer direkten Katastrophe)...
Diese Liste wäre nun noch in vielen Punkten fortzuschreiben, detaillierter auszuarbeiten usw. und würde der Beruhigung der Menschen dienen, die sehr wohl schon sehr lange wissen, dass letztlich nichts vernünftig vorbereitet ist.
Wüsste man aber, dass es in jeder Stadt/Dorf an einer bestimmten Stelle dennoch einen festen Punkt gibt, wo dezentrale Hilfe vor Ort verbal und evtl. auch mit Gütern (Trinkwasserverteilung, Impfungen) wenn irgend möglich organisiert ist durch Polizei, Feuerwehr, THW, so wäre bei allen weiteren Risiken zumindest ein ganz wesentlicher psychologischer Akt von immenser Bedeutung damit gemacht, der eine unnötige Panik im Krisenfall verhindern könnte.
Aber dazu braucht es die Ehrlichkeit der Politik und eine tatkräftige dezentrale Umrüstung auf einen Mindeststandard fürs notwendige Überleben in der ersten Zeit.
Lesen heißt durch fremde Hand träumen. (F.Pessoa)
ist ja alles gut und richtig. Aber im Zeitalter des Neo-Biedermeier leider auch unrealistisch. Da Deutschland zurzeit mit großer Mehrheit dabei ist, sich zumindest gedanklich vom Rest der Welt abzukoppeln, werden natürlich überhaupt keine Anstrengungen unternommen, sich mit solch unangenehmen Aspekten der Wirklichkeit auseinander zu setzen. Das ist ja der Grund, warum man unseren früher so vorbildlichen Katatrophenschutz immer mehr verrotten lässt.
ist ja alles gut und richtig. Aber im Zeitalter des Neo-Biedermeier leider auch unrealistisch. Da Deutschland zurzeit mit großer Mehrheit dabei ist, sich zumindest gedanklich vom Rest der Welt abzukoppeln, werden natürlich überhaupt keine Anstrengungen unternommen, sich mit solch unangenehmen Aspekten der Wirklichkeit auseinander zu setzen. Das ist ja der Grund, warum man unseren früher so vorbildlichen Katatrophenschutz immer mehr verrotten lässt.
Im öffentlichen Bereich wurden in Deutschland bis zum Ende des kalten Krieges Sirenen für eine Alarmierung der Bevölkerung im Falle einer Katastrophe verwendet, die meisten der 80.000 Sirenen wurden jedoch aus Kostengründen abgebaut. Trotz hochtrabender Hightech-Pläne fehlt in Deutschland jetzt ein praxistaugliches Warnsystem.
Eine flächendeckende Warnung auf Landesebene ist heute kaum noch möglich, alle tollen Ideen wie bspw. Rauchmelder mit Funkdurchsagefunktion, SMS-Warnungen per Handy u.a.m. taugen letztlich nicht als flächendeckende Maßnahmen und haben ein gemeinsames Problem:
Sie eignen sich vor allem nicht, eine schlafende Bevölkerung zuverlässig zu wecken.
Das konnten die alten Sirenen.
ist ja alles gut und richtig. Aber im Zeitalter des Neo-Biedermeier leider auch unrealistisch. Da Deutschland zurzeit mit großer Mehrheit dabei ist, sich zumindest gedanklich vom Rest der Welt abzukoppeln, werden natürlich überhaupt keine Anstrengungen unternommen, sich mit solch unangenehmen Aspekten der Wirklichkeit auseinander zu setzen. Das ist ja der Grund, warum man unseren früher so vorbildlichen Katatrophenschutz immer mehr verrotten lässt.
Was genau meinen Sie mit "vom Rest der Welt abkoppeln"? - nur damit ich es richtig verstehe...
In vielen Bereichen koppeln wir uns an den weltweiten Schwachsinn doch famos an, verschleudern viele geistige und sonstige Ressourcen usw.
ABer eines ist schon klar: Die sehr klare Bemühung über Großszenarien dann doch lieber wegschauen zu wollen, ist sehr offensichtlich. Da stimmen wir total überein. Immerhin haben uns die USA ja auch erfolgreich eingetrichtert, wohin wir unser Geld prioritär zu investieren haben: Terrorismus.
Was sind da schon nationale Katastrophen! ... wenn wir statt ein wenig vernünftiger Eigenvorsorge doch mit unserem Terrorismusbudget stattdessen Amerikas Schurken zur Strecke bringen...
Nein: keine billige Aufrechnung von Katastrophenschutz- und Terrorismusbudget!... Keine Anmache des einen wegen des anderen: sondern einfach mal ein klarer Blick darauf, wie sich durch die Globalisierung die lokalen Prioritäten gar nicht mehr setzen lassen - selbst wenn wir es wollten: Zu mächtig bereits die, die es "diktieren"...
Lesen heißt durch fremde Hand träumen. (F.Pessoa)
Was genau meinen Sie mit "vom Rest der Welt abkoppeln"? - nur damit ich es richtig verstehe...
In vielen Bereichen koppeln wir uns an den weltweiten Schwachsinn doch famos an, verschleudern viele geistige und sonstige Ressourcen usw.
ABer eines ist schon klar: Die sehr klare Bemühung über Großszenarien dann doch lieber wegschauen zu wollen, ist sehr offensichtlich. Da stimmen wir total überein. Immerhin haben uns die USA ja auch erfolgreich eingetrichtert, wohin wir unser Geld prioritär zu investieren haben: Terrorismus.
Was sind da schon nationale Katastrophen! ... wenn wir statt ein wenig vernünftiger Eigenvorsorge doch mit unserem Terrorismusbudget stattdessen Amerikas Schurken zur Strecke bringen...
Nein: keine billige Aufrechnung von Katastrophenschutz- und Terrorismusbudget!... Keine Anmache des einen wegen des anderen: sondern einfach mal ein klarer Blick darauf, wie sich durch die Globalisierung die lokalen Prioritäten gar nicht mehr setzen lassen - selbst wenn wir es wollten: Zu mächtig bereits die, die es "diktieren"...
Lesen heißt durch fremde Hand träumen. (F.Pessoa)
Was genau meinen Sie mit "vom Rest der Welt abkoppeln"? - nur damit ich es richtig verstehe...
In vielen Bereichen koppeln wir uns an den weltweiten Schwachsinn doch famos an, verschleudern viele geistige und sonstige Ressourcen usw.
ABer eines ist schon klar: Die sehr klare Bemühung über Großszenarien dann doch lieber wegschauen zu wollen, ist sehr offensichtlich. Da stimmen wir total überein. Immerhin haben uns die USA ja auch erfolgreich eingetrichtert, wohin wir unser Geld prioritär zu investieren haben: Terrorismus.
Was sind da schon nationale Katastrophen! ... wenn wir statt ein wenig vernünftiger Eigenvorsorge doch mit unserem Terrorismusbudget stattdessen Amerikas Schurken zur Strecke bringen...
Nein: keine billige Aufrechnung von Katastrophenschutz- und Terrorismusbudget!... Keine Anmache des einen wegen des anderen: sondern einfach mal ein klarer Blick darauf, wie sich durch die Globalisierung die lokalen Prioritäten gar nicht mehr setzen lassen - selbst wenn wir es wollten: Zu mächtig bereits die, die es "diktieren"...
Lesen heißt durch fremde Hand träumen. (F.Pessoa)
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