Ägypten "Gebiete, in die ein normaler Tourist nicht hingeht"
Die ägyptisch-sudanesische Grenzregion, wo die deutschen Touristen entführt wurden, ist ein Gebiet kaum beherrschbarer Stämme. Ein Interview mit Gunter Mulack, Direktor des Deutschen Orient-Instituts

© Marco Di Lauro/Getty Images)
In der ägyptischen Wüste von Gilf Kebir (Archivfoto)
ZEIT ONLINE: Können Sie uns die Gegend in Südägypten kurz beschreiben?
Gunter Mulack: Es ist die Wüste. Das Gebiet ist deshalb so reizvoll, weil es wenig besiedelt ist und es dort archäologisch sehenswerte Höhlen mit Felsmalereien gibt. Es gibt nur ein paar Oasen, zu denen man hinfahren kann. Die Grenze mit dem Sudan ist jedoch unsicher, und da stehen selbstverständlich keine Posten.
ZEIT ONLINE: Kann man diese Grenze überhaupt kontrollieren?
Mulack: Man kann sie theoretisch nur abfliegen, oder mit Kamelen reiten. Die Grenze ist auf jeden Fall nicht voll kontrollierbar. Man hat es hier mit einem unbeherrschbaren Stammesgebiet zu tun. Ähnlich vielleicht den tribal areas in Pakistan.
ZEIT ONLINE: Wer könnten die Entführer sein: Sind es Gruppen aus dem Sudan, die über die Grenze kommen, oder sind sie aus Ägypten?
Mulack: Ich nehme an, dass die Entführer ihre Basis im Sudan haben. In Oberägypten befindet sich die Nubier-Ethnie. Die gleichen Stämme leben auf beiden Seiten der sudanesisch-ägyptischen Grenze. Sie sind miteinander verwandt. Sie haben ihre eigene Sprache und unterscheiden sich ganz klar von den arabisierten Ägyptern im Norden. Sie sind zwar auch Muslime, führen jedoch ihr eigenes Leben. Die Nubier sind zudem friedlich, deshalb würde ich eher auf Beduinen oder anderen Banden aus dem Sudan tippen.
ZEIT ONLINE: Warum?
Mulack: Je weiter man sich vom Niltal entfernt, desto mehr stoßen Sie auf Beduinenstämme. Für einen Beduinen existiert die Grenze nicht. Die Beduinen haben in der Geschichte immer davon gelebt, Karawanen zu überfallen. Karawanen gibt es heute nicht mehr, dafür aber Touristen.
- Datum 23.09.2008 - 18:02 Uhr
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Schon bedenklich wenn die Einheimische Bevölkerung von Hotelanlagen und Touristen strikt getrennt werden muss....
Für mich nicht gerdae ein einladendes Ziel - auch wenn ich mal die Pyramieden und das Tal der Könige sehen möchte !
In Ägypten werden Touristen und Einheimische aus ganz einfachen Gründen getrennt: damit die Einheimischen nicht auf den Gedanken kommen, in ihren Stadtteilen auch saubere Strassen ohne Löcher haben zu wollen, und damit Touristen nicht bemerken, wie sie alltäglich bestohlen werden: die Preise, in Orten wie Restaurants, Linienbussen, etc. sind für Touristen um bis zum 20fachen höher als für Einheimische (z. B. Microbuses in Hurghada).
Das ganze funktioniert allerdings nur, solange beide Gruppen sich nicht treffen und unterhalten!
Kein Wunder, dass viele Europäer aus diesem Gefängnis ausbrechen wollen, auch oder vor allem, weil sie sich der Gefahr oft nicht bewusst sind.
Und zugegeben, es gibt keinen besseren Urlaub als den ohne Führer und Wachmänner. Ich habe allerdings immer damit gerechnet, dass das Auswärtige Amt sich weigert, auch nur einen Cent für mich zu bezahlen, denn gerade das macht mich als Geisel völlig wertlos - und macht meinen Urlaub sicherer!
In Ägypten werden Touristen und Einheimische aus ganz einfachen Gründen getrennt: damit die Einheimischen nicht auf den Gedanken kommen, in ihren Stadtteilen auch saubere Strassen ohne Löcher haben zu wollen, und damit Touristen nicht bemerken, wie sie alltäglich bestohlen werden: die Preise, in Orten wie Restaurants, Linienbussen, etc. sind für Touristen um bis zum 20fachen höher als für Einheimische (z. B. Microbuses in Hurghada).
Das ganze funktioniert allerdings nur, solange beide Gruppen sich nicht treffen und unterhalten!
Kein Wunder, dass viele Europäer aus diesem Gefängnis ausbrechen wollen, auch oder vor allem, weil sie sich der Gefahr oft nicht bewusst sind.
Und zugegeben, es gibt keinen besseren Urlaub als den ohne Führer und Wachmänner. Ich habe allerdings immer damit gerechnet, dass das Auswärtige Amt sich weigert, auch nur einen Cent für mich zu bezahlen, denn gerade das macht mich als Geisel völlig wertlos - und macht meinen Urlaub sicherer!
Deutscher Semantik zufolge geht ein Tourist wirklich nicht in Gebiete hin. Er geht nicht in (bestimmte) Gebiete, d.h. er geht nicht hinein (selbst wenn er sich gerade in der Nähe befindet) oder er geht gar nicht erst hin.
Mit freundlichen Grüßen
Die Reiselust, vor allem der Deutschen, ist unbaendig. Dabei scheint es ihnen egal zu sein, welchen Gefahren sie sich aussetzen, wenn sie in wirklich gefaehrliche Gebiete reisen, wo es von Entfuehrern nur so wimmelt und wo echte Lebensgefahr besteht. Und das, obwohl sie vorher gewarnt wurden. Ich habe Deutsche in Kolumbien gesehen, die tatsaechlich in von den FARC besetzte Urwaldgebiete reisten und natuerlich sofort geschnappt wurden. Da sie aber fuer die FARC politisch unwichtig waren und wahrscheinlich auch Geld floss, kamen sie nach ein paar Wochen wieder frei. Und jetzt kommts: gefragt, ob sie nochmal in diese Gegend reisen wuerden, kam die Antwort " aber natuerlich, das war wirklich interessant, und wir haben auch viel gelernt." Da faellt einem nichts mehr ein.
Ich bin mir sicher, dass die Deutschen da jetzt im Sudan nach Freilassung auch sofort wieder dahin reisen wuerden. Wegen interessant.
In Ägypten werden Touristen und Einheimische aus ganz einfachen Gründen getrennt: damit die Einheimischen nicht auf den Gedanken kommen, in ihren Stadtteilen auch saubere Strassen ohne Löcher haben zu wollen, und damit Touristen nicht bemerken, wie sie alltäglich bestohlen werden: die Preise, in Orten wie Restaurants, Linienbussen, etc. sind für Touristen um bis zum 20fachen höher als für Einheimische (z. B. Microbuses in Hurghada).
Das ganze funktioniert allerdings nur, solange beide Gruppen sich nicht treffen und unterhalten!
Kein Wunder, dass viele Europäer aus diesem Gefängnis ausbrechen wollen, auch oder vor allem, weil sie sich der Gefahr oft nicht bewusst sind.
Und zugegeben, es gibt keinen besseren Urlaub als den ohne Führer und Wachmänner. Ich habe allerdings immer damit gerechnet, dass das Auswärtige Amt sich weigert, auch nur einen Cent für mich zu bezahlen, denn gerade das macht mich als Geisel völlig wertlos - und macht meinen Urlaub sicherer!
Ich finde es bemerkenswert, wenn im Verlauf des Interviews einmal von "wenig besiedeltem Gebiet" (de facto vollkommen unbesiedelt) gesprochen wird, andererseits aber ein Vergleich mit den tribal areas in Pakistan gezogen wird. Wenn man die Grenzen nur mit Flugzeugen observieren, ansonsten aber auch mit Kamelen (?!) abreiten können soll, wieso werden von professionellen Unternehmen dort Geländewagen für solche Touren benutzt? Überwachung der Grenzen bei Jebel Uwaynat mit Flugzeugen - schlichtweg unmöglich, wenn man wärmeempfindliche Kameras und anderes high-tech-Material einmal ausser Acht läßt! Dazu bietet die Region einfach zu viele Möglichkeiten, schnell Verstecke zu finden und sich zu verbergen. Es handelt sich hier nicht um eine weit einsehbare Ebene, sondern um ein Gebirgsplateau mit den entsprechenden topographischen Gegebenheiten! Sind die tribal areas in Pakistan auch so menschenleer wie normaler Weise das Dreiländereck um Jebel Uwaynat herum? Unbeherrschbares Stammesgebiet? Welche Stämme sollen das sein? Fest heute dort ansässige Stämme oder Menschen in der näheren Umgebung sind weder in der Literatur belegt, noch sind unsere jeweiligen Reisegruppen dort je auf Bewohner gestossen. Die Nubier leben Hunderte von Kilometern von dieser menschenleeren Gegend entfernt, meines Wissens konzentrieren sie sich mehr entlang des Nils. Ich halte die Andeutung auf "Beduinen" und ihre Haupterwerbsquelle "Überfälle auf Touristen" (Karawanen gibt es heute ja nicht mehr) für tendenziös. Zu welchem Schluss soll der Leser nach solchen Aussagen kommen? Beduine = Wegelagerer, Krimineller, Dieb, Räuber?
Möchte man Felszeichnungen im Karkur Talh besichtigen, betritt man zwangsläufig sudanesisches Territorium: Die Ein- und Ausfahrt zu diesem Sackgassen-Tal befindet sich noch auf ägyptischem Boden, nach einigen Kilometern passiert man einen einsamen Pfosten, der die politische Ländergrenze der zwei Nachbarn markiert.
Frequentiert wird die Gegend um Jebel Uwaynat und den Gilf Kebir allerdings von Schmugglern, die ihre Ware (leider oftmals bedauernswerte Menschen aus südlicher gelegenen Ländern Afrikas, die im Norden oder Europa ihr Glück versuchen wollen) nach Libyen oder Handelsgüter zurück in den Sudan oder andere Länder bringen. Aus dem südlich gelegenen sudanesische Darfur oder aus dem dem Sudan benachbarten Tschad mögen Touristengruppen von den diversen Gruppierungen sehr wohl als Quelle zur Material- und Geldbeschaffung betrachtet werden.
Bei der Lektüre der Berichte, die während der letzten Tage zu diesem schlimmen Vorfall entstanden, kann man manchmal nur über die schreibende Zunft staunen, etwas genauere Recherche brächte eventuell sachlichere und detailliertere Artikel hervor.
Den betroffenen Menschen und ihren Angehörigen alles Gute und ein rasches, positives Ende der Entführung. Hoffentlich richten solche Vorfälle und Artikel keinen bleibenden Schaden für die vom Tourismus Lebenden der betroffenen Länder an, denn der ist oftmals die wichtigste Erwerbsgrundlage für die sonst wieder räuberisch werdenden Beduinen! ;-)
Ach ja, ich vergass: die Oasen in Mittelägypten sind schon seit einigen Jahrzehnten bequem auf geteerten Strassen zu erreichen! Oder worauf bezog sich das "sogar"?
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