Finanzmarkt Diese Krise ist erklärbar!

Der Bankenkrach - ein Werk gieriger Banker? Nicht nur, sagt der Finanzmarktexperte Jan Pieter Krahnen. Teil zwei des Interviews.

US-Präsident Bush bei seiner Rede zur Finanzkrise am Donnerstag.

US-Präsident Bush bei seiner Rede zur Finanzkrise am Donnerstag.

ZEIT ONLINE: Nun springt der Staat ein, um die Banken zu stützen. Jene Institutionen, die immer nach dem freien Markt gerufen haben. Ist es nicht verständlich, wenn man da als einfacher Bürger sauer wird?

Krahnen: Ich kann die Wut verstehen. Aber diese Schritte sind jetzt notwendig, um das Bankensystem als Ganzes zu stützen, nicht einzelne Institute, oder gar deren Eigentümer.

ZEIT ONLINE: Die Investmentbank Lehman Brothers ließ die US-Regierung fallen, die Versicherung AIG wurde verstaatlicht. Ist das gerecht?

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Krahnen: Das ist keine Frage von Gerechtigkeit, sondern von Notwendigkeiten. Wäre die AIG Pleite gegangen, wäre das Finanzsystem in Gefahr gewesen. Im Falle von Lehman Brothers nicht.

ZEIT ONLINE: Sie sprechen von Notwendigkeiten. Aber es gibt auch die Notwendigkeit, Kindergärten und Schulen zu bauen, denn dafür sind Steuereinnahmen eigentlich da. Nun aber wird das Geld in einen Markt geschossen, wo es verbrennt!

Krahnen: Wenn die Zentralbanken etwa neues Geld in die Märkte schießen, um Mittel für Kredite bereitzustellen, sorgt sie dafür, dass der Kreislauf zwischen Haushalten, Unternehmen und Staat nicht zusammenbricht. Das Geld holt sie sich an anderer Stelle bei Staatsanleihen wieder. Das Geld ist nicht verloren.

ZEIT ONLINE: Wohl aber, wenn der Staat nun für die Risiken in den Depots der Banken einspringt. Der geplante Hilfsfonds der US-Regierung soll ein Volumen von 700 Milliarden Dollar haben. Das ist etwas weniger als das Bruttoinlandsprodukt aller afrikanischen Staaten.

Krahnen: Auch hier warne ich vor vorschnellen Schlüssen. Es stimmt, dass der Staat nun im Wesentlichen das Ausfallrisiko trägt. Das ist alles andere als optimal. Aber es ist keineswegs so, dass die Steuerzahler die Verluste übernehmen, die die Banken derzeit ausweisen. Der Staat überbrückt eher eine Phase der Krise. Wenn die Märkte wieder Vertrauen fassen, werden viele Werte in den Depots wieder steigen, und damit auch die Werte, die der Staat jetzt übernimmt. Genau dieses Ziel verfolgen die Notenbanken: Das Vertrauen in die Märkte zurückzubringen. Denn das ist momentan weg.

ZEIT ONLINE: Sollte sich Deutschland an dem geplanten Rettungsfonds der US-Regierung beteiligen?

Leser-Kommentare
  1. "Es ist auffallend, dass die heutige Bankenpanik ganz weitgehend nur Banken, deren Aktionäre und Mitarbeiter betrifft – aber sonst die Wirtschaft kaum berührt ist." - ja, um Himmels Willen, warum muss dann der Steuerzahler einspringen? Hier wird bewusst vertuscht, dass sich in der Finanzwirtschaft Zocker auf Kosten der Allgemeinheit bereichert und nun Angst vor Regulierungen haben. "Angetrieben wurden die Banker durch perverse Anreize, die das System ihnen setzte: Sie wurden im Grunde bezahlt wie Versicherungsvertreter oder Drückerkolonnen. ... die Akteure erfanden immer kompliziertere Finanzprodukte, um die Renditen nach oben zu treiben – fernab der Bankenaufsicht."

    Solange nicht begriffen wird, dass das Geschehen in der Finanzwirtschaft nichts anderes als raffgieriges Glücksspiel ist, werden sich die Exzesse immer wiederholen, inklusive der Sozialisierung der Verluste. Ich empfehle immer wieder das Buch "Geld arbeitet nicht" zu lesen. Darin wird aufgezeigt, dass die Finanzwirtschaft zu einem Spielcasino verkommen ist. Es werden nur Glücksspiele getätigt, getarnt als "Finanzinnovation". Die Berichte über das erneute Verbot (verboten war es schon immer, aber keiner hat sich drum gekümmert!) von "naked short selling" zeigen beispielhaft auf, was hier geschieht: gehandelt werden nicht existente Aktien! Gleiches gilt für all die schönen "Produkte" wie ABS, CDS, CDO etc. Das Perverse ist, dass bei diesem Glücksspiel erzielte "Renditen" den Unternehmen der Realwirtschaft als Sollrenditen vorgegeben werden. So kommen die berühmt-berüchtigten 25%+ zu Stande. Dagegen muss vorgegangen werden. Auf die Selbstheilungskräfte eines Marktes zu hoffen, wo es keinen Markt gibt sondern Glücksspiel betrieben wird, ist illusorisch. Ein wenig mehr Regulierung reicht nicht. Ebensowenig hilft es, das Glücksspiel zu verstaatlichen. Es muss verboten werden!

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    Das verstehe ich auch nicht: Wenn die Krise nur die Finanzwelt betrifft, wozu dann das REttungspaket?
    DAnn wäre es doch sinnvoller, die Banken einfach pleite gehen zu lassen und die 700 Milliarden stattdessen einfach dazu zu verwenden, den Leuten ihre verlorenen Ersparnisse auszuzahlen - jedem direkt in die Hand bzw. auf das Girokonte einer grundsoliden kommunalen Sparkasse.

    Ausserdem könnte man durch eine Menge nützlicher STaatsausgaben (in den USA z.B. im Sektor Krankenversicherung, Bildungswesen, etc.) ein wenig Wachstum stimulieren, das zur Abwechslung mal ein gesundes Wachstum wäre.

    Bei der Aufteilung des 700-Milliarden-Paketes können gigantische Schwindeleien nicht ausbleiben. Das politische System in den USA ist jetzt schon extrem korrumpiert und verfilzt. Man braucht keine Phantasie, um sich vorzustellen, an was all die Lobbyisten jetzt gerade denken.

    Dieses 700-Milliarden-Paket wird die USA mit Riesenschritten voranbringen - in Richtung Lateinamerika.

    Das verstehe ich auch nicht: Wenn die Krise nur die Finanzwelt betrifft, wozu dann das REttungspaket?
    DAnn wäre es doch sinnvoller, die Banken einfach pleite gehen zu lassen und die 700 Milliarden stattdessen einfach dazu zu verwenden, den Leuten ihre verlorenen Ersparnisse auszuzahlen - jedem direkt in die Hand bzw. auf das Girokonte einer grundsoliden kommunalen Sparkasse.

    Ausserdem könnte man durch eine Menge nützlicher STaatsausgaben (in den USA z.B. im Sektor Krankenversicherung, Bildungswesen, etc.) ein wenig Wachstum stimulieren, das zur Abwechslung mal ein gesundes Wachstum wäre.

    Bei der Aufteilung des 700-Milliarden-Paketes können gigantische Schwindeleien nicht ausbleiben. Das politische System in den USA ist jetzt schon extrem korrumpiert und verfilzt. Man braucht keine Phantasie, um sich vorzustellen, an was all die Lobbyisten jetzt gerade denken.

    Dieses 700-Milliarden-Paket wird die USA mit Riesenschritten voranbringen - in Richtung Lateinamerika.

  2. Wenn beim Pokern,jemand verspielt,was geschieht dann?
    Er kann sein Haus sein Auto das treuhändische Geld verspielen..............
    Er kann sich selbst stellen,er landet im Gefängnis.Wenn er ein wichtiger Mann ist
    dann wird er auch dort mit sanften Handschuhen angefaßt..........
    Ja und wenn das eben woanders z.B in der USA anders ist so läuft die Notenpresse,und
    der Steuerzahler darf alles über die Inflation finanzieren ????
    Das Aktien oder Anleihe Papier,aber auch das Papier wo der Dollar z.B darauf gedruckt ist,
    obwohl es oft nichts wert ist,es scheint heute das wichtigste zu sein.Der Mensch,die Natur vollkommen nebensächlich??
    Wie sagt Greenpeace so schön :Der weiße Mann muß darauf kommen,daß man Geld nicht
    essen kann.Doch er lernt noch immer nicht,es muß jetzt Gentech food her.
    Wie wäre es das Buch Gentechnik Roulette von Jeffrey Smith zu lesen?
    Wann wird man wieder einmal einen Blick in das alte oder neue Testament wagen?
    Z.B über die Sintflut lesen über Sodom und Gommorra oder über den Tanz ums goldene Kalb??
    Egal ob wir vom Christlich jüdischen Wertekodex kommen oder von den Menschenrechten
    es wären die Lösungen so gut wie ident. Leider wird es ohne Leid und Schmerz keine Veränderung geben.

  3. Das verstehe ich auch nicht: Wenn die Krise nur die Finanzwelt betrifft, wozu dann das REttungspaket?
    DAnn wäre es doch sinnvoller, die Banken einfach pleite gehen zu lassen und die 700 Milliarden stattdessen einfach dazu zu verwenden, den Leuten ihre verlorenen Ersparnisse auszuzahlen - jedem direkt in die Hand bzw. auf das Girokonte einer grundsoliden kommunalen Sparkasse.

    Ausserdem könnte man durch eine Menge nützlicher STaatsausgaben (in den USA z.B. im Sektor Krankenversicherung, Bildungswesen, etc.) ein wenig Wachstum stimulieren, das zur Abwechslung mal ein gesundes Wachstum wäre.

    Bei der Aufteilung des 700-Milliarden-Paketes können gigantische Schwindeleien nicht ausbleiben. Das politische System in den USA ist jetzt schon extrem korrumpiert und verfilzt. Man braucht keine Phantasie, um sich vorzustellen, an was all die Lobbyisten jetzt gerade denken.

    Dieses 700-Milliarden-Paket wird die USA mit Riesenschritten voranbringen - in Richtung Lateinamerika.

  4. Wäre es möglich, dass sich die Bauernschlaue Zeit-Leser, bevor hier sich die Blöße geben, erstmal die Volkswirtschaftslehre studieren? Dann werden sie vielleicht die Zusammenhänge verstehen.
    Keine Ahnung haben darf man, aber muss man unbedingt das hier zum Ausdruck bringen?

    Folgendes:

    1. Warum regen sich die Deutschen auf?
    a) weil sie dumm sind
    b) weil sie das Geld in die US Banken Aktien gesteckt haben?
    c) weil sie Angst um ihren Wohlstand haben?

    Keine Ahnung. Die Finanzkrise wird vor allem die US Bürger betreffen. Was geht das Deutschen an?
    Deutschland wird so fern betroffen, dass die Amis weniger konsumieren werden und die US Importe zurück gehen werden. Deutschland als Exportweltmeister wird natürlich davon betroffen. Die Zeiten der Exportexpansion sind erstmal vorbei.
    Und die Folgen?
    Anstatt das Wachstum in Deutschland über Exporten zu generieren sollte man die Binnennachfrage stimulieren und wecken. Bestimmt nicht durch 1 Euro Jobs, die unterbezahlten Zeitarbeit und erhöhter Mehrwertsteuer.

    Nochmals - Die Finanzkrise ist eine Krise der USA und in Deutschland sind die staatlichen bzw. halbstaatlichen Banken/Landesbanken davon betroffen, weil sie ohne Kopf und Verstand sich in die Kreditgeschäfte in den USA engagierten.
    Warum regen sich die Deutschen so sehr auf?

    Die naheliegende Antwort lautet, weil sie keine Ahnung haben worum es geht, aber als Sozialromantiker gern über Kapitalisten herziehen.

    Mehrheit der Deutschen ist von der Krise nicht betroffen und hat überhaupt nicht verstanden worum es dabei geht. Aber schreien müssen sie. Die guten Deutschen, die am besten selber in den USA regieren würden somit die Amis endlich so leben wie sie der gemeine Deutsche wünscht.

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