Asien Italienische Verhältnisse in Japan

Heute wird Taro Aso neuer Präsident der Liberaldemokraten - und dadurch zum Ministerpräsident ernannt. Jedoch stellt sich schon die Frage, wie lange er im Amt bleiben wird.

Taro Aso (Mitte) in Tokio am 19. September 2008

Taro Aso (Mitte) in Tokio am 19. September 2008

Japaner vergleichen sich gern mit den USA, obwohl man sich kaum unterschiedlichere Länder vorstellen könnte. Doch wenn ein westliches Industrieland sich für einen Vergleich mit Japan anbietet, dann ist es eigentlich Italien. Von 1945 bis 1989 herrschte in Rom fast unangefochten die Democrazia Cristiana. Kurze Intermezzi des Republikaners Spadolini und des Sozialisten Craxi kündigten in den 1980er Jahren den Niedergang der DC an. In Tokio regierte unterdessen ebenso stetig die Liberaldemokratische Partei, die erstmals 1993 kurzfristig in die Opposition musste. Heute steht sie dort, wo die DC vor ihrem Zerfall 1989 stand.

Die Dominanz einer Partei wurde Japan und Italien oft als Demokratiedefizit vorgehalten. In der Nachkriegszeit gewährte sie jedoch Stabilität. Regiert wurde im Einvernehmen mit der Wirtschaft, oft am Parlament vorbei, wodurch insbesondere in der Bauindustrie korruptere Verhältnisse entstanden als in anderen Industrieländern.

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Von der Regierung wurden die Grenzen der Legalität in jener Zeit nicht immer pingelig beachtet. In Japan versuchte Premier Nobusuke Kishi bereits in den 1950er Jahren, die Macht der LDP mit Hilfe der CIA und des organisierten Verbrechens zu stützen. Später stolperte einer seiner Nachfolger, Noboru Takeshita, über seine guten Beziehungen zu den Yakuza. Zur selben Zeit kam in Rom Giulio Andreotti ans Ruder. Sein Name stand ebenso für die Nähe der Politik zur Mafia wie der des jetzigen Premiers, den der 1992 ermordete Richter Paolo Borselino in seinem letzten Interview offen mit der Cosa Nostra in Zusammenhang brachte. Gerade dieser Tage hat ein mailänder Gericht dem Londoner Economist bescheinigt, dass es keine Diffamierung sei, von den Beziehungen Berlusconis zur Mafia zu schreiben.

Häufige Korruptionsaffären haben in beiden Ländern ein zynisches Verhältnis zur Politik entstehen lassen. In jüngster Zeit sind der Unterhaltungswert des Regierens und der geschickte Umgang mit den Medien immer wichtiger geworden. Charismatiker wie Koizumi und Berlusconi werden gewählt. Ihr politisches Programm ist zweitrangig. Bei beiden freut man sich, dass man sich an ihre Namen erinnert.

Als sich im Juli die G-8-Staats- und Regierungschefs in Hokkaido trafen, waren das der vierte französische Präsident, der fünfte deutsche Bundeskanzler, auch der fünfte britische Premier und der sechste US-Präsident in dieser Runde. Berlusconi aber war der 14. italienische Premier, Gastgeber Fukuda gar der 17. japanische.

Seit 1945 war eine japanische Regierung durchschnittlich 25 Monate im Amt: 30 Regierungen unter 29 verschiedenen Premiers. Noch etwas abwechslungsreicher war es in Italien: 38 Regierungen unter 23 verschiedenen Premiers.

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