Kultur für Angeber (5) Die RAF sprengt die Party

Was Sie über Baader-Meinhof, Iron Maiden und Voltaire wissen sollten. Glänzen Sie auf jeder Feier mit unserem Gesprächsleitfaden

Schon wieder Wochenende, schon wieder Party. Rechts: Büffet. Links: Menschen. Keiner kennt Sie. Die herüberschwappenden Gesprächsfetzen klingen gebildet, nun ja, Sie haben keine Ahnung. Lassen Sie sich nicht einschüchtern. Denken Sie an Danton: "Kühnheit, mehr Kühnheit und abermals Kühnheit!" Stellen Sie sich der heiteren Runde. Hineinspaziert, Ihr Abend!

Deutscher Buchpreis, ein guter Einstieg. Die "Shortlist" wurde just veröffentlicht, das haben Sie natürlich mitbekommen. Aber die Romane auch gelesen? Wenn jemand fragt, sagen Sie bestimmt: "Ich denke, Uwe Tellkamp wird das Rennen machen." Ihre Wertung über Der Turm variieren Sie je nach Behagen und Güte des ausgeschenkten Weins. Ist beides gut: "Beeindruckend! Mutige 1000 Seiten über den Verfall einer Bürgerschicht der DDR. So was hat Deutschland wirklich gefehlt." Schmeckt Ihnen der Wein nicht, dann werden Sie griesgrämig: „Ich halte den Roman eindeutig für ein Thomas-Mann-Rangeschmeiße. Ein Buch für Kritiker, nicht für das Publikum.“

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Begegnen wird Ihnen eventuell eine gängige Meinung zu Buchpreisen: "Alle abschaffen! Schriftsteller sollten wieder hungern, sonst wird das nichts mit der Literatur." Gefährliches Terrain. Doch sie sind gerüstet. Entgegnen Sie solchen Bemerkungen lässig: "Goethe musste nie hungern, Oscar Wilde auch nicht."

Es ist aber keine Schande, nichts vom Buchpreis zu wissen. Sagen Sie einfach: "Ich hänge leider literarisch immer noch in den vierziger Jahren fest. Hans Henny Jahnns Fluß ohne Ufer lässt mich einfach nicht los." Respektabel. Das werden ihre Gegenüber wissend beseufzen.

Wenn Sie mit neuem Wein wiederkommen, wechseln Sie das Thema. Denn ist Ihnen bekannt, was Gustave Flaubert über die Literatur sagte? Es sei eine Beschäftigung für Müßiggänger. So wollen Sie nicht wirken.

Der Baader-Meinhof-Komplex, jawollja, der RAF-Film mit sämtlichen deutschen Schauspielern, die gerade Zeit hatten. All die Namen können Sie sich gar nicht merken (ein Klick, und Sie gelangen zum Spickzettel). Augen auf Sie. Sie sind dran. Durchatmen, und los! Bezweifeln Sie, dass der Film dem gesamten Thema etwas Neues hinzufügen wird. Sie schauen in nickende Gesichter. Obschon: "Es zeigt, dass die RAF nach wie vor eine Wunde der deutschen Geschichte ist." Und: "Ist Bernd Eichinger nicht jetzt schon so etwas wie der Guido Knopp des deutschen Kinos?"

Leser-Kommentare
  1. Tja viel gibt es dazu nichts zu sagen. Soll das lustig sein? Oder muss ich befürchten, dass manche Menschen so auf Parties gehen? Völlig sinnloser Artikel.

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