Krankenhäuser der Zukunft Wie man ein Landkrankenhaus rettet

Weil er die Arbeitsteilung auf die Spitze trieb, rettet ein privater Klinikkonzern in Lübeck zwei kommunale Krankenhäuser. Ein Vorbild für ländliche Regionen? Teil 3 unserer Serie

Die neue Sana-Klinik in Lübeck-Süd

Die neue Sana-Klinik in Lübeck-Süd

„Man kann jede Klinik retten“, sagt Hans-Peter Beuthien, Geschäftsführer zweier privatisierter Krankenhäuser in Lübeck. „Aber man muss manchmal hart eingreifen.“ Was so viel heißt wie: effiziente Geschäftsmodelle entwickeln, Arbeitsabläufe straffen, Personal einsparen, notfalls Abteilungen schließen.

Genau das hat Beuthin getan, als er vor fünf Jahren für die Klinik-Kette Sana nach Lübeck kam. Da hatte der Konzern der Hansestadt gerade ihre defizitären Krankenhäuser abgekauft. Schon 2005, drei Jahre später warfen die Kliniken wieder Gewinn ab.

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Gekündigt wurde dafür niemandem, doch manche gingen freiwillig, sodass die Zahl der Mitarbeiter von 850 auf heute 700 sank. „Die Arbeitsverdichtung ist natürlich größer geworden“, sagt Beuthien in schönstem Manager-Deutsch.

Im Stadtteil Travemünde hat Beuthien ein ganz neues Konzept ausprobiert: Er schloss die alte 100-Betten-Klinik und ließ an anderer Stelle eine Praxisklinik bauen. Im oberen Stockwerk befindet sich dort eine normale Krankenhausstation mit 40 Betten, unten zogen fünf niedergelassene Ärzte ein.

Für komplexe Operationen oder Behandlungen auf der Intensivstation müssen die Travemünder seither in die zehnmal so große Sana-Klinik Lübeck-Süd verlegt werden. Doch alles andere kann in Travemünde erledigt werden.

Denn die niedergelassenen Ärzte im Erdgeschoss haben sich per Vertrag dazu verpflichtet, bestimmte Behandlungen der Krankenhauspatienten zu übernehmen. Eigene Spezialisten muss die Station daher nicht beschäftigen, was sich bei einer so kleinen Patientenzahl auch nicht lohnen würde.

Leser-Kommentare
  1. Das hört sich doch alles wunderbar an, nicht wahr? Die Arbeitsverdichtung hat allerdings ihre Tücken. Zufällig ist mir bekannt, dass in einer dieser beiden Kliniken ein Patient mitunter nicht mal in den Genuß dessen kam, was man eigentlich Grundpflege nennt. So waren beispielsweise einmal als die Angehörigen am frühen Abend ins Krankenhaus kamen, die Medikamente vom Morgen an unberührt: der Patient war nicht in der Lage gewesen sie ohne Hilfe einzunehmen, das Personal hatte alle paar Stunden die neue Ration dazugestellt - scheinbar ohne zu bemerken oder zu hinterfragen, dass die anderen Medikamente noch nicht eingenommen wurden.

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