Arbeitsmarkt Freie Märkte, weniger Jobs?
Eine neue Studie zeigt: Die Privatisierungen öffentlicher Dienstleistungen haben im großen Stil Arbeitsplätze vernichtet. Wie aussagekräftig die Zahlen sind, bleibt fraglich
Die Bilanz fällt auf den ersten Blick ernüchternd aus: Folgt man einer neuen Studie des gewerkschaftsnahen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI), so sind durch die Privatisierung und Liberalisierung von Post, Telekom, Krankenhäusern und anderen öffentlichen Diensten 2,1 Millionen Arbeitsplätze verschwunden. Zwar sind im Gegenzug neue entstanden. Unter dem Strich aber, so schreiben die WSI-Forscher Torsten Brandt und Thorsten Schulten, stehe seit dem Jahr 1991 ein Minus von 600.000 Jobs.
Beispiel Post. Dort verschwanden dem WSI zufolge nach der Privatisierung vor 13 Jahren 139.000 Arbeitsplätze, gleichzeitig entstanden bei den Wettbewerbern aber nur 30.000 neue. Viele davon seien niedrig bezahlte Minijobs gewesen. Beispiel Telekom. Zwischen 1994 und 2007 habe die Telekom rund die Hälfte ihrer Stellen abgebaut, insgesamt 77.000. Auch hier entstanden nach WSI-Rechnungen nur 14.000 Arbeitsplätze bei der neuen Konkurrenz – zu wenig, um die Jobverluste auszugleichen. Das Fazit der Wissenschaftler: Mehr Wettbewerb im öffentlichen Dienst führt nicht zu mehr Jobs, sondern vernichtet Arbeit.
Allerdings hat die Studie Schwächen. So können die Autoren keineswegs beweisen, dass die Jobs ausschließlich deshalb verschwunden sind, weil die Märkte heute freier sind. Gut möglich, dass auch ohne Liberalisierung Jobs verschwunden wären, etwa weil Maschinen die Arbeit heute billiger und effizienter erledigen.
Privatisierungsbefürworter wie Winfried Fuest vom Institut der deutschen Wirtschaft halten zudem dagegen, dass durch die Liberalisierung von Post und Telekom die Preise für die Dienstleistungen deutlich gefallen seien. Das nützt nicht nur den Bürgern, die weniger für ein Telefonat oder eine Postkarte zahlen müssen, sondern auch den Unternehmen, die so Kosten sparen. Das aber schafft Luft für sogenannte Zweitrunden-Effekte auf dem Arbeitsmarkt: Weil die Unternehmen billiger wirtschaften können, werden sie konkurrenzfähiger und können neue Jobs schaffen – auch in Branchen, die die Autoren nicht untersucht haben.
- Datum 03.11.2008 - 08:41 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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besonders ein börsenorientiertes Unternehmen stehkt unter dem Druck von Renditeforderungen von Seiten der Aktionäre. Um den völlig überzogenen Renditeforderungen der Aktionäre gerecht zu werden, müssen Arbeitnehmer entlassen und die verbliebenen ausgepresst bis zum Letzten.
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Bürger, sei wachsam!
...Konditionen ist "in".
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