Mauricio Kagel Auf dem Teppich entschwebtSeite 3/3
Er wollte den einzelnen Instrumentalisten zur Kreativität zurückführen. So entfernen sich seine Werke vom Bild des Musikers als reinem Vollstrecker. Die Notation und ihre Aufführung in Konflikt miteinander zu bringen, den Ausführenden Richtungen und Grenzen des Werks zu verschleiern – all das stiftete die Verwirrung, die Kagel ins Positive kehrte.
Natürlich erhielt er hierfür den Nimbus des Respektlosen. An der westlichen Kultur störte ihn, dass der Schein über die Substanz gehoben wird. Das gilt im Musikbetrieb genauso wie in der Politik. Ohne sich des Populismus zu bedienen, kommt man dort nicht weit. Ein Zustand, den er in seinem Hörspiel Der Tribun (WDR, 1979) torpediert. Kagel schlüpft in die Rolle eines Redners. Aus dem Hintergrund schallt triumphale Blasmusik, Kagel agitiert in einem Kauderwelsch aus imaginierten Schlagzeilen und Polit-Slogans.
Hat er nun Musik gemacht oder Satire? Ihn einfach nur als den Komiker unter den Komponisten der Moderne abzustempeln, ist falsch. Oder vielleicht nicht? Wenn sich das Publikum nun mal am Vordergründigen orientiert, warum sollte es ausgerechnet seinen Hintergrund verstehen wollen? Die Satire hat ihn berühmt gemacht, doch ohne Musik wäre er nichts.
"Schon als Kind waren mir Menschen verdächtig, die furchtbar ernst waren", sagte er dem britischen Wire-Magazin 2003 in einem Interview. "Es ist doch ziemlich lächerlich zu behaupten: Ich bin ernst. Und wenn diese Ernsthaftigkeit mit einer Ideologie verknüpft ist, so ist sie zumeist eine Maske. Humor hat eine metaphysische und philosophische Dimension, die mich tief berührt. Und ich kann nur Menschen ernst nehmen, die einen Sinn für Humor haben. In unserem Beruf gibt es viele Menschen, die Ernsthaftigkeit benutzen, um der Welt aufzudrängen, wie wichtig sie als Komponisten oder Dirigenten sind. Mit Humor kann man ein großes Spektrum an Ideen zum Ausdruck bringen."
Preise pflasterten seinen Teppich. Zweimal gewann er den Karl-Sczuka-Preis, sowie den Hörspielpreis der Kriegsblinden, den Prix Italia und den sogenannten Nobelpreis für Musik, den Ernst-von-Siemens-Preis. Mauricio Kagel starb am 18. September in Köln. Er wurde 76 Jahre alt.
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- Datum 20.04.2009 - 15:50 Uhr
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