Klassik Mauricio Kagel ist tot
Er war einer der bedeutendsten Komponisten der Gegenwart. Mit Fantasie und Humor hat er die zeitgenössische Musik bereichert.
Mauricio Kagel war einer der produktivsten zeitgenössischen Komponisten, aber nur wenige Deutsche kennen sein umfangreiches Werk näher. Das mag daran liegen, dass er Stücke schrieb, die man nicht mitsingen kann: «Neue Musik», die gewöhnlich auf Harmonien, durchgehende Rhythmen und «schöne Melodien» verzichtet. «Etwas anstrengend», war eine oft gehörte Reaktion von Konzertbesuchern. In der Nacht zum Donnerstag starb er 76-jährig in Köln, wo er fast ein halbes Jahrhundert lang gelebt hatte.
Mehr als 200 Werke komponierte der gebürtige Argentinier allein in Köln, zudem produzierte er etliche Hörspiele und Filme und schrieb dazu viele Essays, nicht nur zu musikalischen Fragen. «Hier lässt es sich sehr gut arbeiten», sagte Kagel zu seinem Wirken in der Domstadt.
Der 1931 in Buenos Aires geborene Kagel, dessen jüdische Familie in den 1920er Jahren aus Russland geflohen war, kam 1957 als Stipendiat des Deutschen Akademischen Austauschdienstes nach Köln, damals ein führendes Zentrum der Musikavantgarde. Er arbeitete als Dirigent, Librettist und Regisseur in eigener Sache, wirkte als Pädagoge und begleitete während seiner langjährigen Professur für Neues Musiktheater an der Kölner Musikhochschule mehrere Generationen angehender Komponisten auf ihrem künstlerischen Weg.
«In den vergangenen 20 Jahren hat sich das Niveau der Musikstudenten enorm gesteigert», sagte er im vergangenen Jahr. Das habe nichts mehr zu tun mit den Studenten, die er gekannt habe, als er jung gewesen sei: «Wirklich faszinierend.»
Als «schillernd und vielseitig» wurde das Oeuvre des Deutsch-Argentiniers bezeichnet. «Humorvoll» könnte man hinzufügen. So setzte er in seiner Phantasie für Orgel und Obligati eine Toilettenspülung ein. Die britische Zeitung The Guardian hat ihn einmal als den «großen absurden Spaßmacher des Musiktheaters» bezeichnet.
- Datum 20.04.2009 - 15:50 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
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