US-Wahlkampf Im Scheinwerfer der Krisen
Der eine erratisch und planlos, der andere konventionell bis zur Langeweile: Die Krisen haben uns die Präsidentschaftskandidaten McCain und Obama nähergebracht

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Präsidentschaftskandidaten McCain und Obama: Wie verhalten sie sich in Krisenzeiten?
Die Strategie des Kandidaten John McCain beruht darauf, dem Wahlvolk beizubringen, wie risikoreich es sei, Amerika in turbulenten Zeiten einem jungen und unerfahrenen Politiker auszuliefern. Dann schon lieber die ruhige Hand des alten Fahrensmannes John McCain. Die Strategie des Kandidaten Barack Obama beruht darauf, dem Wahlvolk beizubringen, wie risikoreich es sei, Amerika nach acht Jahren Bush-Desaster einem alternden Washington-Profi ohne neue Ideen zu übergeben. Dann schon lieber der Esprit und der Veränderungswille des jungen Charismatikers Barack Obama.
In schwerer See zeigt sich, wer Führungsqualitäten hat. Sogar dann, wenn Politiker nicht im Amt sind, sondern nur im Wahlkampf. Denn wo Wahlkämpfer nicht mehr vom Skript ablesen können, scheint ihr wahres Wesen durch. Krisen sind Charaktertests. Von Georgien bis Wall Street. Und da offenbart sich: Die Kandidaten sind nicht, wer sie behaupten zu sein. John McCain entpuppt sich keineswegs als der Weise von Arizona. Stattdessen erscheint er als spontan, sprunghaft und völlig unberechenbar. Risikobereit bis zur Verantwortungslosigkeit. Populistisch ohne jeden Skrupel. Einer, der aus der Hüfte schießt. Barack Obama zeigt sich keineswegs als der große Veränderer des Jahres 2008. Stattdessen präsentiert er sich als bedächtig und methodisch, langsam und vorsichtig. Er ist konventionell und bis zur Langeweile berechenbar. Gegen die Parteilinie lehnt er sich nicht auf.
Beginnen wir mit John McCain und mit der vergangenen Woche. Am Montag behauptet er, die Wirtschaft sei stark und die Fundamentaldaten seien gut. Am Dienstag meint er, die Fundamentaldaten seien zwar in Ordnung, aber die Wirtschaft in der Krise. Er schlägt eine überparteiliche Kommission vor, die der Krise auf den Grund gehen soll, erwähnt diese Kommission aber seither nicht mehr. Er wendet sich gegen eine Stützaktion für den Versicherungsriesen American International Group (AIG). Als die Bundesregierung dann eine Hilfsaktion für AIG bekannt gibt, zeigt er sich einsichtig und meint, sie sei unvermeidbar gewesen. Inzwischen hat sich seine Haltung nochmals verändert.
Am Donnerstag fordert er, den Chef der Finanzmarktkontrolleure, Christopher Cox, zu feuern, einen Mann, an dem McCain öffentlich zuvor noch nie Kritik geübt hatte und den er als Präsident auch gar nicht feuern könnte. Kurz darauf nennt er Cox einen “guten Mann” und erwähnt die Rücktrittsforderung nicht mehr. Als die Regierung Bush am Freitag ihre Stützaktion für den ganzen Finanzmarkt bekannt gibt, lobt McCain den Plan. Er selbst kündigt am selben Tag neue Gesetzesvorlagen zur Regulierung der Finanzmärkte an, obwohl er als Deregulierer landesweit seit Jahrzehnten bekannt ist. Am Sonntag der nächste Salto: Nun kritisiert er den Rettungsplan der Regierung. Newsweek nennt McCain deshalb “Uncle Ziggy”, Onkel Zick-Zack. Mit McCain bekomme der amerikanische Wähler, was er nicht wünsche: Ungewissheit.
- Datum 22.01.2009 - 15:33 Uhr
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- Serie opi
- Quelle ZEIT ONLINE
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traurig genug, dass - sollte sich obama tatsaechlich als waschlappen outen - amerika nur die wahl zwischen diesen beiden kandidaten hat. es ist aber auch aeusserst troestend, dass seine chancen bis zum wahltag nie mehr weniger als 50% betragen koennen. ein bedaechtiger praesident ist fuer die amerikaner vielleicht etwas ungewoehnliches, sollte aber eigentlich die norm sein.
Ich halte den Schluß Obama als zögerlich zu bezeichnen für voreilig. Die Lage ist kompliziert. Von Journalisten wird immer gerne erwartet, daß sobald ein Problem auftaucht, die Politik sofort ein Patentrezept aus der Tasche zieht. Der US Finanzminister will mal eben 700!!! Mrd. ausgeben. So etwas sind gravierende Entscheidungen. Da finde ich Obama's Art methodisch vorzugehen mehr als angemessen. Es geht hier nicht um Peanuts.
Allerdings, wenn man dann einen Entschluss getroffen hat muss man ihn konsequent umsetzen. Das ist der Gradmesser. Aber so weit sind wir noch nicht.
Ehrlich gesagt: Bedächtigkeit finde ich anziehender als unüberlegtes Herumstochern. Wer sich Zeit nimmt, um Geschehnisse zu analysieren und erst dann, wenn abgewogen ist, was abzuwägen ist, handelt, ist jedenfalls besser beraten als derjenige, der beratungsresistent auf den Augenblickserfolg ausgerechnet in den Medien setzt. Herr Kleine-Brockhoff zitiert bezeichnenderweise nur aus den weitherum gleichgeschaltenen Medien, um seine Sicht der Dinge zu belegen. Medien, welche etwa das Wallstreetgetue durch eklatanten Mangel an kritischer Würdigung des alltäglichen Spekulationsgehabes durchaus mitveranwortlich herbeigeführt haben -, obwohl man längst wusste, dass da was geschehen wird (siehe Steglitz, beispielsweise).
Vielfach unkritisch wurde einfach so getan, als ob das Investmentbankingwesen "natürlich" sei, "Freiheit" verkörpere und solcherlei Unsinn mehr. (Erinnert sei an die UBS, an die Deutsche Bank, an das Desaster diverser deutscher Landesbanken - Sachsen, Nordrhein-Westfalen, Bayern -, an die Vernichtung von realen ökonomischen Werten, um die Spekulation auf Gewinne für ein paar "Player" am Leben zu erhalten, um hier ein paar europäische Grössenordnungen zu nennen, die an der Wallstreet und anderswo durchaus prominent mit im "Spiel" sind).
Ich wundere mich immer wieder, dass eine der grossen Krisen der Zeit, nämlich jene der unsäglichen Medienschwätzerei, jene des bestellten Gefälligkeits- und des unübersehbaren Kampagnenjournalismus, kaum wahrgenommen und praktisch nicht analysiert wird.
Was in den letzten Wochen über den Präsidentschaftswahlkampf in den USA im "gehobenen" deutschsprachigen Journalismus herumgeboten wurde, spottet jeglicher vernünftigen Berichterstattung.
Nun wird hier im online-Bereich der ZEIT eine Jereminade von Herrn Kleine Brockhoff darüber, Obama würde nicht "angreifen", verbreitet. Von den Jubelartikeln über Palin, welche Herrn Joffe als Witzmacher über die Nöte der Kleinen, des Durchschnitts, der gewöhnlichen Leute, der Minderheiten entblösst haben, zu dieser Kritik an einem angeblich "lahmen" Obama zeigt sich eine Bandbreite, die schmaler nicht sein könnte.
Ist es nicht vielleicht so, dass Obama insofern verantwortungsbewusst handelt, als er weiss, wie verheerend sich Geschwätz, welches McCain darbietet, beispielsweise auf die Situation der übergrossen Mehrheit der US-Haushalte auswirken könnte? Als Beispiel dient mir das Verhalten der Demokraten im Kongress: Diese sehen die Gefahr, welche den kleinen Haubestzern in den USA durch die von Bush inszenierte "Rettungsaktion" droht, nämlich die Unbezahlbarkeit der Hypothekarzinse, wenn irgendwelche starren Regeln ohne soziale Abfederung Hals über Kopf eingeführt werden. Leitdragende wären die Dutzende Millionen Kleinhäuschenbesitzer, welche schlicht ihre ökonomische Basis verlieren würden. Also baut die demokratische Mehrheit im Kongress an Schutzmassnahmen zugunsten dieser breiten amerikanischen Gesellschaftsschicht. Das ist meiner Ansicht nach Ausdruck von verantwortungsbewusster Politik, nicht Bush's Schnellschusshandlungsgetue. Ich vermute, dass solcherlei Gegensätze bei den Wahlen im November eine Rolle spielen. Nicht in der Medienwelt, natürlich nicht. Aber in den Köpfen vieler Wählerinnen und Wähler schon.
Im übrigen: Bush geht wieder einmal hausieren mit der Forderung, "die Europäer" müssten nun mitfinanzieren. Bush fordert dasselbe wie jene europäischen Banker, welche den ganzen Derivatenunsinn und die ganze Investmentbanking-Blase nicht nur mitgemacht, sondern auch miterfunden haben.
Obama ist diesbezüglich offensichtlich zurückhaltender. Was sich im US-Wahlkampf veilleicht dann doch noch auswirken könnte.
Jedenfalls ist die eben noch hochgejubelte Kandidatin Palin erst mal kein Thema mehr. Man sieht, woraus die journalistische Berichterstattungswelt besteht: Aus ziemlich viel Nullsummengequatsche.
Einerseits soll sein "Traumkandidat" nicht aus der Hüfte schiessen, andererseits soll er umgehend Massnahmen verkünden.
Das Thema Wirtschaft ist nun mal besser etwas konservativ zu behandeln, die Alternative erleben wir gerade an der Wallstreet.
Ich bin auch für Obama, nicht zuletzt, da ich den Republikanern nicht über den Weg traue und weil mir sein rhetorisches Talent gefällt.
Der Vollständigkeit halber möchte ich dennoch eine kleine Passage aus einer Buchrezension im Economist zitieren, quasi zur schnellen Heilung der Obamanie:
"The best part of the book concentrates on Mr. Obama's record in Chicago, his home town [...]: he won the Democratic nomination for his Illinois seat by getting a team of lawyers to throw all the other candidates off the ballot on various technicalities. One of those he threw off was a veteran black politician, a woman who helped him to get started in politics in the first place."
Der Autor des zitierten Buchs stellt daher- wohl zurecht- fest: "Obama is [...]not a bad person. He is [...] just like all the rest of them in Washington."
Ich kann mir die Schadenfreude immer nicht verkneifen wenn Leute Obama oder Mccain leiber ehen würden es aber mit deutschen Argumenten versuchen die Stimmung für sie hinzubiegen.
Mache wir uns doch alle nichts vor Gewählt wird in Amerika und gewählt wird der der den Amerikanern gefällt. Die Demokraten haben dort schon lange das Problem das sie nicht angreifen auch wenn sie könnten und deshalb als Schleppschwäntze gelten, wohingegen die REpublikaner als Macher gelten die oft übers Zeihl hinaus schiessen.
diese Wahl zeigt eigentlich nur wie gut Amerika eine 3. oder 4. grosse Partei tun würde.
Aber so wird sich ziegen wer im Fernsehen besser ankommt der Löser MCCain der immer eine Rat wies und halt ab und zu die Meinung wechselt was wohl auch nur Mentschen auffallen dürfte die die Kampanie sorgsam vervolgen, oder Obama der so aussieht als ob es zunichts etwas zu sagen hätte und zu nichts eine Meinung hätte.
Und dan ist da noch SIE die man wenn die Werte zu doll fallen noch mal schnell gegen einen andere VP eintauschen könnte. Aber momentahn ist SIE ja eine gute Stütze die die Parteibasis mobilisiert und wieder hinter MC Cain bringt so das er weiter in der mitte Wähler suche nuf finden kann. Wärend der VP von Obamma eherin die Bedeutungslosigkeit verschweindet und kaum aktiv ist.
Das ist der erste Grundsatz der Demokratie. Naja, mehr ist zur offensichtlichen Unfaehigkeit beider Kandidaten (plus der beiden VP-Kandidaten) nicht zu bemerken.
Der ganze US-Wahlkampf ist eine einzige verlogene Schmierenkomoedie. Aber eben der Intelligenz des Wahlvolks angepasst.
Der eine erratisch und planlos, der andere konventionell bis zur Langeweile, so beschreibt Thomas Kleine-Brockhoff die beiden amerikanischen Präsidentschaftskandidaten.
Bush & Rumsfeld Reloaded
Das ist sicherlich eine etwas zugespitzte Formulierung, eine vielleicht auch verengte Sichtweise. Die Präferenzen liegen, so scheint mir zumindest, doch klar auf der Hand zu liegen. Wer planlos handelt, wer heute das und morgen jenes behauptet, der wird im Weißen Haus zu einer unberechenbaren Größe. Mögen die Amerikaner, möge der Rest der Welt vor "Bush & Rumsfeld-Reloaded" bewahrt werden!
Jemand, der sich im Kern als vermeintlich konventionell erweist, kann m.E. dann, wenn ihm mehr Verantwortung zuwächst, besser mit dieser dazugewonnenen Macht umgehen, als jemand, der von dieser Macht willkürlich oder gar opportunistisch Gebrauch macht.
Sich als kritischer Artikelschreiber auszuweisen, nur weil man beiden Präsidentschafts- kandidaten gegenüber Vorbehalte hat, reicht m.E. nicht aus. Diese Skepsis muss im Detail erläutert beschrieben werden, um aus dem Vor-Urteil ein Urteil werden zu lassen.
Der neue Präsident sollte - auch für die Europäer - berechenbar bleiben
Ich teile ja in Ansätzen, den Hinweis auf McCains zum Teil sehr kurzfristigen und heftigen Meinungsschwankungen. Wahrlich keine positive Tugend für einen amerikanischen Präsidenten, der gegenüber seinen Bündnispartnern "berechenbar" handeln sollte. Die attestierte "Langeweile" bei Obama kann ich zwar nicht erkennen. Aber wem sollte sie stören? Ist es nicht viel eher ein Zeichen von Reife, wenn sich der 47-jährige Barack Obama nicht in jedes (Wort-) Gefecht begibt, nur um seine Präsenz zu dokumentieren? Und in Sachen Banken- und Finanzkrise haben sich schon andere den Mund verbrannt... und erst hinterher schlau gemacht.
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