Lebensmittel Panscherei im Fläschchen

Der eskalierende Skandal um die Säuglingsnahrung in China wirft Fragen auf. Sind deutsche Babys wirklich sicher? Und in welchen Lebensmitteln könnte das Gift noch stecken?

Kontrolle ist gut - aber nie ganz sicher: Ein Arbeiter in Peking überprüft eine Lieferung Milchpulver der Firma Sanlu

Kontrolle ist gut - aber nie ganz sicher: Ein Arbeiter in Peking überprüft eine Lieferung Milchpulver der Firma Sanlu

Blei in Spielzeug, Allergene in Medikamenten oder Frostschutzmittel in Zahnpasta: Mit erschreckender Regelmäßigkeit warten Produkte aus China mit Skandalen auf. Die vergangenen Tage dürften besonders für Eltern kleiner Babys höchst verunsichernd gewesen sein - auch im Westen. Schon mehr als 50.000 Säuglinge sind in der aufstrebenden Wirtschaftsnation China seit Mitte September mit Vergiftungserscheinungen behandelt worden. Noch immer befindet sich ein Viertel dieser Kinder in den örtlichen Krankenhäusern, vier Babys mussten bereits mit ihrem Leben bezahlen – weil das Milchpulver ihrer Fläschchen um des Profits Willen mit einer synthetischen Substanz namens Melamin gestreckt wurde.

Der Stoff, hierzulande eher als Beschichtungsmaterial für Spanplatten bekannt, hat in Lebensmitteln wirklich nichts zu suchen. Es ist eine Chemikalie aus der Plastikindustrie, die vom Kunststoffbecher bis zur Klebstoffherstellung für alles mögliche gedacht ist. Nur nicht dazu, gegessen zu werden. In China wurde Melamin trotzdem schon in Milchprodukten von 22 Herstellern nachgewiesen, teilweise in ganz beträchtlichen Konzentrationen von bis zu 10 Prozent.

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Unter den kontaminierten Produkten befand sich auch ein Pulver des Schweizer Lebensmittelriesen Nestlé, das Angaben des Konzerns zufolge zwar nicht für die Ernährung von Neugeborenen vorgesehen ist. Dennoch: Die gefühlte Distanz zwischen Europa und China schrumpft durch die Beteiligung von Nestlé beträchtlich. Könnte es nicht sein, dass gepanschtes Milchpulver auf verschlungenen Wegen auch in hiesige Babyfläschchen gelangt ist?

Die Antwort auf diese Frage ist erstaunlich einfach und wirkt zunächst auch sehr beruhigend. Nach Angaben des Bundesinstituts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) darf Milch oder Milchpulver aus China gar nicht in die EU und daher auch nicht nach Deutschland importiert werden. Selbst wenn die Bundesrepublik ihren Bedarf nur unvollständig aus eigener Produktion decken könnte, wäre chinesische Trockenmilch hier nur als Schmuggelware erhältlich.

Klar ist allerdings längst, dass es im Zusammenhang mit Melamin nicht ausschließlich um Milchprodukte und -pülverchen geht. "Zusammengesetzte Produkte mit einem Anteil von weniger als 50 Prozent Milch, wie zum Beispiel Kekse, dürfen nach Deutschland eingeführt werden", sagt Jochen Heimberg vom BVL. Zudem eignet sich die Panschmethode auch vorzüglich dazu, pflanzliche Eiweißquellen zu strecken - wie zum Beispiel Maiskleber, Weizengluten und Reisproteine, die keiner Einfuhrbeschränkung unterliegen und auch nur stichprobenhaft getestet werden. "Das Prinzip ist immer das Gleiche", sagt Heimberg.

China jedenfalls blickt hier bereits auf eine echte Tradition im Panschen von Eiweißprodukten zurück. Vor einem Jahr durfte sich deshalb auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) erstmals intensiv mit dem Thema Melamin befassen. Der Stoff tauchte damals in US-amerikanischem Hunde- und Katzenfutter auf, das mit Weizeneiweiß aus China angereichert worden war, und auch in Südafrika gab es Berichte über Kontaminationen in Klebereiweiß aus Mais, das aus China stammte. 16 Haustiere, die vom so verseuchten Leckerchen zu fressen bekamen, gingen recht jämmerlich an Nierenversagen zugrunde. Die EFSA teilte damals mit, dass der verdächtige Stoff zwar bisher nur in Tiernahrung aufgefallen sei. Es könne jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass die Substanz irgendwann auch in Lebensmitteln für Menschen auftauche.

Leser-Kommentare
  1. finden doch leider in der Lebensmittelindustrie immer wieder statt, wie Glykol im Wein oder Hormone im Fleisch. Jetzt trifft es die Kleinsten und es kommt gar zu Todesfaellen und was machen unsere Gestzesvertreter, sie beschoenigen die Situation, wollen uns versichern das in der globalisierten Welt es moeglich sei dieses von uns fernzuhalten. Wo bleiben die Konsequenzen wenn aus Geldgier saemtliche demokratischen und menschlichen Werte (OS sind nocht nicht so lange vorbei) ueber Bord geworfen werden. Eines scheint wohl sicher zu sein, ob die Maechtigen nun KP oder CDU heissen, beide schert es nicht ob Menschen sterben, hauptsache sie selbst bleiben an der Macht. So sollte KPC wohl eher Kill People in China uebersetzt werden.
    Der Melamin Skandal war schon Jahre vorher bekannt, ebenso das dieser Stoff nicht im Koerper abbaubar ist. Die Neuseelaender oder besser Helen Clark haben geschwiegen aus Angst schlechtere Geschaefte zu machen. Die Verantwortung liegt bei den Taetern aber eben auch bei denen die nichts getan haben trotz Wissen davon. Die Konsequenz in einer Demokratie waere der Ruecktritt aus allen oeffentlichen Aemtern.

  2. 080923die1844

    Aber Hallo, liebe Mit-Leut,
    daß in unseren Lebensmitteln Stoffe hineingetan werden , die darin nichts aber auch gar nichts zu suchen haben, das ist für mich so sicher wie das Amen in der Kirche ja schon lange nicht mehr ist.

    Und unsere politisch Verantwortlichen spielen in meiner Einschätzung dabei eine unrühmliche Rolle.

    Die Lebensmittelindustrie will uns glauben machen, daß sie ohne die Unmengen an Zusatz- und Hilfsstoffen keine ordentlichen Lebensmittel, ja Stoffe zum Leben, herstellen kann. Wieviele dieser Stoffe andere, wertvolle letztlich substituieren, sei dahingestellt. In meinen Augen dienen sie mindestens der Verschaffung eines ungerechtfertigten Vorteils.

    Da streitet sich das politische Kompetenzteam allenthalben um Höchstmengen bis zur totalen Ver(w)irrung.

    Versuchen Sie sich doch mal über den tolerierbaren Gehalt von Nitrat in unserem Lebensmittel Nr. 1, dem Trinkwasser, aus den unterschiedlichen halb- und amtlichen Quellen sachkundig zu machen.

    Sie werden ihr "blaues Wunder" erleben. Dazu brauchen Sie nichtmal "Nitratwasser" zu trinken. Von den Nitrosaminen mal ganz zu schweigen.

    Mit herzlichem Gruß und kühl-rauchendem Kopfe
    Ihr Mit-Leid -äh- Mit-Leut
    klaus w.
    Dat KlaKoWa
    Mit Glied der MU - materiellen Unterschicht

  3. Wo das Wohl wehrloser Kinder so gleichgültig gehandhabt wird, kann der Gewinn kein Nutzen sein und die Maxime des Gut-Verdienens zur Gefahr für die Allgemeinheit werden.

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