Öl Wolfsjagd auf Spekulanten

Mitten in der anschwellenden Finanzkrise fällt der Ölpreis. Wie sich die Verbraucherländer gegen Preistreiberei schützen können

Die globale Finanzkrise hat über Nacht eine andere Krise beendet: die vor wenigen Monaten noch vielbeklagte Ölpreishausse. Das Erdöl ist an den großen Börsen in London und New York so billig wie seit vergangenem Jahr nicht mehr, der Preis für ein Fass Öl ist im September deutlich unter 100 Dollar gefallen und stabilisiert sich nur mühsam.

Kein Vergleich mit den fast 150 Dollar, die Händler noch im Sommer bereitwillig für das Fass zahlten und diesen Preis sogleich an die Verbraucher weitergaben. Der Absturz des Öls an den Märkten gibt den Blick auf einige alte und neue Weisheiten frei. Und er zeigt, wie Preiskriege wie im vergangenen Sommer vermieden werden können.

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Die erste alte Weisheit lautet: in Krisenzeiten wird weniger Öl verbraucht oder zumindest erwarten die Händler, dass weniger verbraucht würde. Mit der Nachfrage sinkt der Preis. Der hängt eben von der Lage der Weltwirtschaft ab, das mussten die Ölförderländer schon in den siebziger und achtziger Jahren lernen.

Die Besitzer der größten Ölfelder der Welt, und hier ist eine neue Weisheit zu besichtigen, sind deshalb zu vorsichtigen und fast fürsorglichen Händlern geworden. Die Rede ist von den Saudis, die auf der jüngsten Opec-Konferenz die anderen Produzentenländer daran erinnerten, wie wichtig das Wohl der Kunden für die Förderstaaten ist. Dagegen rief der venezolanische Präsident Hugo Chavez nach radikalen Produktionskürzungen, um den Ölpreis wieder hochzutreiben. Iran, Algerien und andere Länder überboten sich mit Vorschlägen, das Öl zurückzuhalten. Im fernen Russland, kein Opec-Mitglied, wurde die Förderung zurückgefahren.

Am Ende entschied sich die Opec für Produktionskürzungen, aber die Saudis sagten, sie wollten sich nicht dran halten. Sie seien mit den moderaten Kursen fürs Rohöl zufrieden, wenn es nur gut sei für ihre langfristigen Abnehmer. An einer Verschärfung der globalen Wirtschaftslage hat Riad kein Interesse.

Das sehen Guerillagruppen in Nigeria ganz anders. Sie greifen Ölanlagen im Nigerdelta an, attackieren Leitungen und Fördertürme, um die Produktion des afrikanischen Ölriesen zum Erliegen zu bringen. Ähnlich in der Türkei: Im August haben Terroristen die BTC-Pipeline in Ostanatolien angegriffen, die kaspisches Öl auf die Weltmärkte schleust. Ohne gezieltes Interesse, dafür aber umso zerstörerischer wüten in der laufenden Hurrikansaison wieder gefährliche Stürme in der karibischen See. Sie bedrohen die Ölförderung Mexikos und der Vereinigten Staaten. Zu den neuen Weisheiten gehört jedoch, dass weder die nigerianischen noch die türkischen und karibischen Unbilden den Ölpreis wesentlich beeinflusst haben. Noch im Frühjahr hat jede Naturkatastrophe, ja jedes Loch in einer Pipeline irgendwo die Preise rasant hochgetrieben.

Leser-Kommentare
    • colca
    • 19.09.2008 um 14:26 Uhr

    Inhaltlich hat der Schreiber zwar kaum Neues oder Erhellendes zum Thema "Ölpreise und wie sie entstehen" beitragen können. Schon gar nicht war ein Zipfelchen an Information über das besondere Interesse der Saudis am Wohlergehen der US-Wirtschaft - sie haben dort dreistellige Milliardenbeträge investiert - zu erhaschen.
    Aber das war bei einem Artikel von Herrn Thumann auch nicht zu erwarten. Wer investigativen oder einfach nur handwerklich guten Journalismus sucht, liest ohnehin andere Autoren.
    Dafür aber wurden gleich mehrfach die Universalschuldigen am Elend der Welt benannt - Venezuela, Iran, Russland und der Gottseibeiuns schlechthin, Putin. Hach wie es mich gruselt. Zum Glück wacht die schrecklich nette Familie aus Riad darüber, dass diese Schurkenversammlung dem Westen nicht den letzten Dollar aus der Tasche presst.
    Soweit also eine der üblichen Thumann-Arbeiten, stramm atlantisch gebürstet. Aber dann doch noch eine fette Überraschung, so dass ich nicht umhin komme, dem Autor ausnahmsweise beizupflichten.
    Zitat:
    "Deutschland leistet sich dabei noch einen besonderen Klimakiller und Ölverbrenner: die Pendlerpauschale. Sie gehört gestrichen, für alle und sofort."

    Das ist völlig richtig. Diese Prämie auf Zersiedelung und Energieverschwendung ist ein Anachronismus und sollte abgeschafft werden.
    Mensch Herr Thumann, dass wir noch einmal einer Meinung sein würden ;)

    • gayorg
    • 19.09.2008 um 14:38 Uhr

    laut DPA: Konjunktursorgen treiben Ölpreis wieder über 100$.

  1. Wieder einmal wird deutlich, wie groß doch unsere Abhängigkeit ist und von der wir uns offensichtlich nicht befreien wollen ("riesige" Geländewagen für den Stadtverkehr!). Wenn nicht die Energieversorgung, wie z.B. während des Kaukasus-Krieges, bedroht ist, dann sind es wildgewordene Diktatoren oder Terroristen, die uns den Ölhahn zudrehen oder die Leitungen einfach sprengen. An anderer Stelle habe ich auf wasserstoffbetriebene PKW hingewiesen (die einerseits erneuerbare Energien aus der Photovoltaik/Elektrodialyse nutzen und anderseits CO2-neutral sind, denn bei der Verbrennung entsteht nur Wasserdampf). Dazu müssen wir uns nun aber ernsthaft bemühen und die entsprechenden Anlagen in den Mittelmeer-Ländern installieren. Dies ist doch - volkswirtschaftlich gesehen - eine äußerst wichtige Aufgabe für unsere "Spezialisten" in Brüssel. Und Monsieur Sarkozy würde sich - seinem Naturell entsprechend - doch als "General-Manager" für diese große Herausforderung gerne zur Verfügung stellen. Bedauerlicherweise steht ein anderer "Ideal-Kandidat" für diese "Jahrhundert-Aufgabe" auf der falschen Seite: Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (Angestellter der russischen GASPROM).

    Herzliche Grüsse aus HILDESHEIM!

    • self22
    • 19.09.2008 um 14:53 Uhr

    "Deutschland leistet sich dabei noch einen besonderen Klimakiller und Ölverbrenner: die Pendlerpauschale. Sie gehört gestrichen, für alle und sofort."

    Dann streichen wir aber auch die Werbungskosten für Fahrten von Selbstständigen und Firmen. Die verpesten nämlich genauso das Klima. Und wir verbieten das dauernde Wegziehen von Firmen und Behörden, die mal schnell ein paar ältere, sesshaft gewordene Mitarbeiter loswerden wollen, indem sie den Standort wechseln. Die sitzen dann in ihrem nahe am Büro gebauten und bestens gedämmten Häuschen und fahren am Ende hunderte von Kilometern - zum Spass natürlich oder weil sie die Umwelt verpesten wollen!
    Was diese Ökos sich immer an diesen ca. 2 Milliarden Pendlerpauschale der abhängig Beschäftigten hochziehen. Auf dem Weg zur Arbeit haben die noch keinen Cent verdient. Da kann man dene noch nicht 70% Steuern aufs Benzin abziehen. Einem nackten Mann darf man nicht in die Tasche greifen. Lasst den Mann erstal Geld verdienen, bevor ihr ihn ausplündert. Und kommt mir nicht mit diesem besoffenen Werkstorprinzip. Vera... können sich die Angestellten selbst. Dazu brauchen sie nicht Herrn Steinbrück oder Herrn Thumann oder sonstwen.

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    • self22
    • 19.09.2008 um 15:52 Uhr

    ich glaube, dass sind zum großen Teil gar nicht die Ökos sondern die , die einfach nur noch mehr Kohle brauchen, Steinbrück&Co. Das Öko wird nur benutzt. Der kleine Angestellten-Deppen ist nur der beste Kunde in diesem Sinne. Er kann nicht nach Liechtenstein oder sonstwohin. Stiftung-Zack-Steuer weg. Der muss ja nun mal zur Arbeit. Sichere Einnahme. Bestens. Pech gahabt der gute Steuerbürger. Die erste Stunde schafft erst mal rückwärts für Steinbrück.

    • self22
    • 19.09.2008 um 15:52 Uhr

    ich glaube, dass sind zum großen Teil gar nicht die Ökos sondern die , die einfach nur noch mehr Kohle brauchen, Steinbrück&Co. Das Öko wird nur benutzt. Der kleine Angestellten-Deppen ist nur der beste Kunde in diesem Sinne. Er kann nicht nach Liechtenstein oder sonstwohin. Stiftung-Zack-Steuer weg. Der muss ja nun mal zur Arbeit. Sichere Einnahme. Bestens. Pech gahabt der gute Steuerbürger. Die erste Stunde schafft erst mal rückwärts für Steinbrück.

  2. 5. gähn

    Das heißt, drittens, sparen. Das ist das wirksamste Mittel gegen die Preistreiber in Moskau und Teheran, die uns ja am liebsten als einfältige Geländewagenfahrer in der Hamburger oder Münchner Innenstadt sehen.

    oh mann herr thumann,

    glauben sie denn wirklich, dass die russen und die iraner so wenig von wirtschaft verstehen, dass sie keinen zusammenhang zwischen hohen preisen und sparender technik sehen? dass hohe spritpreise langfristig zu sparsameren autos führen? wenn der iwan oder die ayatollahs, um mal auf ihr niveau herabzusteigen, also interesse an 'einfältigen geländewagenfahrern' hätten, dann würden sie den spritpreis immer hübsch niedrig halten.

    beim lesen ihrer artikel erhärtet sich bei mir der verdacht, dass sie entweder von erstaunlich wenigen themen wirklich eine ahnung haben, oder dass die ideologie, die sie vertreten müssen/wollen, jegliche schlüssige argumentation verbietet.

    in beiden fällen weiß ich gar nicht, ob ich lachen oder mich aufregen soll. allzugroße erwartungen bzgl. inhalt und stil habe ich jedenfalls nicht mehr.

  3. Den Ölpreis können wir in Deutschland überhaupt nicht beeinflussen. Sparen kann natürlich der einzelne im Verbrauch.

    Wie der Autor zunächst richtig feststellt, ist der Ölpreis letztendlich immer Nachfrage gesteuert - von kurzfristigen spekulativen Bewegungen nach oben oder unten einmal abgesehen - und da spielt es keine Rolle wo das Öl herkommt.

    Die Nachfrage kommt aber immer noch zum weitaus größten Teil aus den USA und in zunehmendem Maße aus China und Indien. Ob wir hier die Pendlerpauschale abschaffen, oder gleich alle Geländewagen, ist für die Preisbildung völlig irrelevant (und interessiert bei der OPEC auch niemanden).

  4. 7. goil,

    Deutschland leistet sich dabei noch einen besonderen Klimakiller und Ölverbrenner: die Pendlerpauschale. Sie gehört gestrichen, für alle und sofort.

    jo. ganz abgesehen davon gilt die pendlerpauschale unabhängig vom verkehrsmittel. also auch fürs fahrrad. weiß zwar nicht, wie da öl

    a propos klimakiller: statt des hickhacks kann man ja auch mal über steuern bei langstreckenflügen (z.b. zu sitzungen nach washington) reden. oder über die steuerlichen vergünstigungen für dicke dienstwagen, audi oder merz.

    bei solchen fragen hat man viele derjenigen, die laut krakeelend die pendlerpauschale abschaffen möchten, ganz schnell an den ei**n gepackt.

    • self22
    • 19.09.2008 um 15:52 Uhr

    ich glaube, dass sind zum großen Teil gar nicht die Ökos sondern die , die einfach nur noch mehr Kohle brauchen, Steinbrück&Co. Das Öko wird nur benutzt. Der kleine Angestellten-Deppen ist nur der beste Kunde in diesem Sinne. Er kann nicht nach Liechtenstein oder sonstwohin. Stiftung-Zack-Steuer weg. Der muss ja nun mal zur Arbeit. Sichere Einnahme. Bestens. Pech gahabt der gute Steuerbürger. Die erste Stunde schafft erst mal rückwärts für Steinbrück.

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