Zwei Wochen lang, zumal nach der Ernennung seiner Vize-Kandidatin Sarah Palin, konnte John McCain sehr realistisch vom Weißen Haus träumen. Inzwischen ist sein Vorsprung von zwei bis drei Punkten weggeschmolzen und Barack Obama liegt wieder um fünf Punkte vorn, jedenfalls laut der jüngsten CBS/ New York Times -Umfrage.

Warum? Eine Antwort liegt auf der Hand: wegen der Wirtschaft. Diese Umfrage wurde am 16. September abgeschlossen; da war Lehman Brothers schon in die Pleite gerutscht. Wie wird dieser Effekt, wenn es ihn denn gibt, gemessen?

Die Forscher haben die Befragten in zwei Gruppen unterteilt: Jene, die glauben, dass die Lage schlimmer wird, und jene, die meinen, die wirtschaftlichen Dinge bleiben so, wie sie sind. In der ersten Gruppe, den Wirtschaftspessimisten, wollen 62 Prozent Obama und nur 29 Prozent McCain wählen. In der "Ist alles nicht so schlimm"-Gruppe ist es genau umgekehrt: 29 Prozent für Obama, 63 Prozent für McCain.

Das heißt: Je mehr die Furcht vor der Wirtschaftskrise um sich greift, desto eher werden die Leute bereit sein, den Demokraten zu wählen. Man darf annehmen, dass sich das Stimmungsbild in den nächsten Wochen nicht gerade aufhellen wird. Denn der Kollaps der Virtual-Wirtschaft - Investment-Banken, Versicherungen - wird unweigerlich auf die Real-Wirtschaft - Jobs, Konsumlust, Investitionsbereitschaft - durchschlagen.

Auch beim Wahlverhalten Männer-Frauen hat sich der Wind gegen McCain gedreht. Anfang September, nach der Ernennung von Sarah Palin, lag McCain fünf Punkte bei den Frauen vorn (weiß und schwarz). Dies ist komplett gekippt. Nun steht es bei den Frauen 54:38 für Obama. Selbst bei den weißen Frauen liegt Obama jetzt wieder knapp vorn, mit zwei Punkten.