Offshore-Windenergie Lang ersehnter Erfolg

Vor Borkum haben die Bauarbeiten für den ersten Offshore-Windenergiepark Deutschlands begonnen. Der politische Druck auf die Macher ist riesig

Endlich ist es soweit: Bauarbeiter rammen zurzeit das erste Fundament des Offshore-Windparks alpha ventus in den Nordseeboden. Rund 45 Kilometer vor Borkum, in mehr als dreißig Metern Tiefe, verhaken Taucher die 650 Tonnen schwere Stahlteile im Sand. Die sonst so stürmische Nordsee spielt ausnahmsweise mit: Nur 50 Zentimeter hoch schwappen die Wellen. "Wir sind sehr erleichtert, dass der Startschuss endlich gefallen ist", sagt Christian Blömer, Sprecher des Energieversorgers EWE, der den Bau mitverantwortet.

Mit den Bauarbeiten nimmt eines der wichtigsten Öko-Vorzeigeprojekte der Bundesregierung endlich Konturen an. Zwölf riesige Windkraftanlagen sollen ab kommendem Jahr Strom auf der See produzieren. Alpha ventus ist ein gigantisches, milliardenschweres Experiment, für das sich die Energiekonzerne EWE, E.on und Vattenfall zusammengetan haben.

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Mit mehr als 50 Millionen Euro fördert die Regierung die Installation der ersten Windräder in deutschen Gewässern. Geht es nach Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD), sollen bis 2030 Windanlagen mit einer Leistung von 25.000 Megawatt im Meer stehen. Das ist mehr elektrische Leistung, als alle deutschen Atomkraftwerke zurzeit besitzen. Der politische Druck auf die Macher ist also enorm.

Doch die Arbeiten auf See erweisen sich als extrem kompliziert – was bereits zu einer ersten Absurdität führt: Statt der Windmühlen steht nun zuerst das Umspannwerk. Das macht eigentlich nicht sehr viel Sinn, denn ohne Windräder lässt sich auch kein Strom umspannen. "Wir wollen eben jedes Wetterfenster nutzen, um den Bau voranzutreiben", erklärt EWE-Sprecher Blömer, "der Stahlkonstruktion macht es nichts aus, den Winter auf hoher See zu verbringen."

Ausgerechnet der Wind hatte den Machern im August einen Strich durch die Rechnung gemacht. Er blies so stark, dass der Windradhersteller Multibrid kein einziges seiner sechs Räder aufstellen konnte. Das Spezialschiff, das die Fundamente und Windräder hinausschleppen und einrammen sollte und dessen Miete am Tag mehrere Tausend Euro kostet, musste unverrichteter Dinge zum nächsten Auftrag weiterziehen. Multibrid setzt jetzt die Anlagen erst im kommenden Frühjahr ins Meer. Dann will auch Konkurrent Repower mit seinen sechs Mühlen folgen. Die Konzerne wollen zwei verschiedene Windradtypen ausprobieren, um zu testen, welches Fundament den rauen Bedingungen in der Nordsee besser trotzt.

Doch die Hürden bleiben. An keinem anderen Standort in Europa sind die Bedingungen für Windkraftwerke so kompliziert wie in Deutschland. Wegen der hohen Umweltauflagen liegen die Parks weit draußen auf See. Bis zu 30 Meter ist die Nordsee hier tief. Das Seekabel, das den Strom an Land liefert, muss über eine Strecke von 60 Kilometern verlegt werden. Schon jetzt vergleichen Umweltschützer die Baustelle für das Seekabel mit einem Truppenübungsplatz und befürchten Schäden für das sensible Wattenmeer.

Leser-Kommentare
    • Anonym
    • 25.09.2008 um 9:50 Uhr

    Das Projekt als solches wirkt zwar nicht besonders berauschend, aber die Geschichte der Technik zeigt, dass sich im Laufe der Weiterentwicklung ganz neue Möglichkeiten ergeben, einfach dadurch, dass man in eine ungewohnte Richtung nicht nur gedacht, sondern auch gehandelt hat. Das langfristige Ergebnis kann dabei schon mal beträchtlich anders aussehen, als man am Anfang dachte.

    Voraussetzung für einen Erfolg ist dabei aber meiner Ansicht nach dennoch, dass ein gewisser Enthusiasmus vorhanden ist, und mir fällt es schwer, diesen Enthusiasmus bei den Ausführenden zu denken, wenn ihn die Verantwortlichen bei den Energiekonzerne schon nicht besitzen.

  1. Während meines Urlaubes auf dem Bauernhof Gerdes/Norddeich (August 2008) gewann ich interessante Erkenntnisse - nicht nur was die Milchwirtschaft angeht (die unter dem zu niedrigen Milchpreis leidet). Bauer Gerdes wollte ganz in der Nähe des "Deiches" (siehe Enercon/Aurich) eine Windkraftanlage installieren. Er bekam dafür aber keine Genehmigung, da er sich mitten in einem Vogelschutz-Gebiet befände. Rundum gibt es aber mehrere Anlagen, die seit Jahren Strom erzeugen! Sein Nachbar, Bauer Neubert, betreibt seit über 10 Jahren erfolgreich eine Windkraftanlage, die sich bereits amortisiert hat. Er möchte mit Kollegen einen Windkraftanlagen-Park installieren und erhält dafür aber auch keine Genehmigung (einen Prozeß hat man bereits verloren). Gilt also nur noch: "Big is beautiful?". Für die Bauern, die von der Landwirtschaft in Ostfriesland kaum noch leben können, ist die eigene Stromerzeugung der einzig rettende Ausweg. Aus der Not heraus wählte Bauer Gerdes mit seiner Familie einen anderen Weg: sein Bauernhof wurde zu einem der beliebtesten Ferienhöfe Niedersachsens.

    Herzliche Grüsse aus HILDESHEIM!

  2. Wer auch immer die Finanzierung übernimmt. Solche Energiequellen erlösen uns nach und nach von einer Zerstörung und dem Ausbeuten begrenzter Vorkommen. Jede neue Anlage verbessert unser Wissen um eine noch effektivere und zuverlässigere Nutzung. Wer Anfänge kritisiert, macht es sich leicht. Wer sich von den zu erwartenden Schwierigkeiten herausfordern lässt, macht sich verdient.

  3. Es ist schön im Netz jemand zu finden, der die Dinge so ähnlich wie ich sieht! An anderer Stelle habe ich über riesige Photovoltaik-Anlagen geschrieben, mit denen über Elektrodialayse-Anlagen Wasserstoff und Sauerstoff erzeugt wird. Mit Wasserstoff können wiederum PKW's angetrieben, bei denen letztendlich nur Wasserdampf anfällt. Was hältst Du von dieser phantastischen Innovation?

    Herzliche Grüsse KLAUS!

    Antwort auf
  4. Als preisgekrönter Erfinder und Dipl-Ing. (Verfahrenstechnik) - allerdings im Ruhestand (63) - kenne ich mich mit diesbezüglichen Innovationen ganz gut aus. Im INTERNET habe ich ein Buch mit dem Titel "Erfahrungen eines Kreativen aus Hildesheim" (siehe unter GOOGLE) veröffentlicht. Ab S. 147 beschreibe ich dort diese geniale Idee der Sonnenenergie-Nutzung zur Erzeugung von Wasserstoff und Sauerstoff. Wichtig sind mir dabei auch die globalökonomischen Aspekte dieser Erfindung. In Campus online
    http://uni.zeit.de/blog/1...
    finden sich ebenfalls entsprechende Informationen (auch über ein weiteres Thema, das mir sehr am Herzen liegt: "Oskar Schindler in Hildesheim").
    Aufgrund unserer äußerst kritischen Situation in Bezug auf die globale Klimakatastrophe schrieb ich kürzlich an Joschka Fischer (Ex-Umwelt- und Außenminister) geschrieben:
    http://de.geocities.com/k...

    Leider hat er bisher darauf nicht geantwortet!

    Viele Grüsse KLAUS!

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