Ulrich Holbein Dandy mit Adorno-Ohren

In hessischer Waldeinsamkeit lebt der Schriftsteller Ulrich Holbein. Manchen gilt er als Hippie, anderen als Freak. Ein Interview über sein Werk, Drogen und Religion

Der Schriftsteller und Eremit Ulrich Holbein (geboren 1953) schrieb Romane, Essays und Hörtexte. Er gewann unter anderem den Ernst-Willner-Preis und das Arno-Schmidt-Stipendium

Der Schriftsteller und Eremit Ulrich Holbein (geboren 1953) schrieb Romane, Essays und Hörtexte. Er gewann unter anderem den Ernst-Willner-Preis und das Arno-Schmidt-Stipendium

Ulrich Holbein lebt im nordhessischen Knüllwald. Sein Garten ist verwildert, sein Haus überwuchert. So schnell findet man ihn nicht. Dieser Wildwuchs ist eine sichtbare Signatur für das weitrankende, kaum zu durchdringende Prosawerk. Holbeins Texte bestechen durch seine mit Jean Paul oder Arno Schmidt verglichene Sprachkreativität, seinen Witz, seine Belesenheit und seine Zitat- und Anspielungskunst, die in Isis entschleiert (2000) gipfelt – einem Roman, der völlig aus Zitaten besteht. Frank Schäfer hat den Schriftsteller besucht.

ZEIT ONLINE: "Alles, was je schrieb, in Liebe und Haß, als immerfort mitlebend zu behandeln", war eine von Arno Schmidts Prinzipien. Das könnten Sie vermutlich unterschreiben, nicht wahr?

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Ulrich Holbein: Dass ich zitierfreudige Literaturliteratur produziere, dieses Gerücht hab ich mir zeitweise selber eingebrockt. Aber das war bei mir nur eine Phase, auf die mich viele noch festlegen, obwohl ich 1996 gelobte: Nie wieder Zitate! Nur noch Romane! Daran hab ich mich sogar gehalten und bringe jetzt nur noch pralles Leben.

ZEIT ONLINE: Das meinen Sie nicht ernst.

Holbein: Doch, deshalb unterhalte ich mich ja mit Ihnen, damit Sie Vorkämpfer meines Imagewandels werden und erkennen, dass es sich bei Weltverschönerung und Narratorium um Erzählwerke handelt. Falls darin trotzdem noch Infofülle vorkommt … und Materialdichte usw. – und ich fürchte: sogar 0,9 % Zitate –, so heißt das überhaupt nichts. Das muss ja nicht wesenhaft zu mir gehören. Ab Heiligabend 2008 bin ich dann sauber und zitiere überhaupt nichts mehr.

ZEIT ONLINE:  Sie waren bei vielen Verlagen. Kastell, Suhrkamp, Eichborn, Elfenbein, Yedermann, Nachtschatten, immer mal wieder zwischendurch Werner Pieper, und in diesem Jahr kommen gleich zwei Folianten heraus, bei Haffmanns und Ammann. Wer kann Ihnen da eigentlich noch folgen?

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