Vivienne Westwood Her mit dem Zipfelmützenkapuzenkleid!
Die große, alte Dame der englischen Modeszene gibt sich auf der "London Fashion Week" nur ein bisschen leiser. Ein Porträt
Das Gedränge ist groß vor der Brompton Hall auf Londons alten Ausstellungsgelände Earl’s Court. Frisch parfümiert stehen die Schönen und die Hübschgemachten im kühl werdenden Abend. Die Designermobiltelefone vibrieren, die ungeduldig Wartenden wedeln mit VIP-Ausweisen oder ihren Einladungskarten und wollen rein. Doch die Türsteher lassen kaum jemanden durch, selbst nicht die Fotografen. Vivienne Westwood braucht noch einen Moment. Am Ende ist es eine Stunde.
Jahrelang zeigte die heute 67-jährige Patin des Punk ihre Kollektionen lieber in Paris. Aber Anfang des Jahres ist „la Westwood“ nach London zurückgekehrt, zumindest mit ihrer Pret-à-porter-Marke "Red Label" – und ist in guter Gesellschaft. Während sich London, das traditionell im Schatten von Paris, Mailand und New York stand, in den vergangenen Jahren den Ruf als Mode-Metropole zurückeroberte, sind auch die vorher abtrünnigen, britischen Top-Designer dorthin zurückgekehrt.
Zuletzt kam der Schotte Graeme Black nach 15 Jahren in Italien, darunter bei Giorgio Armani, zurück zur Londoner "Fashion Week", wo noch bis Freitagabend Frühjahrs- und Sommermode für 2009 vorgeführt wird. Beatles-Tochter Stella McCartney, eine andere Rückkehrerin, zeigte zum Auftakt ihre für Adidas entworfene Sport- und Badekollektion. Nur noch Alexander McQueen von Givenchy und Diors John Galliano lassen sich weiterhin bitten.
Doch Vivienne Westwood ist noch ein anderes Kaliber. Geboren im Kriegsjahr 1941 in einem verschlafenen Nest in der Grafschaft Derbyshire, erregte die gelernte Grundschullehrerin 1971 Aufsehen: Mit ihrem zweiten Ehemann Malcolm McLaren eröffnete sie auf der Kings Road ein Geschäft und verkaufte selbst entworfene Kleidung. Die Punk-Band The Sex Pistols machte ihre zerrissenen T-Shirts, Sicherheitsnadeln, Rasierklingen und Hundehalsbänder berühmt.
Ihre erste Kollektion zeigte sie 1981 in London. Zwei Jahre später war sie die erste englische Modeschöpferin seit Mary Quandt, die ihre oft als schockierend empfundenen Entwürfe auf den Pariser Schauen zeigte. Mehrfach wurde sie als "Designerin des Jahres" ausgezeichnet und 2006 als „Dame“ in den „Orden des Britischen Empire“ aufgenommen. Ihre halsbrecherischen Faux-Kroko-Plateau-Schuhe, die 1993 Supermodel Naomi Campbell zum Straucheln brachten, sind mittlerweile im Victoria & Albert-Museum zu bewundern
An Anziehungskraft hat Westwood nichts verloren: Die Stripperin Dita von Teese wird an der wartenden Menge vorbei die Rolltreppe hinaufgeschleust, die einstige TV-Rettungsschwimmerin Pamela Anderson hat einen Begleiter mit weißer Maske mitgebracht, die Models Kate Moss und Erin O’Conner nehmen kurz vor Beginn in der ersten Reihe Platz. In der Halle hätte der neue Airbus bequem Platz, aber für die versammelten Egos reicht sie vielleicht kaum aus – nicht zuletzt für das der Modeschöpferin.
- Datum 31.12.2008 - 12:04 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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