CSU Aus und vorbeiSeite 2/2
Und wenn man so will, wurde die CSU auch Opfer ihres eigenen Erfolgs. Denn angesichts von niedriger Arbeitslosenquote und überaus erfolgreicher Wirtschaftspolitik konnte sie in ihren Kernfeldern die Wähler kaum mehr mit neuen Versprechen locken. Stattdessen bot sie bei landespolitischen Themen wie der Bildung, dem Rauchverbot oder dem Transrapid plötzlich ungeahnte Angriffsflächen.
Dahin ist nun auch die eherne Geschlossenheit der CSU. Konflikte drangen bislang nicht an die Öffentlichkeit, die Partei stand nach außen zumeist wie ein monolithischer Block da. Wer mitmachte, wurde durch den christsozialen Zentralismus protegiert, wer ausscherte, wurde abgestraft.
Doch nun lassen sich die Mitglieder und Funktionäre nicht mehr disziplinieren, schon gar nicht nach diesem von der Führung verursachten Wahldebakel. Die alten Entscheidungswege von oben nach unten funktionieren nicht mehr, die Basis will mitreden und mitentscheiden. Wie in allen anderen Parteien auch werden die Auseinandersetzungen inzwischen auch in der CSU offen und über die Medien ausgetragen.
Alles zusammengenommen war es deshalb kein völlig unerwartetes politisches Erdbeben, das sich am Sonntag ereignet hat. Das System CSU war vielmehr längst ausgehöhlt, bevor die Wähler der Partei am Sonntag einen schwarzen Tag bescherten. Bei den letzten Landtagswahlen vor fünf Jahren hatte Edmund Stoiber dies mit seinem Feldzug gegen Rot-Grün noch einmal überdecken können.
Nun aber ist das System CSU implodiert. Bayern ist am Sonntag ein normales Bundesland geworden, mit einem Fünf-Parteien-Parlament, Koalitionsregierungen und einer schwarzen Volkspartei in der Krise. Die christsoziale bayrische Herrlichkeit kommt nicht zurück.
- Datum 13.10.2008 - 17:32 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Der wichtigste Grund wurde nicht genannt.
Bei der Ablösung von Stoiber wurde kein dringend notwendiger Generationenwechsel durchgeführt, sondern es wurde ein 66-jähriger Stoiber durch einen 64-jährigen Beckstein und einen 62-jährigen Huber abgelöst. Das war von Anfang an nur eine Notlösung. Der CSU-Parteitag hat aber so gestimmt und die CSU hat jetzt für diese Entscheidung die Quittung bekommen.
Natürlich wäre am saubersten gewesen, das aktuelle Führungstrio hätte gestern Abend angesichts des Wahlergebnisses gemeinsam den Rücktritt erklärt. Eine korrekte Aufarbeitung des Wahlergebnisses wird unter Führung von Becksteib/Huber nicht gelingen. Dafür wird dieses Duo schon sorgen. (Man erinnere sich nur an das Wahldebakel der CDU/CSU bei der Bundestagswahl 2005. Die CDU/CSU wollte 40+x und landete bei 35. Frau Merkel hat verhindert, dass es eine fundierte Ursachenforschung gab.)
Die CSU braucht dringend eine Führungsfigur, die auch 20- bis 60-Jährige begeistern kann. Mit den Rentnern allein sind keine absoluten Mehrheiten erreichbar.
"Implodiert" ist gut getroffen. An anderer Stelle gibt es dafür Explosionen, namentlich bei den FW und der FDP, und niemand vermag zu sagen, ob sich deren derzeitige Dimensionen auf mittel- bis längerfristige Sicht nicht wieder in Richtung C-Partei zusammenziehen werden...
Bindungen werden überall geringere,natürlich auch die Bindungen an eine Partei.
Das muss eine CSU besonders treffen, die früher feste ,dauerhafte Bindungen hatte.
Sie bekommt die Quittung, die zum Beispiel die SPD schon lange spürt. Es reicht nicht mehr, einen Besenstil hinzustellen- gewählt wird er auf jeden Fall.
Dies ist eine zu begrüssende Mündigkeit des Bürgers.
Zweitens merkt man in Bayern, dass das Volk erfreuliches Widerstandspotential hat, trotz 50 Jahren CSU-Herrschaft. Das zeigte sich immer schon in Volksbegehren, in einer Sendung wie Jetz red I und eben darin, dass die freien Wählergemeinschaften mehr zugelegt haben, als die Linke überhaupt erreichte. Weil es diese gibt, muss sich das Protestpotential bei der Linken nicht versammeln.
Erfreulich auch, dass Ängste in der Bevölkerung, in Bayern aufgrund der ökonomischen Daten sicher weniger als andernorts, sich nicht zwangsläufig in einer Stärkung der Rechten niederschlagen.Bayern ist eben nicht Österreich.
Das muss ich leider eingestehen. Die SPD ist abgestürzt! Die Linke bleibt ausserparlamentarische Opposition. So sieht´s doch aus.
Ansonsten hat sich bei genauem Hinsehen nichts geändert. Die unzufriedenen CSU - Wähler haben brav bei den "freien Wählern" ihr Kreuzchen gemacht. Wenn die Kommunalwahlen in Ostdeutschland nicht etwas anderes aussagen würde, könnte man in Depressionen versinken. Bayern ist eben nicht Deutschland...
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