Moderne Kunst : Warhol als Manga

Takashi Murakami ist einer der einflussreichsten modernen Künstler. In seinen Werken verbindet er Popkultur mit traditionellem japanischen Stil. Eine Bildergalerie
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Takashi MURAKAMI trägt nicht zur „Evolution der Kunst“ bei!

Dass MURAKAMI die „Revolution“ Marcel Duchamps und des All-is-pretty-Warhol bewundert, kann man angesichts von Syntax und Semantik der Werke des Japaners gut verstehen. Wenn der Künstler aber behauptet, er trage zur „Evolution der Kunst“ bei (so im art-Interview), ist das anzuzweifeln. Evolutionsprinzipien (Auslese, Anpassung etc.) gelten in Kunst und Kunstgeschichte und dienen letztlich der Erkenntnis des Wesens der Welt und unseres Selbst. Im Stammbaum der bildenden Kunst wird sich MURAKAMI – mangels kulturellem Tiefgang - als absterbendes Seitenzweiglein etablieren (negatives Mem-Produkt). Seine momentane „Berühmtheit“ im Kunstbetrieb verdankt „Japans Andy Warhol“ den autoritären und ausgeklügelten Marketing-, VIP- und PR-Strategien des nervenden zeitgenössischen Kunstmarktes, der auch die Kitsch-Macher wie Hirst und Koons fördert. Die Non-Art des provokativen Geschäftsmannes MURAKAMI ist eine letale Mutante dessen, was heute noch „Ästhetik“ (Variante „Kunst der Kunstlosigkeit“) genannt wird. Den bewusstlosen Bewusstseins-Zustand des Kunst-Markt-Künstler-Betriebs – mit „Kunst der Absatzstrategie“ (Holger Liebs) - spiegeln besonders die genannten 3 „Künstler“-Figuren (deren NICHT-Originalität/Innovation) wider; nicht den Erkenntnis-Stand des gebildeten Kunstkenners. Was soll’s, wenn die infantile Pop-Bildsprache des Takashi MURAKAMI an die Welt der Mangas, der bunten und wilden, neckischen japanischen Comics, erinnert; Comic-als-„Kunst“-Verehrer dürfen sich freuen, Kunstkritiker sollten ihren Beruf (der Kritik) ernst nehmen, Kunstmarkt-Satire sollte nicht nur mit Satire beantwortet werden.

Was ist Murakami//Was ist eine Evolution//Was ist Kunst?...

"Die Non-Art des provokativen Geschäftsmannes MURAKAMI ist eine letale Mutante dessen, was heute noch „Ästhetik“ (Variante „Kunst der Kunstlosigkeit“) genannt wird." (Zitat, Kommetar 1)

Ich stimme ihnen in ihren Beobachtungen durchaus zu; es stellt sich mir aber die Frage, was eine KünslterIn machen kann, um zu einer "Evolutionen" der Kunst beizutragen. Oder auch : Was ist "Art", wenn Murakami "Non-art" ist // Was ist Ästhetik bzw. Kunst, wenn Murakami "Ästhetik" bzw. "Kunst der Kunstlosigkeit" ist?

Damit meine ich; Kann Kunst noch (?) ein ursprüngliches, körperliches, "naives" Reiben eines wahrnehmenden und denkenden Subjekts an einer körperlichen (Objekt)-Umgebung sein? Indem Sinne wie : Ich sehe etwas, ein Ding, was mir "fremd" erscheint. Ich reflektiere meine "Seins-Position" im Bezug zu der des Dinges. Ich versuche das Ding sinnlich und geistig zu erfassen, für mich ortbar zu machen und um mich selbst in einer "Welt", ausgelöst durch eine Kollision mit diesem Ding und mit mir selbst;dem bewußt-werden meiner Wahrnehmungs- und Reflexionsfähigkeit, zu konstruieren. Sehen, Denken, Machen.

Die zweite, daraus folgende Frage ist: Was ist die oben genannte "Umwelt", die das Subjekt in seiner (Denk-)Tätigaktiviert aktiviert?
Gehören zu dieser Umwelt nicht auch kunstgeschichtliche Bücher, Zeitschriften, Bilder - von Bildern, - der Welt? Wie verhält sich das Subjekt zu einer Rezeptionsgeschichte, zu einer "Subjektgeschichte"? Die Erfahrung, das körperlich, sinnliche Erleben der Rezeption und der Dinge, die subjektiv, "unlineare" Wahnehmung von erlebter Zeit wird gegen eine lineare, "objektive Ordnung, eine Entwicklungsfolge, die aus vielen kleinen intuitiven Wahrnehmungen bestehen soll, eine wissenschaftliche Kategorisierung eingetauscht.
In diesem Rahmen ist überhaupt "Evolution", per Definition, möglich, da um ein "Neues" zu schaffen "Altes" vorhanden sein muss.
Wäre demnach eine "Evolution" in der Kunst möglich, wenn eine Reflexion der Kunst-, Rezeptions-, Bildgeschichte, Erkennen von Entwicklungsstrukturen, Denkstrukturen, Problemstellungen und ein auf, der oben aufgeführten, Selbstreflexivität basierendes erneutes"Lösen" oder Aktualisieren dieser Bereiche stattfindet?
Was macht folgentlich Murakami?
Er macht noch etwas anderes; etwas, was ich nicht aufgeführt habe.
Er reflektiert über Kunst als eine Ware. Dabei bewegt er sich noch in einem anderen Feld als dem der Kunstgeschichte und das funktioniert auch nach einer anderen Logik, nach anderen Entwicklungsstrukturen: dem des Kunstsmarktes.
Diese neuwirkende Variable wurde schon von vielen anderen Künstlern mit einbezogen, um ihnen eine "Aktualisierung" zu ermöglichen.

Wo die Evolution von Murakami in den bisher betrachteten Bereichen von Kunst liegen soll, ist nicht ersichtlich.
Selbst die Lösung/Aktualisierung in Form des Kopierens, der Ausweg aus der subjektiven Bedeutungsstiftung in die Relativität, kann Murakami nicht beanspruchen, da diese Idee bereits "durchgeführt" wurde.
Sein Werk könnte nur eine Evolution, eine Aktualisierung in einem Betrachtungsansatz von Kunst sein, der sich mir noch nicht erschlossen hat.
Vielleicht kann man dies, parallel zu "Kunst der Kunstlosigkeit" als "Evolution der Evolutions-losigkeit oder der Un-Zeitlichkeit" bezeichnen.
"Kann es Evolutionen in der Kunst geben?" Diese Frage kann man vielleicht mit den Mitteln der Sprache nicht zufriedenstellend beantworten. Evolutionen kann man erst rekursiv mit durch die Sprache "erklären"; sie zu solchen, im wörtlichen Sinne machen. Schaffen kann man sie, außerhalb der Sprache selbst, mit ihr aber nicht.

Murakami & Evolution, Kunst-Markt-„Kunst“ und Qualität

Zu der Frage, was ein Künstler / eine Künstlerin machen kann, um zu einer kulturellen „EVOLUTION" der Kunst beizutragen (1), habe ich schon in Artikeln von DIE ZEIT Community Antworten gegeben. Mein „Modell für eine objektivere Kunstbeurteilung" sollte auch Künstlern helfen, ihr Tun zu reflektieren, wenn sie sich nicht „nur“ als (private) „Sonntagsmaler“ (Hobbykünstler) einstufen, also kulturell-evolutionär in der Öffentlichkeit tätig und wirksam sein wollen. Siehe hierzu den ZEIT-Artikel „Damien Hirst: Kunst-Markt-Kunst primär und sekundär und die unabhängigen Künstler“. Im Artikel „Zur EVOLUTION einer (anti)„modernen“ KUNST- Bewusstseinsverfassung: Über SPIEGELZELLEN, Kunst-GEISTIGES und die (Post)MODERNE“ reflektierte ich kritisch den bewusstlosen Bewusstseins-Zustand des Kunst-Markt-Künstler-Betriebs und Voraussetzungen zum Werdegang eines KUNST-Menschen. Über KUNST & Non-Art und Ästhetik findet man viel Material in meiner Homepage art-and-science.de (Links mit Aufsätzen ebenda; documenta-Kritik). Um was es bei staatlicher Kunstförderung gehen
sollte, informiert auch mein DIE-ZEIT-Beitrag „ZUKUNFT der documenta: documenta-ChefIn für 2012 gesucht – Zur vorläufigen UNREFORMIERBARKEIT der documenta-Institution“ mit aktuellen Kommentaren.

Zu MURAKAMI - letale Mutante im Stammbaum der Bildenden Kunst: Geld ist der „Humus, in dem die neofeudalen, autoritären Strukturen“ des Kunstmarkt-Künstler-Betriebs wurzeln. Und: „Der herrschende Geschmack im Kunstbetrieb ist der Geschmack der Herrschenden.“ Siehe TAZ-Artikel Brigitte Werneburg: „Kunst und Publicity: Das Diktat der Marken“. In Frankfurt „brilliert“ derzeit das MMK mit einer von der Gagosian Gallery bezahlten Ausstellung „© Murakami“; Merchandising-Universum (…). Die „Autonomie des Museums“ steht auf dem „freien“ (?) Spiel der KUNST: Das Museum als Ort von „Bedeutung“, „Autorität“ und „Selektion“ des Wichtigen. Peter Weibel formulierte gerade in die WELT-Online („Der Kult des Auktionskünstlers“): „Trias Kunst, Finanzwelt, Publizität als Erfolgskriterien“ habe schon J. L. David 1799 beschworen und „dementsprechend seine Rollen als Hof- und Staatskünstler, aber auch als Revolutionär und Genie beschrieben“. Der Kult des Künstlers mache nur dann Sinn, wenn es sich um „Kunst als Glaubenssystem und nicht als Wissenssystem“ handele. Weibel postuliert, dass in Zukunft die Kunst „weniger im Feuilleton als im Wirtschaftsteil besprochen“ werde (= Remythisierung, Reauratisierung des Künstlers).

„Japans Andy Warhol“ den autoritären und ausgeklügelten Marketing-, VIP- und PR-Strategien des nervenden zeitgenössischen Kunstmarktes, der auch die Kitsch-Macher wie Hirst und Koons fördert. MURAKAMIs „Kunst“ versteht sich als unternehmerisches Modell. Als Teil seiner Gesamtinstallation im MMK Frankfurt dient ein „Souvenir-Shop“ mitten im Museum, der Teil der „Kunst“Ausstellung ist: mit Buttons, T-Shirts, Stofftieren. Die Ausstellung sieht aus wie die Spielzeugabteilung eines großen Kaufhauses – mit Kitsch in Reinkultur. Takashi Murakami trennt nicht zwischen Kunst und Geschäft. Das Museum wirft sich dem Kommerz in die Arme. MURAKAMIs „Kunst“ kann als "Kunst der Kunstlosigkeit" und „Kunst“ einer „Kunst der Evolutionslosigkeit“ gesehen werden, wenn
auch MURAKAMI-Meme sich in bestimmten empfänglichen „Kunst“-Hirnen fortpflanzen
werden.

Als übler Kuhhandel erweist sich neben MURAKAMI&MMK in Frankfurt momentan auch, dass der Deutsche-Bank-„Kunst“-Geschmack im renommierten Städel Fuß fasst: Die Städel-Dauerleihgabe beinhaltet „anzukaufende“ (!) Werke der „Staatskünstler“ & Kunst-Markt-Stars A. Kiefer (umstrittener „Friedenspreis“-Mann), S. Polke, G. Richter, G. Baselitz, M. Lüpertz etc. Die Deutsche Bank wolle damit ihre Kunstsammlung einem größeren Publikum zugänglich machen, es gehe (angeblich) um hochwertige Arbeiten, die inzwischen „zu musealer Qualität gereift sind“, sagte der Vorstandsvorsitzende & Millionär Josef Ackermann. WIKIPEDIA googeln: Ackermann im „Mannesmann“-Prozsess: „Dies ist das einzige Land, in dem diejenigen, die Erfolg haben und Werte schaffen, deswegen vor Gericht gestellt werden.“ Gegenüber der FAZ hatte Frankfurts Kultur-Chef SEMMELROTH versprochen, es sei „geradezu die Raison d'être der Kulturpolitik, in Frankfurt Räume zu schaffen und zu verteidigen, in denen ästhetische, wissenschaftliche, intellektuelle Auseinandersetzungen stattfinden“ (FAZ v. 05.03.08). Für Kunstförderung & Sammlungspolitik sollten zur QUALITÄTSSICHERUNG KRITERIEN angewendet werden, mahnte ich an: "Quantitative Kriterien“ und „Qualitative Kriterien“ wie Resonanz, Relevanz, Innovationsbereitschaft, Engagement, Professionalität. Julia VOSS von der FAZ hatte für VIELFALT - nicht Einfalt & Orientierungslosigkeit – und „Spezialisierung“ der Frankfurter KUNST-Häuser plädiert.

(1) Frage(n) Eva Straußenbart in DIE ZEIT Community.