Rettet das Orakel von Omaha die Finanzwelt? Die Jubelstimmung unter den Börsianern nach dem milliardenschweren Einstieg des legendären Investors Warren Buffett bei der einstigen Investmentbank Goldman Sachs lässt vermuten, dass viele Marktteilnehmer diese Hoffnung hegen.

Fünf Milliarden Euro steckt Buffetts Fonds Berkshire Hathaway in das Bankhaus Goldman Sachs, das in den vergangenen Wochen seinen Nimbus als eines der cleversten Investmenthäuser verloren hat und derzeit dabei ist, sich von einer schillernden Investmentbank in eine klassische Geschäftsbank zu verwandeln. Damit stellt sich schon fast zwangsläufig die Frage: Wenn der reichste Mann der Welt Finanzaktien anfasst – kann man sich als Privatanleger damit noch die Finger verbrennen?

Allerdings wäre es arg optimistisch, Buffetts Engagement als Entwarnungssignal für die Märkte zu werten. Der 78-Jährige gilt als geduldiger Value-Investor, der auf das Potenzial niedrig bewerteter Unternehmen mit langfristigen Ertragschancen setzt. Das bedeutet zunächst einmal, dass er Goldman Sachs für überlebensfähig hält und davon ausgeht, dass die Bank ihre Geschäfte wieder stabilisieren kann. Bemerkenswert ist jedoch, dass der Einstieg erst nach dem offiziellen Abschied der Bank vom Geschäftsmodell des reinen Investmentbankings erfolgt ist. Ob es im Vorfeld der Wandlung mehr oder weniger sanften Druck seitens des potenziellen Großaktionärs gab, bleibt derzeit noch im Dunkeln.

Ein cleverer Investor wie Buffett setzt darauf, dass sein Einstieg den Kurs beflügelt und damit die bewährte Mechanik der sich selbst erfüllenden Prophezeiung in Gang setzt. Eine Bank ist vom Vertrauen ihrer Kunden und Investoren abhängig, und das hat auch bei Goldman Sachs arg gelitten. Weil die Refinanzierung über Kredite teurer wurde, brachen Gewinne und Aktienkurs ein. Mit dem Einstieg der Lichtgestalt aus Omaha wird das Vertrauen schlagartig wiederhergestellt. Die Risikoprämien bei der Finanzierung sinken, zumindest einer Erholung der Erträge steht nichts mehr im Weg.

Zudem hat Buffett für sein großzügiges Engagement exzellente Konditionen ausgehandelt. Der Milliardär hat sich den Zugriff auf Aktien im Wert von weiteren fünf Milliarden US-Dollar gesichert – und das zu einem Festpreis, der fast zehn Prozent unter dem derzeitigen Aktienkurs liegt. Buffett bekam Rabatt, sein Risiko ist so geringer.