Sexualität"Was Sarkozy macht, ist super!"

Catherine Millet schrieb über die sexuelle Befreiung der Frau. Im neuen Buch widmet sie sich der Eifersucht. Ein Gespräch über Liebe, Paranoia und die lustfeindliche Linke

"Mein Körper ist mir manchmal unangenehm" – die Schriftstellerin Catherine Millet

"Mein Körper ist mir manchmal unangenehm" – die Schriftstellerin Catherine Millet

Vor sechs Jahren erregte die französische Kunstkritikerin Catherine Millet mit ihrem autobiografischen Roman "Das sexuelle Leben der Catherine M." großes Aufsehen. Darin beschrieb sie ihre Sexerfahrungen mit zahlreichen Partnern beiderlei Geschlechts. Bezeichnet wurde es unter anderem als "das expliziteste Buch über Sex, das jemals von einer Frau geschrieben wurde". Nun liegt ein weiterer autobiografischer Roman von ihr vor: "Le jour de souffrance", zu Deutsch "Der Tag des Leidens".  ZEIT ONLINE traf die Schriftstellerin in Paris.

ZEIT ONLINE: Frau Millet, wovon handelt Ihr neuer Roman?

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Catherine Millet: Mein neuer Roman handelt von einer Eifersuchtskrise, die ich durchlebte. Nachdem ich Catherine M. geschrieben hatte, fragten mich alle: Aber wie ist das denn mit der freien Sexualität? Kennen Sie keine Eifersucht? Als Antwort habe ich dieses Buch geschrieben. Ich musste dieses Buch schreiben, um zu zeigen, dass es auch eine andere Seite der Wirklichkeit gibt.

ZEIT ONLINE: Sie sehen sich als Schriftstellerin also der Wahrheit verpflichtet?

Millet: Nein, eigentlich nicht. Vielmehr schreibe ich, wie ich lese. Ich lese, um eine andere Wirklichkeit zu erfahren, und schreibe, um eine andere Wirklichkeit zu erschaffen. Dass mein Schreiben immer die Wirklichkeit abbildet, wie sie für mich tatsächlich gewesen ist, ist eher ein Zufall.

ZEIT ONLINE: Ihr neues Buch ist viel emotionaler und intimer als der Vorgänger. Hat sich in der Zwischenzeit bei Ihnen selbst auch etwas verändert?

Millet: Man verändert sich permanent und man hört ja nicht auf. Selbst als Leiche verändert man sich noch, wird zersetzt usw. Aber ich glaube nicht, dass sich meine Haltung zwischen den zwei Büchern wesentlich gewandelt hat. Vielmehr ist Tag des Leidens einfach aus einer ganz anderen Perspektive geschrieben. Es geht um ganz andere Sachen.

ZEIT ONLINE: Was bedeutet Ihnen Eifersucht?

Leserkommentare
  1. Catherine Millet vergleicht die Sexualität der Linken mit der der Rechten und nennt den französischen Präsidenten Sarkozy als leuchtendes Beispiel für befreitere (?) Sexualität. Wie war das nun eigentlich? Hat nicht kurz nach der Wahl Sarkozys Frau Cecilia i h n verlassen ("nun braucht er mich nicht mehr!"). Da mußte doch sehr schnell eine neue Partnerin für die Präsentationsaufgaben her. Und zog es Carla Bruni nicht in das Licht der "Öffentlichkeit"? Da trafen einfach Wünsche und Bedürfnisse zusammen. Ob das aber schon "befreitere" Sexualität bedeutet?

    Herzliche Grüsse aus HILDESHEIM!

    • Rahab
    • 01.10.2008 um 20:03 Uhr
    2. ein

    wahnsinnig informatives interview!!! wer hat da eigentlich keine lust? die autorin oder der interviewer? - ja, und der französische ober-kärcher avanciert zur leitfigur der sexuellen befreiung. aha. na, das kann ja heiter werden, wenn das schule macht...

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    Danke Kommentator Rahab, damit ist der Luftballon geplatzt. Dass diese ach so befreite und wahnsinnig eifersüchtige Sexsüchtige grade den hiesigen Napoleonverschnitt als Vorbild hinstellt, entlarvt ihre ach so befreite Mentalität. Ansonsten halte ich es mit der Anmerkung, dass es keine mutigen Leute waren, die diese so genannte "Revolution" machten, sondern einfach solche, die von besseren Behandlungsmethoden gegen z.B. Syphilis und der Pille profitierten.
    Natürlich nichts dagegen, dass Leute Spass beim Sex haben, aber dieses Posieren mit "Moderne", "Befreiung" und "Fortschritt" ist - wie Tom Wolfe zu einem anderen Thema sagte - A BONFIRE OF VANITIES

    Danke Kommentator Rahab, damit ist der Luftballon geplatzt. Dass diese ach so befreite und wahnsinnig eifersüchtige Sexsüchtige grade den hiesigen Napoleonverschnitt als Vorbild hinstellt, entlarvt ihre ach so befreite Mentalität. Ansonsten halte ich es mit der Anmerkung, dass es keine mutigen Leute waren, die diese so genannte "Revolution" machten, sondern einfach solche, die von besseren Behandlungsmethoden gegen z.B. Syphilis und der Pille profitierten.
    Natürlich nichts dagegen, dass Leute Spass beim Sex haben, aber dieses Posieren mit "Moderne", "Befreiung" und "Fortschritt" ist - wie Tom Wolfe zu einem anderen Thema sagte - A BONFIRE OF VANITIES

  2. hat die Vorbilder die es verdient: Frankreich hat Sarkozy, USA hat Bush...das spricht eine landestypische Sprache...

  3. Nicht neues - bildungsbürgerliche eliten setzten seit menschengedenken , jahrhunderte vor vermeintlichen sexuellen befreiungen , sexualität als teil ihrer beruflichen & privaten lebenstrategien ein.Unfreiwillig komisch wird es natürlich, wenn systemkonforme luxusprostitution als teil der weiblichen befreiung verkauft wird.

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    Guter Beitrag - nur die Überschrift passt hier - m.E. - nicht dazu. Weil die Arbeit mit sexuellen Reizen, der Einsatz der Sexualität mit dem letztlich ein jeder Mensch arbeitet nicht nur die bildungsbürgerlichen Eliten betrifft, - diese aber eben auch - was aber nicht jedem bewusst ist bzw. weil dies noch nicht zum allgemeinen Bewusstsein gehört. Dass gerade auch junge Problem-Kinder bzw. -Jugendliche ihren Körper als Mittel der Aufmerksamkeit und zur Erlangung von Anerkennung und Zuwendung (Liebe und Wärme) mehr oder weniger erfolgreich nutzen, mehr als die Kinder anderer, die "normalen" Kinder, das wurde in der Zeit jetzt ja auch gerade erst beschrieben.

    Was bei der sexuellen Befreiung - manchmal - vergessen wird, auch bei Intellektuellen - ist, dass diese vor allem auf das Aufkommen der modernen Verhütungsmittel zurückzuführen ist. Da wird gern so getan, als sei man hier besonders mutig gewesen. Viele Frauen und Männer hatten hier sicher viele - nur hatte man dennoch eben weniger bis keine Kinder mehr! Sexualität ohne Konsequenzen, also Kinder, das ist der Kern der sexuellen Revulution, die also eher eine "technische" bzw. chemische war.

    Guter Beitrag - nur die Überschrift passt hier - m.E. - nicht dazu. Weil die Arbeit mit sexuellen Reizen, der Einsatz der Sexualität mit dem letztlich ein jeder Mensch arbeitet nicht nur die bildungsbürgerlichen Eliten betrifft, - diese aber eben auch - was aber nicht jedem bewusst ist bzw. weil dies noch nicht zum allgemeinen Bewusstsein gehört. Dass gerade auch junge Problem-Kinder bzw. -Jugendliche ihren Körper als Mittel der Aufmerksamkeit und zur Erlangung von Anerkennung und Zuwendung (Liebe und Wärme) mehr oder weniger erfolgreich nutzen, mehr als die Kinder anderer, die "normalen" Kinder, das wurde in der Zeit jetzt ja auch gerade erst beschrieben.

    Was bei der sexuellen Befreiung - manchmal - vergessen wird, auch bei Intellektuellen - ist, dass diese vor allem auf das Aufkommen der modernen Verhütungsmittel zurückzuführen ist. Da wird gern so getan, als sei man hier besonders mutig gewesen. Viele Frauen und Männer hatten hier sicher viele - nur hatte man dennoch eben weniger bis keine Kinder mehr! Sexualität ohne Konsequenzen, also Kinder, das ist der Kern der sexuellen Revulution, die also eher eine "technische" bzw. chemische war.

  4. Sarkozy ersetzt die Frau, die ihn verlassen hat, durch eine angeblich attraktivere - das soll sexuelle Befreiung sein? Die Frau als "schönster Schmuck des Mannes"? Ich dachte, Sex hätte es etwas mit Lust und nicht mit Sexismus zu tun. Peinlich.

  5. Guter Beitrag - nur die Überschrift passt hier - m.E. - nicht dazu. Weil die Arbeit mit sexuellen Reizen, der Einsatz der Sexualität mit dem letztlich ein jeder Mensch arbeitet nicht nur die bildungsbürgerlichen Eliten betrifft, - diese aber eben auch - was aber nicht jedem bewusst ist bzw. weil dies noch nicht zum allgemeinen Bewusstsein gehört. Dass gerade auch junge Problem-Kinder bzw. -Jugendliche ihren Körper als Mittel der Aufmerksamkeit und zur Erlangung von Anerkennung und Zuwendung (Liebe und Wärme) mehr oder weniger erfolgreich nutzen, mehr als die Kinder anderer, die "normalen" Kinder, das wurde in der Zeit jetzt ja auch gerade erst beschrieben.

    Was bei der sexuellen Befreiung - manchmal - vergessen wird, auch bei Intellektuellen - ist, dass diese vor allem auf das Aufkommen der modernen Verhütungsmittel zurückzuführen ist. Da wird gern so getan, als sei man hier besonders mutig gewesen. Viele Frauen und Männer hatten hier sicher viele - nur hatte man dennoch eben weniger bis keine Kinder mehr! Sexualität ohne Konsequenzen, also Kinder, das ist der Kern der sexuellen Revulution, die also eher eine "technische" bzw. chemische war.

    Eine Leserempfehlung
  6. Danke Kommentator Rahab, damit ist der Luftballon geplatzt. Dass diese ach so befreite und wahnsinnig eifersüchtige Sexsüchtige grade den hiesigen Napoleonverschnitt als Vorbild hinstellt, entlarvt ihre ach so befreite Mentalität. Ansonsten halte ich es mit der Anmerkung, dass es keine mutigen Leute waren, die diese so genannte "Revolution" machten, sondern einfach solche, die von besseren Behandlungsmethoden gegen z.B. Syphilis und der Pille profitierten.
    Natürlich nichts dagegen, dass Leute Spass beim Sex haben, aber dieses Posieren mit "Moderne", "Befreiung" und "Fortschritt" ist - wie Tom Wolfe zu einem anderen Thema sagte - A BONFIRE OF VANITIES

    Antwort auf "ein"
    • Rahab
    • 12.10.2008 um 13:31 Uhr

    nicht in allem, wo befreiung draufsteht ist auch befreiung drin....
    offengestanden: bis zu diesem interview hätte ich Millets bücher auch anders gelesen.

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