Finanzkrise Ohnmächtiges Europa
Die Europäische Union gibt es in der Finanzkrise nicht. Das muss anders werden

© Getty Images/ Montage: ZEIT ONLINE Grafik
Hypo Real Estate, Fortis, Bradford & Bingley: In Europa werden die Krisenfälle auf nationaler Ebene behandelt
Amerika hat einen Plan für das Finanzsystem. Und Europa? Hat Pläne. Wie die angeschlagene belgisch-niederländische Bank Fortis verstaatlicht werden soll, entschieden souverän die Regierungen und Staatsbanker beider Länder. Wie die britische Hypothekenbank sich in die starken Arme des Staates retten durfte, entschieden Downing Street No.10 und 11, also Premier und Schatzkanzler. Das milliardenschwere Hilfspaket für die Hypo Real Estate schnürten deutsche Bankenaufsicht, Bundesbank und Peer Steinbrück. Anders als die Belgier unterrichteten sie von ihrer Rettungsaktion, ganz offenbar zu sehr in Eile, nicht einmal die Europäische Kommission. Jedenfalls beschwerte die sich am Montag und murmelte etwas von womöglich melde- und genehmigungspflichtiger staatlicher Beihilfe.
Kurz, Europa wäre trotz Euro, trotz Europäischer Zentralbank, trotz Ecofin-Ministerrat und allerlei Wirtschafts-, Währungs- und Wettbewerbskommissaren zu einer Herkulestat im amerikanischen Stil derzeit überhaupt nicht in der Lage. Grenzenlos agieren zwar auch die europäischen Bankhäuser, und die riskanten bis ruinösen Folgen solchen Tuns sind derzeit zu besichtigen. Aber aller Stolz auf den Euro als zweite Leitwährung der Welt, alle leise Selbstzufriedenheit über eine vernünftigere (man beachte den bescheidenen Komparativ) Bankenaufsicht helfen über die Einsicht nicht hinweg: Europa ist für derartige Krisen nicht gerüstet.
Schlecht gerüstet ist sie also nicht nur bei ihrer gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik, die derzeit ihre Adoleszenzphase durchleidet. Schlecht bis gar nicht ausgestattet ist die Europäische Union, immerhin (noch) die größte Exportmacht der Welt und auch ansonsten erfolgreich verflochten in die Weltwirtschaft, auch fürs internationale Kapital- und Finanzmarktwesen. Dort folgt die Union immer noch der altbackenen Regel: „Global reden, national handeln.“
Der Vergleich von EU-Außen- und Finanzpolitik wirkt auch in anderer Hinsicht erhellend. Zu Recht pochen europäisch denkende Politiker darauf, dass für mehr Gemeinsamkeit in der Außenpolitik die Umsetzung des Vertrags von Lissabon dringend nötig sei. Dort wird etwa die Figur eines Außenministers der Union geschaffen, der nur nicht so heißt, aber als Vizepräsident der Brüsseler Kommission über den nötigen Apparat gebieten könnte und als Dauergast in den einschlägigen Räten der Regierungen den notwendigen Rückhalt hätte. Ein europäischer diplomatischer Dienst ist in diesem Vertrag vorgesehen, und ebenfalls ein Kapitel Sicherheitspolitik bis hin zu Beistandspflichten. National gehandelt wird nach Geist und Buchstaben dieses Vertrags also nicht länger.
Anders in Sachen Weltwirtschaft. Da weist der Vertrag für eine Krise wie diese wenig Inspirierendes vor. Womit die Europäische Union allein von Willen und Vernunft der politischen Akteure abhängt.
- Datum 04.05.2009 - 11:04 Uhr
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Um die globale Zockerei und die Umschichtung des Kapitals von den Armen zu den Reichen endlich zu beenden, könnte Europa sich für eine Weltwährung und eine Regulierung der Finanzaufsicht in globaler Zusammenarbeit einsetzen. Bislang haben sich die USA und England stets dagegen gewehrt. Die gegenwärtig drohende Weltwirtschaftskrise könnte sie einsichtiger werden lassen!
Weltwährung klingt super, aber ich bin nicht sicher ob das sinnvoll wäre, bei Wikipedia wurde die Kritik schön formuliert:
Als gravierendster Nachteil einer Weltwährung ist der Verlust zur Möglichkeit nationaler Geldpolitik zu sehen, die nach allgemeiner ökonomischer Ansicht ein wichtiges wirtschaftspolitisches Instrument zum Ausgleich internationaler Ungleichgewichte darstellt. Dies wird damit begründet, dass ein und dieselbe Geldpolitik zum gleichen Zeitpunkt nicht für alle Länder der Welt optimal sein kann, da die jeweiligen ökonomischen Bedingungen unterschiedliche Zinsen und Geldmengen-Entwicklungen bedürfen.
Aber das Währungsproblem zu eliminieren, ist schon extrem verlockend. Ich glaube vor allem deshalb nicht so richtig daran, weil es meiner "Sinnvolle Größe"-Theorie widerspricht :-)
Imho befindet sich jedes System in einem ständigen Kampf um seine Größe, wird es zu groß, kann es außer Kontrolle geraten, funktioniert nur noch unoptimal und ist idR nicht mehr demokratisch, ist es zu klein, dann ist es idR relativ wehrlos und ziemlich uneffizient. Das trifft zumindest auf die Größe von Staaten zu, wahrscheinlich auch auf die Größe des Wirtschafts/Währungssraumes. Ich würde es zu gerne mal ausprobieren, schade dass das nicht geht.
Schauen Sie sich mal Weissgarnix an. Da werden Sie schnell feststellen, dass das hoffnungslos zerstrittene Europa am allerwenigsten zum Schlichter von Weltfinanzproblemen geeignet ist.
www.weissgarnix.de
Weltwährung klingt super, aber ich bin nicht sicher ob das sinnvoll wäre, bei Wikipedia wurde die Kritik schön formuliert:
Als gravierendster Nachteil einer Weltwährung ist der Verlust zur Möglichkeit nationaler Geldpolitik zu sehen, die nach allgemeiner ökonomischer Ansicht ein wichtiges wirtschaftspolitisches Instrument zum Ausgleich internationaler Ungleichgewichte darstellt. Dies wird damit begründet, dass ein und dieselbe Geldpolitik zum gleichen Zeitpunkt nicht für alle Länder der Welt optimal sein kann, da die jeweiligen ökonomischen Bedingungen unterschiedliche Zinsen und Geldmengen-Entwicklungen bedürfen.
Aber das Währungsproblem zu eliminieren, ist schon extrem verlockend. Ich glaube vor allem deshalb nicht so richtig daran, weil es meiner "Sinnvolle Größe"-Theorie widerspricht :-)
Imho befindet sich jedes System in einem ständigen Kampf um seine Größe, wird es zu groß, kann es außer Kontrolle geraten, funktioniert nur noch unoptimal und ist idR nicht mehr demokratisch, ist es zu klein, dann ist es idR relativ wehrlos und ziemlich uneffizient. Das trifft zumindest auf die Größe von Staaten zu, wahrscheinlich auch auf die Größe des Wirtschafts/Währungssraumes. Ich würde es zu gerne mal ausprobieren, schade dass das nicht geht.
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... die EU, die EU, die wird alles richten, lalalala. Wir allein können nichts tun, lalalala.
Ist es mal wieder ZEIT für den Lobgesang und das Beschwören der EU und ihrer Superstärke in der Zukunft. Was Herr Vannahme natürlich weglässt: Einigkeit gibt es nur zum Preis absoluter Unterordnung oder mit anderen Worten, durch einen Verlust von Souveränität und Demokratie in den Mitgliedsstaaten. Das zeigt ja auch der EU-Reformvertrag (Mehrheitsstimmrecht statt Einstimmigkeitsprinzip).
Somit sorgen die kranken Zustände an den Finanzmärkten also auch noch für eine weitere politische Entmachtung der ohnehin schon unmündig gehaltenen Bürger. Ob "Mund halten und Zahlen", das Leitmotto der EU im Umgang mit ihren Einwohnern, in einer solchen Krise tatsächlich helfen würde, sei mal dahingestellt. Was wäre gewonnen, wenn irgendwelche EU-Räte 700 Mrd. Euro in einen kaputten Markt pumpen? Und genau das würden sie tun, denn sie sind weder intelligenter noch weniger korrupt als die amerikanische Machtclique und mindestens genauso marktgläubig.
In meinen Augen ist schon der Ansatz falsch, wenn das Finanzsystem immer größer und mächtiger wird, dann muss man es zerschlagen oder herunterregulieren und nicht die Staatsgebilde ihm anpassen.
... muss man das ganze System. So geht es nicht weiter.
Die EU ist ein zu tiefst undemokratisches System.
Für die Bewältigung der Finanzprobleme ungeeignet.
Verantwortlich sind LIBERALE Poltiker, die pausenlos nach DEREGULIERUNG schrien.
... muss man das ganze System. So geht es nicht weiter.
Die EU ist ein zu tiefst undemokratisches System.
Für die Bewältigung der Finanzprobleme ungeeignet.
Verantwortlich sind LIBERALE Poltiker, die pausenlos nach DEREGULIERUNG schrien.
... muss man das ganze System. So geht es nicht weiter.
Die EU ist ein zu tiefst undemokratisches System.
Für die Bewältigung der Finanzprobleme ungeeignet.
Verantwortlich sind LIBERALE Poltiker, die pausenlos nach DEREGULIERUNG schrien.
Weltwährung klingt super, aber ich bin nicht sicher ob das sinnvoll wäre, bei Wikipedia wurde die Kritik schön formuliert:
Als gravierendster Nachteil einer Weltwährung ist der Verlust zur Möglichkeit nationaler Geldpolitik zu sehen, die nach allgemeiner ökonomischer Ansicht ein wichtiges wirtschaftspolitisches Instrument zum Ausgleich internationaler Ungleichgewichte darstellt. Dies wird damit begründet, dass ein und dieselbe Geldpolitik zum gleichen Zeitpunkt nicht für alle Länder der Welt optimal sein kann, da die jeweiligen ökonomischen Bedingungen unterschiedliche Zinsen und Geldmengen-Entwicklungen bedürfen.
Aber das Währungsproblem zu eliminieren, ist schon extrem verlockend. Ich glaube vor allem deshalb nicht so richtig daran, weil es meiner "Sinnvolle Größe"-Theorie widerspricht :-)
Imho befindet sich jedes System in einem ständigen Kampf um seine Größe, wird es zu groß, kann es außer Kontrolle geraten, funktioniert nur noch unoptimal und ist idR nicht mehr demokratisch, ist es zu klein, dann ist es idR relativ wehrlos und ziemlich uneffizient. Das trifft zumindest auf die Größe von Staaten zu, wahrscheinlich auch auf die Größe des Wirtschafts/Währungssraumes. Ich würde es zu gerne mal ausprobieren, schade dass das nicht geht.
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Welche amerikanische "Herkulestat" meinen Sie bitte? Das ging doch mit Pauken und Trompeten daneben...
Die Krise betrifft zunächst den amerikanischen Immobilienmarkt.
Ich lebe nicht in den USA, sondern in Australien. Mir erscheint die Praxis des Hauskaufens downunder US-amererikanischen Gepflogenheiten ähnlich zu sein.
Hier gilt Hausbesitz als sehr erstrebenswert, Mieten ist was für Loser, mal etwas überspitzt ausgedrückt. Auch wenn die Hauspreise in den letzten Jahren extrem gestiegen sind, der gesellschaftliche Druck, ein Haus zu kaufen, ist hoch. Da es in den letzten Jahren wirtschaftlich ganz gut ging, haben viele ihre derzeit gute Lage in die Zukunft projiziert und sich auf Kredite eingelassen, die sie schon jetzt recht stressen, die sich aber bei verschlechterter Lage als wirklich schwer zu bedienen erweisen können.
In Amerika wurde das Problem dadurch verschärft, daß seit Greenspan Geld praktisch zum Nulltarif zu haben war, was die Kreditgeber für den Immobilienmarkt zusätzlich zu recht lax geprüften Weitergeben veranlaßte. Nun mehren sich die Zeichen, daß es zu lax war, die Hausbesitzer können die Kredite nicht mehr bedienen. Da das aber in bestimmten Regionen, besonders den neuen äußeren Suburbs an den Stadträndern konzentriert stattfindet, verliert das Land an Wert - es ist ein derzeitiges Überangebot zwangszurückgenommener Grundstücke. Die Banken müssen die Kredite refinanzieren - die im Wert gesunkenen Grundstücke decken das aber nicht ausreichend ab- die Banken selbst verlieren an Kreditwürdigkeit.
Das ist zunächst ein Branchenproblem lokal in Amerika. Europa steckt meines Wissens nicht in einer gleichgelagerten Immobilienkrise. Dazu ist die Mentalität und die Modalitäten dieses Marktes in europäischen Ländern sehr unterschiedlich. Ein Hauskauf in Dtl. wird ganz anders gehandhabt als in der angelsächsischen Welt.
Der Schaden für den "Rest der Welt" besteht zunächst vorallem, da der US-Immobilienmarkt ein lukratives Anlagefeld für Finanzkapital weltweit darstellte. Dieses ausländische Finanzkapital muß dies Inverstitionen jetzt teilweise abschreiben. Die vier australischen Großbanken haben dies in den letzten Monaten mehrfach getan, und mußten so Kursverluste hinnehmen. Dadurch wird die Rentabilität derer Kunden und Investoren, wie z.B. der Rentenfonds, leiden. Auch trocknet der Kreditmarkt für die Wirtschaft aus, es ist schwer, Geld für Investitionen zu bekommen.
Die australische Regierung wirkt dem mit einer 4Mrd.$(AUS) Geldmenge auf dem Kreditmarkt entgegen, tritt so direkt als Kreditgeber auf, um dem Finanzierungsbedarf der Wirtschaft zu helfen.
Ähnliche Pakete können auch in Europa geschnürt werden. Das kann aber lokal passieren und bedarf keiner EU-Politik, da die Gegebenheiten regional sehr unterschiedlich sein werden.
Inwiefern ein schwächelnder amerikanischer Markt die Welt zum Stocken bringt, muß man sehen. Der bevorstehende Amtswechsel mag den fiskalischen Rahmen dahingehend auch verändern. Immerhin ist die US-amerikanische Finanzlage auch durch extrem kostspielige Kriegsausgaben gezeichnet. Da ist Raum zur Umschichtung.
Mit der Europäischen Zentralbank und der Währung existieren auch wichtige Grundpfeiler, um Europa nicht zum Spielball Amerikas werden zu lassen. Es ist nicht auszuschließen, daß längerfristig dies gar zum großen Vorteil Europas werden könnte - ein wesentlich heterogenerer Wirtschaftsraum mit einer Stabilität versprechenden Währung ist ein Traum für von Amerika verunsicherte Investoren.
Europa ist politisch schwach, und das ist auch gut so.
In einer friedlichen Welt muß politische Schwäche auch keinswegs Armut zur Folge haben. Im Gegenteil. Gerade wer genau weiß, daß er nicht die Möglichkeit hat, andere zu knechten oder zu versklaven, wird sich bemühen, selbst produktiv zu sein und mit dem Ersparten vernünftig umzugehen.
Moral hazard: So nennt man das, wenn ganze Eliten beginnen, wie die Cowboys draufloszuzocken -- im frivolen Gefühl, daß sie im schlimmsten Fall immer noch den Colt zücken und das Verlorene zurückfordern können.
Eine kluge Wirtschaftspolitik muß dafür sorgen, daß Situationen wie die jetzige erst gar nicht entstehen können. Durch geeignete Kontrollmaßnahmen und eine seriöse Zinspolitik.
Wenn Europa jetzt ebenfalls Probleme hat, dann liegt das v.a. daran, daß unsere Banken den Amerikanern viel zu leichtgläubig und in viel zu großem Umfang die "Gift-Papiere" abgekauft haben.
Vor allem, wen wundert es, natürlich die staatseigenen LANDESbanken...
Auch daran zeigt sich, daß die Finanzkrise in ihrem Kern eine POLITISCHE Krise ist: Die Mechanismen der demokratischen Kontrolle funktionieren nicht mehr.
Die Gründung europäischer Super-Strukturen würde dieses Problem nicht lösen, sondern verschlimmern!
Auch daran zeigt sich, daß die Finanzkrise in ihrem Kern eine POLITISCHE Krise ist: Die Mechanismen der demokratischen Kontrolle funktionieren nicht mehr.
Also, wenn ich das lese, bekomme ich die Gelbsucht. Wir zahlen alle GEZ. Und was bekommen wir: Staatsrundfunk a lá Weißrußland! Hören oder Sie sich doch mal den dauerhaft hofberichterstattenden Mist an (Ausnahme-Sendungen auf schlechten Slots bestätigen die Regel). Mir fehlt definitiv das kritische Aufklärerische. Aber ein investigativer Journalist wird dann bestimmt auf Druck eines Verwaltungsratmitgliedes abgemahnt...
Privatrundfunk + -fernsehen: Null Punkte!
Armes Deutschland
Auch daran zeigt sich, daß die Finanzkrise in ihrem Kern eine POLITISCHE Krise ist: Die Mechanismen der demokratischen Kontrolle funktionieren nicht mehr.
Also, wenn ich das lese, bekomme ich die Gelbsucht. Wir zahlen alle GEZ. Und was bekommen wir: Staatsrundfunk a lá Weißrußland! Hören oder Sie sich doch mal den dauerhaft hofberichterstattenden Mist an (Ausnahme-Sendungen auf schlechten Slots bestätigen die Regel). Mir fehlt definitiv das kritische Aufklärerische. Aber ein investigativer Journalist wird dann bestimmt auf Druck eines Verwaltungsratmitgliedes abgemahnt...
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