Sinkende Wahlbeteiligung, schwindende Mitgliederzahlen bei den Parteien, Stimmengewinne für die Extremen: Die Behauptung, dass die Deutschen politikverdrossen sind, gilt mittlerweile als Gemeinplatz, den selbst der Bundespräsident immer wieder bemüht.

Verstärkt wurde dieser Eindruck erst unlängst durch eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung. Weil ein Drittel der Befragten auf die Frage, ob die Demokratie die wichtigen Probleme lösen könne, mit Nein antwortete, wurde ihnen Demokratieferne attestiert.

Der Schreck war groß. Doch nun stellte das Forsa-Institut in Berlin eine Untersuchung vor, die die politische Einstellung der Deutschen weniger düster erscheinen lässt. Zwischen 90 und 95 Prozent der Deutschen befürworteten die Demokratie, so das Ergebnis der repräsentativen Untersuchung, für die von 2000 bis 2008 6000 Bürger ab 14 Jahren befragt wurden.

Ein differenzierteres Bild habe man liefern wollen, sagte der Berliner Politikwissenschaftler Oskar Niedermayer, der die Untersuchung konzipierte. Deswegen wurde die Frage nach der Zustimmung zur Demokratie aufgesplittet.

Ergebnis: Nur vier Prozent der Deutschen könnten als Antidemokraten eingestuft werden. Sie lehnen sowohl die Idee der Demokratie, das konkrete demokratische System in der Bundesrepublik als auch die Verfassungswirklichkeit, also die alltägliche politische Praxis, ab. Jeder Sechste wünscht sich zwar Veränderungen am demokratischen System, ist prinzipiell aber durchaus für Demokratie.

Des Weiteren unterscheiden die Forscher eine Gruppe, die eher das politische Tagesgeschäft kritisiert. In dieser machen die Unzufriedenen schon 30 Prozent aus. 39 Prozent sind dagegen komplett zufrieden.