Im nordöstlichen Alpenraum hat sich gestern ein politisches Erdbeben der Kategorie neun auf der nach oben offenen Richterskala ereignet. Nein, dieses Beben hatte nichts mit der Nordverschiebung des afrikanischen Kontinents zu tun, sondern ausschließlich mit der politischen Befindlichkeit der Wähler in Bayern und Österreich.

Es empfiehlt sich, diese beiden Wahlen im Zusammenhang zu analysieren, und zwar nicht nur wegen der engen Verwandtschaft von Bayern und Österreichern, sondern weil damit auch der hinter diesen Ergebnissen liegende Trend für die kommenden Bundestagswahlen sichtbarer wird.

Das bayrische Landtagswahlbeben war zuerst und vor allem eine regionale Wahl mit regionalen Ursachen. Seit Edmund Stoibers abrupter Umkehr auf seinem Weg nach Berlin war die Jahrzehnte andauernde, absolute CSU-Herrschaft in Bayern ins Wanken geraten. Mit technokratischen Reformen – etwa der Verkürzung des Gymnasiums um ein Jahr oder auch dem Anti-Raucher-Gesetz – wurde die eigene Anhängerschaft erzürnt; und mit einem neuen Führungsduett der CSU, das sich erwartungsgemäß als absolut führungsuntauglich erwies, war der Niedergang der CSU vollends vorprogrammiert. Dass es nun aber ein Absturz um etwa 17 Prozent wurde, hat alle Befürchtungen weit übertroffen.

Aus der absoluten Vorherrschaft der CSU und einem Drei-Parteien-Parlament wird plötzlich eine Koalitionsregierung mit einem Fünf-Parteien-Parlament. Und vergessen wir nicht, dass selbst die Linkspartei – Kommunisten! – mit über vier Prozent in Bayern sehr gut abgeschnitten hat.

Auch wenn in Bayern nunmehr eine schwarz-gelbe Koalition möglich ist, so verhüllt diese mutmaßliche Koalition mehr, denn dass sie erhellt. Guido Westerwelles Freude in der Wahlnacht war entweder gespielt oder er hat die machtpolitischen Konsequenzen dieses Bebens für Berlin noch nicht begriffen. Denn mit dem dramatischen Einbruch der CSU wird eine schwarz-gelbe Koalition im Bund nach 2009 noch unwahrscheinlicher, als sie es ohnehin schon war.

Der bayrische Wahlsonntag hat klargemacht, dass die beiden großen Parteien im Bund einander in Schwäche verbunden sein werden, denn auch die SPD hat auf niedrigstem Niveau noch weiter abgenommen. Auch mit dem neuen Duo Steinmeier/Müntefering kann die SPD keine Wähler von der Linkspartei zurückholen. Der Kanzlerkandidat der SPD wird dies in nicht allzu ferner Zukunft negativ zu spüren bekommen.