Die Demonstranten zogen ab 12 Uhr mit gellenden Pfeifkonzerten aus drei Richtungen zum Brandenburger Tor, wo am Rande des Regierungsviertels für den Nachmittag zwei Großkundgebungen geplant sind. Für den Protestzug schlossen sich Ärzteverbände, Kliniken, Gewerkschaften, kommunale und kirchliche Arbeitgeber in einem "Aktionsbündnis Rettung der Krankenhäuser" zusammen. Mit bis zu 70.000 Teilnehmern sollte es nach dem Willen der Veranstalter die größte Demonstration im Gesundheitswesens werden.

Die Organisatoren beklagen, noch nie sei die wirtschaftliche Situation der Kliniken so schlecht gewesen. Immer mehr Einrichtungen steckten in roten Zahlen und könnten die Tarifverträge nicht mehr erfüllen. Verantwortlich machen sie dafür den politischen Sparkurs der vergangenen Jahre und die Deckelung der Budgets. Aber auch die hohen Tarifabschlüsse und die stark gestiegenen Energiekosten machen den Kliniken zu schaffen.

Nach Angaben der Deutschen Krankenhausgesellschaft haben die Kliniken mit einer Lücke von 6,7 Milliarden Euro zu kämpfen. Das am Vortag vom Bundeskabinett auf den Weg gebrachte Rettungspaket von rund drei Milliarden Euro zusätzlich sei daher nicht ausreichend. Es sei "nur ein Tropfen auf den heißen Stein".

 "Bei den Kliniken bleibt eine Finanzierungslücke", sagte der Vorsitzende der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, Rudolf Henke. Insbesondere durch Personalkosten sehen sich die Kliniken belastet. "Der Bundesinnenminister hat den Tarifabschluss für das Krankenhauspersonal zu 100 Prozent unterschrieben, finanzieren will der Bund die Lohnerhöhungen nur zu 50 Prozent", sagte Henke. "Das ist nicht fair." Das größte Problem sei jedoch die Deckelung der Klinikbudgets nach Maßgabe der Einnahme-Entwicklung bei den Beitragszahlern.

Das "größte Problem" der Kliniken sei jedoch die Deckelung ihrer Budgets, sagte Henke. Die Abhängigkeit der Budgets von den Einnahmen der Krankenkassen nannte er ein "Grundübel", das beseitigt werden müsse. "Gute medizinische Versorgung gibt es nur, wenn sich die Kliniketats an den Leistungen orientieren."

Der Präsident des Städtetags, Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) forderte Bund und Länder auf, ihr Hilfspaket für die notleidenden Kliniken aufzustocken. Das Gesetzesvorhaben dürfe nicht das letzte Wort der Regierung sein, sagte er. "So lassen sich die Krankenhäuser nicht retten." Der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Rudolf Kösters, nannte die Finanzreform eine "Mogelpackung".