Krankenhäuser "Genug gespart!"
Es war die größte Demonstration gegen die deutsche Gesundheitspolitik: Bis zu 130.000 Krankenhausmitarbeiter haben mit Pfeifen, Rasseln und viel Wut im Bauch bessere Arbeitsbedingungen gefordert
Braun gebrannte Ärzte und Krankenschwestern mit Modelmaßen schenken sich gerade Kaffee nach - es wird gedreht in der Berliner Dorotheenstraße. Klinik am Alex heißt die neue Sat1-Serie. Mediziner machen sich immer gut im Scheinwerferlicht.
Eine Querstraße weiter, Unter den Linden, marschieren die, die sich im Schatten des Systems sehen: Ärzte, Pfleger, Krankenschwestern, Klinikleiter. Sie sind aus ganz Deutschland angereist, die Polizei spricht von bis zu 130.000 Demonstranten. Es ist eine beispiellose Protestaktion gegen die Gesundheitspolitik in Deutschland. Noch nie zuvor hatten sich so viele verschiedene Interessengruppen zusammengefunden wie beim „Aktionsbündnis zur Rettung der Krankenhäuser“. Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände, Beamtenbund, Deutscher Städtetag und Marburger Bund haben ihre Mitglieder zum gemeinsamen Marsch durch Berlin zusammengetrommelt.
Vor dem Berliner Dom stehen fünf Schwesternschülerinnen aus Schwäbisch Gmünd. Sie sehen sehr vergnügt aus, aber als es an die Beschreibung ihres Arbeitsalltags geht, werden sie ernst: „Die Patienten beschweren sich schon, weil sie sich schlecht versorgt fühlen“, sagt eine 20-Jährige. Bis zu 30 Kranke müssen die jungen Frauen im zweiten Lehrjahr im Nachtdienst alleine versorgen. „Wir können nicht das umsetzen, was wir in der Schule lernen“, sagt ihre Mitschülerin, „wir haben einfach keine Zeit mehr für die Patienten.“ Zustimmendes Nicken. Hinzu komme die Angst, sagen die Auszubildenden, aus Spargründen nicht übernommen zu werden.
Die Gruppe, die sich ein paar Meter weiter in Richtung Brandenburger Tor bewegt, hat das Arbeitsleben schon hinter sich. Arnold und Maria Schmidt, beide 67 Jahre alt, sind wegen ihrer Kinder und Enkelkinder hier. „Sie sind in der Altenpflege tätig und haben dort so viel Stress“, erzählt das Paar aus dem Kreis Meißen. „Wenn die Kommunen jetzt auch noch die Krankenhäuser verkaufen wollen, wird alles noch teurer“, fürchtet Arnold Schmidt. Die Finanzspritze in Höhe von drei Milliarden Euro, die das Kabinett gestern beschlossen hat, sei nur ein „Tropfen auf dem heißen Stein“.
Dr. Eberhard Huschke vom Krankenhaus Löbau-Zittau in der Oberlausitz kann seine Wut über das „3-Milliarden-Geschenk“ der Bundesregierung nur mühsam unterdrücken: „Erst haben wir jahrelang einen Solidarbeitrag für die Krankenkassen abgeführt, und jetzt wird uns das, was man uns erst weggenommen hat, als Geschenk präsentiert.“ Geld für neue Stellen habe man nicht, sagt der Betriebsratsvorsitzende Gunther Lang, der ebenfalls mitgereist ist nach Berlin. Ganz im Gegenteil: „Wenn der Deckel nicht bald nach oben geht, können wir bald die bestehenden Gehälter nicht bezahlen.“
An diesem Punkt ist Bernd Kissig, Leitender Arzt bei den Alexianern in Berlin und Potsdam, schon angelangt: „Wir können die betrieblichen Löhne nicht mehr zahlen“, sagt er. Die Solidarabgaben für die Krankenkassen und die gestiegenen Energiekosten hätten ein zu großes Loch in die Kasse gefressen. Er sei heute hier, um die Einheit der Beschäftigten im Gesundheitswesen zu demonstrieren, sagt Kissig. „Man hat versucht, Ärzte und Pflegepersonal gegeneinander auszuspielen – aber wir müssen zeigen, dass wir alle an einem Strang ziehen.“
- Datum 25.09.2008 - 18:03 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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einen höchst wichtigen Dienst im Krankenhaus an den vielen Menschen leisten, unterstützen. Es ist mir allerdings ein Rätsel, dass keine der verantwortlichen Pfeifen des Gesundheitswesen, die maßgeblich die Schuld tragen und verantwortlich sind, nicht schon längst von den Drangsalierten dem Ehrentode preisgegeben wurde. Verständlich wäre es. Es wird höchste Zeit, dass eine gegängelte und gequälte Berufsschicht gegen seine Peiniger und Missbrauchtäter wirksam wird und nachhaltig sich zur Wehr setzt, damit das Krankenhaus zum Wohle aller bestehen bleibt.
das wird mit einer Erhöhung der Krankenkassenbeiträge bezahlt werden müssen, so wie man schon die erhöhten Kosten aus dem Gesundheitsfonds so bezahlt hat.
Die Löhne in Deutschland sinken aber, sehr zur Freude der für den Export produzierenden Firmen, immer weiter. Dadurch sinken natürlich die Einnahmen in den Krankenkassen. Rund ein Viertel der Arbeitnehmer lebt auf oder unterhalb des Existenzminimums, das sehr niedrig angesetzt ist, zum Teil leben sogar schon Vollzeit -Arbeitnehmer auf Hartz IV Niveau und müssen zusätzliche transfer-Leistungen beantragen.
Denen kann man nichts mehr nehmen. Man wird also die mittleren Einkommen mehr belasten müssen (zumindest wenn man in der Logik der derzeitigen Regierungspolitik bleibt). Diese werden noch weiter in Richtung Armut rutschen.
Ich finde die Proteste gegen den Notstand in den Krankenhäusern und überhaupt im gesundheitlichen Bereich richtig, aber nur mehr Geld zu fordern, finde ich kurzsichtig.
Der Notstand im Gesundheitssystem und in den Krankenhäusern ist das Ergebnis einer völlig falschen Wirtschaftspolitik. Und dagegen sollte man protestieren, mit dem Hinweis darauf, welch katastrophale Folgen diese im Gesundheitsbereich hatte.
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Bürger, sei wachsam!
Mein lieber man, wo kommt denn da auf einmal die besonnene Argumentationsweise her? So kenne ich sie ja gar nicht Persiana!!!!
Sonst laufen sie in ihren Kommentare immer sehr linkslastig auf! Diese Entwicklung finde ich sehr begrüßenswert. Vielleicht findet man ja noch öfter solche Kommentare.
^^
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Mein lieber man, wo kommt denn da auf einmal die besonnene Argumentationsweise her? So kenne ich sie ja gar nicht Persiana!!!!
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^^
ich finde es nach wie vor angebracht, sich zu überlegen, woher das Geld kommen soll, anstatt es einfach nur zu verlangen, so wie es derzeit geschieht (zumindest entnehme ich das den Medien so).
Wenn man einfach nur mehr Geld verlangt, so wie es die Mediziner in der Vergangenheit getan haben, ohne zu überlegen, wo es herkommen soll, treibt man durch die Beitragserhöhungen der Krankenkassen immer mehr Menschen in Richtung (eines viel zu niedrig angesetzten) Existenzminimums.
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Bürger, sei wachsam!
ich finde es nach wie vor angebracht, sich zu überlegen, woher das Geld kommen soll, anstatt es einfach nur zu verlangen, so wie es derzeit geschieht (zumindest entnehme ich das den Medien so).
Wenn man einfach nur mehr Geld verlangt, so wie es die Mediziner in der Vergangenheit getan haben, ohne zu überlegen, wo es herkommen soll, treibt man durch die Beitragserhöhungen der Krankenkassen immer mehr Menschen in Richtung (eines viel zu niedrig angesetzten) Existenzminimums.
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Wenn man einfach nur mehr Geld verlangt, so wie es die Mediziner in der Vergangenheit getan haben, ohne zu überlegen, wo es herkommen soll, treibt man durch die Beitragserhöhungen der Krankenkassen immer mehr Menschen in Richtung (eines viel zu niedrig angesetzten) Existenzminimums.
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