Braun gebrannte Ärzte und Krankenschwestern mit Modelmaßen schenken sich gerade Kaffee nach - es wird gedreht in der Berliner Dorotheenstraße. Klinik am Alex heißt die neue Sat1-Serie. Mediziner machen sich immer gut im Scheinwerferlicht.

Eine Querstraße weiter, Unter den Linden, marschieren die, die sich im Schatten des Systems sehen: Ärzte, Pfleger, Krankenschwestern, Klinikleiter. Sie sind aus ganz Deutschland angereist, die Polizei spricht von bis zu 130.000 Demonstranten. Es ist eine beispiellose Protestaktion gegen die Gesundheitspolitik in Deutschland. Noch nie zuvor hatten sich so viele verschiedene Interessengruppen zusammengefunden wie beim "Aktionsbündnis zur Rettung der Krankenhäuser". Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände, Beamtenbund, Deutscher Städtetag und Marburger Bund haben ihre Mitglieder zum gemeinsamen Marsch durch Berlin zusammengetrommelt.

Vor dem Berliner Dom stehen fünf Schwesternschülerinnen aus Schwäbisch Gmünd. Sie sehen sehr vergnügt aus, aber als es an die Beschreibung ihres Arbeitsalltags geht, werden sie ernst: "Die Patienten beschweren sich schon, weil sie sich schlecht versorgt fühlen", sagt eine 20-Jährige. Bis zu 30 Kranke müssen die jungen Frauen im zweiten Lehrjahr im Nachtdienst alleine versorgen. "Wir können nicht das umsetzen, was wir in der Schule lernen", sagt ihre Mitschülerin, "wir haben einfach keine Zeit mehr für die Patienten." Zustimmendes Nicken. Hinzu komme die Angst, sagen die Auszubildenden, aus Spargründen nicht übernommen zu werden.

Die Gruppe, die sich ein paar Meter weiter in Richtung Brandenburger Tor bewegt, hat das Arbeitsleben schon hinter sich. Arnold und Maria Schmidt, beide 67 Jahre alt, sind wegen ihrer Kinder und Enkelkinder hier. "Sie sind in der Altenpflege tätig und haben dort so viel Stress", erzählt das Paar aus dem Kreis Meißen. "Wenn die Kommunen jetzt auch noch die Krankenhäuser verkaufen wollen, wird alles noch teurer", fürchtet Arnold Schmidt. Die Finanzspritze in Höhe von drei Milliarden Euro, die das Kabinett gestern beschlossen hat, sei nur ein "Tropfen auf dem heißen Stein".

Dr. Eberhard Huschke vom Krankenhaus Löbau-Zittau in der Oberlausitz kann seine Wut über das "3-Milliarden-Geschenk" der Bundesregierung nur mühsam unterdrücken: "Erst haben wir jahrelang einen Solidarbeitrag für die Krankenkassen abgeführt, und jetzt wird uns das, was man uns erst weggenommen hat, als Geschenk präsentiert." Geld für neue Stellen habe man nicht, sagt der Betriebsratsvorsitzende Gunther Lang, der ebenfalls mitgereist ist nach Berlin. Ganz im Gegenteil: "Wenn der Deckel nicht bald nach oben geht, können wir bald die bestehenden Gehälter nicht bezahlen."

An diesem Punkt ist Bernd Kissig, Leitender Arzt bei den Alexianern in Berlin und Potsdam, schon angelangt: "Wir können die betrieblichen Löhne nicht mehr zahlen", sagt er. Die Solidarabgaben für die Krankenkassen und die gestiegenen Energiekosten hätten ein zu großes Loch in die Kasse gefressen. Er sei heute hier, um die Einheit der Beschäftigten im Gesundheitswesen zu demonstrieren, sagt Kissig. "Man hat versucht, Ärzte und Pflegepersonal gegeneinander auszuspielen – aber wir müssen zeigen, dass wir alle an einem Strang ziehen."