US-Wahlkampf McCain und die Mäuse
In der 700-Milliarden-Krise versuchte der Kandidat, den Überparteilichen zu geben und die erste Debatte auszusetzen. Zehn Stunden vor Beginn fiel er um. Um 3 Uhr (MEZ) beginnt der erste Gladiatoren-Auftritt.
Selbst ein getreues Pro-McCain Blatt wie das Wall Street Journal „was not amused“, wie der berühmte Spruch von Queen Victoria lautet. Als das Finanzchaos Amerika und damit die Welt zu überfluten drohte, wollte der Kandidat plötzlich den Wahlkampf absagen. „Country first“, war seine Devise, und deshalb forderte er vom Rivalen Barack Obama, auf die erste Präsidial-Debatte am heutigen Freitag zu verzichten.
Patriotismus über Präsidentenkür, wollte McCain signalisieren, doch das Wahlvolk kratzte sich am Kopf. Und der Rivale Obama konnte die Punkte genießen, die ihm McCain so zugeschanzt hatte. Nicht reden in dieser Zeit? Wenn nicht jetzt, wann? Grollt das Wall Street Journal: „Der Wähler will wissen, wie die Kandidaten die finanzielle Kernschmelze bekämpfen wollen. Tatsächlich aber haben sie von McCain nur eine Mischung aus Wut und Vagheit bekommen. Damit wollte er den Wahlkampf überwinden. Tatsächlich sah es so aus, als wollte er ihm entfliehen.“
Die Kurve hat McCain buchstäblich in letzter Sekunde gekratzt. Am späten Freitagvormittag (Ortszeit Ostküste) kapitulierte er und ließ verkünden, er werde am Freitgabend (21:00 Ortszeit) doch an der Universität Mississippi in Oxford Rede und Antwort stehen. Die lahme Ausrede: Zwar hatten sich Bush und Kongress noch nicht auf das 700-Milliarden-Rettungspaket geeinigt, aber er, McCain, sei doch „optimistisch, dass es genügend Fortschritt auf dem Weg zu einer Übereinkunft“ gegeben habe.
Gewundene Rede, aber der Sinn hätte klarer nicht sein können: Der Kandidat musste sich aus der selbstgestellten Falle befreien, hatte doch Obama immer kühl wiederholt: Er selber werde auf jeden Fall nach Oxford gehen. Und da diese Präsidialdebatten in Wahrheit keine sind, sondern ein komplexes Minuett von Fragen Dritter, denen sich die Kandidaten stellen müssen, hätte Obama die Bühne ganz allein für sich gehabt. 90 Minuten lang Prime Time!
- Datum 22.01.2009 - 15:30 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 2
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[entfernt/ Redaktion; svb]
...schwächliches Verhalten von McCain zu nutzen um letztendlich heftig über Obama abzuledern.
Spannend und voll ausgewogen. Ich komme nicht auf die Idee für wenn Joffe ist.
Ich muss kurz nachdenken was mir im Gedächtnis geblieben ist. Ach ja - Obama ist aalglatt... McCain? Wer war das nochmal?
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