Französische Literatur Irrfahrt ins FlüchtlingslagerSeite 3/3

Hak: Das kann ich nicht sagen, ich möchte das nicht bewerten. Das ist Ihre Bewertung. Aber sie ist wohl nicht ganz falsch. Es geht mir tatsächlich mit meinem Schreiben auch um eine Affirmation der Vitalität. Trans ist ja teilweise auch eine Liebesgeschichte.

ZEIT ONLINE: Sie selbst sind in den Achtzigern von Tschechien aus über Italien nach Frankreich geflohen. Hat das Thema illegale Migration etwas mit Ihrer eigenen Biografie zu tun?

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Hak: Zuerst ist die Wahl des Themas eine literarische Entscheidung und keine biografische. Erfahrung kann etwas bedeuten, aber sie ist niemals entscheidend. Nicht jeder, der etwas Schreckliches erlebt hat, kann Literatur darüber machen. Man muss einen Stil entwickeln, eine Narrative erfinden. Ich glaube auch nicht, dass meine Biografie meine Literatur legitimiert, dass ich etwa dazu berechtigt bin, eine Flucht zu schildern, weil ich selbst geflohen bin. Das ist Unsinn. Anderseits hat mich diese Erfahrung, die Grenzen zu durchbrechen, in biografischer Hinsicht sehr geprägt. Das war wirklich eine sehr große, grundlegende Erfahrung für mich, die allerdings auch sehr privat ist.

ZEIT ONLINE: Seit Ihrer Flucht schreiben Sie auf Französisch. Wie ist das?

Hak: Es ist gar nichts Neues in der Literatur, dass jemand seine Muttersprache gegen eine andere austauscht. Nabokov, Conrad oder Ionesco haben das mit großem Erfolg getan. Ich glaube auch nicht, dass man tiefe Gefühle nur in der Muttersprache ausdrücken kann. Die Sprache ist das wichtigste Instrument eines Schriftstellers, und man muss sie beherrschen. Man muss sie sehr gut beherrschen, aber das ist auch alles.

Die Fragen stellte Johannes Thumfart.

 
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