Musikwirtschaft Dieter Gorny fordert Kreativdebatte
Der Gründer der Popkomm appelliert an die Politik, endlich das Urheberrecht in der digitalen Ära zu überdenken. Illegale Downloads seien Diebstahl, sagte er der ZEIT
Dieter Gorny, der Vorstandsvorsitzende des Bundesverbands der Musikindustrie und Gründer der Musikmesse Popkomm, fordert in der ZEIT, den Wert der Kreativität in der digitalen Ära zu überdenken: "Wir brauchen dringend ein zeitgemäßes Copyright. Eine Gesellschaft, die mit Kunst so umgeht, wie es momentan der Fall ist, verliert sich, ökonomisch wie inhaltlich. Deshalb wünsche ich mir eine Debatte, die auch vonseiten der Politik auf Augenhöhe geführt wird, damit wir nicht immer fünf Jahre hinter der technologischen Entwicklung herhinken. Das, was wir im Musikbereich gerade erleben, ist ja längst dabei, auf andere Sparten überzugreifen, das Kino, den Buchmarkt, den Printbereich."
Anlässlich der Popkomm, die vom 8. bis 10. Oktober in Berlin stattfindet, macht Gorny auf den desolaten Zustand der Musikindustrie aufmerksam. Der Verkauf von CDs ist seit dem Jahr 2000 um 40 Prozent zurückgegangen, Schuld daran seien illegale Downloads, klagen Branchenvertreter.
"Nie war das Interesse an Musik größer als heute. Was wir haben, ist ein Problem mit der Abrechnung. Es kann doch nicht sein, dass wir so dumm sind zu glauben, nur das, was man anfassen kann, hat einen Wert. Im digitalen Zeitalter!", sagt Gorny. Es müsse endlich eine gesellschaftliche Auseinandersetzung mit der Zukunft des geistigen Eigentums geben. "Die Leute müssen einsehen, dass illegale Downloads Diebstahl sind."
Von neuen Marketingstrategien wie CD-Beigaben in Zeitschriften oder Gratis-Downloads direkt über die Webseiten der Bands hält Gorny nichts. "Die Musikverschenkerei übers Netz wird die Vielfalt nicht fördern, sondern vernichten. Über diesem läppischen, links angehauchten Diskutieren der digitalen Probleme droht eine ganze Musiklandschaft wegzurutschen."
Im Streitgespräch mit Maurice Summen von der Berliner Indierock-Band Die Türen appelliert Gorny schließlich an den Mut der Plattenmanager, sich gegen die musikalische Einfalt zu wehren. "Da müssen wir uns schon fragen, ob ein größeres Risiko nicht manchmal mehr bringen würde." Und er stellt sich die Frage, ob jemand in der Industrie heute eine Band wie Pink Floyd unter Vertrag nehmen würde.
Das vollständige Interview lesen Sie in der neuen Ausgabe der ZEIT. Ab morgen am Kiosk.
- Datum 30.09.2008 - 18:38 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 23
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Ich denke da hat wohl einfach jmd. Angst um seine ersparnisse/Erträge.
Das von ihm genannte gewachsene Interesse an der Musik hängt ja eben mit der vergrößerten Verfügbarkeit (auch illegale dl's) zusammen.
Und die Musik hat einen Wert für die Leute, nur nicht Millionen für die Plattenfirmen sondern vielleicht nur fünfstellige Beträge für die Band. Ist doch viel besser so. So denken die Leute IM DIGITALEN ZEITALTER!
Kunst ist zwangsläufig immer etwas für wenige. Geld lässt sich heute, wie seit Urzeiten nicht mit der Kunst sondern nur mit dem Schund verdienen. Das Erschaffen von Kunst war schon immer etwas für Idealisten, die ihr Ding durchziehen, auch wenn es nichts oder wenig einbringt.
Daher ist es wohl kaum schlüssig, aus einem postulierten Sharing-bedingten Wertverfall der Musik auf einen Rückgang der künstlerischen Qualität zu schließen.
Wer den Wert der Musik generell anheben will, bewirkt letztendlich nur eines, nämlich den Mainstream zu subventionieren. Ein Schelm, wer dies als Doppelmoral bezeichnet.
Soso, da fordert irgendein Chef eine Kreative Debatte wie man die gewünschten Einnahmen noch steigern könnte...
Aber ich glaube, auch diese Industrie hat nach all den Jahren der Forderungen (wieviele Gesetze sind den in der Vergangenheit zu deren Gunsten angepasst oder Eingeführt worden?) und des Entgegenkommens seitens der Justiz ihr einst einigermassen Positives Image leicht verspielt... während der grosse Rest nicht's mehr zeigen durfte als Verständnis, notfalls etwas herbeigeprügelt mit Strafen die jenseits von Gut und Böse sind im Vergleich zum Schaden...
;-)
“When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Helda Camara
a
Viele Leute würden mit Sicherheit gerne CDs kaufen. Vielleicht sind 18, 19€ aber einfach zu teuer. Und da entwickelt der Konsument sehr große Kreativität, wie er derart unverschämte Preise umgehen kann!
Musik, meine ich.
Musik, meine ich.
sie waren schon immer ein lobbyist und werden immer einer bleiben lediglich ihre zeit bei viva hat ihnen etwas credibility verschafft, warum eigentlich ?viva war auch nur ein abspielsender der mi, was ich eigentlich sagen will warum halten sie es nicht mit dieter nuhr ?
in ihrem pamphlet erwecken sie den eindruck als ob es ihnen wirklich um den künstler ginge , dabei ist ihre einzige motivation die sinkende umsätze der mi.
soll die mi doch den bach runter gehen keiner braucht diese schmarotzer , wer glaubt ohne mi gäbe es keine kreativität mehr , glaubt wahrscheinlich auch an den weihnachtsmann.
das gorny den kunstbegriff geistiges eigentum verwendet spricht schon bände.
Könnte man es nicht, was die Zeitspanne anbetrifft dem Patentrecht angleichen und wie dort mit jährlichen (steigenden) Schutzgebühren versehen? :-)
Sicher, das ist nicht die Überarbeitung, die Herrn Gorny vorschwebt. Und vielleicht wäre ja der eine oder andere gerne bereit, sich um die von Herrn Gorny strapazierte Einsicht zu bemühen. Was er (der Mitbürger nicht Herr Gorny ist hier gemeint) jedoch sieht, ist ein herzloses Vorgehen gegen eher harmlose Kids, die stärker kriminalisiert werden, wie Kokain komsumierende Musiker von Herrn Gornys Klientel. Was er weiter sieht, ist auch die Kriminalisierung einer privaten Kopie für das eigene Auto.
Wird es einem da nicht verteufelt schwer gemacht, Einsicht zu üben?
Und wenn man dann schon einmal richtig in Fahrt ist, ist man sogar versucht "in Lafontaine" zu machen: So wie es ja nicht möglich sein kann, in wenigen Jahrzehnten wirtschaftlicher Tätigkeit en dreistelliges Millionenvermögen zu erwirtschaften (da das nur auf Kosten der Werktätigen gehen kann, und da muss der Gesetzgeber ran ;-)), darf das doch auch in der Unterhaltungsindustrie nicht möglich sein. Würde da der ehemalige Popbeauftragte nicht auch feststellen, dass die Gewinne der Plattenindustrie, nun ja, eigentlich auch als Diebstahl angesehen werden müssten?
Nun trifft letzteres nicht wirklich meine Meinung, aber es ist doch interessant wie ein kleiner Wechsel des politischen Standpunktes (der in Wahlen immerhin von einem merklichen Bruchteil der Bevölkerung geteilt wird) hier zu ganz andere Schlüssen führte, wie die von Herrn Gorny intendierten.
Herzlichst Crest
Eine Musikindustrie, die mit Kunst so umgeht, wie es momentan der Fall ist, verliert sich, ökonomisch wie inhaltlich.
Ich will nicht sagen "Was der für einen Blödsinn erzählt", aber ich kann nicht!
Zitat:
Der Verkauf von CDs ist seit dem Jahr 2000 um 40 Prozent zurückgegangen, Schuld daran seien illegale Downloads.
Das ist allgemeinen BlaBla - und in etwa so haltbar, wie dass der Verkauf von Leer-CDs direkt mit dem Kopieren von CDs korreliert ist bzw. war.
Ich für meinen Teil habe es einfach satt, Musik für teures Geld zu kaufen - und ich mache das seit Jahren nicht mehr. Aber ich brauche auch keine Musik. Ich höre Radio und habe einen Sender, der sich angenehm vom West-typischen "Formatradio" abhebt und das reicht mir in der Regel.
Und die ganze Unseriösität Ihrer Argumentation, werter Herr Gorney - wie auch die der sonstigen Content-Mafia - wird genau darin sichtbar, dass man geflissentlich übersieht, dass wir in einer Aufmerksamkeits-Ökonomie leben und dass der Bürger eben mehr Zeit in andere Dinge steckt als das zu konsumieren, was sich Herr Gorny und Co. wünschen.
Und noch etwas: Ich kann meinen Ekel gar nicht deutlich genug davor ausdrücken, wie die Content-Industrie ihre Kunden zu Verbrechern macht.
Denn tatsächlich ist es doch so, Herr Gorny, dass das Urheberrecht völlig überaltert ist. Kein rational denkender Mensch kann verstehen, dass sich die Monopol-Ansprüchee der Urheber bzw. Rechte-Händler in einer Gesellschaft ausgeweitet werden, die sich permanent beschleunigt. Natürlich sind Schmarotzer immer daran interessiert, dass ihnen die gebratenen Hähnchen ins Maul fliegen.
Aber de facto muss sich heute sich der Inhalt einer CD doch in 8-12 Monaten amortisieren. Dann könnte der Gesetzgeber so gnädig sein, das Urheberrecht meinetwegen zehnfach zu diesem Zeitraum zu setzen - aber dann hat Schicht zu sein mit staatlichem Schutz!
Ich kann dieses Gejammer einer Industrie nicht mehr ertragen, die tatsächlich keinen marktwirtschaftlichen Nutzen mehr hat und die aus nostalgisch-anachronistischen Gründen parasitär zwischen den Künstler und dessen Kunden sitzt. In Zeiten des Internets gehören Urheberrechte bzw. der gesamte "IPR-Stack" auf eine kritische Bühne gehoben und auf Sinnhaftigkeit und seinen angemessenen Interessenausgleich gegenüber der Allgemeinheit hin überprüft!
Momentan werden die Bürger mit den überkommenen IPR-Gesetzen völlig über den Tisch gezogen - was die Content-Mafia natürlich nicht davon abhält immer weiter zu schreien, ihr stünde noch viel mehr Geld zu. Faktisch ist sie doch die Made im Speck, die sich volkswirtschaftlich sinnlose Tätigkeiten teuer bezahlen lässt!
F. Mayer
Sehr geehrter Frank Mayer,
vielen Dank für Ihren Kommentar. Eine Passage im Text war wohl missverständlich, ich habe das soeben korrigiert: Nicht Dieter Gorny hat wörtlich gesagt, dass die illegalen Downloads an der Krise der Musikindustrie schuld seien. Das ist vielmehr die ewige Klage seiner Kollegen. Sie nannten es – nicht ganz unzutreffend – "allgemeines BlaBla".
Mit besten Grüßen aus der ZEIT-ONLINE-Musikredaktion
Sehr geehrter Frank Mayer,
vielen Dank für Ihren Kommentar. Eine Passage im Text war wohl missverständlich, ich habe das soeben korrigiert: Nicht Dieter Gorny hat wörtlich gesagt, dass die illegalen Downloads an der Krise der Musikindustrie schuld seien. Das ist vielmehr die ewige Klage seiner Kollegen. Sie nannten es – nicht ganz unzutreffend – "allgemeines BlaBla".
Mit besten Grüßen aus der ZEIT-ONLINE-Musikredaktion
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