Peer Steinbrück schwang den Zeigefinger, es war ein Moment des Triumphs. Noch am Donnerstag vergangener Woche geißelte der SPD-Finanzminister das amerikanische Finanzsystem und goss Spott über seinen Amtskollegen Paulson aus. "Die Finanzmarktkrise ist vor allem ein amerikanisches Problem", rief er den Delegierten zu. In den USA müsse der Staat 700 Milliarden Dollar in die Hand nehmen, um die taumelnden Banken zu retten; in Deutschland hingegen flössen nur bis zu 1,8 Milliarden Euro in die Staatsbank IKB.

So kann man sich täuschen. Keine fünf Tage später steht der Finanzminister selbst vor einem Desaster: Mit 35 Milliarden Euro muss der Münchener Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate aufgefangen werden – 27 Milliarden davon sollen vom Bund kommen. Die Krise an den Finanzmärkten erreicht Deutschland mit neuer Wucht und zerstört die letzte Hoffnung, das Schlimmste sei an den deutschen Banken vorbeigegangen. Das beendet auch die Illusion, dass die hiesigen Regulierer alles richtig gemacht haben, während man in den USA das möglichst freie Spiel der Marktkräfte auf die Spitze trieb.

Nun darf man getrost ein paar Fragen stellen: Wieso trat der Finanzminister vergangene Woche mit solch einer Verve auf, obwohl er sich doch am gleichen Abend mit den Spitzenkräften der deutschen Finanzwirtschaft traf, um sich über den Zustand des hiesigen Finanzmarkts zu informieren? Wusste er nicht spätestens da von dem Unheil, dass sich bei dem Münchener Immobilienfinanzierer anbahnte?

Vor allem wird sich Steinbrück fragen lassen müssen, ob er geschickt für den Bund verhandelt hat. Denn die Konditionen des am Wochenende gestrickten Rettungspakets – soweit sie nun in der Öffentlichkeit sind – klingen alles andere als vorteilhaft für den Finanzminister: Die privaten Banken stehen für maximal 8,5 Milliarden Euro gerade, der Bund hingegen für 26,6 Milliarden. Kritikern der Linken wird einmal mehr die Gelegenheit geboten, die Krise in eine einfache Formel zu gießen: "Gewinne werden privatisiert, Verluste sozialisiert."

Zwar ist das Geld noch nicht verloren, es handelt sich nur um eine Bürgschaft, wie der Finanzminister selbst betont. Aber die bisherige Dynamik der Krise zeigt, dass die Risiken am Ende meist größer waren als angenommen. Dass der Staatshaushalt geschont wird, sollte niemand hoffen.