US-Wahlkampf

Die Codewörter der Rassenfrage

Obama ist nicht nur schwarz, er sei auch Muslim: Wie die US-Konservativen keine Gelegenheit verlieren, den Kandidaten der Demokraten zu diskreditieren

US-Konservative versuchen Barack Obama, Präsidentschaftskandidat der Demokraten,  zu diskreditieren

US-Konservative versuchen Barack Obama, Präsidentschaftskandidat der Demokraten, zu diskreditieren

Mit Obama kandidiert ein dunkelhäutiger Mann, der gute Chancen hat. George W. Bush, Republikaner und Amtsinhaber, ist unbeliebt wie selten ein Präsident zuvor. Warum dann hat Obama keinen Vorsprung von 20 Prozent? "Nenn mich verrückt, aber könnte es vielleicht, nur vielleicht sein, dass Obama von der Tatsache zurückgehalten wird, dass er, na, ihr wisst schon .... schwarz ist?", fragt John Heilemann im New York Magazine . Und Bob Herbert, der (einzige) schwarze Kolumnist der New York Times , meint, die Rassenfrage beim Wahlkampf sei der "Hund, der nicht bellt".

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Tatsächlich haben 40 Prozent der weißen Amerikaner negative Vorurteile gegen Schwarze, stellte die Stanford University in einer Umfrage am Wochenende fest. Viele von ihnen denken, Schwarze seien faul, gewalttätig, weinerlich, überheblich, verantwortungslos oder aber an ihrer schlechten sozialen Lage selber schuld. Das gilt auch für bis zu einem Drittel der weißen Demokraten. Sieben von zehn Demokraten würden nicht für Obama stimmen. Die Wissenschaftler vermuten, dass Obama sechs Prozent mehr Stimmen haben könnte, wenn er weiß wäre.

Aber solche Nuancen sind schwer festzustellen, denn viele Amerikaner sagen bei solch politisch sensiblen Themen nicht die Wahrheit. Als der schwarze Bürgerrechtler Jesse Jackson als Präsident kandidierte, stellte die Rutgers University fest: Bei Umfragen hing die Zustimmung der Weißen zu Jackson davon ab, welche Hautfarbe der Interviewer hatte — war der schwarz, stiegen Jacksons Quoten. Deshalb stellen Institute gerne die Fangfrage, wie viele der Freunde und Verwandten des Befragten keinen Schwarzen wählen würden. Die Quote bei Obama: 30 bis 35 Prozent. Und Stanford griff gleich zu einer anderen Methode: Sie befragten die Wähler online, am Computer.

Auf den Rassisten-Effekt hoffen auch prominente Republikaner: Die "Bubba Vote", die Stimmen der ärmeren Weißen vom Land, vornehmlich aus dem Süden, könne Obama die Wahl kosten, glaubt Dick Armey, der frühere Sprecher der Republikaner im Kongress. "Es gibt unglaublich viele Menschen in Amerika, Gott segne sie, die einfach nicht emotional bereit sind, für einen schwarzen Mann zu stimmen." Und viele davon lebten in Swing States wie Ohio und Pennsylvania, die die Wahl entscheiden. "Aber in Umfragen sind diese Leute unsichtbar, weil sie es nicht zugeben."

Allerdings: Konservative tun ihr Bestes, den Bubbas Zucker zu geben. Viele Republikaner verwenden "rassistisch codierte Sprache", empörte sich David Paterson, Gouverneur von New York und erst der dritte schwarze Bundesstaatschef seit der Gründung der USA. "Die Republikaner sind zu schlau, um Obama im negativen Sinn als 'schwarz' zu bezeichnen", sagte er. "Aber sie können seine Biografie ins Lächerliche ziehen."

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Leser-Kommentare

    • 25.09.2008 um 20:30 Uhr
    • s.gornone

    nur noch entjejenhalten: Mensch, kannste nit richtig kieken. Mit Brille wär det nischt passiert. Jut'n Abend Mr. McCain und Kotwörter

  1. Ich war letztes Jahr für einige Monate in den USA - und ich bin absolut sicher: Obama wird nicht US-Präsident.
    Wir Deutsche haben ja erstaunlicheiweise eine Kanzlerin, das katholische Spanien stellt die Rechte von Homos zur Ehe gleich - das sind alles europäische Beispiele für kleine Revolutionen.

    Aber man möge nicht denken, dass dies in den USA möglich wäre. Viele Amis leben in ihrem Land mit überaus vielen Kulturen, aber es schert sie einen Dreck, was bei uns für selbstverständlich gehalten wird: Integration, Toleranz usw. Offene Auseinandersetzungen werden vermieden. The show must go on.

    Und der Rassismus, Konservativismus und christliche Fundamentalismus sitzen in den USA viel tiefer als sich das liberale Europäer vorstellen können.

  2. Was ist ein wesentlicher Grund für die Finanzkrise?

    Richtig, der Irakkrieg, kostet locker 1000 Milliarden Dollar, wahrscheinlich noch viel mehr, nicht gedeckt durch Steuern, sondern zum grössten Teil auf Pump finanziert.

    Wer war einer der ganz wenigen, die von Anfang an gegen den Irakkrieg, und damit grossen persönlichen Mut bewies?

    Wieder richtig: Obama!

    Wer will, wenn nötig, noch hundert Jahre im Irak bleiben:

    Volltreffer, McCain!

    Wer McCain wählt, wählt die Verschärfung der Finanzkrise , da auch McCain die Steuern nicht soweit erhöhen kann, aberwitzige Kriegsausgaben damit begleichen zu können.

    Merke: wer Kriege führen will, braucht viel, viel, sehr viel Geld.

    Wer Obama allein wegen seiner Rasse nicht wählt, hört das sehr laute Ticken einiger weiterer "Überraschungseier" nicht und sollte noch einmal tief in sich gehen, Meditation vielleicht, leichte geistige Entspannugsübungen, süsse Schokolade essen.

    Gerhard Stenkamp

  3. 4. (...)

    ... unterschlägt, dass 90% der Schwarzen nicht McCain wählen - natürlich spielt da auch Rassismus eine Rolle.
    Außerdem verschweigt die Autorin, dass Barack Hussein Obamas Vater ein Muslim war und für viele Muslime der Sohn auch automatisch ein Muslim ist - und IMMER bleibt. So äußerte sich ja auch kürzlich Gaddafi und die Hamas: sie würden Obama als Präsident begrüßen, weil damit ein Muslim im Weissen Haus säße, sagten sie ...

    (Überschrift entfernt. Bitte verzichten Sie auf persönliche Angriffe. Die Redaktion/jk)

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    hätte noch tausende Seiten schreiben müssen, um alle Facetten dieser Geschichte zu beleuchten. Dass sie es nicht getan hat, mag man ihr vorwerfen, aber sie hat doch ein Recht auf ihren richtigen Namen!

    Das wirklich Bösartige an dem Beitrag von Leonas3 ist aber, dass eine Scheinsymmetrie zwischen Unterdrückten und Unterdrückern (bzw. deren Nachfahren) konstruiert wird.

    Das ist dann wohl genau die perfide Methode von der die Autorin spricht: Erstens den sozial an den Rand gedrängten und politisch marginalisierten Schwarzen, von denen viele- sei es aus Resignation oder nicht unbedingt selbst verschuldeter Unwissenheit nicht zur Wahl gehen- Rassismus unterstellen, weil sie angeblich nicht für einen weißen Kandidaten stimmen würden. Damit sind dann auch im Handumdrehen die eigenen Ressentiments legitimiert.
    Zweitens: Weil Obama von einem (eindeutig nicht arabischen) Muslim gezeugt wurde, selbst aber nie sein Haupt gen Mekka neigte, ihm unterstellen er sei selbst Muslim per Geburt. Ein Halbmuslim, was seine Kinder zu Viertelmuslimen macht (klingelt's?). Das muss nicht explizit gesagt werden. Man muss ihn dafür nur genüsslich Barrack HUSSEIN Obama nennen. Oder Ghaddafi, und die Hamas zu seinen Unterstützern erklären( um deren Wahlempfehlung er gewiss nicht gebeten hat). Damit wären dann flugs sämtliche antimuslimischen Clichees der weißen, christlichen moral majority gegen ihn mobilisiert. Wie ,wenn nicht so funktioniert Rassismus?

    • 25.09.2008 um 21:13 Uhr
    • awaler

    Punkt sind sie doch gleich. Sie wählen nicht so wie sie sich in Umfragen Äußern.

    Der Wahlkampf ist eine Farce. Es geht weder um den Irak, noch um die Wirtschaft, noch um die Krankenversicherung, auch wenn diese Sachthemen noch zur Debatte stehen.

    Felix4u kann man nur zustimmen. Ein [...] wird nicht Präsident werden. McCain wird - wenn kein Wunder geschieht - mit großem Vorsprung gewinnen.
    Vor mehr als 120 Jahren haben die Amerikaner schon einmal einen "Kriegshelden" gewählt. Ulysses S. Grant war 8 Jahre im Amt und liegt im Wettbewerb "worst president ever" in der Spitzengruppe, der bekanntlich auch ein bekannter Kriegstreiber namens GWB angehört.
    Schlimmer als diese beiden wird es McCain nicht machen, aber er wird dazu beitragen, dass das Zeitalter der amerikanischen Dominanz der Welt schneller zu Ende geht als gedacht.

    [Bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl. Vielen Dank. / Die Redaktion as.]

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    Nämlich   silberschnur

    # Silberschnur.

    Nämlich schon in 5 Wochen!

    Auf der Höhe bleibt, wen die Wellen der ZEIT erreichen.

    • 25.09.2008 um 21:32 Uhr
    • iDog

    schreibt dochmal was ueber den faschismus in den usa ! der ist auch weit verbreitet und will sich noch breiter machen.

  4. Der Artikel ist vollkommen korrekt. Obamas Hautfarbe ist ein Politikum erster Ordnung. Selbst liberale Amerikaner sind vom Virus des Rassismus befallen. In diesem Land kann man nicht frei atmen. [...]

    Wenn ich heute mit meiner afrikanischen Fau meine Familie in den USA besuche, herrscht immer eine unterschwellige Spannung. Meine Frau ist eine Schönheit, charmant, zugewandt, gebildet, eine Yoruba-Prinzessin. Aber es nützt alles nichts. Daher ziehe ich es vor, in Nigeria zu bleiben - wo mich bisher noch keiner meiner amerikanischen Verwandten trotz häufiger Einladungen besucht hat. (Und obwohl ich sicher in Verhältnissen lebe, für die der Ausdruck luxeriös masslos untertrieben wäre.)

    [Gekürzt, bitte verzichten Sie auf diskriminierende Pauschalisierungen. Danke. /Die Redaktion pt.]

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    ... da wo die Muslime schon mal Christen wegen den Mohammed Karikaturen ermorden ... Ja, da muss es schön sein - und ganz ohne Rassismus.

    albert   Rahab

    wen oder was haben Sie denn dieses mal pauschal diskriminiert?
    doch nicht etwa weiße? - Sie scheinen mir ja ein ganz schlimmer finger zu sein!

    Das ist keine Pauschalisierung, sondern eine Tatsache. Vielleicht leben Sie mal ein paar Jahre in diesem Sumpf, in dem ich gelebt habe. Man kann dort nicht frei atmen.

    Amerika krankt am Rassismus - auch vierzig Jahre nach der Ermordung von Martin Luther King.

    Diskriminierung und Marginalisierung der Indianer gehoert ebenso hierher wie die Perzeption der Latinos als hypersexuelle, gewalttaetige, faule Machos. Ebenso weit verbreitet ist Antisemitismus. Augenblicklich haben es Iraner schwer - wie mir ein in den USA taetiger Kollege juengst berichtete.

    Im Jahre 2007 gab es im Kongress eine Anhoerung, die vom Abgeordneten Bobby Rush initiiert worden war und das Bild der Afroamerikaner in den Medien kritisch unter die Lupe nahm: "From Imus to Industry: The Business of Stereotypes and Degrading Images".

    Also kommen Sie mir hier nicht mit dem Vorwurf der Pauschalisierung. Kein Land der Welt hat ein groesseres Problem mit Rassismus.

    • 25.09.2008 um 21:48 Uhr
    • xyto

    ... es hier für den Großteil der Bevölkerung kein "unterschwelliges Thema" wäre, wenn z.B. ein Deutscher türkischer Herkunft für ein hohes Amt kanditieren würde...

    Ich glaube nicht, dass diesbezüglich ein Volk wesentlich besser ist, als ein anderes. In Japan würde wohl auch kein Gaijin Premier werden, um nur ein weiteres Beispiel zu nennen.

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    Nur wenige Jahrzehnte nachdem die ersten türkischen Zuwanderer nach Deutschland kamen, und zwar nicht einmal als richtige Einwanderer, sondern dem Verständnis nach als nur vorübergehende Gastarbeiter, sind Menscher dieser Herkunft bereits für alle Parteien (außer rechtsextreme) in deutschen Parlamenten aller Ebenen vertreten. Bei aller Kritik, die man an der Situation in Deutschland üben kann, ist das kein als schlecht bewertbares Faktum. Dass dabei kein Mensch "mit Migrationshintergrund" bisher Spitzenämter im deutschen Staat innehatte, ist eher eine Frage der Wahrscheinlichkeit und des Alters der möglichen Kandidaten.

    Die vorherrschende und gesellschaftsfähige Ideologie in Japan würde man, nach unserer Lesart, als "völkisch" bezeichnen. Sorry, auch zu den USA bestehen Unterschiede, aber Japan ist fast ein anderer Planet. Das können Sie gar nicht vergleichen.

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  • Von Eva C. Schweizer
  • Datum 22.1.2009 - 15:33 Uhr
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