Washington DC

Der Supergau auf der Wall Street bringt alles durcheinander,  sogar den Termin für die erste Fernsehdebatte der beiden Präsidentschaftskandidaten. Eigentlich wollten morgen, am Freitagabend um 9 Uhr amerikanischer Ostküstenzeit, John McCain und Barack Obama zum ersten Mal direkt aufeinander treffen. 90 Minuten lang sollten sie in Oxford im Bundesstaat Mississippi, jeweils auf ein Rednerpult gestützt, miteinander über Amerikas Zukunft streiten. Der Demokrat möchte daran festhalten, der Republikaner aber nicht, er will angesichts der Wirtschaftskrise sogar einstweilen seine Kampagne aussetzen und sich, wie er sagt, in Washington um ein nationales Rettungsprogramm kümmern.

Doch der Senator aus Arizona ist nicht Präsident, nicht Finanzminister oder Notenbankchef, nicht einmal Vorsitzender des Senats und Verhandlungsführer. Selbst wohlmeinende Parteifreunde schütteln den Kopf. Sie geben ihm zu verstehen, dass er in der Hauptstadt nichts richten könne und es doch gerade jetzt, kurz vor der Wahl, besonders wichtig sei, dem Wähler klar zu machen, wohin ein republikanischer Präsident McCain das Land wirtschaftlich zu steuern gedenke und worin sich sein Programm von den Demokraten unterscheiden würde.

Keine Debatte, Stillstand des Wahlkampfs - das hat es nicht einmal in Kriegszeiten gegeben. McCain, der Kriegsheld, möchte in der Stunde der Not als Patriot erscheinen. Doch es kommt in diesem Moment eher seine andere Seite zum Vorschein, die des waghalsigen Taktikers und Spielers, des Mavericks eben. Der Verdacht drängt sich auf: Weil er in der Wählergunst sinkt, will er mit aller Macht und allen Tricks das Blatt wieder wenden.

Doch selbst wenn das Rededuell noch einmal verschoben wird, lohnt es sich, einen Blick auf dieses Megaereignis zu werfen. Denn wie vieles in diesem außergewöhnlichen Wahlkampf, wird auch diese Debatte neue Rekorde aufstellen. 40 Millionen Amerikaner schauten bereits während der Parteitage fern. Jetzt, wenn sich Barack Obama und John McCain erstmals Aug in Aug gegenüberstehen, werden noch weit mehr ihr TV-Gerät einschalten.

Wochenlang haben die Verhandlungsteams der Republikaner und Demokraten bis ins letzte Detail darüber gerungen, wie und worüber die beiden miteinander diskutieren sollen, in welcher Pose, in welchen Städten, in welchem Format, in welchem Ambiente. Erst nach zähem Ringen wurden sie handelseinig.

Beim ersten Auftritt ist die Außenpolitik dran, beim zweiten, am 7. Oktober, dürfen Zuschauer und Internetnutzer fragen, was ihnen auf der Seele brennt, das dritte Mal, am 15. Oktober, geht es vor allem um die Wirtschaftspolitik.