Bahn-Börsengang Steinbrück stellt Zeitplan infrage

Die Finanzkrise macht nun auch der Deutschen Bahn auf dem Weg zur Börse immer größere Schwierigkeiten: Der Bundesfinanzminister zweifelt, ob der Börsengang zum richtigen Zeitpunkt kommt

Nachdem die Aktienmärkte zu Wochenbeginn erneut einbrachen, stellte Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) erstmals den Zeitpunkt für den für 27. Oktober geplanten Börsengang infrage. "Man wird irgendwann überlegen müssen, ob das jetzt der richtige Zeitpunkt ist", sagte der Minister. Es werde der Punkt kommen, an dem man abwägen müsse, ob der Börsengang stattfinde "oder man einen Plan B zieht".

Eine Absage gäbe den zahlreichen Kritikern, die den Plan von Bahn-Chef Hartmut Mehdorn von Anfang an skeptisch gesehen haben, recht: Der Börsengang müsse sofort auf Eis gelegt werden, alles andere wäre "ein unverantwortlicher Notverkauf", forderte der verkehrspolitische Sprecher der Grünen, Winfried Hermann.

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Auch Aktienhändler Thorsten Peiffer von Lang & Schwarz sieht den Zeitpunkt für den Bahn-Börsengang kritisch. "Wenn der Aktienmarkt weiter fällt, dürfte es schwer sein, die Aktie zu einem vernünftigen Preis zu platzieren", sagte er. Angesichts der Finanzkrise scheinen die zu erwartenden Erlöse aus dem größten deutschen Börsengang seit 2000 dahinzuschmelzen: Waren im April noch bis zu acht Milliarden Euro im Gespräch, müssen Bund und Bahn durch den Verkauf der 24,9 Prozent der Verkehrssparte DB Mobility Logistics inzwischen Experten zufolge mit weniger als fünf Milliarden Euro rechnen.

Doch der Bahn-Konzern hält am Fahrplan fest. "Bisher gibt es keine negative Zeichen aus dem Markt. Weltweit suchen Investoren gerade sichere Werte. Aber am Ende entscheidet natürlich der Markt", sagte ein Bahn-Sprecher.

Auch Bahn-Chef Mehdorn hatte erst kürzlich erklärt, dass das Interesse der rund 50 Großinvestoren, mit denen er in den vergangenen Wochen weltweit gesprochen habe, groß gewesen sei. "Natürlich bedrückt die Finanzkrise alle. Aber es gibt ein Umschichten im Markt. Es werden jetzt die sicheren Werte gesucht", sagte der Bahn-Chef.

Ein mit den Vorbereitungen vertrauter Banker gab Mehdorn recht und sagte, es gebe keine Signale, dass eine Absage des Börsengangs drohe. Ohnehin gebe es kaum noch eine Alternative zu einem raschen Börsengang - nicht nur, weil ein solcher Schritt im Wahljahr 2009 noch heißer diskutiert werden dürfte. "Im nächsten Jahr wird es bei einer möglichen Rezession noch deutlich schwieriger, einen Börsengang durchzuziehen."

 
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