Finanzkrise

Hilfe, Herr Professor!

"Die effektivste Maßnahme wäre eine Steuersenkung, zum Beispiel ein bis zwei Prozentpunkte bei der Mehrwertsteuer. Es wäre ein klares Signal der Politik an die Bürger: Wir wollen Sie entlasten! Durch eine geringere Mehrwertsteuer würden die Preise sinken und die Menschen könnten mehr kaufen - das würde wieder Vertrauen schaffen. Durch den zurückliegenden Aufschwung und die hohen Steuersätze hat der Bund derzeit noch immer viele Einnahmen. Die Gefahr ist groß, dass dadurch im nächsten Jahr - einem Wahljahr! - wieder sinnlose Steuergeschenke finanziert werden. Senkt man nun die Mehrwertsteuer, entzieht man der Regierung diese Möglichkeit. Gleichzeitig hilft man der Konjunktur, wieder auf die Beine zu kommen."

Leser-Kommentare

    • 08.10.2008 um 12:12 Uhr
    • peter2

    alles sehr gescheite kommentare. an einer regulierung des bankensystems mit einer viel besseren transparenz führt im investment-sektor wohl kaum mehr ein weg vorbei (siehe beitrag nicola fuchs-schündeln (uni harward). besonders gut finde ich beitrag von sasha spourn, uni lüneburg mit dem tenor: " zusammenfürhren von wirschaftlichen und gesellschaftlichen interessen; wir brauchen einen wertekonsens, um damit auch der masslosigkeit und populistischen prarolen einhalt zu gebieten".
    gestern war übrigens im br2 radio /fernsehen (tagesgespräch "solide rechnen statt global zocken....") eine interessante diskussion; in der sendung zugeschaltet aus erfurt war daniel goudevert, füher u.a. spitzenmanager bei vw, heute unternehmensberater. er zitierte dabei auch aus seinem buch "das seerosen-prinzip - wie uns die gier ruiniert" .

    • 08.10.2008 um 15:15 Uhr
    • ADoria

    ... den man vergessen hat zu fragen. Mein salomonischer Satz: "Guter Rat ist teuer."

    • 08.10.2008 um 16:07 Uhr
    • hagego

    Alle 13 Weisen (bringt das nun Glück?) sehen die Krise. Aber fast alle haben eine andere Rezeptur gegen diese weltweite Epidemie. Einerseits verständlich, andererseits macht einen das nur noch ratloser.

    Ich geh jetzt mal in den Keller, dort hat sich mein einziges Haustier, was ich habe, eingenistet: Der Dax!

  1. wie hier so mancher angesichts der akuten Krise seine immer gleichen Lobbyistensprüchlein aufsagt. Auf welche Weise Steursenkung, "Flexibilisierung" des deutschen Arbeitsmarktes und weitere "Strukturreformen" gegen den Zusammenbruch des Finanzmarktes helfen sollen, muss in diesem Format ja zum Glück auch nicht erklärt werden...

  2. Je fetter Dax und Vögel sind,
    desto kälter kommt das Christuskind.

    (Danke hagego!)

  3. Herr Burda scheint offenbar einige Zeit vollkommen von allen Medien abgeschnitten gewesen zu sein - ich frage mich, ob "Die Zeit" ihn per Buschtrommel erreicht hat.

    Ein entscheidendes Problem scheint, auch nach Aussagen der befragten Experten, das "Vertrauen" zu sein, einander Geld zu leihen. Das tut man unter "normalen" Menschen nur, wenn man einander kennt; und wenn man weiß, dass das Geld doch wieder versoffen und nicht investiert wird, dann verleiht man auch kein Geld. Internationale Banken scheinen einander doch gut zu kennen...

    Haben wir (zumindest einige) es nicht mal im Grundstudium gelernt, dass die Möglichkeit vorhanden sein muss, Geld zu sparen, um unter anderem in ein Haus zu investieren? Und dann kommen "Banker", die mittlerweile sicherlich im Ansehen unterhalb von Drittwelt-Diktatoren rangieren, daher und verteilen wahllos Kredite, die sich mit den zu erwartenden Preissteigerungen selbst tragen sollen? Kann man seinen BWL-Abschluß schon bei Neckermann machen? Aber dabei beleidige ich dieses seriöse Versandunternehmen - das wollte ich nicht!

    Der wirtschaftspolitische Sachverstand der aktuellen US-Regierung (die als Finanzminister einen "Banker" haben, der den Mist mit verursacht hat), lässt wirtklich zu wünschen übrig. Und wenn Investmentbanker beobachtet werden, wie sie "ihr" Geld bei Sparkassen anlegen, deutet dies auf die dringende Notwendigkeit hin, den Finanzmarkt komplett zu regulieren.

    Wollen wir doch bitte nicht vergessen, dass Geld erfunden wurde, um den Handel mit Gütern zu erleichtern und Investitionen besser planen zu koennen (sowohl i privaten als auch im unternehmerischen Bereich)- es hat keinen Wert sui generis - oder trügen mich meine Erinnerungen?

    In mancher Hinsicht kann ich diese Spieler verstehen: ihre Unternehmer-Kunden kommen an und stellen tolle Produkte vor, mit guten Ideen und viel Ingenieur-Leistung dahinter, in verschiedensten Varianten, manchmal völlig bescheuert, manchmal genial, oft einfach sehr gut und fragen nach Krediten für die Produktion. Aber ihr Euro unterscheidet sich von dem des Konkurrenten um kein jota - ein € ist ein € ist ein €. Da entsteht Neid - sie wollen auch etwas produzieren... und dann kommt die zündende Idee: "Wir drucken jetzt unser Geld selber!" Was ist es denn anderes, als einen Kredit mangelhaft abzusichern und ihn dann im Paket an andere zu vertreiben?

    Gerne lasse ich mich von anderen korrigieren, aber das scheint mir die Ursache des amerikanischen Bankenproblems zu sein.

    So. Und nun endlich zu den staatlich kontrollierten Banken Deutschlands, die Herr Burda von der Humboldt-Universität auf den Scheiterhaufen der neoliberalen Lehre werfen will - vielleicht kann man bei einem Verkauf der Kredite, die von der KfW in die Energiesparmassnahmen geflossen sind, noch einige €s erlösen und die in die Rettung der HypoRealEstate stecken, damit ... ja wofür eigentlich?

    Und die deregulierten, ach so freien Investmentbanken der USA sind ja alle völlig gesund - wo sind sie nur? Wieviele Euros sind durch diese Banken verbrannt worden? Dagegen ist das, was in Deutschland oder Europa passiert (so hoffe ich), doch nur "Peanuts"...

    Ich bin jetzt einfach so frei, und lasse dieses ganze Geblase von vollkommenen Märkten, Transparenz, etc. - reiche es aber gerne nach...

    Wenn die "Banker" selber ihre Produkte nicht beherrschen (in die Richtung gehen Aussagen von einigen "Spitzen"-Geldvernichtern), dann muss ich mich ganz ernsthaft fragen, was ihre Ausbildung eigentlich wert ist und welchen Wert die teilweise horrende Bezahlung hat, die diese Menschen erhalten. Bastian Schweinsteiger zuzuschauen macht zumindest manchmal Spaß.

    Aber das Fachleute ihr Thema und die Konsequenzen nicht immer zur Gänze beherrschen, ist ja auch durch den Skandal durch das de-facto-Endlager Asche bekanntgeworden... Und von denen hatten wenigstens einige eine Habilitation hinter sich gebracht.

    Na ja - bei kritischem Geist und gesundem Menschenverstand wäre sicherlich einiges vermieden worden, aber der Glanz des Goldes, der bisher fast alle gelockt hat, lässt so manches vergessen. Auch ich habe - wider besseres Wissen - in der New-Economy-Blase Geld investiert und verloren. Eine Lehre für mich, die bis heute anhält.

    Wo kein Schweiß hintersteckt oder keine gedankliche Leistung (auch Schreibtischarbeit kann verdammt anstrengend sein), da werden auch keine Werte geschaffen.

    Da investiert man nicht - lieber Tulpen für die Frau kaufen (für die Insider);-)

  4. Ich weiß nicht woran es liegt dass immer nur über das "was machen wir jetzt" geredet wird. Hilfe Herr Professor was machen wir jetzt? Wo waren denn die Professoren vorher? Wer hat vor einer solchen Entwicklung gewarnt? Was nützen uns solche Sprüche für die Zukunft? Was haben denn all die Experten, Wirtschaftsweisen, Professoren, das BaFin in der ganzen Zeit vor dem Crash getan? Auf jeden Fall nicht die Märkte beobachtet und gewarnt. Hinterher ist immer einfacher als vorher. Ein Blitz schlägt ja auch nicht bei klarem Himmel und Sonnenschein plötzlich in Haus ein. Es gibt Vorboten.
    Hallo ZEIT - Warum fragt ihr diese Fragen nicht mal???

  5. Chun Ding, Universität Fundan, Shangha:
    Er hat ja so recht! Die Politiker schwafeln extrem viel und vergessen dabei, dass die Unterstützung der Banken zwar für eine gewisse Zeit die Tatsache versteckt, dass mehr Geld ausgegeben wurde als da war, aber früher oder später wird auch die staatliche Unterstützung wieder verschleudert sein. Wir werden wieder da stehen wo wir jetzt sind und die Banker werden wieder versuchen, ihre Mißwirtschaft auf den Staat abzuladen.
    Der Staat sollte lieber das Geld den Unternehmen direkt zugute kommen lassen und somit jenen geben, die damit Arbeit und somit Ware und technischen Fortschritt gewährleisten. Stattdessen verlässt sich der Staat wieder auf die Spieler.

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