Am Donnerstag abend hat Amerika die Wiederauferstehung der Sarah Palin erlebt. Was hat die Frau, die aus dem Nichts kam, in den vergangenen Wochen alles über sich ergehen lassen müssen? Und welch schwere Wunden hat sie sich selbst zugefügt? So stolpernd, so stotternd waren ihre Auftritte in den jüngsten Fernsehinterviews, dass sie zum Dauergespött der Late Night Shows geworden war. Eine Comic-Figur, die für die eigene Partei inzwischen zur Belastung zu werden drohte. Republikanische Strategen forderten sogar, sie solle ihre Kandidatur für das Amt der Vize-Präsidentin zurück ziehen. Drum erwartete das halbe Land, die Fernseh-Debatte werde zur öffentlichen Schlachtung der Sarah Palin werden.

Genau das geschah nicht. Stattdessen sah das Land in Sarah Palin wieder jene Unbekümmertheit und jenes Selbstvertrauen, die sie in den ersten Tagen ihrer Kandidatur zum Instant-Star gemacht hatten, die ihr danach aber abhanden gekommen war. Anders als während ihrer katastrophalen Interviews brach ihre Stimme nicht. Pahlin gab sich entspannt und zugleich angriffslustig, sie zwinkerte Publikum und Fernsehnation mitten im Satz zu. Als charmant und zugleich volkstümlich erschien sie, und erkärte sich zur "Eishockey-Mutti", die sich mit dem gewöhnlichen "Joe Sixpack" verbünden und auf Washington marschieren wolle. Sarah Palin gelang es erneut, "eine von uns" zu sein. Eine Politikerin, nein, eine Anti-Politikerin zum Anfassen.

Sicher, Tiefgang und traumwandlerische Sicherheit in allen politischen Fragen durfte man nicht erwarten. Es waren die bekannten Positionen, die sie vortrug: Steuersenkungen als Allheilmittel für die Ökonomie, Reform des politischen Systems in Washington, Ölbohren in Alaska und anderswo. Aber Pahlin brach nicht ein. Der eine peinliche Moment, der all ihr Unwissen entlarven würde und sie dem Gespött der politischen Eliten aussetzen würde, blieb aus. Ihr schlimmster Fehler bestand darin, den kommandierenden General im Afghanistan falsch ausgesprochen zu haben. Man wird es ihr nachsehen. Insgesamt hielt sie sich sogar in der Außenpolitik beachtlich.

Jahrzehntelang saß ihr Kontrahent im Auswärtigen Ausschuss des Senats. Und doch war es Palin, die in die Offensive ging. Auch in der Wirtschaftspolitik konnte Palin punkten. Zwei Wochen lang, inmitten der Finanzkrise, hatte John McCain wie der Kandidat der Wall-Street-Bankiers geklungen. Mit Sarah Pahlin präsentierte sich plötzlich eine republikanische Partei, die den kleinen Mann versteht. Sogar der Demokratische Stratege Paul Begala räumte hinterher ein: "Sarah Palin hat ihr Image repariert".